Minecraft: The Story of Mojang

Ein vorweihnachtliches Geschenk? Eher eine realistische Einschätzung der Zielgruppe, die ohnehin den für sie gefühlt natürlichen Weg über die üblichen illegitimen Kanäle gehen würde. Und außerdem traue ich dem Braten derzeit noch nicht: Nur weil sich jemand in der Piratenbucht mit Username und in der Beschreibung als 2 Player Productions ausgibt, heißt es noch lange nicht, die Indie-Dokumentation über das herausragende Phänomen Minecraft ist sauber und kostenlos zu haben.

Indirekt wurde Kotaku vom Vertrieb des Films wohl bestätigt, dass es sich tatsächlich um eine inoffiziell-offizielle Veröffentlichung des Films handelt. Wirklich befriedigend ist diese Auskuft aus meiner Sicht noch nicht.

Ich habe den Film noch nicht gesehen, werde wegen der Unsicherheiten wohl auch auf den sicheren Weg zurückgreifen, den Film gegen kleines Geld auf dessen offizieller Webseite zu kaufen.

The Hobbit – An Unexpected Journey

In Clerks 2 gab es diese eine Szene zwischen Nerds, die sich über die reine Lehre der ewigen Nerdigkeit ereifern.

An der Frotzelei gegenüber den Filmen des Herrn der Ringe ist viel dran, so überspitzt es auch gewesen sein mag. Was Peter Jackson allerdings mit dem Auftakt zur neuen – natürlich – Trilogie, The Hobbit – An Unexpected Journey, abliefert, verdient alle Häme, die auf die Vorgänger gemünzt war. Es ist die vorerst, warten wir die weiteren Teile mal ab, höchste vorstellbare Beleidigung gegenüber der Phantastik, von der Jackson nur den Namen entlehnt, aber jegliche Kreativität aus beinahe drei Stunden Film saugt.

War es die Schwäche der Prequels in Star Wars, die Lächerlichkeit der ersten Trilogie offenbart zu haben, so muss immerhin für An Unexpected Journey sprechen, dass gegen dessen plumpe Effekthascherei die Reihe um den Herrn der Ringe wie berauschendes Erzählkino wirkt. Jackson schickt auch hier eine Reisegruppe durch prachtvolle Landschaften, doch hat die neue Reisegruppe etwas zu viel von Kaffeefahrt. Ganz im Gegensatz zu den Gefährten der ersten Trilogie besteht innerhalb der Gruppe keinerlei Spannung, alle haben letztlich das eine Ziel, nämlich den Drachen Smaug zu besiegen, der den Zwergen die Behausung im Einsamen Berg nahm. Wäre doch nur mehr daran, aber das ist es. Ein Haufen infantiler Zwerge fällt über die Wohnung des jungen Bilbo ein, weil ihnen Gandalf den Hobbit als Meisterdieb empfahl, der er nicht einmal im Ansatz ist, sie saufen und fressen die Vorräte Frodos leer, sodass dieser letztlich keine Wahl mehr hat, als mitzukommen.

Worum aber geht es hier? In Herr der Ringe ging es um alles, die Vernichtung der Welt, den Untergang der Zivilisation, so wie Mittelerde sie kannte, weil das allgegenwärtige Böse kam, um alle Völker zu knechten. Die Reise, bei allem Pomp und der fehlenden Finesse, hatte eines: Gewicht. Der größte Ballast war der kleine, unscheinbare Ring, der die Gefährten spaltete, Freundschaften gefährdete und seinen Träger Frodo seelisch beinahe ruinierte. An Unexpected Journey fehlt aber genau das, ein fesselndes Ziel. Oder eine spürbare Bedrohung.

Jackson versucht zu kompensieren und macht zu viel des Guten. Vor lauter Zauberei will keine filmische Magie aufkommen, in diesem Wust aus synthetisierten Bildern, deren Einfallslosigkeit hinter den Vorgängerfilmen und der eigentlichen Maxime des Genres zurückfällt. Die Gruppe hechtet, kämpft und ächzt sich duch allerlei Gefahren, die aber bloß episodischen Charakter haben. Ein einendes erzählerisches Band gibt es nicht, da verwundert auch nicht, dass Jackson all sein Können an einer mediokren Szene verschleißt, in der noch die geplagte Seele Gollum und Bilbo aufeinandertreffen, wobei der Ring einen neuen Eigentümer erhält. Aber die Szene bleibt so grau wie die Höhle in der sie spielt.

Der Film ist eine zusammenhanglose Nummernrevue der Wiederkehrer aus der ursprünglichen Trilogie, in einem ansonsten reichlich kindischen Wachsfigurenkabinett, das sich öfter, als es gut sein kann, im Ton vergreift. Der Rest ist gähnende Leere in überfrachteten Frames.

The Avengers

Warum habe ich eigentlich noch nicht zu The Avengers geschrieben, wenn ich ihn doch schon vor Monaten gesehen habe? Ich hatte ihn schlicht vergessen, nicht erst Tage oder Wochen später, im Grunde schon während ich ihn sah. Das liegt vermutlich an einer simplen Hypothese: Je mehr Helden oder Bösewichte im Spiel sind, desto weniger stringent die Erzählung.

Joss Whedon fährt mit den Avengers eine wenig bescheidene Ansammlung der bekanntesten Superhelden aus dem Marvel-Universum auf, ganz wie die Vorlage es will. Und so beginnt die effektgeladene, aber kaum effektvolle origin story, wie sich ein Haufen Egomanen zusammenrotten, um, welch Wunder, die Welt vor einer außerweltlichen Invasion zu retten. Whedon ist eigentlich wie geschaffen für die Aufgabe, kaum jemand versteht sich so gut darauf, Charaktere in Actionszenen zu entwerfen. Bei den Avengers hantiert er aber mit zu vielen Blaupausen herum, die in absurdesten Situationen bestehen müssen.

Es will alles nicht recht zueinander passen. Da soll zwischen den grundverschiedenen Figuren wie Hulk, Thor, Captain America oder auch Iron Man wie auch immer Chemie enstehen, während um sie herum eine halbe Stadt verpufft, deren Reste sie dann gewissenhaft selbst in infantilen Hahnenkämpfen in Schutt und Asche legen. Das ist für ein paar Lacher und Explosionen gut, mehr kommt in über zwei Stunden aber nicht rum. Wie auch? Die zwei Stunden werden von zu vielen Figuren bevölkert, die im Namen heroischer Selbstdarstellungstrips nach Zuschauergunst gieren.

Anscheinend war die Maxime bei Marvel, selbst dann noch, wenn Bruce Banner das Grün ins Gesicht steigt, müsste sein Alter Ego problemlos der Handlung folgen können. Daher könnte The Avengers, ohne den wesentlichen Kern aus den Augen zu verlieren, auch gut und gerne rein onomatopoietisch in wenigen Absätzen wiedergegeben werden. Oder nur: Uff.

ParaNorman

Wenn Horrorgeschichten daraus bestehen, subtile Mahnungen vor sozialer Abweichung zu sein, die in ihnen brutal bestraft wird, ist ParaNorman eine Verkehrung der Genre-Vorzeichen. Oder liegt es daran, dass ParaNorman auf den ersten Blick Kinder ansprechen soll, wenn es die Individualität in höchsten Tönen feiert? Besagter Norman ist eben genau das – anders. Wenn seine paranormale Fähigkeit, mit den Toten reden zu können, ihn nicht in der Familie zum vermeintlichen Problemkind macht, wird er in der gesamten Stadt beäugt, gehänselt oder malträtiert. Selbstverständlich steckt aber gerade, das muss fast zwangsläufig so sein, in Normans Gabe der Schlüssel, die Stadt von einem bedrohlichen Fluch, bei dem die Toten zum Leben erwachen, zu befreien.

ParaNorman ist für Erwachsene zuallererst ein großer Spaß, für die Kleineren wohl auch zunehmend beängstigend. Die Stop-Motion-Animation schafft eine herausragende Stimmung, in der auch die prächtigsten Farbschimmer noch Gänsehaut entfachen können. Dennoch kommt besonders die Story nicht an die Lust am Morbiden heran, die Coraline großartig machten. Das Animationsstudio Laika liefert anders als in der auch von ihnen stammenden Gaiman-Adaption mit ParaNorman effizienten, kindgerechten (damit sind besonders ältere Kinder gemeint) Grusel ab. Nur gelegentlich steigt in dem Film die subversive Boshaftigkeit auf, die Coraline auszeichnete. Für konservative Eltern dürfte das Frösteln gegen Ende des Films erst beginnen, wenn einer der Protagonisten sich beiläufig als schwul zu erkennen gibt. Da hat sich also doch etwas getan, wenn im Horror nicht mehr für die soziale Abweichung bestraft wird, aber das Spießertum mit der Normalität der vermeintlichen Devianz.

Ted (2012)

Mit abschweifenden Humor, der oft nur aus kruden Unterbrechungen der Handlung mit popkulturellen Verweisen besteht, steckt Seth MacFarlane einige Häme und Spott ein. Doch für ein wachsendes Cartoon-Imperium hat es allemal gereicht. Family Guy, American Dad! und The Cleveland Show sind seit Jahren eine sichere Bank für MacFarlane. In Ted zieht es MacFarlane auf die Kinoleinwand, sowohl als Koautor des Drehbuchs, Regisseur und Sprecher des titelgebenden Stofftieres.

Ted hat erstaunliche Gemeinsamkeiten mit dem letzten Muppets-Film. Hier wie dort wird wie selbstverständlich die magische emotionale Bindung eines Jungen an eine Puppe beschworen. Ein kluger Kunstgriff, die voraussetzungsreiche Ausgangsposition einfach zu überspielen, indem nicht die Belebung von Stoff, Garn und Filz für wundersam erklärt wird, sondern die innige Freundschaft zwischen Mensch und Stofftier. Auch nach dem Sprung von der frühen Freundschaft in die nüchterne Gegenwart der zu Mittdreißigern herangewachsenen Flauschfreunde wandeln beide Filme auf ähnlichen Pfaden.

John Bennett (Mark Wahlberg) steckt in einem trostlosen Job und einer liebevollen Langzeitbeziehung zu Lori (Mila Kunis). Es hilft nicht, dass er und sein einziger Jugendfreund Ted, der nach kurzlebigem Ruhm als niedlicher Teddy mit lockerem, verdorbenem Mundwerk wieder in Vergessenheit geriet, die berufliche Sackgasse bevorzugt mit Drogenkonsum auf der heimischen Couch vergessen machen wollen. Aus den Fugen gerät das vorbildliche Slackertum nur daduch, dass Lori zusehends eine Perspektive erwartet.

So kurz, so vorhersehbar. MacFarlane verzichtet zwar überwiegend auf seine zum Markenzeichen gewordenen Gagüberfälle, weiß aber anscheinend den weiten zeitlichen Raum eines solchen Films nicht recht zu füllen. Zwischen den Rahmen des märchenonkelhaften Off-Sprechers hätte viel mehr gepasst, als an einer Hand abzählbare Lacher und die Wirrungen einer aufgebauschten Handlung, die sich anscheinend an der eigenen Simplizität noch verschluckt.

Dabei ist es vor allem Mark Wahlberg und Mila Kunis zu verdanken, dass es nicht zu einem Fiasko kommt. Kunis‘ grundsympathische Lori ist nicht darauf aus, einen Keil zwischen John und Ted zu treiben. Wahlberg nimmt die eigentlich lächerliche Aufgabe an und verleiht John eine glaubwürdige Orientierungslosigkeit und Freundschaft zu Ted. In den besten Moment lebt der Film davon, dass Wahlberg sich voll in jede noch so absurde Situationskomik reinhängt. Die Jahrzehnte zwischen ihm und Ted sind spürbar. Das sind dann aber nur etwa zwanzig Minuten bester Unterhaltung – von hundert Minuten Spielzeit.

Enter the Freeman – Gordon in echt

Hey, dachte ich, das sieht doch gar nicht so schlecht aus.

Etwas länger darüber nachgedacht erscheint mir ein Half-Life-Film schlicht nicht möglich – als guter Film. Die Story passt doch auf einen Bierdeckel. Wahrscheinlich besser, dass es hier ein Kurzfilm ist, der die Essenz voll erfasst. Für Fans grandios, für alle anderen banaler Horror. Ich bezweifle, dass irgendjemand jemals nachvollziehen könnte, was Half-Life als Spiel so großartig macht, wenn nur die Story bekannt wäre.

Hope Springs – Wie beim ersten Mal

Ein Film wie Hope Springs kling nach kühler Berechnung: Machen wir doch einen Kontrast zu den juvenilen Sommerblockbustern, um das gesetztere Publikum mit einem betulichen Film abzuholen. Nora Ephron nutzte die filmische Nische im Sommer aus betriebswirtschaftlicher Sicht hervorragend, lediglich die Ergebnisse waren zunehmend dürftig. Hope Springs erscheint eben nur genau das zu sein, das Ergebnis geschickter Programmierung gegen die nach Effekten gierenden Zuschauerströme. Angefangen bei der Besetzung von Meryl Streep, dem eigentlichen Gesicht der Alternativprogrammierung gegen den Jugendwahn, und Tommy Lee Jones bis hin zum Thema des alternden Paares in Therapie klingt die Berechnung durch.

Diese arithmetische Herangehensweise eines kommerziellen Films führt, wie Hope Springs großartig zeigt, dann zu einem außerordentlich amüsanten Ergebnis, wenn sie mit kompetenter Ausführung daherkommt. Streep und Jones spielen das biedere, alte Paar nicht routiniert runter; sie geben ihnen in vielen subtilen Gesten genau jene Substanz, die es braucht.

Gerade in den von allerlei Plattheiten gefährdeten Darstellung der Therapiesitzungen geben das Drehbuch von Vanessa Taylor und Regisseur David Frankel den Akteuren den Raum vor, den sie prächtig ausfüllen. Therapiesituationen driften in Filmen nur allzu oft in simplifzierten Voyeurismus ab, der die Figuren der Lächerlichkeit preisgibt. Hier allerdings gibt der überraschend dezente Steve Carell einen von jedem Zynismus befreiten Therapeuten, der ohne auch den Hauch der Scharlatanerie zu verbreiten, mit sparsamen Eingriffen die Kommunikation und dann das Verhältnis des Paares kuriert. Carell spiegelt die analytische Haltung seiner Rolle hervorragend in das Verhältnis zu Streep und Jones. Bescheiden gibt er den Beiden lediglich einige Stichworte vor, um dann zu sehen, was die Meister daraus machen.

Kein Zweifel, Hope Springs wird nicht ewig in Erinnerung bleiben. Doch die unaufdringliche Erzählung, das aufrichtige Interesse an den Figuren und eine hervorragende Besetzung werden die gute Erinnerung an diesen Film nur langsam verblassen lassen. Ein guter Film ist immer noch der beste Effekt.

The Five-Year Engagement

Mit Fast verheiratet hat der Film im Deutschen immerhin einen dankbaren Titel, spart er doch – wie der Originaltitel -lange Vorreden. Aus der Verlobung, die genreüblich gut geplant war, doch unter einigen Unvorhersehbarkeiten litt, wird lange Zeit nichts. So sehr sie sich mühen, Violet (Emily Blunt) und Tom (Jason Segel) will das Leben nicht richtig mitspielen. Mal wollen die Verwandten zuvorkommen, andere sterben, mal verschlägt es sie beruflich in andere Gefilde. Aus der Hochzeit wird nichts.

The Five-Year Engagement ist allemal besser als es klingt. Nach dem Fiasko The Muppets, das Jason Segel und Regisseur Nicholas Stoller verbrochen haben, finden sie über weite Strecken den richtigen Ton. Dramedy trifft das Genre, und es funktioniert gerade anfangs blendend. Blunt und Segel geben ein sympathisches modernes, emanzipiertes Paar in turbulenten Zeiten. Tom nimmt zugunsten Violets akademischen Werdegangs einen Knick in der eigenen Laufbahn als aufstrebender Koch in Kauf, woraus ein zwischenzeitlicher Abstieg wird.

Über eine Stunde baut Stoller mit Geduld die wankende Beziehung zwischen Tom und Violet auf, verliert dann den Mut, mit ähnlicher Ruhe in die zweite Stunde des Films zu gehen. Toms berufliche Sackgasse, Violets Erfolg unter einem Chef, der sich sich an sie ranwirft, die Beziehung stockt, als beide sich auseinanderleben. Dabei erinnerten sich Stoller und Segel an dieser Stelle, eine Komödie schreiben zu wollen. Der Wahnsinn wird also auf elf gedreht, dabei gehen die Figuren im Tumult allerlei fadenscheiniger Plotpunkte unter.

Schade ist es, ruiniert aber nicht alles. Nach den turbulenten Eskapaden findet der Film noch zu einem stimmigen Ende. Da sind die Längen, der Klamauk, obwohl überflüssig, zu verschmerzen.

Die Tribute des Erzählens: The Hunger Games

Im postapokalyptischen Panem, einem nordamerikanischen Staat der Zukunft, stehen alljährlich die Hunger Games zwischen Jugendlichen der zwölf Bezirke des Staates an. Zwölf Jungen und zwölf Mädchen kämpfen bis als ‚Tribute‘ zum Tod, so lange, bis nur einer oder eine überlebt. Der Sieg bringt Ruhm und Ehre für den siegreichen Tribut wie auch dessen Bezirk. Mehr sollen wir über Panem nicht erfahren. Für das Hase-und-Igel-Spiel dieses auf einer Romanreihe von Suzanne Collins beruhenden Actionthrillers sollte es doch reichen.

Schließlich ist die Reihe thematisch verwandter Filme der tödlichen Spiele groß genug. Neben The Running Man oder Battle Royale – in Deutschland ist noch Das Millionenspiel eine Legende der Fernsehgeschichte – fügt sich The Hunger Games als abgeschwächtere Variante dieses Subgenres ein, die auf ein jugendliches Publikum zielt. Die blutlüsterne Gratifikation sinnbefreiter Gewalt, mit der sonst getrumpft wird, spart sich der Film. Punktgenau landet er auf einer ordentlichen Jugendfreigabe, macht einen Knicks und verneigt sich. Die Zähmung der Gewalt in Hunger Games wäre sicherlich kein Grund zur Kritik, hätte der Film nicht auch jedes Potenzial der Gesellschaftskritik eingebüßt. So gering sie auch war, selbst in The Running Man etwa steckt noch eine paradoxe, letztlich inkonsequente Parabel über die Blutlust der Massen.

The Hunger Games versagt sich dieser Gesellschaftskritik völlig. Stattdessen werden die Zuschauerinnen und Zuschauer zu stillen Teilhabern, so als säßen sie nicht vor dem Bildschirm, sondern schauten die Ereignisse als Bewohner Panems. The Hunger Games ergreift unreflektiert Partei für die sechzehnjährige Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence). Katniss meldete sich freiwillig anstelle ihrer ursprünglich für die Spiele ausgewählten jüngeren Schwester. Sie, die aus dem armen Bergbaubezirk Panems stammt, muss unter Anleitung des einstigen Gewinners und mittlerweile alkoholkranken Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) die Vorbereitungen für den Wettbewerb angehen. Sie lernt nicht nur den Kampf zu meistern, auch die Gunst der wohlhabenden Sponsoren und die Anerkennung der Massen muss sie gewinnen.

Als Schlüsselszene für die halbseidene Moral des Films dient dabei jene, in der Katniss sich gegen die reichen Sponsoren auflehnt. Aber nicht als Zeichen des Protests, sie will lediglich deren Aufmerksamkeit erlangen. Sie schießt bei ihrer Sponsorenvorstellung dem Spanferkel der oberen Zehntausend, die hier eine Handvoll weißer Männer sind, den Apfel nicht ihrer Widerstandshaltung wegen aus dem gegrillten Maul. Lediglich die Aufmerksamkeit der ihr abgewandten Oberen liegt ihr am Herzen. Das aber ist kaum verwunderlich, schweigt sich der Film doch zu den sozialen Geschehnissen in Panem aus, suggeriert damit, alle Bürgerinnen und Bürger hätten das Joch zu akzeptieren gelernt. Da verwundert dann doch wieder, dass in der Mitte des Films für wenige Momente ein Aufstand unter Zuschauern des Spektakels dargestellt wird – schlussendlich aber völlig vernachlässigt wird.

Der unreflektierten Parteinahme für Katniss fällt der Film gänzlich zum Opfer. Regisseur Gary Ross schrieb mit Collins und Billy Ray auch das Drehbuch, ist somit nicht entlastet, was diesen Kardinalfehler angeht. Sie haben nicht die ethischen Dilemmata eines solchen Plots herausgearbeitet, sie machen im Gegenteil sogar einen weiten Bogen um sie herum. Manipulativ wie die Obrigkeit Panems ändern sie narrativ jede ethische Hürde ab. Wenn schon nicht jugendliche Rebellion gegen die Herrscher allgemein entsteht, könnte Devianz der Tribute dadurch entstehen, dass sie zum Töten genötigt werden. Zum Töten Verbündeter, denn schließlich jagen sie in Zweckbündnissen, die letztlich aber nicht standhalten können. So hat auch Katniss Helferinnen und Helfer. Für Katniss kommt es aber erst gar nicht zu Gewissenskonflikten, müsste sie doch später, um zu überleben, auch diese um die Ecke bringen. Das Drehbuch dezimiert die Verbündeten allerdings auf plumpe Weise, werden doch alle komfortabel um die Ecke gebracht. Die glorreiche Heldin muss ihre Hände nicht mit dem Blut anderer Sympathieträger beschmutzen. Wie überaus vorteilhaft. Ebenso vorteilhaft, dass alle verbliebenen Widersacher derart niederträchtig gezeichnet sind, dass ihnen der Tod gut zu Gesicht steht. Mit einem Gnadenschuss kann sich Katniss final dann doch immerhin als milde gestimmte Mörderin darstellen.

Zu keinem Zeitpunkt lädt der Film zur Reflexion über Katniss‘ Verhalten ein, sie soll als reine Identifikationsfigur herhalten. Auch ihre Situation wird nicht im geringsten in hinterfragt. Warum auch, wenn es doch einfacher ist, zu ihr zu halten? Damit macht sich Ross zum cineastischen Potentaten über den Plebs der Zuschauer, er regiert emotional über Zuschauerinnen und Zuschauer. Bedauerlicherweise besonders junges Publikum. Alles andere als hilfreich ist dabei, dass Ross vom Fach genug versteht, um diesen Plot in dieser Form effizient umzusetzen. Mit gutem Timing fügt er die Geschichte zusammen. Auch Jennifer Lawrence gibt als Katniss eine beeindruckunde Vorstellung, die von den gut besetzten Nebendarstellerinnen und Nebendarstellern nie in Gefahr gebracht wird. Stanley Tucci, Woody Harrelson, Elizabeth Banks und Donald Sutherland liefern ordentliche Leistungen, in dem wenigen Raum, der ihnen gegeben wird. The Hunger Games ist also solides Mainstream-Actionkino mit überaus zweifelhafter Moral. Ein hoher Preis für das bisschen Unterhaltung.

VLC aus der Ferne steuern – von jedem mobilen Gerät

Film und Fernsehen ruhen sich im Sommerloch aus, Ebbe herrscht. Zeit, liebgewonnene Serien wieder auszugraben. Gerade ist es bei mir How I Met Your Mother. Ab der ersten Staffel, also mit blauem Horn, dem Fiero und der vermaledeiten Lachspur. Good times. Dafür schmeiße ich dann doch mal wieder den VLC Media Player auf meinem Rechner an, der aus vielen Gründen installiert werden sollte. Das ist schon eine feine Sache, wenn nicht die Fernbedienung fehlen würde, die meinem Rechner fehlte. Ein Blick auf den Tisch zeigt aber, da liegt doch hin und wieder so ein mobiles Gerät, dem nachgesagt wird, es sei smart. Smarter als ich, denn es brauchte eine Weile. Erst dann kam ich darauf, im AppStore nach geeigneter Hilfe zu suchen. Und es gibt einiges. Weiterlesen