Festivus

Schade, ich habe Festivus verpasst. Das war schon am 23. Dezember. Welch selige Momente in meiner Erinnerung schlummern, wenn ich daran denke, wie zwieträchtig wir uns beim gemeinsamen Festmahl Vorwürfe machten. Das ganze Jahr über staute ich alle Wut in mir an, um sie an diesem herrlichen Tage aus mir herausbrechen zu lassen. In einem grandiosen Schwall der Worte, die sich über meine Familie vergossen. Ach, gute Erinnerungen.

Dieses Jahr habe ich es vergessen. Ein Zeichen der hektischen Zeit? Ja! Diese vermaledeite Hektik der materiellen Welt, all diese unnützen Grabenkriege, die man führen muss. Um nichts und wieder nichts; immer ist es derselbe Trott. Frustration verkrustet im Kopf, betäubt das Glücksgefühl. Ich will, ich brauche doch die Auseinandersetzung. Keine Höflichkeit, keine Zurückhaltung. Keine ach so hochgelobte Zivilisation. Festivus hat doch alles in sich vereint, was der gestresste Mensch begehrt. Die Katharsis, die herrliche, die sich einstellt, wenn man mit dem pater familias ringt. Dieses Jahr fiel sie meiner Unachtsamkeit zum Opfer.

Listiges zu Feiertagen

Vor sich hin lebend ist es nicht schwer, die Geschehnisse um einen herum als einzig möglichen Zustand der Welt wahrzunehmen. Das Faktische hat eine enorme normative Suggestionskraft, die nicht einfach überwunden werden kann. So ist es auch mit den Feiertagen, die ich mir diese Woche mal genauer ansehen wollte. Erst jetzt wird mit langsam bewusst, was alles schon an dem Begriff selbst irreführend und ungenau ist. Nun fällt mir auf, dass ich auch noch stets Feier-, Gedenk- und Aktionstage miteinander vermengt habe. Was ich meine sind aber tatsächlich Feiertage und ihre Gründe. Doch könnten einige Aktions- oder Bedenktage ebenfalls und manches mal in meiner Wahrnehmung besser als bislang bestehende (deutsche) Feiertage einen Grund zum Feiern abgeben. Weiterlesen

Wozu überhaupt Feiertage?

Es stellen sich nun, wo es mir schwer fällt, aus meiner Sicht gute Gründe für Feiertage zu finden, doch einige Fragen, die ich zuvor nicht wirklich in dem Maße gestellt hatte, die aber in meine Regeln für Feiertage einflossen oder deren Notwendigkeit überhaupt begründen können. Weiterlesen

Lumière-Tag

Warum?

Ich hatte es gestern ja schon angekündigt: Heute ist für mich Feiertag. Jawoll. Aber welcher? Ich habe ihn immer Lumière-Tag genannt. Das trifft es nach meinen Regeln nicht ganz, aber es klingt besser als Kinotag. Das klingt mehr nach Dienstag zum halben Preis oder so ähnlich. Es ist auch treffender als etwa Cinématographentag. Wer weis denn schon noch, was ein Cinématograph ist? Beide Begriffe hätten auch den Nachteil zu stark auf Kino zu fokussieren. Ich verstehe den Lumière-Tag als einen Tag, an dem die Bedeutung des Bewegtbildes gefeiert werden sollte. Also Kino, Fernsehen, Video und noch mehr. Vielleicht sogar auch Videospiele. Ich glaube schon, dass sie hier einen Platz hätten. Narrativ sind viele der großen Spiele an Filmen dran, auch wenn sie doch eine andere Interaktivität haben. Aber Bewegtbilder sind essenzieller Teil der Videospiele. Warum eigentlich nicht? Weiterlesen

Kopfzerbrech-Feiertag

Bei den Regeln, die ich mir selbst auferlegt habe, fallen viele Gründe und Anlässe für eine Würdigung weg. Mir wollen partout kaum noch welche ein. Mit der Ausnahme von einem Anlass, den ich aber erst morgen vorstelle, da glücklicherweise der 28. Dezember der Feiertag wäre. Ansonsten herrscht Ebbe in meinem Schädel, gähnende Leere. Nicht einmal vereinzelte Wattwanderer waten durch den verbliebenen Morast.

Die wenigen Einfälle, die mir kommen, scheitern schon früh an den Kriterien. Aber so schlecht finde ich es auch wieder nicht. Warum sollte ich etwas feieren, was es letztlich nicht wert ist? Ich empfinde das enge Korsett der Regeln als schlüssig genug, um nicht durch die eintretende Leere geeigneter Kandidaten in Frage gestellt zu werden. Im Gegenteil könnte es auch dafür sprechen – getreu dem Motto: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen -, dass die verbliebenen Kandidaten zumindest aus meiner Sicht tatsächlich wert wären, gebührend und umfassend gefeiert zu werden.

Hier mal einige Kandidaten, die mir durch den Kopf gingen, aber letztlich doch nicht überzeugen:

  • Wissenschaft: Eigentlich ein No-Brainer. Aber mit dem Evolutionstag wäre es reichlich redundant. Vielleicht sollte man aus dem Evolutionstag einen der Wissenschaften machen.
  • Videospiele: Ich hatte es ja bereits mit der Kunst der Videospiele. Allerdings ist die Verbreitung der Videospiele für meine Begriffe noch nicht universal genug. Das ist der einzige Grund.
  • Kriegsende 1945 und Befreiung der KZs: Wäre es mir generell wert. Doch ist dies oftmals – zu Unrecht, wie ich finde – nur als nationale Geschichte interpretiert. Für mich gibt es neben allen bedeutsamen Motiven und Implikationen sicherlich universale Gründe, diesen Geschehnissen zu gedenken, aber so sicher bin ich mir dann auch wieder nicht.
  • Sklavenbefreiung: Egal wo, egal wann. Jedes historische Ereignis, bei dem widerfahrenes Unrecht beseitigt wurde, ist es allemal wert. Aber auch hier besteht die Gefahr, dass man sich nur auf nationale Ereignisse konzentriert, anstatt allgemeinen Wert auf die Bedeutung von Freiheit zu legen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger ist es ein Hindernis. Also vielleicht doch?
  • Viele andere Ereignisse sind rein von nationaler Bedeutung und scheiden daher für mich aus.

Morgen dann aber mit Sicherheit ein aus meiner Sicht sehr bedeutsamer Feiertag, an dem es keinen Weg vorbei gibt.

Evolutionstag

Warum?

Die Evolution1 ist in meinen Augen aus den verschiedensten Gründen wert, gefeiert zu werden. Sie ist begrifflich-deskriptiv auf einen Naturprozess bezogen. Zugleich ist sie wissenschaftlich betrachtet, eine Theorie von höchster Eleganz, da sie mit vergleichsweise geringen Voraussetzungen und Annahmen eine gewaltige Komplexität abdeckt. Als solche ist sie prinzipiell unviversal, dauerhaft und auch frei. Universal und dauerhaft ist sie, weil es keinen Grund gibt, anzunehmen, dass sie sich im Kern im Laufe der Zeit gewandelt habe oder an unterschiedlichen Orten verschieden angeordnete Mechanismus habe. Das heißt nicht, dass sie überall zu gleichen Ergebnissen führt. Ganz im Gegenteil: Teil ihrer Eleganz ist, dass mit demselben Werkzeugkasten diverse Unterschiedlichkeiten nachvollzogen und erklärt werden können. Frei ist sie, weil sie einen Naturprozess beschreibt, der auch ohne ihre Beschreibung existieren würde. Es bleibt dem Menschen überlassen, dem Prozess einen Namen zu geben, zu nutzen und Gewicht beizumessen.

Aber ist sie auch säkular? Ich bin fest davon überzeugt. Als Naturprozess ist sie hochgradig amoralisch. Es gibt kein Gut und kein Schlecht in der Evolution; es gibt kein Richtig und Falsch als Ergebnis der Evolution (sicherlich aber richtige und falsche Beschreibungen von Evolutionsvorgängen). Damit hat sie erst einmal einen großen Raum der Kollision mit religiösen oder spirituellen Ansätzen gemieden. Was ist aber, wenn die Evolution mit den Schöpfungsmythen der Religionen nicht in Einklang zu bringen ist. Ganz ehrlich, das ist das Problem der Religionen, sich darauf einen Reim zu machen. Die Evolution ist als solche vielleicht in ihrer jetzigen Form nicht unumstößlich wahr. Sie ist aber durch sichere wissenschaftliche Dokumentation und Forschung als evident anzusehen, sie ist in diesem Sinn der Wahrheit um Längen näher als alle bekannten Schöpfungsmythen. Säkular ist es, glaube ich, weil sie sich nicht mit einigen Mythen beißt oder einen Mythos allen anderen vorzieht. Wenn sie überhaupt mit Mythen kollidiert, dann mit allen, die sich auf die Schöpfung durch einen übernatürlichen Eingriff beziehen.

Wie?

Das ist simpel. Durch die Auseinandersetzung mit Literatur und Forschung zur Evolution. Auch wenn landauf, landab gerne auf Wissenschaftskommunikation und -forschung eingeschlagen wird, im Falle der Evolution kann man keinen Vorwurf erheben, dass es nicht genügend Gelegenheit gäbe, sich über die Grundlagen der Inhalte von Evolutionstheorien und dem aktuellen Stand befassen zu können. Wem das zu nüchtern ist, denen bleibt die folgende Regel, die meines Erachtens immer für Feiertage gelten sollte: Jeder und jede feiert mit allen, die feiern wollen. Kein Zwang, keine Not.

Wann?

24. November. Es handelt sich dabei um den Jahrestag des Erscheinens von Darwins On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, welches ursprünglich im Jahre 1859 erschien und erst später einen weniger wuchtigen Titel erhielt. Dieser Termin erscheint mir sinnvoll, weil es sich bei diesem Werk um ein wissenschaftsgeschichtliches Schwergewicht handelt, das heute inhaltlich in weiten Teilen bis hin zur Veralterung erweitert und ergänzt ist. Dennoch ist es Ursprung eines naturwissenschaftlichen Triumphzuges.

 

1 Ich verwende diesen Begriff hier als Platzhalter für eine Sammlung von Evolutionstheorie, die geschichtlich entstanden sind. Vor allem meine ich damit aber das heute übliche erweitere synthetische Evolutionstheorie.

Maiskanone

Wer dieses Pflanzen gegen Zombies gemacht hat (will nicht in die Credits zu gucken), gehört belohnt – und dann bestraft wegen Verbreitung von Suchtmitteln. Komme zu gar nichts mehr. Zen-Garten und Stinki, Peking und Beghouled. Prallevolles Spielchen, das ich jahrelang übergangen habe. Musste ja so kommen: Bin müde, musste noch spielen.
Das Spiel ist so großartig wie zeitraubend. Neue Maßeinheit für Zeit: Runden PvZ. Die Bahnfahrt dauert 5 PvZ, Essen 2 PvZ und in etwa 48 PvZ ist dieser komische Geschenketag.

Chronik eines angekündigten Rants

Über die Feiertage muss etwas geschehen, sonst drehe ich durch. ‚Atlas Shrugged‘ liest sich wie ein Krampf; der objektivistische Wahn scheint Rand wohl auch darin zu rechtfertigen, krude und vorhersagbar zu schreiben. Selbst wenn man dazu übergeht, nur noch Absätze zu überfliegen, deckt sich die Wahrnehmung mit dem bereits dutzende Male angekündigten. Rand hat nicht nur wenig zu erzählen, sondern streckt diese kurzen Gedanken durch ausufernde Wiederholung. Weiterlesen

Tage, die ich feiern würde

Das Fest. Es kommt. Auch ich kann mich dem ganzen Zauber nicht entziehen, gleichwohl ich es selten genießen kann. Für manche mag es eine besinnliche, vielleicht auch eine der Einkehr sein. Mir selbst sind diese Tage alles andere als erholsam. Mir missfallen die impliziten Normen und Erwartungen. Es ist nur meine persönliche Wahrnehmung, andere können sicherlich auf bessere Erfahrungen zurückblicken. Was mich stört – das ist wenig originell, aber deshalb nicht gleich falsch – ist der erklärte Wille zur Eintracht und Harmonie. Genau das verleidet mir jeden Anflug von Freude in diesen Tagen. Weiterlesen

Die Schaffnerin

Allmählich zermürbt mich Ayn Rand. Zunächst hatte ich noch die Hoffnung, die flüchtigen und konturlosen Figuren könnten im Laufe der Zeit an Form annehmen. Und auch der Plot, so dachte ich, könnte unvorhersehbare Bahnen beschreiten. Das Gegenteil ist der Fall, das muss ich nun nach einem Viertel des Buches feststellen.

Es ist eine Enttäuschung. Kraftraubend obendrein. Rand macht es einfach, viel zu einfach. Es ist kaum zu ertragen, wie wenig Reflexion in diesem Buch zu erkennen ist. Um in Worte zu fassen, die dem Inhalt des Buches entnommen sind: Rand verlegte Gleise, die ihre Geschichte ans Ziel bringen sollen. Auf diese Gleise setzt sie eine Dampflok, die sie ‚Vernunft‘ nennt. Die Zündmittel, die im Ofen der Lok verbrennen, nennt sie ‚Wahrheit‘. Das Ziel ist Perfektion, es ist vorgegeben. Die Gleise enden dort. Stellt sich der ‚Vernunft‘ etwas in den Weg, ist es ein Hindernis, ein illegitimes, denn wer kann der Vernunft schon widersprechen.

Es geht munter so weiter, wie bisher von Rand skizziert: Die Guten kennen die Wahrheit und tun Gutes; die Bösen, die sind böse. Es führt kein Weg herum, es anders auszudrücken. Es ist so plump. Ich wollte nicht wahrhaben, dass Rand jegliche Erkenntnistheorie ins Abseits stellt. Das Problem ist doch nicht, dass es sinnloses gibt. Sie hat vollkommen Recht und ich kann ihre Frustration über politische Schachzüge nachvollziehen, doch werden die Methoden des Verrats, der Erpressung, des Filzes und der Schmiererei nicht nur von Sozialisten begangen. Aber um so etwas zu erfassen braucht es mehr als die Dichotomie, die Rand beschreibt. Das Buch wäre schon interessanter, wenn die Figuren nicht so eindimensional wären. Was ist denn, wenn ein Macher ein Produkt schafft, das keinen Nutzen hat? Was ist, wenn ein Sozialist eine produktive Leistung erbringt, aber nicht gegen Geld? Sind das alles unrealistische Fragen? Aus Rands Sicht sicherlich, aber ich vermute, sie will Komplexität wegdefinieren. Wenn dem so ist, ist es lächerlich. Was wäre denn, wenn tatsächlich mal zwei Gleiche aus unterschiedlichen Motiven, aber mit denselben Fähigkeiten, Kompetenzen und Kräften, um dasselbe konkurrieren. Hier deutet sie nur an, dass dies das Ideal sei. Aber ist sie so hoffnungslos optimistisch, dass in solchen Situationen keine irrationalen Konflikte aufkämen? Ihre vorbildlichen Heldenfiguren – und das ist skurril – leben aber in einem Zustand der Sozialität, den Rand nicht wahrhaben will: Auch die Ehrbarkeit und Ritterlichkeit des Wettbewerbs, den sie ihnen andichtet, ist eine Form der Sozialität.

Rand wäre gerne eine Macherin, die Wertvolles schafft; bislang ist sie Schaffnerin eines imaginierten Zuges, die sich eine eigene Welt macht.