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Archiv für die Kategorie ‘Vermischtes’

Festivus im Kreise der Liebs… ach, machen wir uns nichts vor

24 Dez

 
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Pffft!

21 Apr

Die Jacke schon übergestreift, machte ich mich durch die Runde, verabschiedete mich. Der Bass dröhnte noch, wir waren in meiner WG. Bier, Musik und gemütliches Miteinander. Zu laut war die Musik wohl, zu früh der Morgen. Einige Nachbarn mussten sich, ich sehe ein, an die Polizei gewandt haben.

Ich ging in den Flur, da stand mein Mitbewohner an der Tür. Durch den Spalt war eine Uniform zu sehen. Ich war doch schon auf dem Weg zu meiner Freundin, dachte ich mir. Nicht das jetzt. Da wankte mein Mitbewohner – er hatte schon einiges intus – von der Tür in sein Zimmer, ich wusste noch nicht, warum er die Beamten vor der angelehnten Tür stehen ließ.

Kaum war er mit seinem Personalausweis zurück, blieb er verdutzt stehen. Einer der Polizisten war ihm in den Flur gefolgt und stand dort mit breiter Brust vor der versammelten Menge. Er türmte sich auf.

“Wieso stehen Sie hier?”, sagte der Mitbewohner. “Bitte gehen Sie wieder vor die Tür. Wir können das alles vor der Tür erledigen.” Trotz der Trunkenheit meines Mitbewohners war es deutlich zu verstehen.

Die Uniform spannte sich, die Brust des Polizisten blähte sich auf. Er rührte sich kein Stück in Richtung Haustür, stattdessen stemmte er die Arme in die Hüften. Er füllte nun die Breite des Flures aus. Der fragende Blick meines Mitbewohners ließ ihn kalt. Da nahm der uniformierte Pfeiler mit seiner Rechten den Personalausweis. Er notierte Namen, Anschrift und ließ die erneute Aufforderung, dies alles vor der Haustüre zu erledigen, da er nicht zum Betreten der Wohnung aufgefordert wurde, im Zigarettendunst des Flures verhallen.

Deutlich nach Worten ringend, stellte sich der Mitbewohner dem Mann in den Weg. Es war ein symbolischer Akt, der Polizist rührte sich ja nicht. Doch sollte er noch nicht weiter in die Wohnung vordringen. “Ich will”, er hatte die Worte noch nicht gefunden, “sagen Sie mir mal bitte…”.

“Namen und Dienstnummer?”, ergänzte ich ihn. “Ja.”, sagte mein Mitbewohner, sein Blick blieb dabei auf den Polizisten gerichtet. “Name und Dienstnummer. Sie dürfen nicht einfach die Wohnung betreten.” Der Polizist schrieb gelassen weiter die Daten auf einen Pappkarton. Mich wunderte der Karton, denn darunter hielt er auch einen Notizblock in der Hand. Doch das kümmerte mich weniger, denn nun sprach der Uniformierte: “Das darf ich natürlich.” Ich war belustigt, denn so sicher war ich mir da auch nicht. Und schließlich hätte er wegen einer Ruhestörung, die von keinem bestritten wurde und die ihm wohl auch schon aus der Ferne offenkundig gewesen war, die Wohnung nicht betreten müssen.

“Nein, das dürfen Sie nicht.” Der Mitbewohner wollte zumindest in diesem Punkt nicht nachgeben. Und auch ich sah nicht ein, warum die Personalien unbedingt im Flur und nicht vor der Tür geklärt werden mussten. Recht hin oder her – und auch bin mir sicher, ein Polizist kann nicht mit aller Selbstverständlichkeit Wohnungen betreten. Doch selbst wenn, dem Uniformierten wäre kein Zacken aus der Krone gebrochen, hätte er sich wieder vor die Haustür gestellt.

Ich war erstaunt über die kühle, aggressive Haltung des Polizisten. “Wir können das Gespräch vor der Haustür führen”, ich wies den Weg zurück zur Tür. Kein Wort, kein Blick vom Polizisten. Da fragte auch ich nach dem Namen und der Dienstnummer. Um der Hilflosigkeit Herr zu werden, der ich mich ausgesetzt fühlte. Nachdem jede Reaktion ausblieb, fragte ich erneut. Kurz darauf wiederholte mein Mitbewohner die Frage ein weiteres Mal.

Dem Polizisten entfuhr dann ein lautes “Pffft!”. Das laute Zischen sollte wohl gebieterisch die Fronten klären; er war der Kuchen, wir die Krümel. Diese Wirkung allerdings erzielte sie nicht, so musste er doch zu Worten greifen. “Ich muss Ihnen meinen Namen nicht sagen. Und Dienstnummern haben wir nicht.”, bellte der Polizist meinen Mitbewohner an. Allerdings fügte er einen Augenblick danach herablassend hinzu: “Außerdem steht mein Name die ganze Zeit schon hier, können Sie nicht lesen?”

Es war eine berechtigte Frage, es hätte zumindest eine sein können. In der Brusttasche, ich denke, es war die Brusttasche, doch könnte es auch ein Umschnallgurt gewesen sein, war das klobige Funkgerät des Polizisten festgezurrt. Er musste es entschlossen zur Seite ziehen, um das dahinter liegende Namensschild freizulegen. Sein Name erinnerte mich sofort an den eines bekannten Fußballgottes, doch war mein leicht alkoholisierter Verstand* nicht nur mit dem Namen beschäftigt.

Ich wusste schon, als ich es mich sagen hörte, dass nun auch meine Personalien auf dem Karton landen würden. In dem Moment der schroffen Herabwürdigung durch den Kraftprotz ordnungsrechtlicher Muskeln, der ungebeten in unserem Flur stand, kam ein Satz über meine Lippen, den ich bereute. “Sie sind ja ein <;PLATZHALTER>;**.” Zum ersten Mal hatte ich die volle Aufmerksamkeit des Mannes. Nur war es nicht die, die ich mir gewünscht hätte. Der mangelnde Respekt vor unseren Aufforderungen und Fragen schlug um in vorbildliches Pflichtbewusstsein. Das konnte er sich nicht bieten lassen.

“Nennen Sie mich noch einmal einen <;PLATZHALTER>;, dann setzt es eine Anzeige.” Ich entschuldigte mich, ich sah meinen Fehler. Ich hatte etwas gesagt, was ein Mann wie dieser, mit diesem Fetzen Stoff auf der Haut nicht dulden konnte. Es war eine offenkundige, tiefe Beleidigung seines Amtes, seines Wesens, der Person und ihres Charakters, so viel war klar. Diesen Boden hatte ich ihm bereitetet, er betrat ihn gerne. Es konnte schließlich keine flapsige Bemerkung sein, die durch seine Frage, ob mein Mitbewohner ein verdecktes Namensschild nicht lesen könne, fast schon reflexartig ausgelöst wurde. Da sah ich nun also meinen Namen in krakeliger Handschrift unter seinem Stift entstehen. Ich schüttelte den Kopf, vielleicht auch nur in Gedanken.

Der Spuk war dann vorbei, er hatte die Party für beendet erklärt und ging endlich über die Schwelle, hinter der wir ihn nur wünschten, um ein ordentliches Gespräch führen zu können. Eine Schwelle, das gibt mir zu denken, die sein Kollege, der stumm im Hintergrund blieb, niemals übertrat.

Warum nur, frage ich mich, habe ich ein mulmiges Gefühl. Freunde sind sie nicht, das ist klar. Helfer, so befürchte ich, nur nach Belieben und Laune. Ruhestörung? Bitte, nicht im Ansatz ist es Grund genug für ein solches Gebaren. Und im Zweifel steht ihr Wort gegen das eines Bürgers, Uniform gegen Pullover, Jacke, Rock, Kleid, Hemd und Hose, wenn sie vor die Roben träten.

*Zwei Bier, ein Radler – das Radler als letztes von allem eine Stunde zuvor getrunken.

**<;PLATZHALTER>;: Es gibt wohl Urteile zu diesem Wort als Beamtenbeleidigung, wobei dieses Wort meist in Verbindung mit häufigen Wiederholungen und weiteren Äußerungen und Handlungen auftrat. Ich kann also nicht sagen, wie schwer es im Detail wog. Allerdings geht es mir darum, dass sich meine Äußerung auf die Situation bezog, dass er die Sicht auf das Namensschild erst schaffen musste, doch fragte, ob mein Mitbewohner es nicht lesen könne. Zudem ist nach meinen Wörterbüchern das verwendete Wort nicht eindeutig und in allen Fällen abwertend konnotiert, da es schlicht auch eine Person bezeichnet, die einen Scherz macht. In dieser Form war es mir geläufig, so hatte ich es verwendet.

 
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Meine große Klappe und *trommelwirbel* … Tierethik. Wer hätte das gedacht?

30 Sep

1) Da wollte ich nur schnell in der Bibliothek einige Literatur für meine mündliche Abschlussprüfung holen, da stolpere ich doch gerade über alte Bekannte aus meinen Fachschaftszeiten. Aus der nach Plan nur kurzen Visite wurde dann ein dreistündiger Aufenthalt. Die genauen Umstände, wie es dazu kam, sind nicht so wichtig. Allerdings hatte ich mich mit einer beiläufigen Herablassung Adornos den Stein ins Rollen gebracht – und mir gleich, wie hätte es anders sein können, einen schlechten Stand verschafft.

“Adorno ist in meinen Augen nicht mehr als ein Hirnficker.” Das waren meine Worte. Weise gewählt, wie man es von mir kennt. Diese verbale Einladung zur Widerrede nutzten meine alten Bekannten sogleich. Lange Rede, kurzer Sinn: Agree to disagree. Das war das Ergebnis. Allerdings, wir waren schließlich in der Philosophie-Bibliothek (Warum ich mir auch solch einen Ort für eine reflektierte Analyse der Frankfurter Schule und Kritischen Theorie aussuchen musste?), nahm ich mir auf Anraten der mich umgebenden Adorno-Verteidiger, die Soziologischen Schriften I von Adorno mit, da ich wenigstens den Anmerkungen glauben schenken wollte und auch musste, dass dort schon in einigen kurzen Aufsätzen seine Position deutlicher ist, als ich das bisher wahrgenommen hatte. Ich habe auch schon einen Blick in die Aufsätze gewagt, doch fiel mir gleich ein rein persönlicher Grund ein, warum Adorno mir Unbehagen bereitet: Adorno ist rhetorischer Militarist, mit allem was dazugehört. (Ich weiß, das von mir mit meinem Geschwurbel, das aber noch nicht einmal so stark ist wie Adornos. Und schon wieder so eine Falle, die ich mir selbst gestellt habe.)

2) Zur Erheiterung, weil es ja ein wesentlich einfacheres Thema ist: Hier mal eine Linkempfehlung zu telepolis, wo es einen zwar nicht sehr satten, aber doch interessanten Artikel gibt: Diskriminierung von Tieren heute ähnelt der von Frauen, Schwarzen oder Schwulen. Was mir nicht so zusagte, war der Hinweis, dass es sich um eine theologische Position zur Tierethik handelt. Nicht mein Ding. In Texte zur Tierethik ist auch ein kurzer Abschnitt Gotthard Teutsch zur ‘Würde’ enthalten, der theologisch (wohl christlich) argumentiert. Den wollte ich im egomanischen Lesezirkel einfach auslassen, aber vielleicht findet sich doch noch ein Ansatzpunkt.

Im Artikel war dann auch gleich noch der Hinweis auf das Oxford Centre for Animal Ethics und die neue Zeitschrift Journal for Animal Ethics (JSTOR-Paywall, dammit. VPN-Verbindung zur Bib wieder einrichten, Dreck!). Aus den Zielen der Seite:

We cannot change the world for animals without changing our ideas about them. Philosophers have led the way in helping us to think differently about animals.

Academics should now lead the way in furthering ethical attitudes and contributing to informed public debate.

Our concern is to establish an unashamedly elite school of academics able to make an effective ethical case for animals.

The Centre is opposed to violence and illegality, and will not appoint Fellows who advocate violence or law breaking.

Das ist doch genau meine Sache. Feed-Aggregator wird angeschmissen, damit mein ohnehin schon stattliches Pensum noch anschwillt. Yeah!

3) Nachtrag zum Beitrag vom Mittwoch: Kauderwelsch. Dieses vermaledeite Urheberrecht macht es den Gegnern der eigenen Position zu Urheberrechtsverstößen echt einfach, Argumente für eine Änderung desselbigen zu finden.

Meine Chronistenpflicht ist hiermit für heute erfüllt.

 
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Wenn hier ein Vöglein singt…

16 Sep

…dann zwitschert es bis in die weitesten Teile der Welt. Fiderallala, Fiderallala, Fiderallalalala.

Und dennoch hört niemand hin.