RSS
 

Archiv für die Kategorie ‘TV-Serien’

Zombieland: Hilfe, meine Zombies spinnen

06 Mai

In den USA fordern neue Medienunternehmen die eingesessenen Produktionsfirmen und Fernsehsender mit eigenproduzierten Inhalten heraus. Netflix hat seinen Beitrag zum Niedergang des Videoverleihs über Ladengeschäfte geleistet, zunächst wurde auf Videoverleih im Versand, nun aber vermehrt im Streaming gesetzt. Allein, es reicht wohl nicht, vom Content anderer Unternehmen und deren Lizenzierungsdschungel abhängigzu sein. In der letzten Zeit schob der Dienst einige beachtliche Serien an. Kein Wunder, dass die Netzbestie Amazon ebenfalls versucht, Serien selbst zu schaffen. Über hauseigene Portale lanciert der nicht gerade sympathische Gigant einige Piloten. Das Publikum soll entscheiden, welche in Serie gehen sollen. Zombieland ist unter den Testballons derjenige mit eingebauter Aufmerksamkeit wegen der recht gelungenen Filmvorlage. Und Zombies gehen ja immer.

Der amüsante Film lebte von der hervorragenden Besetzung, sie hoben selbst platte Kalauer noch über die Schmerzgrenze. Zwar sind die USA voller talentierter, namenloser Schauspielerinnen und Schauspieler, aber die fade halbstündige Horror-Komödie kann auch von der passablen Zweitbesetzung nicht mehr erträglich gespielt werden. Diesem Zombieland steht die Leichenblässe mieser Produktionsbedingungen im Gesicht.

Zombies sind Zugpferde mit günstigen Haltungskosten, denn es braucht ja kaum mehr als leer gefegte Straßen, etwas Gekröse und Kunstblut, schon können unbeleckte Darstellerriegen durch die Zombiekalypse gescheucht werden, sofern sie glaubwürdig eine Waffe halten und Dialoge auswendig können. Für Amazon mag die Rechnung sogar aufgehen, erzählerisch ist Zombieland ein mauer Abklatsch seines filmischen Vorfahren. Es ist kein wandelnder Toter im Sinne etwa der Frühneunziger, als RTL, den unsäglichen Anlauf unternahm, die Drehbücher von Married with Children einzudeutschen und mit Ruhrpottbarock zu verramschen. Zombieland riecht nicht ganz so streng, RTL hat den kreativen Tod schon seit Jahrzehnten hinter sich, doch erinnert mich Zombieland in grottenschlechten Momenten an den Dilettantismus eines europäischen Medienunternehmens.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV-Serien

 

Person of Interest: Der Wert des Gewissens

29 Apr

Hielt ich Person of Interest für eine sehr gute Serie, nimmt sie zunehmend grandiose Züge an. Die Fronten waren klar, das Gute offenkundig. In der ersten Staffel stand das Vertrauen im Zentrum, das manchmal auch erst nach Zwang und Erpressung entstand. Keine der Figuren war moralisch unbelastet, das war immer klar. Doch wie einige der Figuren, so interessierte dies nicht, solange klar war, auf welcher und wessen Seite sie standen.

Nun aber entpuppt sich Person of Interest als vielschichtiger als das moralische Korsett, das modernes Fernsehen sich gibt, wenn es wie etwa ein Dexter gewagt sein will. Die Vergangenheit der Figuren holt in Person of Interest die Gegenwart ein, aus dem Dilemma entlässt die Serie erfreulicherweise niemanden mit Bauernspielertricks des Storytellings. Weder die Figuren noch die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Serie nimmt sich das Recht heraus nicht rückstandslos integer zu sein. Sie nutzte die stoischen Mienen der Schauspieler, die unterkühlte Atmosphäre und subtile zwischenmenschliche Verwicklungen, um wie aus dem Nichts eine Grauzone zu schaffen. Dabei riskiert die Serie, Menschen vor den Kopf zu stoßen.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV, TV-Serien

 

Cancelorama – again?

22 Apr

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV-Serien

 

Revolution: Der Dystopie geht der Saft aus

22 Apr

Im Jahre 2012 fiel in den USA der Strom aus. Nicht bloß für einen kurzen Moment, auch nicht wenige Tage, der Strom kam nicht mehr wieder. Alle elektrischen Geräte waren nutzlos geworden. Besonders hart traf es Drehbuchautoren von Revolution, die nun keinen Zugriff mehr auf ihre kostbaren Handbücher für kreatives Schreiben hatten. Sie hätten sie nicht in der Cloud sichern sollen. Also taten sie, was getan werden musste, sie griffen auf einen veralteten Teilausdruck von tvtropes zurück, den ein Praktikant mal machen musste, weil dies als lehrreiche Erfahrung verkauft wurde, die ein unbezahlter Praktikant halt machen muss. Und sie haben wirklich alles aus tvtropes herausgeholt, was die Seiten so zu Dystopien hergaben.

Die Welt, die Revolution zusammenbrechen lässt, ist ein wahrgewordener Alptraum der Tea-Party-Bewegung. Die USA rühmen sich, eine hochzivilisierte Gesellschaft zu sein. Revolution traut dieser Gesellschaft aber zu, nur einen totalen Stromausfall zu brauchen, um völlig zusammenzubrechen. Nach nur fünfzehn Jahren ohne Strom sind die Staaten gar nicht mehr so einträchtig oder geeint. Sie sind in autoritäre Systeme zerfallen, die von Rechtsauslegern wie Glenn Beck immer als sozialer Teufel an die Wand gemalt werden. Allerdings bleibt die Serie auch auf diesem Niveau. Da dient dann das in einer der Republiken durchgesetzte Waffenverbot als Kennzeichen der oppressiven Obrigkeiten, eine Angst von Rechtsaußen also.

Durch alle Facetten der Serie zieht sich eine Ideenlosigkeit, die nach einigen Folgen kaum noch zu ertragen ist. Revolution ist eindimensional. Ihre ganze Ausrichtung ist schon problematisch, denn die Protagonistin auf eine Rettungsmission zu schicken, um ihren entführten Bruder zurückzugewinnen, erweist sich als Belastung. Durch den so erzeugten Zeitdruck soll Spannung aufgebaut werden, den Figuren schnürt die Serie damit die Luft ab. Also wird bei der Charakterisierung der Figuren Scherenschnitte eingesetzt. Tatsächlich dürfen sich Rebellinnen gegenüber Kinder ironiefrei mit "I’m one of the good ones." ausweisen. An anderer Stelle zieht die Serie einen allzu verdächtigen mit den Aufständischen in Syrien. Hier die Guten, da die Bösen. Expositorische Dialoge sind ein Markenzeichen von Revolution; ebenso die völlig dramaturgische Überladung der einzelnen Episoden. Fast panisch flieht die Serie vor jeder ruhigen Minute, die inhaltliche Leere könnte auffallen. Einen Fluchtversuch des Entführten noch in einen Gewittersturm zu versetzen zieht die Spannung nur ins Lächerliche.

An Revolution ist allein die platte Erzählung ein Rückfall in archaische Zeiten. Und Elizabeth Mitchell taugt mittlerweile, so bedauerlich das ist, nur noch als Warnung vor Serien, an denen sie beteiligt ist.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV-Serien

 

Revolution und der Aus-Knopf

11 Mrz

Dreht mir irgendein ein Serien-Hipster-Hormon gerade die Bewunderung für J.J. Abrams ab? Fast scheint es so, denn die letzten Monate veranlassten einen Stimmungswandel bei mir. Die messianische Verehrung von Abrams als alleinigem Retter der Science-Fiction-Seelen in Film und TV will ich nicht mitgehen. Denke ich etwas darüber nach, erscheint Abrams mehr ein Produzent zu sein, der nach dem Gießkannenprinzip Serien und Filme mit übernatürlichem oder außerweltlichem Dreh unters Volk bringt. Es ist immer was Gutes dabei, selten aber vollends Überzeugendes. In der letzten Zeit mehren sich auch noch die offenkundigen Gurken, selbst wenn auch ich noch an die Marketingslogans und die Trailer glaubte, die bei Abrams-Produktionen aber meist schon das Beste an allem waren.

Anfang dieser Herbstsaison war die Auswahl so schwach, die von Abrams produzierte Serie Revolution schaffte es noch unter die Spitzenplätze der von mir erwarteten Serienstarts. Nach wenigen Monaten hat sich das drastisch geändert. Mit Grausen denke ich an diese Serie, deren Gestank nun allmählich aufsteigt. Nach allem, was ich weiß, gelesen und gesehen habe, kriege ich Schüttelkrämpfe, wenn ich nur daran denke, wie oberflächlich dieses post-apokalyptische Szenario zu sein scheint. Intellektuell wird Revolution eine Katastrophe, die nur in amerikanischen Urängsten konservativ-konspirativ-eigenbrötlerischer Hinterwäldler rührt. Es stinkt nach Verschwörungsängsten der Truther und sieht nach plattem US-Freund-Feind-Schema aus.

Poe’s Law mag noch erklären, warum zum Beispiel zwei Nasen wie die folgenden die Revolution zum Anlass nehmen, ihre halbgaren Verschwörungstheorien an der Serie abzuarbeiten. Wenn eine die Serie dann aber wirklich nur die Paranoia eines NWO-Honks anfacht und das Gestammel eines zu nah am Wasser gebauten, aber mit Sicherheit schon über die lunatic fringe gesprungenen Preppers hervorbringt, mache ich mich auf etwas gefasst. Packt die Aspirin aus, die Aluhüte kommen. Da verstehe ich doch den Aus-Knopf im Schriftzug von Revolution als Imperativ.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV-Serien

 

Elementary: Konfektionsgröße Holmes

04 Feb

Fernsehserien, aus dem US-Fernsehen besonders, wird seit dem Jahrtausendwechsel eine strahlende Aura nachgesagt, mit der die besten Serien in Anspruch, Narrative und Struktur die Kulturlandschaft prägen, dem Film den Rang abgelaufen haben, vielleicht sogar am mutmaßlich unübertrefflichen Nimbus des Romans als höchster unter den Erzählformen kratzen. Neben berechtigtem Lob bleibt aber auch die Erkenntnis, dass US-Fernsehen nicht vorrangig als Kunst entsteht, denn es ist als Teil einer hegemonialen Kulturindustrie wie nahezu alles ein mit gigantischem Aufwand betriebenes Geschäft. Selbst die anscheinend so erhaben über dem Rest des Geschehens thronenden Breaking Bad, The Wire und wie sie alle heißen sind und bleiben an das Diktat des kommerziellen Erfolgs gebunden, auch wenn sie den Zwang zur Formatierung bis an den Rand des Machbaren strecken. Firefly, Joss Whedons Sci-Fi-Western, fand bei allen Lobeshymnen für den Sender nicht die Quote, wurde abrupt beendet.

Mit dem Druck der Wirtschaftlichkeit bringt das US-Fernsehen auch große, gewagte Themen in serieller Form unters Volk, aber in abgewogener Dosierung, die Welt hängt bei den künstlerisch ambitionierten Serien am Tropf der US-Einschaltquoten, Gedeih und Verderb hängen daran. Kein Wunder also, auch die Mehrheit der US-Serien entstammen starren Formatierungen. Enge dramaturgische Korsettformen werden um wechselnde Bäuche geschnürt, damit die Quote stimmt. Auch in den USA dominiert der Dreiakter-Uniformismus ganze Genres: House, Monk, The Mentalist, NCIS, und Klassenprimus der Einfallslosigkeit CSI, sie alle sind mit ihrer wiedergekäuten, unablässig gleichen Konvention Fischfarmen roter Heringe, bei dem ein immer gleicher Plot-Twist die Handlung ad absurdum führt. Sie alle sind Belege des abscheulichsten Quotenmagneten: dem klinischen Crime-Drama voller absonderlicher Übermenschen, deren soziopathologisches Verhalten Sympathie hervorrufen soll.

Aus diesem Umfeld stammt auch Elementary vom an Formatierungserfahrung reichen Robert Doherty. Als Crime-Drama reiht sich Elementary in seiner kühlen Zielgruppenberechnung in die obige Gruppe ein: Der urheberrechtlich unbedenkliche Sherlock Holmes, durch eine BBC- und die burschikose Hollywood-Adaption in modernem Gewand repopularisiert, wird als publikumsträchtige Marke im New York der Gegenwart wiederbelebt. Nun als emigrierter Ex-Abhängiger auf Entzug, der sich als kauzig-genialer Berater der örtlichen Polizei verdingt. Dem wortflutendem Holmes (Jonny Lee Miller) wird ein “sober companion” aufgezwungen, Dr. Joan Watson (Lucy Liu) soll dem Suchtkranken bei der Entwöhnung helfen, wird aber, welch Wunder, zur einzigen Person, die hinter die eitle Maske des genialischen Detektivs schauen kann.

Als Format ist die Serie mit ordentlichen Mitteln ausgestattet, weiß als Unterhaltungsserie durchaus zu überzeugen. Besonders die Protagonisten entwickeln eine gelungene unterkühlte Beziehung zueinander, die nicht von romantischen Untertönen diskreditiert wird, zumindest vorerst nicht. Jonny Lee Miller spielt einen exaltierten Holmes, der glaubhaft intelligent und deswegen der Welt entrückt ist. Lucy Liu war ohnehin immer dann am besten, wenn sie mit stoischer Miene die Geschehnisse begleitete, ihr Watson ist eine erstaunliche Ergänzung zu Jonny Lee Millers jungenhaften Obsessionen.

Auch die Produktion besticht mit einer guten Ausstattung und gewissenhafter Inszenierung. Der schier unermessliche Schatz talentierter Schauspielerinnen und Schauspieler, die in den USA aber dann doch nur ein Statistendasein fristen, ist beängstigend. Woran es aber krankt, sind die Bücher. Im zähen Ringen um Aufmerksamkeit haben sich die Crime-Dramas in einer Spirale der Abstrusität verfangen. Es ist Ausdruck der Professionalität, dass es erkennbare Mechanismen in den Grundlagenkursen der Autorenschulen gibt, dies möglichst zu kaschieren. Mit ein wenig Sehgewohnheit sind die Marotten jedoch schnell als hässliche Zuschauermanipulationen durchschaut.

Eitel wirkt es, die Fall-Konstruktionen der Morde der Woche von Jonny Lee Miller in irrwitzigem Tempo vortragen zu lassen, damit ihre Flüchtigkeit im Staccato der Begründung untergeht. Hinzu kommt die einstudierte Ehrfurcht der Nebendarstellerinnen und Nebendarsteller, mit der sie der haltlosen Andacht zuhören, als wäre sie die unweigerlich rationale Deduktion, als die sie ausgegeben wird. Alles altbekannte Taschenspielertricks der modernen Erzählkunst. In Elementary nimmt sich das im Vergleich zur Konkurrenz zwar noch fast harmlos aus, bleibt doch störend.

Ärgerlich ist hingegen die Berechnung, wenn ein ums andere Mal gerade die Figuren eben nicht mal von den Schienen, auf die sie gesetzt wurden, abweichen, jede Entgleisung nur nach bekanntem Schema der Deehbuchpsychologie verläuft. Da aber bislang in den USA ein erstaunlich mäßiger Serienherbst zu verzeichnen ist, gehört Elementary zum besten Fernsehen dieser Saison, aber noch lange nicht in die Spitze. Crime-Drama, auch wenn es noch solide gemacht ist, geht halt immer runter, schmeckt aber nicht wirklich.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV-Serien

 

Person of Interest

04 Dez

Person of Interest ist einer der wenigen auch im Verlauf einer vollen Staffel überzeugenden Serienstarts des Herbsts 2011 in den Vereinigten Staaten. Trotz ihrer klassisch episodisch ausgerichteten Erzählform liegt ihr Reiz in den vielschichtig verwobenen Beziehungsgeflechten in einem technisch lückenlos überwachten New York.

Subtile Dystopie

Das New York in Person of Interest ist ein an markanten Punkten verformtes, aber kaum merklich abgewandeltes Abbild der Wirklichkeit. Die posttraumatische Erfahrung der Anschläge auf das World Trade Center führte im fiktiven New York — auch überall in den USA, die Serie verlässt New York jedoch kaum — zur Entwicklung eines allumfassenden Überwachungsapparats, der ‘Maschine’. Ihre Algorithmen analysieren das Datenvolumen der allgegenwärtigen, von der Bevölkerung klaglos hingenommenen Überwachungsmaßnahmen. Im Gegensatz zu den Heilsversprechen der realen Rüstungsindustrie ist die ominöse Technologie der ‘Maschine’ imstande, das menschliche Verhalten mit ziemlicher Gewissheit auszuwerten, um zukünftiges Verhalten zu extrapolieren.

Die ‘Maschine’ ist klassische Science-Fiction, sie ist allerdings nur ein äußerer Anlass, nicht aber ein zentrales Mysterium. Ihre Entstehungsgeschichte wird skizziert, vordergründig geht es aber in der ersten Staffel nicht um ihre eigentliche Bestimmung, terroristische Anschläge zu prognostizieren. Ihr Entwickler Harold Finch versah die ‘Maschine’ mit einer Hintertür, da er voraussah, dass alle nicht-staatsgefährdenden Verbrechen, die erkannt werden, nicht verfolgt, also nicht verhindert würden, sofern er nicht selbst dafür Sorge tragen würde.

Allerdings fällt nur eine Sozialversicherungsnummer heraus, Finch kann aber nicht wissen, ob es sich bei der Person hinter der Nummer um Täter oder Opfer eines zukünftigen Verbrechens handelt. So kommt der vom gehbehinderten und abgeschieden lebenden Finch angeheuerte Reese ins Spiel. Reese, der als Agent in Ungnade fiel und von der Bildfläche verschwand, wird zu Finchs Muskeln auf den Straßen New Yorks; ein menschlicher Superheld ohne Maske und Umhang, unverkennbar greift die Serie doch auf die in Comics etablierten Motive der hinter gesellschaftlicher Fassade agierenden Wächter für die Entrechteten zurück.

Soziale Währung: Vertrauen

Die Ungewissheit, weshalb die ‘Maschine’ ihnen die Sozialversicherungsnummer auswarf, ist die Basis für das wiederkehrende Thema in Person of Interest. Reese muss nicht nur mit der Hilfe Finchs die Personen ausmachen, sondern, ob Täter oder Opfer, in kürzester Zeit ohne großes Aufsehen zu erregen ihr Vertrauen gewinnen. So entstehen aus dieser Lage heraus Spannungsmomente, wenn Reese eben nicht plump mit der Tür ins Haus fallen kann, dass er als Ritter in glänzender Rüstung gekommen ist, um die gesuchte Person vor der Gefahr zu bewahren.

Wobei Reese und Finch besonders anfangs noch deutlich in einer rein zweckorientierten Verbindung der Verbrechensbekämpfung nachgehen, beide beäugen sich dabei mit einigem Argwohn. Ohne den Menschen zu kennen, ist schlecht abzuschätzen, was vom Gegenüber zu halten ist. Finch und Reese geht es nicht anders, Finch hat ohnehin einen Wissensvorsprung vor Reese und die Ressourcen, diesen zu halten, da verwundert kaum, dass jener mit seinen eigenen Mitteln Nachforschungen über seinen Partner anstellt. Dieser rote Faden zieht sich durch alle Episoden: Vertrauen ist nicht kaufbar.

Und so spinnt die Serie allmählich ein dichtes Netz an Verschwörern, Mitwissern und Unbeteiligten, die einander nicht über den Weg trauen können, stets aber doch darauf bedacht sind, sich eigene Vorteile zu sichern. Person of Interest zieht daraus die spannendsten Momente, wenn korrupte Polizisten zu Doppelagenten gedreht werden, die ermittelnden Behörden Reese auf der Spur sind, aber Sympathie für seine Taten entwickeln oder unbescholtene Bürger sich als Schwerverbrecher entpuppen. Es gibt eine öffentliche und eine private Person, Reese und Finch haben nur die Zeit, die erste zu analysieren, die zweite entzieht sich ihrer Kenntnis.

In der Serie herrscht allenthalben Mangel an Vertrauen, was sie zu einer willkommenen Abwechslung im Meer der Serien macht, wo mit der Intimsphäre ihrer Figuren hausieren gegangen wird. Da erscheint es als Zeichen, wenn die Figuren in Person of Interest dazu neigen, sich beim Nachnamen zu nennen, immer schön die Distanz wahren. Die Person erblickt man erst über die Zeit oder extreme Umstände, so sehr sie auch von Interesse ist. Der Wert des Vertrauens steigt in der Serie genau dann, wenn Reese, der als Agent nur im Verborgenen agierte, den aufrichtigen Dank der Geretteten erfährt. Kleine, bescheidene Momente der Zwischenmenschlichkeit im flüchtigen sozialen Raum.

Ein gelungener Kompromiss

Person of Interest ist, wie gesagt, stark episodisch ausgerichtet, in jeder Episode folgt sie einer abgeschlossenen Fall-der-Woche-Form. Sicherlich ein Zugeständnis an den ausstrahlenden Sender, schließlich sind die komplexen Serienformate mit kontinuierlichen Handlungssträngen über Episodengrenzen hinweg besonders ausgefeilt und daher bei der Kritik beliebt, sie tun sich aber im Laufe der Zeit schwer, Zuschauerverluste aufgrund ihrer Einstiegshürde im späteren Verlauf zu kompensieren.

In Person of Interest ist eine folgenübergreifende Rahmung vorhanden, stünde allerdings im Schatten des episodischen Erzählens, wäre besagter Rahmen nicht gerade die Schilderung der brüchigen Bünde und langsam wachsenden Vertrauensverhältnisse der Figuren.

Viele klassisch episodischen Formate setzen auf eine personale Statik, gerade auch die crime dramas, mit denen Person of Interest viele Gemeinsamkeiten hat. Das soziale Gefüge in den Ermittlerteams wird in den crime dramas mit Bedacht nicht überspannt. Von einigen romantischen Verwicklungen abgesehen, werden die Beziehungen mit jeder neuen Folge wundersam auf Anfang gesetzt. Dagegen sind die persönlichen Beziehungen in Person of Interest ein selteneres und brüchigeres Gut, um sie muss gegen den Druck der Außenwelt gekämpft werden; damit sind sie unermesslich wertvoller als die zwischenmenschliche Starre in Serien, die ihre Figuren erkennbar bloß zur folgenlosen wöchentlichen Gefühlerei missbrauchen.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV, TV-Serien

 

Game of Characters

26 Nov

Seit längerer Zeit lege ich meine Gedanken zu der von HBO Serie von George R. R. Martins A Song of Ice and Fire zurecht; und auch wenn ich mir den Vergleich der Serie mit dem Buch sparen kann, weil ich die Bücher nicht gelesen habe, will mir nicht gelingen, meine Eindrücke zu dieser erstklassigen Serie festzuhalten. Eine Auffälligkeit, die mich besonders anspricht, muss ich aber loswerden. Solange Game of Thrones zwar eine Fantasy-Serie ist, die sparsam mit den Elementen des Genres umgeht, werde ich wohl von ihr begeistert bleiben.

Der klassischen Definition von Low Fantasy entspricht die Serie nicht, doch ist sie in entscheidendem Maße fernab der Bahnen, die mir Fantasy in der Regel madig machen. Was da in der Regel in der Fantasy kreucht und fleucht ist interessant, wird mit der Zeit durch strikte Archetypisierung doch zu eintönig. Wie behandelt Fantasy die Figuren? Nach Konfektionsgrößen. Alles muss geordnet aus seiner Schublade genommen, später wieder fein säuberlich dort abgelegt werden. Der Waldläufer, die Ritter, die Prinzessinen, die Orks, die Tyrannen, sie alle müssen ihrem jeweiligen Schema entsprechen. Erben sie aus dem bloßen Umstand ihrer Zugehörigkeit zu einem Archetyp die weiten Teile ihrer Fähigkeiten, werden diese plump höchstens noch durch eine besondere Neigung oder Begabung individualisiert. Das ist Schreiben nach Zahlen – oder Filmen, Erzählen, was auch immer. Zinnfigur nehmen, Farbe drauf, fertig ist die Fantasy.

Nicht so in Game of Thrones, wo die Archetypen zwar vorhanden sind, allerdings nur als soziale Plakette der fantastischen Welt, die sie bevölkern. Hat ihr Stand auch Einfluss auf ihr Verhalten oder ihre Chancen, in der Welt zu bestehen, er vereinnahmt sie nicht. Wo in der Fantasy gerne die Figur durch ihre archetypische Herkunft verabsolutiert ist, die Fremdwahrnehmung und -zuschreibung zum Maßstab wird, ist dies in Game of Thrones nur die äußere Hülle einer Figur, die noch stärker von ihren persönlichen Erfahrungen geprägt ist. In der Serie werden Figuren psychologisiert, in vollem Bewusstsein der entstehenden Brüche.

Das Erzählen in Game of Thrones zieht seine Spannung eben daraus, dass die Figuren auch zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung changieren müssen. Die Zinnfiguren werden lebendig in dem Maße, wie ihre eigenen Interessen mit der Wirklichkeit ihrer Persona kollidieren. Aus dem Schattenspiel vorgefertigter Verhaltensmuster aus dem Kabinett der Fantasy, die vor Berechenbarkeit nur so triefen, werden dramaturgisch ausgefeilte Kammerspiele zwischen eigensinnigen, allein ihren Zwecken dienenden Individuen.  Dass sie überhaupt Interessen haben, ist nur möglich, weil die Serie sich darauf einlässt, die Schablonen der Fantasy von diesen Figuren so weit es geht fernzuhalten. Insofern spielt die Serie nicht in unserer realen Welt, ihre Figuren stammen emotional wie psychologisch aber aus ihr. Auch wenn sie über magische Fähigkeiten verfügen können.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV-Serien

 

American Horror Story

10 Okt

Jetzt habe ich ein Problem, auf den ersten Blick immerhin. Da hatte ich an Homeland vor allem bekrittelt, wie wenig die Zuschauerinnen und Zuschauer Ernst genommen werden. American Horror Story verfährt ähnlich. Grundlegende Informationen werden vorenthalten, um ab einem gewissen Punkt die Handlung grundlegend aus der Bahn zu werfen. Und doch kam ich in dieser Serie von Ryan Murphy und Brad Falchuk wesentlich besser damit aus.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass American Horror Story mit dem Übersinnlichen arbeitet. Was in dem Haus geschieht, das die Familie Harmon bezieht, ist nicht von dieser Welt. Die Logik ist eine andere. So gestand ich ihr zu, dass sie ihre Wandlungen durch Unvorhersehbares und Unvorhersagbares erstellt. Es ist ja nur eine kleine Serie, die an entscheidenden Stellen genügend Gemeinheit und Hinterhältigkeit bereithält. Von einer Horrorserie erwarte ich das. Der Horror hat seine eigene Regeln, im Zweifel auch die, dass es keine erkennbaren Regeln gibt.

Es wird ordentlich am Rad gedreht, etwas was Murphy und Falchuk auch in ihren anderen Serien Nip/Tuck und Glee gerne machen. Ruhige, ausgewogene Töne sind ihre Sache nicht. Spaß macht es trotzdem, weil die amerikanische Horrogeschichte in ihren besten Moment anständigen Grusel hervorruft.

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV, TV-Serien

 

Homeland: Disbelief of Suspense

01 Okt

Howard Gordon und Alex Gansa waren maßgeblich an der Blaupause modernen nationalen Exzeptionalismus in Serienformat beteiligt. Sie trugen beide zum hochfrequenzgesteuerten Rumpelfernsehen bei, das mit 24 in seinen acht Staffeln den Agenten Jack Bauer rücksichtslos über alles und jeden hinwegfegen ließ. Bauer hatte eine eingebaute Etikettiermaschine, mit der er willkürlich allem Aufkleber mit der Aufschrift ‘Terrorist’ anheftete. Die von Bauer Stigmatisierten verloren augenblicklich jede Würde und alle Rechte.

So trugen auch Gordon und Gansa dazu bei, die Inversion von Kants Maxime, der Mensch sei ein Zweck an sich, niemals ein Mittel zum Zweck, zu propagieren, die so typisch für die US-Regierung unter George W. Bush ist: Kill ‘em all, let God sort ‘em out. (If they are not Americans.)

Gordon und Gansa dürfte der Wind, der ihnen für den ideologischen Simplizismus entgegenschlug, nicht gefallen haben. Von ihrer neuen Serie Homeland heißt es oft, sie diene auch dazu, den von 24 in Misskredit gebrachten Politthriller sowie Gordon und Gansa zu rehabilitieren. Schon letze Woche hatte ich angedeutet, wie wenig dies in meinen Augen gelungen ist.

mehr »

 
Keine Kommentare

Veröffentlicht in TV, TV-Serien