Meine große Klappe und *trommelwirbel* … Tierethik. Wer hätte das gedacht?

1) Da wollte ich nur schnell in der Bibliothek einige Literatur für meine mündliche Abschlussprüfung holen, da stolpere ich doch gerade über alte Bekannte aus meinen Fachschaftszeiten. Aus der nach Plan nur kurzen Visite wurde dann ein dreistündiger Aufenthalt. Die genauen Umstände, wie es dazu kam, sind nicht so wichtig. Allerdings hatte ich mich mit einer beiläufigen Herablassung Adornos den Stein ins Rollen gebracht – und mir gleich, wie hätte es anders sein können, einen schlechten Stand verschafft.

„Adorno ist in meinen Augen nicht mehr als ein Hirnficker.“ Das waren meine Worte. Weise gewählt, wie man es von mir kennt. Diese verbale Einladung zur Widerrede nutzten meine alten Bekannten sogleich. Lange Rede, kurzer Sinn: Agree to disagree. Das war das Ergebnis. Allerdings, wir waren schließlich in der Philosophie-Bibliothek (Warum ich mir auch solch einen Ort für eine reflektierte Analyse der Frankfurter Schule und Kritischen Theorie aussuchen musste?), nahm ich mir auf Anraten der mich umgebenden Adorno-Verteidiger, die Soziologischen Schriften I von Adorno mit, da ich wenigstens den Anmerkungen glauben schenken wollte und auch musste, dass dort schon in einigen kurzen Aufsätzen seine Position deutlicher ist, als ich das bisher wahrgenommen hatte. Ich habe auch schon einen Blick in die Aufsätze gewagt, doch fiel mir gleich ein rein persönlicher Grund ein, warum Adorno mir Unbehagen bereitet: Adorno ist rhetorischer Militarist, mit allem was dazugehört. (Ich weiß, das von mir mit meinem Geschwurbel, das aber noch nicht einmal so stark ist wie Adornos. Und schon wieder so eine Falle, die ich mir selbst gestellt habe.)

2) Zur Erheiterung, weil es ja ein wesentlich einfacheres Thema ist: Hier mal eine Linkempfehlung zu telepolis, wo es einen zwar nicht sehr satten, aber doch interessanten Artikel gibt: Diskriminierung von Tieren heute ähnelt der von Frauen, Schwarzen oder Schwulen. Was mir nicht so zusagte, war der Hinweis, dass es sich um eine theologische Position zur Tierethik handelt. Nicht mein Ding. In Texte zur Tierethik ist auch ein kurzer Abschnitt Gotthard Teutsch zur ‚Würde‘ enthalten, der theologisch (wohl christlich) argumentiert. Den wollte ich im egomanischen Lesezirkel einfach auslassen, aber vielleicht findet sich doch noch ein Ansatzpunkt.

Im Artikel war dann auch gleich noch der Hinweis auf das Oxford Centre for Animal Ethics und die neue Zeitschrift Journal for Animal Ethics (JSTOR-Paywall, dammit. VPN-Verbindung zur Bib wieder einrichten, Dreck!). Aus den Zielen der Seite:

We cannot change the world for animals without changing our ideas about them. Philosophers have led the way in helping us to think differently about animals.

Academics should now lead the way in furthering ethical attitudes and contributing to informed public debate.

Our concern is to establish an unashamedly elite school of academics able to make an effective ethical case for animals.

The Centre is opposed to violence and illegality, and will not appoint Fellows who advocate violence or law breaking.

Das ist doch genau meine Sache. Feed-Aggregator wird angeschmissen, damit mein ohnehin schon stattliches Pensum noch anschwillt. Yeah!

3) Nachtrag zum Beitrag vom Mittwoch: Kauderwelsch. Dieses vermaledeite Urheberrecht macht es den Gegnern der eigenen Position zu Urheberrechtsverstößen echt einfach, Argumente für eine Änderung desselbigen zu finden.

Meine Chronistenpflicht ist hiermit für heute erfüllt.

Ultima Underworld (Teil 1 von 2)

Unter dem prägenden Eindruck der Computerspiele in meiner Jugend entstand meine Vorliebe für Spiele mit offenen Welten, die enorme Handlungsfreiheit boten. Dabei sind viele der damaligen Titel in Sachen Freiheit und Raum nicht mit heutigen Klassikern des Genres zu vergleichen, aber dennoch haben sie die damals herrschende Statik vieler Konkurrenten weit hinter sich gelassen und auch die begrenzten Rechenleistungen der Computer ausgereizt. Würdiger Vertreter der frühen Zeiten dieser Spiele ist Ultima Underworld. Weiterlesen

Berliner Nadelstiche?

Ist das ärgerlich, dass ich nicht darauf gewettet habe, wann nach dem Wahlergebnis in Berlin die ersten Stimmen aufkommen, die nach dem Schutz des ‚Urheberrechts‘ rufen. Dabei ist ‚Schutz‘ im Sinne von Verschärfung gemeint. Dieser Schutzreflex war unausweichlich. Und doch habe ich ihn nicht vorhergesagt. Hätte ich es mal getan, ich hätte bessere Erfolgsergebnisse gehabt, als manch andere Prophetie. Man hätte sich nur nicht auf Namen festlegen lassen sollen. Oder eben nach statistischer Auswertung der Vor- und Nachnamen der üblichen Verdächtigen ein wenig über die Initialen der Urheberschützer fabulieren können, um Expertenwissen vorzugaukeln.

Und wer hat diesen Monat eine Lanze für das Urheberrecht gebrochen? S.K. Wer? Siegfried Kauder. Kauder hat man ja schon mal gehört, aber Siegfried? Ja, nicht der Volker. Und was hat der feine Siegfried denn so gemacht, während die Piraten noch ihren Rausch ausschliefen. Der gute Mann verschafft sich ein wenig Aufmerksamkeit.

In acht Wochen schon, so Kauder der Jüngere, werde die Koalition einen Gesetzesentwurf einbringen, der Internetprovider dazu verpflichten soll, ihre Kunden bei mutmaßlichen Urheberrechtsverstößen zu verwarnen. Sollte dies die Kunden nicht abschrecken, drohe später die Sperre des Internetzugangs für drei Wochen (via netzpolitik.org), da dies verfassungsrechtlich unbedenklich sei. Das ist dann wohl ein neuer Spin für eine alte Forderung.

Ein Glück nur, dass es bislang wohl einfach nur Nervenberuhigung der Klientel der Union ist. Diese alteingesessenen Granden der Kulturindustrie werden nachhaltig eingeschüchtert sein vom Einzug der Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus. So sehr, dass sie sogar den Zusammenbruch aller Kulturproduktion fürchten. Wahrlich, wer sich solch ein Szenario in so lebhaften Farben ausmalt, ist überaus kreativ. Da bricht dann für mich eine kleine Welt zusammen, dachte ich doch bislang, dass die industrielle Produktion von Kulturgütern gerade nicht der Förderung kultureller Vielfalt, sondern lediglich der Schaffung rentabler kultureller Massenware diene. Als solche brauchte man als Teil dieser Industrie nicht kreativ zu sein, rein kaufmännisches Geschick hätte genügt. Und doch muss ich mich korrigieren: Der fiebrige Wahn vom Untergang der Kultur ist Ausgeburt der höchsten Kreativität, einer fehlgeleiteten, krankhaften zwar, aber wen kümmert das?

Also, mein Dank an Herrn Kauder. Er hat mir die Augen geöffnet. Mein Verstand nahm dabei Schaden, aber den brauche ich eh nicht mehr.

Der Parkplatz

Ich musste mir das Auto meiner Freundin, wie ich es hin und wieder tue, leihen. Besagtes Gefährt steht dann in der Regel in der Tiefgarage ihres Mehrparteienhauses. Das Problem an der Sache ist, dass die Parkplätze dort sehr knapp bemessen sind; so knapp, dass ich das sich der Verdacht aufdrängt, die Garage wäre in Zeiten gebaut worden, in denen Autos durchschnittlich nur einen Meter breit waren. Das kann zwar nicht sein, weil das Haus sicherlich erst ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat und auch wegen meiner Zweifel, ob Autos jemals so schmal gebaut wurden (Selbst das ‚Rollermobil‘, ich hau mich weg, Isetta hat knapp 1,40m.). Aus diesem Grund war es immer eine Plage, wenn der Parkplatz neben dem meiner Freundin besetzt war. Da kam zwar nicht oft vor, was mich wunderte, doch erfuhr ich heute die Erklärung. Weiterlesen

Programmvorschau: Der Paragamer als Retrogamer

Mein Outing als Paragamer liegt nun hinter mir. Zeit, dies auch mal hier auszuleben. Als solcher Paragamer hechele ich den Trends nicht hinterher, vielmehr habe ich auf meinem gemütlichen Weg durch die Spielegeschichte schon einige Titel gesehen und ins Herz geschlossen. Deshalb werde ich mir für den Freitag besonders zwei Titel vornehmen: Civilization, Ultima Underworld und dessen Nachfolger. Vielleicht wird diese Serie dann gelegentlich von aktuellen Neuerscheinungen im Musikherbst unterbrochen, da steht eine Menge vielversprechendes Gewitter auf dem Plan.

Ich freue mich schon darauf, mir die Spiele in Erinnerung zu rufen. Ich habe mit allen drei Spielen wahrscheinlich mehr Lebenszeit verbrannt, als es gut für mich war. Aber was soll ich machen? Die Zeit kriege ich nicht zurück und die Spiele waren dermaßen gut.

Tiere haben sich zum Fressen gern – Suicide Food

Meine Position zur Tierethik ist ja durchaus komplex und ich will derzeit auch noch nicht schlussendlich Stellung beziehen. Wenn aber aus Werbezwecken und nur zum Marketing von Fleisch auf einen sehr zweifelhaften Trick zurückgegriffen wird, dann bin ich, ehrlich gesagt, schon ein wenig angewidert von der einfältigen Vermarktung. ‚Easing omnivor guilt‘, wie Lisa Wade schrieb, trifft es dann noch nicht einmal auf den Kopf, wenn es darum geht, mit einfachen Mitteln den Konsumenten auch noch einzureden, der Genuss von Fleisch sei nicht nur unproblematisch, sondern auch eine Wohltat für die Tiere selbst.

Dokumentiert werden die krudesten Beispiele für offenkundig dämliches Marketing in Sachen Fleischverzehr vom englischsprachigen Blog ‚Suicide Food‚. Die Macher beschreiben ihre Seite so:

What is Suicide Food? Suicide Food is any depiction of animals that act as though they wish to be consumed. Suicide Food actively participates in or celebrates its own demise. Suicide Food identifies with the oppressor. Suicide Food is a bellwether of our decadent society. Suicide Food says, “Hey! Come on! Eating meat is without any ethical ramifications! See, Mr. Greenjeans? The animals aren’t complaining! So what’s your problem?” Suicide Food is not funny.

Durchaus mal einen Blick wert. Manches ist so dämlich, man muss einfach lachen.