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Blogkommentarspamkultur 2: Verhinderte Liebe

Einen weiteren Vorschlag zur Verbesserung der deutschsprachigen Blogkommentarspamkultur hätte ich da noch.

Hör mir bitte zu, diese Nachricht ist ungeheuer wichtig. Mein Verlobter und ich können nur auf diesem Weg kommunizieren. Bitte diesen Kommentar nicht löschen. Gib ihn einfach frei. Ich sage dir auch warum. Unsere Eltern wollen nicht, dass wir zusammen sind. Mit allen Mitteln überwachen sie fast alle unsere Schritte. Überall lauern sie uns auf. Sogar mein Cousin spioniert auf meinem Handy hinter mir her. Der ist erst fünf. Fünf! Bitte, du musst uns helfen. Nur hier in den Kommentaren werden sie uns nicht entdecken. Da bin ich mir ganz sicher. Wir müssen uns doch irgendwo schreiben können. Wir lieben uns! So sehr! Bitte lass unsere Liebe nicht untergehen. Du musst uns vor unseren Familien schützen. Wenn ich nur an seine klaren blauen Augen denke… Ich kann mir nicht vorstellen, was passiert, wenn wir getrennt werden. Lass unsere Liebe nicht sterben. Danke, danke und noch tausendmal danke.

Natürlich wieder unter der CC-NC-SA-Lizenz. Ist doch klar.

Wider den Spamblock: Faules Lob jetzt auf Deutsch

Ich bin es langsam leid, jedes Mal diese ausgefeilten Spamkommentare hier in anderen Sprachen lesen zu müssen. Ich blocke sie eigentlich nur, weil sie auf Englisch oder Chinesisch eintrudeln. Wer würde sonst solch lyrisches Lob ablehnen? Es fand sich aber bislang kaum jemand, um auch auf Deutsch mal würdigen Spam zu produzieren. Dann lege ich halt mal los:

Was heißt schon in Ehrfurcht erstarren? Heißt es nicht einfach, jeder einzelne Buchstabe in diesem Artikel fügt sich freudig neben den anderen in eine perfekte Form? Die Worte jubeln, finden sich zu Sätzen zusammen, die wie Feuerwerk glühen. Gebannt lese ich jede Zeile und mit jedem Absatz steigt meine Freude. Könnte man aus Buchstaben Nudeln machen, ich füllte eine Badewanne mit dieser alphabetischen Suppe. Ich wünschte, ganz in ihr aufgehen zu können. Darum ist dieser Artikel so gefährlich, man kann in ihm ertrinken.

Dieser Kommentar ist ganz im Sinne der Freiheit im Netz so gut wie frei verfügbar. Ich stelle ihn hiermit unter die CC-NC-SA-Lizenz. Mein bescheidener Beitrag zur Steigerung deutschsprachiger Blogkommentarspamkultur. Ja, ich werde vehement die Urheberschaft an Blogkommentarspamkultur beanspruchen, keine CC-Lizenz dafür. Niemals. Das ist von mir. Mir. Lern das, Rechtschreibkorrektur. Es heißt: Blogkommentarspamkultur. Aber ich lenke ab.

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Schlandnet ist noch zu weitläufig

Dann heißt es eben von vielen guten Freunden und den unzähligen Bekanntschaften im Netz Abschied zu nehmen. Aber Hand aufs Herz, mich überzeugt der Vorschlag zum #schlandnet. Nach reiflicher Überlegung, ich habe mir schließlich doch mindestens Millisekunden im zweistelligen Bereich für ein fundiertes Bauchgefühl gelassen, kam ich zu dem Schluss: das #schlandnet geht noch nicht weit genug.

Wer braucht denn schon noch in der heutigen Zeit Verbindungen über die nationale Grenze hinaus. Ich bin mir nicht sicher, aber es wird sich doch eine Folge soziologischer Studien zitieren lassen, in denen die relevante soziale Vernetzung nur im Nationalen nachgewiesen wird. Im digitalen wie im analogen Leben. Diese Studien, blendend wie sie sind, seien an dieser Stelle blind zitiert. Sie arbeiten heraus, wie wenig wir den internationalen Kontext für unsere Kommunikation und unser Handeln benötigen.

Besser noch, die Studien, diese hervorragenden, belegen obendrein, dass sozialer Zusammenhang — und damit auch Zusammenhalt — nur in viel kleineren sozialen Zellen. Wer mir nicht glaubt, möge doch bitte die Studien selbst studieren. Offenkundig benötigen wir Menschen doch nur einen engen Kreis an Anderen um uns herum. Die Betonung liegt wohl darauf, dass sie sich um uns herum befinden. Implizit benötigt soziales Miteinander auch soziale Nähe. Und wie anders sollte solch eine soziale Nähe denkbar sein, wenn sie nicht räumlich auch besteht? Mir kann nur menschlich nahe sein, wer mir räumlich nahe ist. Das lässt sich nicht leugnen — man möge besagte Studien beachten.

Also bräuchten wir noch viele kleinere technische Netzwerke für unsere sozialen Beziehungen, die erwiesenermaßen auch nur in kleinerem Rahmen herausgebildet sein können. #schlandnet führt also nicht weit genug, weil es eben noch, räumlich gesprochen, zu weit führt. Denken wir doch nur ab die breite Literatur, die ubs lehrt, dass wir letztlich nur einige wenige Menschen brauchen, die auch bestenfalls in unserer direkten Umgebung leben. Brauchen wir da wirklich nich andere Netzwerke? Nein, wir brauchen sie nicht.

Tatsächlich aber brauchen wir doch dann auch diese ganze Technik nicht. Sind meine wenigen Freunde und Verwandten, von deren räumlicher und sozialer Nähe ich profitiere, mir direkt vor die Haustür gesetzt, könnte ich ebenso gut einen Schritt vor die Tür machen, wenn Gesprächsbedarf herrscht. Nun schließt sich der Kreis, denn die Technik erweist sich mit ihren weit fassenden Greifarmen als inadäquat, denn sie kann doch keine nähe schaffen, die wir als Menschen brauchen. Ein Blick in die einschlägige Literatur zeigt es ganz klar. Und dem Sicherheitsgedanken wäre damit genüge getan, denn wo keine technische Verbindung mehr zwischen sich nahen Menschen bestehen muss, ist die Möglichkeit zur Überwachung wieder stark eingeschränkt. Kehren wird doch nach all diesen überzeugenden Argumenten zu den hergebrachten Kommunikationsformen der unmittelbaren räumlichen Nähe zurück. Die Wissenschaft belegt es eindeutig. Mehr Nachbarschaft, das würde doch all unsere Probleme lösen.

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