Wiederauferstehung

Ich habe keinen Plan. Nicht im geringsten. Es war hier eingeschlafen, was eine beschönigende Umschreibung ist. Denn eigentlich wurde alles hier verschüttet. Aus einer Laune heraus habe ich erst das Geröll beseitigt, darunter lagen einige Trümmer. Ich wollte aufgeben, das hier noch zu retten, dann fiel es aber leichter als gedacht, die Trümmer zu beseitigen. Und darunter sah es besser aus als erwartet. Eigentlich war nicht wirklich viel zu Bruch gegangen. Hier und da ein paar Schrammen, ein bisschen Schwund ist halt immer.

Aber alles wieder aufbauen, das kam mir so schwer vor. Aber wieder einmal wurde ich überrascht. Schnell war das kackbraune Kleid entfernt und ein leichterer, zeitloserer Fummel übergeworfen. Der Spam vergeht nie, Werbung denkt immer an dich, doch wurde es etwas viel. Nachdem die Fassade wieder frisch war, flog der Spam gleich mit raus. Auf einmal roch es wieder frisch, alles sah eigentlich ziemlich gut erhalten aus, es fühlte sich auch noch richtig gut an.

Aber einen Plan habe ich nicht. Ich will auch keinen haben. Ganz ehrlich, brauche ich auch nicht. Fühlt sich gut an, richtig gut. Warum also nicht? Mal sehen, wohin das alles hier führt. Kein Zwang, nur Spaß. Ich bin nicht sehr firm in diesen Dingen, kommt die Wiederauferstehung nicht ein paar Tage zu früh? Egal, erst mal tanzen.

Wie konnte ich nur gerade jetzt in die Piratenpartei eintreten?

Gestern Abend saßen wir nach der Fraktionssitzung der Piraten in Friedrichshain-Kreuzberg noch beieinander, da kam zur Sprache, wie leicht es doch eigentlich ist, die Piratenpartei mit einem gewaltigen Knall zu verlassen. Ihr auf ähnliche Weise beizutreten, so schien es uns, ist aber hingegen schwer bis unmöglich. Denn wer nicht an einem messianischen Rettersyndrom, also gelinde gesagt übersteigertem Ego, leidet, kann nicht mit Fanfaren in die Partei einmarschieren wie andere sich aus ihr verabschieden. Es braucht diese Fanfaren auch nicht, sondern nur eine rein subjektive, persönliche Beschreibung eines Neupiraten, warum er oder sie zu einer Zeit eingetreten ist, als Andere nur noch Rauchschwaden über einem Trümmerfeld aufsteigen sehen.

Ein Eintritt und die ersten zaghaften Schritte in der Piratenpartei sind ein längerer Prozess, der nicht explosionsartig geschieht. Hier also der Versuch, zu beschreiben, warum ich Ende letzten Jahres eingetreten bin, wie ich die Piraten bisher im Alltag erlebt habe, warum ich bleiben werde und warum ich die Berichte über das vorzeitige Ableben der Piratenpartei für maßlos übertrieben halte.

Motivation

Seitdem es die Piratenpartei gibt sympathisiere ich mit ihr in nahezu allen Bereichen. Aber vor allem imponiert mir, dass es eine Partei mit leidenschaftlichen Menschen ist. Menschen, die auf ihre individuelle Art anders sind, als diejenigen, die ich sonst in der Politik sehe. Kompetente Leute in einer Partei, die Kompetenz nicht an Äußerlichkeiten festmacht. Weil gute Politik eben beispielsweise auch mit bunten Haaren geht.

Dass ich erst vor kurzer Zeit Mitglied wurde und mich damit nebenbei zu Programm und Satzung bekannte, liegt an einer Fehleinschätzung: Ich hatte die verheerende Kommunikationskultur und die aggressiven Debatten weniger Lautstarker heillos überschätzt. Mich schreckte ab, wie einige wenige verbal mit Minderheiten und Minderheitenmeinungen umgingen.

Es hat also eine lange Zeit gedauert, bis ich den Schritt ging, um hinter die Wand des verbalen Furors zu schauen. Was mich hinter die Wand zog, waren nicht allein die Themen. Es waren die Menschen, die diese Themen in der Piratenpartei vorantreiben. Menschen, die ich ohne den Hauch von Neid für ihren Sachverstand und ihr Engagement bewundere. Es war nur ein Schalter in meinem Kopf und ein Schritt durch diese laute Wand. Mit dem umgelegten Schalter stellte ich mich darauf ein, den Lärm zu ignorieren, dann war der folgende Schritt ganz einfach. Denn motivierte Menschen motivieren mich.

Aktivierung

Hinter dieser Wand sah alles gleich nicht nur viel besser aus, es war es auch. Ich ging erst einmal zu einem Crewtreffen. Und wie gut das war. Vom ersten Moment an waren alle Piraten dort offen und aufgeschlossen. Nicht nur das, sondern auch aktivierend. Sie waren offen für alle Fragen und stellten mir selbst viele. Alles, was ich anfangs machen musste, war, Anwesenheit und Einsatzbereitschaft zeigen. Den Weg, wo und wie ich mich sinnvoll einbringen könnte, wiesen sie mir.

"Hast du Zeit und Lust hierbei zu helfen?" Diese Frage hörte ich immer häufiger. Statt mich zu grillen und meine Intentionen inquisitorisch in Erfahrung zu bringen, praktizierten sie ein anderes Verfahren: Sie lebten das Piratenideal der Partizipation. So kam dann auch die Idee auf, ich könnte nach drei Monaten in der Crew doch mal für vier Wochen die Urlaubsvertretung für den Kapitän machen. Ich fragte mich noch, ob es eine gute Idee sei, einen Neuling dafür zu nehmen, der die Leute und Strukturen ja gerade erst kennengelernt hatte. Die Gegenargumente aus der Crew waren so einfach wie überzeugend: 1. Wie sollen sonst Neupiraten die Strukturen kennenlernen und Verantwortung übernehmen, wenn niemand ihnen Aufgaben und Herausforderungen gibt? 2. Du kannst hier nichts kaputtmachen, was wir nicht gemeinsam wieder fixen können. 3. Mach es einfach.

Und so wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können. Ich arbeitete mich rein, las mich ein und nahm intensiver an den Debatten teil, als ich es mir nach so kurzer Zeit vorstellen konnte. Noch etwas fiel mir später auf: Ich war von allen schon lange als Pirat akzeptiert, integriert und aktiviert, da hatte ich mir selbst es noch gar nicht bewusst gemacht.

Zusammenarbeit

Dann kamen die ersten Versammlungen. Die gemütlichen Gebietsversammlungen waren ein überschaubarer Anfang. Ein absolut überzeugendes Erlebnis war aber die erste Landesmitgliederversammlung, an der ich teilnahm. Ich kam zur Tür hinein und gleich hieß es wieder: "Gut, dass du da bist. Willst du helfen?" Also half ich, wo ich konnte.

Wieder lernte ich etwas. Piraten können noch so verschieden sein, sie können ziemlich viel auf die Beine stellen. Sie kriegen es irgendwie hin, funktionierendes Internet für alle zu stemmen. Auch wenn sie es selbst als wackelig bezeichnen, ich war auf anderen Großveranstaltungen, wo so etwas ein aussichtsloses Unterfangen war. Ein Squad machte günstiges Essen für alle, während andere die Bildregie machen. Bildregie? Ja, es gab zwei verschiedene Säle, die in ständiger Verbindung standen. Einfach so, weil es geht. Und noch viel mehr.

Sah ich noch genauer hin, waren das aber auch noch Piratinnen und Piraten, bei denen ich mir sicher war, sie hatten bis gerade eben noch auf verschiedenen Kanälen das mit diesem Flügelstreit ausgefochten. Auf unterschiedlichen Seiten der Fronten. Da waren sie nun aber und reichten sich LAN-Kabel, machten Technik klar oder diskutierten Anträge. Ja, sie machten nicht nur Orga und Struktur, sie machten Inhalte. So wurde in größtenteils völlig entspannter und konzentrierter Arbeitsatmosphäre nicht nur ein neuer Landesvorstand gewählt, sondern auch das meiner Meinung nach größte und beste demokratische Experiment der letzten Jahrzehnte wurde beschlossen: die SMV. Und noch viel mehr.

Ebenso war auch die Gebietsversammlung in Friedrichshain-Kreuzberg am letzten Wochenende ein starkes Symbol für mich. Sie wurde organisiert von einer Crew, die neu ist. So neu wie viele der Piraten in der Crew. Am Ende haben sie eine tolle Versammlung gestemmt. Weil es geht, wenn Menschen sich reinhängen. Und wieder wurde miteinander gearbeitet, wenn beispielsweise aus einem inhaltlich guten, aber formal dürftigen Antrag innerhalb kurzer Zeit drei gute Alternativen entstehen. Alles möglich.

Wohin ich sehe, ich sehe Piraten, die miteinander arbeiten und Dinge bewegen, ja, sogar diese ominöse Sache mit der Politik gut raushaben.

Vertrauen

Wie gesagt, gestern nach der Fraktionssitzung saßen wir noch beisammen. Für mich war es eine besondere Sitzung. Es war die Sitzung, in der ich — wie auch zwei andere Piraten — offiziell Teil der Fraktionsversammlung wurde.

Ich war schon vorher bei Sitzungen der Fraktion. Als Gast musste ich mich mit aller Macht an die Freundlichkeit, Offenheit und Beteiligung dort gewöhnen. Erst einmal wurden mir Stimmkarten in die Hand gegeben, ich wollte sie intuitiv zurückgeben, da ich einen Irrtum vermutete. Aber nein, ganz dem Prinzip der Mitmachpartei verschrieben erhalten alle bei Fraktionssitzungen Stimmkarten. Es zählen zwar bei Abstimmungen nur die Karten der Fraktionsmitglieder, aber die Beteiligung der Gäste wird als Meinungsbild gewertet, ernstgenommen und bei Bedarf selbstverständlich thematisiert. Vor mir lagen also von Beginn an drei laminierte Karten in rot, gelb und grün. Sie bedeuteten, dass meine Meinung hier etwas wert ist, dass sie willkommen ist.

Seit gestern zählen diese Karten sogar etwas mehr, denn die Fraktion hat den Vorschlag der Gebietsversammlung angenommen und mich in die Fraktionsversammlung aufgenommen. Und auch das ist alles andere als Zufall, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Willkommenskultur in der Fraktion und bei den Piraten, denen ich begegnete. Ich wollte es langsam angehen, mich nicht aufdrängen, doch aber Hilfe und Unterstützung anbieten, wo es mir möglich ist. Und selten habe ich erlebt, dass mir für diese Einstellung so viel Dankbarkeit und Ermutigung entgegengebracht wurde. Der Eindruck war klar: Meine Meinung wird geschätzt. Auch meine Einsatzbereitschaft. Und es war auch klar, dass ich als Neupirat noch nicht alle Kompetenzen und Kenntnisse über die Prozesse mitbringen könne. Doch es wurde sofort deutlich, wie sehr mir zugetraut wurde, mir das alles schon aneignen zu können. Denn jede Hilfe und Unterstützung, die ich leisten kann, ist schon etwas. Allein aus diesem Grund war es gestern ein besonderer Tag für mich Neupirat: Politische Arbeit und Beteiligung als Pirat wurden wieder mal schneller konkret, als ich es mir hätte vorstellen können. Und mir wird noch immer von allen Seiten das Vertrauen eingeimpft, meinen Teil zur richtig guten Arbeit dieser Fraktion beitragen zu können.

Probiert es aus, Vertrauen fühlt sich richtig gut an und ist ein ziemlich starker sozialer Motor. Dafür bin ich dankbar.

Diversität

Ich bin nicht so naiv, wie das vielleicht bislang klingt. Ich sehe auch, nicht alles ist rosig. Hier sind Menschen am Werk, also sind auch Reibungspunkte und Konflikte auf verschiedenen Ebenen vorhanden. Und am Ende des Tages ist es auch vor allem Arbeit. Ich will und werde aber keine Karteileiche sein, also ist Arbeit Teil meines Plans. Harte Arbeit ist genau das, was ich erlebt habe. Arbeit von und mit diversen Menschen. Ich mache mir nichts vor, die Fraktionen, die Crews, die Bezirke, sie alle sind verschieden. Dieser Landesverband ist nicht homogen, die ganze Partei ist es nicht. Muss sie doch auch gar nicht sein.

Ich will auch nicht den Fehler machen, den ich gestern angesprochen habe, mir diese Partei sprachlich und mental anzueignen, Besitz von ihr zu ergreifen, um damit den Weg zur eigenen Frustration zu pflastern. Es ist nicht meine Partei, sie gehört mir nicht, ich suche mir aber bewusst die Teile, die meinen Kenntnissen und Interessen liegen. Ich habe ein Auge auf die anderen Teile, die ich vernachlässigen muss, und ich trage dazu bei, die Konturen dieser Partei inhaltlich, ideell und, ja, ideologisch mit Leben zu füllen. Ich begegnete Menschen, die anderer Meinung waren, aber wie ich an offenem und ehrlichem Austausch interessiert sind, um gemeinsame Wege zu gehen.

All meine Erfahrungen im persönlichen Kontakt überstrahlen jedes Gate. Die Rauschwaden sind allerhöchstens ein schwacher Dunst. Lautstärke ist nicht alles, nicht mal wirklich wichtig. Die Verschiedenheit ist es aber, gerade wenn sie als Stärke interpretiert wird. Denn eine Partei benötigt nicht eine einzige Stimme, mit der sie spricht. Und wo verschiedene Meinungen sind, muss nicht Wirrwarr entstehen, sondern einfach Diskurs. So habe ich es hier persönlich erlebt, so leben es mir die Piraten im Alltag vor. All die Linken, die Liberalen, die Freifunker, die Queers, die Antifas, die Kernies, die Feministinnen, die Alten, die Jungen, die Datenschützer und wer oder was sie nicht alle sind. Alle sind vielschichtige und fast alle tolerante Menschen mit dennoch großen Gemeinsamkeiten und tollen politischen Ideen, selbst wenn ich sie nicht sofort teile.

Ich nehme mir die toleranten Piraten zum Vorbild. Wenn ich mal groß bin, will ich so sein wie sie.

Erkenntnis

Seit fünf Monaten bin ich Pirat. Ich lese Twitter, ich höre Mumble. Allein, ich kann es nicht glauben. Außerhalb davon, in direkter Interaktion, bereue ich meinen Eintritt überhaupt nicht. Alles andere als das. Auch ich ärgere mich, habe Unverständnis, bin manchmal bis zur Verunsicherung irritiert. Dann gehe ich unter Piraten außerhalb der enthemmten Medien und vieles davon löst sich sofort auf. Über den Rest diskutieren wir leidenschaftlich, hitzig, meist fair.

Das kann nicht nur mir so gehen. Denn ich habe eines gelernt in meiner kurzen Zeit als Pirat: Wir verstehen viel von technischen Netzwerken und akzeptieren deren Schwächen, arbeiten mit und an ihnen; wir haben aber noch nicht gut genug realisiert, was für ein gutes soziales Netzwerk wir eigentlich sind. Und wie gut und noch besser dies sein kann. Wir sollten auch dessen Schwächen akzeptieren und an ihnen arbeiten. Ich habe dieses soziale Netzwerk namens Piratenpartei erlebt. Es funktioniert aus meiner Sicht sogar trotz allem, kaum zu fassen. Deshalb habe ich eben dieses Wort benutzt, das mir in meiner bisherigen Zeit vorgelebt wurde, wenn es ernsthaft um Politik ging: Wir.

Darmspülung: Domainumzug

Es wird hier diese Woche einige Änderungen im Blog geben – eher am Blog. Kein neues Theme, haben dafür keine Zeit. Auch keine inhaltliche Fokussierung – dafür wirken die Medikamente nicht gut genug. Notwendig ist die Umstellung des Namens und der Domain in das kryptischere, aber unverfänglichere kultprok.

Der alte Name stirbt, nicht aber das Branding. Der bisherige Name entstand eher aus einer Bierlaune, denn aus gereifter Überlegung. Hätte es sich um eine rationale Entscheidung gehandelt, hätten ich und der Admin uns nun einigen Arbeitsaufwand erspart. Wie es aber so ist, die klugen Entscheidungen trifft man selten bei guter Laune.

Der Witz des bisherigen Namens hat sich mit dem Titel dieses Beitrags eh endgültig überholt. Im Laufe der nächsten Tage werden allmählich alle Verweise auf den alten Namen in der Außenwirkung getilgt, soweit dies möglich ist. Am Ende steht dann der Domainumzug an, der mit allerlei Problemen behaftet sein dürfte. Keiner von uns hat Lust, die in der Datenbank hartkodierten Links zu ändern. Es muss aber sein. Und was da noch alles auf uns wartet, mir vergeht jetzt schon die Lust. Hilft nichts.

Nach außen wird sich also der Name ändern. Was wichtiger ist, auch der RSS-Feed wird dann voraussichtlich nicht mehr laufen, sofern uns nicht eine Lösung einfällt. Wenn es so weit ist, werde ich hier gesondert noch einmal darauf hinweisen, sollte der Feed endgültig umziehen.

Erste Liegeproben in Assembler

Ganz einfach: Mache eine Endlosschleife und tue in der Endlosschleife nichts. Aber sie tut wirklich was, ehrlich. Da geht was, nur nichts. Jetzt wird es fast philosophisch. Macht eine Schleife, die nichts tut, nicht doch etwas? Ich zitiere die Herren Deichkind: „Du schiebst ’n Geistesblitz bei Variable x. Ich komm‘ mit Party Hits und mach‘ die Party fit. Mir doch egal, wenn ich Dir die Kreide klau‘. Ich geh‘ zur Tafel und schreib‘ „Mathe is‘ scheisse“ drauf.“ Wenn alles so einfach wäre, wie der folgende Code, die Welt wäre ein friedlicher Ort. Kein produktiver, aber ein friedlicher. Lacht, meine Faultiere, lacht.

sloth:
nop
j sloth

Ich bin der Endlosschleifen-König. Ich werde auf meine alten Tage noch ein gigantischer Programmierer.

Bildquelle: Christian Mehlführer CC-BY 2.5

Schleichfahrt

Das Netz ist slow. Sehr. Verdammt sehr. Sehr doubleplus ungut. Upload: 4,0 KB/s – toll. Down: 32,3 KB/s noch toller. Da raste ich aus. Mal neben bei, warum schreibt sich raste (im Sinne von schnell) und rasten (im Sinne von ein- bzw- ausrasten) gleich? Was für ein Schrott ist das? Ich raste nicht aus, das ist doch das Problem. Ich langsame aus.

Da komme ich doch nicht vorwärts. Bestimmt liegt es wieder daran, dass die Kabel unten im Keller beim Verteiler verrostet sind und der Vermieter keinen Finger rührt. So einfach kann eine Zeitreise sein. Solche Geschwindigkeiten wären toll gewesen, als ich anfing, im Netz zu surfen. Da war aber noch CompuServe das Ding schlechthin. Ich weiß, das ist ja in den Neunzigern gewesen, während da andere schon durch Netzwerke huschten, die ganz anders aufgestellt waren.

Sicher, sicher, alles klar. Ich habe halt erst zu der Zeit angefangen. Habe ich deshalb solche Verbindungsgeschwindigkeiten verdient?

Heute auch kein Carruthers

Vorbereitungen im Studium nehmen mich heute ein. Carruthers kommt erst einmal nicht zum Abschluss. Den Kopf verdrehe ich mir jetzt nicht mit den Tierrechten, wenn ich Theorien der IB und Vergleich der nordafrikanischen autoritären Regime und deren Untergang dort unterbringen muss.

Keine Zeit, keine Lust, keine Gelegenheit. Carruthers wird’s verschmerzen können. Ich auch, bin nicht wirklich angetan von diesem Aufsatz.

Die vorbereitende Sprechstunde

Irgendwas läuft in meinem Kopf nicht richtig. Ehrlich, da stimmt was nicht. Da habe ich gestern einen Termin ausgemacht, für Vorbesprechung zur Abschlussprüfung, die bald ansteht. Und was habe ich mir einen Kopf gemacht, weil der Professor auf meine Mail mit einigen Fragen antwortete, dass ich besser in seine Sprechstunde kommen sollte. In meinem Hinterkopf rumorte es. Ich war felsenfest davon überzeugt, er habe etwas an meinem Konzept auszusetzen und bittet mich jetzt, kurz vor der Prüfung, zum Rapport. Um mein Konzept einzudampfen.

In meinem Magen schlug es seit gestern Wellen, ich war unfassbar aufgeregt. Schlecht war mir, auch heute morgen noch. Ich hatte kaum geschlafen. Eigentlich wollte ich heute Morgen dann noch einmal mein Konzept durchgehen, damit ich wenigstens bestens gerüstet vor den Scharfrichter trete. Doch auch daraus wurde nichts. Die nervösen Blitze, die mir mein Scheitern verkündeten, ließen mir nur zwei Stunden Schlaf. Den auch nur in das Zeitfenster der Vorbereitung auf das Gespräch hinein. Ich war also gänzlich unvorbereitet, meine letzte Beschäftigung mit dem Prüfungsthema war vor zwei Wochen. In der Zwischenzeit hatte ich mich nur auf das zweite Prüfungsfach versteift. Weiterlesen