Pocket RPG (iOS, 2011)

Wie würde die Spielewelt wohl aussehen, hätte es Diablo und vor allem auch den hervorragenden Nachfolger ausgesehen. Für Rollenspieler ist die Frage nicht leicht zu beantworten. Diablo hauchte dem totgeglaubtem Genre neues Leben ein, dies aber auf Kosten der Spieltiefe. Charakterentwicklung war nun schlicht auf Levelups begrenzt, jede spielerische und erzählerische Note, die actiongeladene Kämpfe aufgehalten hätte, wurde ausgemerzt. Es entstanden aalglatte, aber hervorragend designte Hack&Slays oder Action-RPGs, wie auch immer man es nennen will. Diablos simples Konzept des ständigen Lootens nach verbesserten Waffen war die kleinste gemeinsame Nenner dessen, was noch als Rollenspiel bezeichnet werden kann. Und dennoch waren es hervorragende, motivierende Games, die ihren Ruf als Klassiker mehr als verdient haben. Nun steht der dritte Teil der Reihe kurz bevor, immerhin mehr als eine Dekade nach dem zweiten Teil. Vielen dürfte es in den Fingern jucken, sich wieder stoisch durch zufallsgenerierte Dungeons zu kloppen. So geht es auch mir. Um die Wartezeit zu verkürzen, suchte ich mir für unterwegs einen kleinen Diablo-Klon. Weiterlesen

Wing Commander Saga: The Darkest Dawn (PC, 2012)

Die reizvolle Leere des Raums lockte viele vor den Rechner. Bis Ende der 1990er war dies kein Problem, die Weltraumkampfsimulation war nicht das prägende der aufstrebenden Genres, doch brachte es viele Meilensteine hervor. Unter diesen gehört neben den Star-Wars-Ablegern von LucasArts vor allem Wing Commander zu den größten Erfolgen. Unter der Führung von Chris Roberts, dem Macher der Serie, entstand ein eigenes Universum. Roberts gab sich nie zufrieden, er trieb die Serie weiter vor sich her. Sequels, Spinoffs, Bücher und auch ein verrufener Film wurden mit für die Spielebranche bis dahin nicht dagewesenem Aufwand auf den Markt geworfen. In den Filmsequenzen der Spiele mussten Darsteller aus großen Hollywood-Blockbustern ihre Köpfe herhalten, die Geschichte verflachte allerrdings hinter dem Pomp. Die Serie brannte mit jedem Teil weiter aus. Was nach den Gesetzmäßigkeiten des Marktes nicht weiter verwunderlich ist, wenn Masse über Klasse gestellt wird. Die große, polierte Oberfläche nahm immer mehr Raum ein, die Spiele wurden flacher, die Story abstruser. Dennoch hat sie auch heute noch viele, mich eingeschlossen, Bewunderer, die mit nostalgischem Blick besonders auf die Anfänge zurückblicken. Hin und wieder spukte mir durch den Kopf, wieder einen der ersten Teile auszugraben. Da kam mir der Start des Fangames Wing Commander Saga gerade recht.

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Straßenzeitungen: Hinz & Kunzt

So manche Straßenzeitung steht noch auf meiner Wunschliste, die Hamburger Hinz  & Kunzt stand weit oben. Nur Gutes hatte ich gehört, die Messlatte lag hoch. Schon bald stand fest, Hinz & Kunzt hat noch viel Abstand zu meiner Erwartungshaltung gelassen, als sie die Hürde nahm.

Da gab es unter den guten Straßenzeitungen schon die eher wochenaktuellen Stadtmagazine, schön und informativ gemacht; oder die zeit- und sozialkritischen Magazine. Hinz & Kunzt reiht sich als eine weitere gelungene Mischung zwischen diesen Polen ein. Sie ist im allerbesten Sinne eine Illustrierte. Eine, die sich dies nicht nur in großen Lettern auf die ramschige Oberfläche schreibt, an der nichts golden  ist oder mit Himmelskörpern am Hut hat – außer eben den Namen.

Die H&K belässt es nicht nur bei eindrucksvollen, großflächigen Bilderlandschaften, die ein Alibi von einem Artikel kaschieren sollen. Eingerahmt von stimmungsvollen, nur dezent stilisierten Bildern, findet sie gerade in den Texten zu einer spannenden Sprache des Alltags über diesen selbst. Einfühlsam nähert sie sich mit offenen Augen den abseitigen, gerne auch mal kleinen, betulichen Geschichten. Trauer, Armut, Leid und Sorgen gehören dazu, nehmen aber nicht mehr Platz ein, als es unbedingt nötig ist. Illustrativ, nur so kann es gehen.

Horsts Comeback ist so nah dran an dem Straßenzeitungsverkäufer, man wird mitgerissen von der kumpelhaften Sprache, mit der Horst zu seiner Leistung gratuliert wird, sich nach jahrzehntelangem Alkoholismus eine respektable Stabilität abseits der Flasche erarbeitet zu haben:

Wer dich damals schon kannte, sagt, du warst zwar schon immer ein guter Kumpel, nur reden konnte man mit dir nicht. Dich hat ja nichts interessiert und zu erzählen hattest du auch nichts. Wer dich heute trifft, wird das kaum glauben können. Denn du redest immerzu.

In allen anderen Artikeln wird immer eine gute Balance gehalten zwischen emotionaler Nähe und journalistischer Distanz. In „Ich wollte mein eigener Herr sein“ schaffen Bilder und Texte es, den Eindruck zu vermitteln, in der holzgetäfelten Drogerie zwischen all den Tuben und Döschen bei der hinreißend gelassenen Drogistin zu sitzen, während diese rückblickend Abschied von ihrem eigenen Geschäft nimmt. Ohne Wehmut, mit einer ordentlichen Portion bodenständigem Kämpferherz. Dass hier ja keine Tränen aufkommen, gut war’s und damit ist gut.

Und da schafft die H&K etwas ganz Besonderes, sie lässt die kritische Haltung nicht außen vor, verbannt sie aber in den Hintergrund. Sie soll sich nicht tränenrührig oder agitativ aufdrängen. Erst der Mensch, der frei Schnauze redet und erzählt, die soziale Realität kommt da schon durch. Es mag auch daran liegen, dass ich als altes Nordlicht, der aber vom Hessischen assimiliert wurde, noch eine Heimatverbundenheit erhalten habe. Doch die süffisante, selbstironische Coolness Hamburgs liegt mir, da können andere von Unterkühlung reden wie sie wollen. H&K, das ist die große Leistung, ist ein bescheidener Vermittler zwischen Betrachtern und Betrachteten, erzählt die Geschichten von Menschen durch sie selbst, diktiert nicht, was davon zu halten ist.

Orchestra – To-do-Listen

Der Entschluss ist gefasst, jahrelang war ich rememberthemilk treu. Es war einfach, übersichtlich und hatte einen enormen Nutzen für mich. Diese Zeit änderte sich jedoch mit meinem neuen Smartphone. So gut rememberthemilk auch ist, die App hat für mich keinerlei praktischen Nutzen, wenn ich nur ein Mal in vierundzwanzig Stunden die Daten vom Telefon mit den Servern synchronisieren kann – oder eben monatlich zahle. Meine Bereitschaft dazu hielt sich in Grenzen.

Eine Alternative musste her. Mit astrid bin ich lange Zeit gut gefahren. Störende Fehler und einige Tücken des Interfaces schob ich auf die Umgewöhnung. Unterm Strich habe ich den Umstieg nicht bereut. Ich brauche meine To-do-Listen, um meine tägliche Arbeit zu bewältigen. Astrid beschränkte mich nicht in der Aktualität meiner Daten, sodass es für mich die richtige Entscheidung war.

Nun aber nutzte ich es schon mehrere Monate und fühle mich noch immer nicht ganz wohl dabei, da kommt jetzt die Konkurrenz. Orchestra hatte ich schon auf dem Schirm, jedoch bot es damals noch nicht an, Aufgaben zu wiederholen. Das stoppte für mich jede weitere Überlegung. Mittlerweile hat orchestra nachgebessert und könnte astrid vom Thron stoßen.

Die mobile App und auch die Webanwendung sind bei beiden vergleichbar aufgebaut, ich muss mich also nicht schon wieder umgewöhnen. Im Detail ist orchestra derzeit bei mir vorne. Es verspricht nicht mehr als astrid, es macht es nur besser. Astrid häufte viele kleine Ärgernisse an. Es gab immer wieder Probleme mit Uhrzeiteneinstellungen. Nachjustieren half nicht, mal war ein Termin eigenmächtig um eine Stunde vorverlegt worden, mal – noch schlimmer – eine Stunde nach hinten gesetzt. Dadurch war nicht nur die Zuverlässigkeit flöten, auch die Erinnerungen selbst wurden lästig. Außerdem störte mich noch die Gestaltung der Webapp, die regelmäßig Hänger hatte. Wenn es mal lief, war die Verwaltung der Aufgaben aber weder in der mobilen noch in in der Webanwendung einfach gestaltet.

Diesen Fehler macht zwar auch orchestra, unterm Strich ist es aber aufgeräumter und besonders zuverlässiger. Diese beiden Punkte machen meinen dauerhaften Umstieg sehr wahrscheinlich.

Nicht Frieden, aber Seelenwaffenstillstand

Loslassen konnte ich die Gedanken in den letzten Tagen nur selten. Am Samstag war es von Hilflosigkeit und Erniedrigung genährte Wut, Sonntag wich sie einer kalten Frustration. Es musste doch möglich sein, mir einen Reim auf das Geschehene machen zu können; ein sicheres Empfinden geltendes (Grund-)Recht wiederherzustellen? Abgeschüttelt habe ich die lähmenden Gedanken noch nicht vollends, immerhin kann ich aber mit ihnen arbeiten. Schon im meinem Freundes- und Bekanntenkreis erfuhr ich Zuspruch, sodass ich mich  nicht in der Minderheit wähnen musste, was das Gefühl angeht, es wäre nicht einwandfrei gelaufen. Ich wusste nicht, wohin mit alledem.

Ein kleiner Hinweis – vielen Dank dafür – erinnerte mich daran, ja einen Polizisten hier in Hessen persönlich zu kennen. Es war genau das, was ich brauchte. Einen persönlichen Einblick in die möglichen Motive und Gründe, die den Beamten geleitet haben könnten. Die persönliche Erfahrung aus der Binnenperspektive des Gegenübers. Hastig griff ich zum Telefon, die Aussicht auf innere Ruhe war zu groß. Niemand hob ab, also schrieb ich eine ausladende Mail.

Wir waren gerade mit der wöchentlichen medizinischen Untersuchung der kleinen Nager beschäftigt, da klingelte mein Telefon. War es die Antwort auf meine Mail, es war doch erst etwas weniger als eine Stunde vergangen? Zum Leidwesen meiner Freundin, überließ ich ihr die Arbeit und eilte ins Wohnzimmer. Ich musste Klarheit haben.

Tatsächlich war es der erhoffte Anruf – vielen Dank auch hier. „Du hattest also eine – wie hattest du es geschrieben?“, seine Stimme malte Anführungszeichen, „unangenehme Begegnung mit einem Kollegen?“* Mir gefiel das zurückhaltende Lächeln in seiner Stimme sofort. Nicht trivialisierend, stellte es eine gute Grundlage her, nicht zu verkniffen, doch offen über die Situation zu sprechen. Es klang nach dem, was ich brauchte.

Er kam auch gleich zur Sache. Ohne Umschweife kam er darauf zu sprechen, dass ich mich in der Theorie aus seiner Sicht in diesem Fall im Recht befand. Er bemühte sich vor allem aber auch, insgesamt erfolgreich, mir die Perspektive aus Sicht eines Polizeibeamten zu erläutern. Auf der rechtlichen Seite stimmte er mir zu, im Wesentlichen korrekt die geltende Rechtslage erfasst zu haben. Neben den von mir angeführten Rechtspassagen verwies er mich auch noch auf die Paragraphen 102, 103 und 105 der Strafprozeßordnung, die aber nach meiner Meinung auch in diesem Fall in meine Richtung ausschlagen dürften.

Doch die rechtliche Seite ist ja nur Teil des Ganzen, die reale Situation und das Verhalten des Beamten sind die andere. Deshalb wollte er, auch weil er die Situation nur aus meiner Darstellung kannte, verständlicherweise eine mögliche Erklärung geben, die das Verhalten seines Kollegen weniger als die von mir aufgefasste Aggression erklären könnte. „Ehrlich, ich mache das ja jetzt auch schon eine Weile“, er musste lachen, „aber ich hatte noch nie jemanden, nicht einen, der die Tür öffnete und mir aber beim Betreten der Wohnung sinngemäß Artikel 13 aus dem Grundgesetz nennt, um mir den Zutritt zu untersagen.“ Da musste ich auch lachen, daran hatte ich nicht gedacht. Ich ging tatsächlich davon aus, dies müsse häufiger vorkommen. Da habe ich wohl zu schnell von mir auf die Mehrheit der Gesellschaft geschlossen. Mir wurde vor allem klar, wie sehr Polizisten gerade bei anscheinend banalen Situationen eine grundlegende Spannung an den Tag legen. Denn auch diese Situationen könnten, die Erfahrung zeige das, sehr leicht eskalieren. Das Interesse der Beamten ist also stets die Eigensicherung.

Wir unterhielten uns noch eine lange Zeit, wir waren aber schon schnell an dem wesentlichen Punkt angelangt. Die auch für mich schnell als plausibelste Erklärung verbliebene Interpretation der Lage war die, dass es eine unglückliche Verkettung ungünstiger Umstände war. Meine Annahme war, dass Polizisten mit solchen Situationen umzugehen gelernt haben dürften. Doch anscheinend hatte der Beamte am Freitag tatsächlich keine routinierte Reaktion auf unsere beharrlichen Hinweise auf die Rechtslage parat, da diese alles andere als üblich ist. Aus seiner Sicht wäre er meinem Mitbewohner aus Gründen der Eigensicherung hinterher gegangen und dann von unserer Vehemenz überrollt worden. Für mich erklärt es vieles, was mir nicht gefallen hat.

In diesem Zuge erklärte er mir zum Abschied noch, dass er sich um transparente Erklärungen seines Handelns bemüht, um seinen Teil dazu beizutragen, solche Situationen zu vermeiden. Denn auch das war, was mich daran gestört hat. Es war unser, und nur unser Recht, das Betreten der Wohnung zu regeln. Hätte der Polizist uns seine Absichten nachvollziehbar erklärt, hätten wir wohl auch unseren Standpunkt beibehalten, aber eine Ausnahme gemacht. Schusswaffen in meiner Wohnung sind für mich ein Tabu, in der Situation ist es leider so verlaufen, dass mich das berechtigte Interesse des Beamten am eigenen Wohlergehen dazu brachte, eine Leichtfertigkeit im Umgang mit Grundrechten anzunehmen. Und da werde ich dann sehr aufgewühlt, wenn der Anschein der Leichfertigkeit von einem Bewaffneten ausgeht.

Und damit bin ich letztlich bei einer diffizilen Abwägung angekommen: Wie ist das berechtigte Interesse am eigenen Wohlergehen des Polizeibeamten mit dem ebenso legitimen Schutz meiner eigenen vier Wände zu vereinbaren? Eine wirklich schwierige Frage, es sind beides grundrechtlich geschützte Interessen, auf die mir gerade keine Antwort einfällt. In der Praxis ist durch die Forderung nach absolut transparenter Kommunikation – von beiden Seiten – schon viel gewonnen. Aber es bleiben erhebliche Gefahren offen.

So ist dann ein grundsätzliches Vertrauen – aber kein Vertrauensvorschuss – durchaus wieder gegeben. Ein gewisses Maß an Skepsis bleibt aber zurück. Denn, so sehr ich auch Verständnis für Polizisten aufbringen kann, ich kann auch nicht eine Einschränkung von essentiellen Sicherheits- und Schutzbedürfnissen meinerseits hinnehmen. Einige der Probleme, die ich mit der Handhabung solcher Vorgänge habe, sind mehr als zwischenmenschliche oder persönliche. Die Zurückhaltung und auch manches Mal Sorge um die Befugnisse der Polizei ist nichts, was ich mit Polizisten vor Ort klären sollte. Der Gesetzgeber hat diese zu regeln.

 

*Das dargestellte Gespräch ist eine von mir in Bezug auf die in diesem Blog dargestellten Ereignisse fiktionalisierte Dramaturgisierung.

PvZ: Vasenbrecher

20120422-145649.jpgDas iOS-Update vom Donnerstag brachte einen Spielmodus. Grund genug, das Spiel aus der Mottenkiste zu holen. Prinzipiell kostenlos sind zwar nur einige Neuerungen, doch mit ausreichend In-Game-Währung können alle weiteren ebenfalls freigeschaltet werden. Die aus dem Story-Modus bekannte Kniffelei wurde nun als Vasenbrecher unter den Rätseln hinzugefügt und hat die gewohnte Qualität. Allen voran Vasenbrecher (Endlos) stellt eine harte Nuss dar. Deshalb mal einige Gedanken dazu, wie dieses Rätsel angegangen werden kann, um das Achievement zu erhalten.

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Aus gegebenem Anlass: Gedankliche Ruhestörung

Die ganze Sache mit der lauten Musik, den Uniformen, den Worten und dem Flur lässt mich noch immer nicht los. Wende ich es hin, ist es mir peinlich, etwas gesagt zu haben, was einem Kind wohl nicht von den Eltern abgewöhnt würde, aber in diesem Fall als Beleidigung aufgefasst wurde; wende ich es her, bleibt ein Dorn in meinem Sicherheitsgefühl.

Der stechende Schmerz pulsiert von meinem Stolz aus durch alle Winkel des Verstandes. Besser wird es nicht. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll, dass in der Praxis Abwehrrechte zu „Nachwehrklagen“ verkommen, die aufgrund vieler Gründe von Natur aus geringe Aussichten auf Erfolg haben.

Je mehr ich als juristischer Laie recherchiere, desto mehr schlägt die Waage in Richtung meiner Auslegung einschlägiger Rechtsnormen aus. Das Grundgesetz mit seinem Artikel 13 war mir immerhin bekannt, dieses hier nicht: Hessisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit (HSOG).

Richten wir den Blick doch auf den in diesem Fall interessanten Paragraphen 38: Nach Absatz 1 ist unzweifelhaft unsere Wohnung eine vom Gesetz beschriebene gewesen. Der Paragraph lässt selbst bei nur mäßig gezügelter Phantasie wenig Spielraum, um nach den Nummern 1 und 2 eine Gefahrenabwehr zu rechtfertigen. Lautstärke sollte mir mal entweder als eine sicherzustellende Sache beschrieben werden oder als Voraussetzung für eine Abwehr einer Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person oder für bedeutend wertvolle Sachen. Es war laut, wir machten die Musik aus. Diese Einsicht war schon allein durch einen Satz an der Haustür zu klären. Sparen wir uns strapaziöse Wege durch das Dickicht des Paragraphen, nichts steht dort, was das Verhalten des Polizisten – nur desjenigen, der unsere Türschwelle ohne unsere Einwilligung übertrat und auf mehrmalige Aufforderung nicht einmal reagierte – rechtfertigen könnte. Vieles in diesem Paragraphen spricht aus meiner Wahrnehmung für ein eklatantes Fehlverhalten dieses Beamten, der für meine Begriffe einen erheblichen Flurschaden angerichtet hat – nicht in unserem Flur, sondern in dem des Grundgesetzes und anderer Normen.

Sollte ich davon lassen? Ja? Weil man dagegen doch nichts ausrichten kann?

Das kann mich nicht zufriedenstellen. Für mich hat sich in unserer Wohnung etwas zugetragen, das von unserer Seite aus im Nachhinein nachvollziehbar eine Belästigung der Nachbarschaft gewesen sein müsste. Keine Diskussion darüber. Meine spätere Reaktion war allerdings ein erheblich frustrierter Ausruf über barsches, zynisches Verhalten eines Polizeibeamten im Zuge eines in meiner Wahrnehmung schwerwiegenden Fehlverhaltens seitens des Beamten. Es sollte nicht den Beamten treffen, obwohl die Zielgenauigkeit meiner Worte wohl völlig davon abwich, sondern die in sich surreal-aggressive Äußerung des Beamten.

Es mag paradox klingen, doch geht es mir in puncto Grundrechten so, dass gerade die alltäglich wirkenden, banalisierten Grundgesetzübertretungen eine Schwere eigener Art schaffen. Sie erschüttern, davon bin ich fest überzeugt, die Grundlagen der Rechtsordnungen mit selber Wucht wie die für alle Seiten ersichtlichen. Die brüske Negation jeglicher Rechtfertigungspflicht durch den Beamten wirkt sich für mich verheerend aus. Dies ist für mich Anlass zur überaus kritischen Reflexion der Legitimität von Staatsgewalt als solcher, sie wird mich nicht dazu bringen, sie angreifen oder abschaffen zu wollen. Doch ist die realiter unausgewogene Rechtekonstellation in Situationen dieser Grundrechtsbrüche, die zu einer nur ex post und bei reiflich überlegtem Einsatz der eigenen Ressourcen – finanziell wie mental – ein, ich nenne es mal so, auf widerlichste Weise unerträglicher, weil ungewisser Zustand.

Wer dieses Pathos für übertrieben und unangebracht hält, hat nicht einen Hauch von einem Schimmer von den Spurenelementen demokratischer Ordnung. Die moderne Demokratie mit ihren Schutzrechten kam, ich drücke es mal allgemeinverständlich aus, um auf historisch nachgewiesene obrigkeitlich-herrschaftlich geschaffene Realitäten zu scheißen. Und was sollen die erst sagen, die anders als ich nicht einmal im Ansatz auf der sonst sonnigen Seite des gesellschaftlichen Lebens stehen?

Pffft!

Die Jacke schon übergestreift, machte ich mich durch die Runde, verabschiedete mich. Der Bass dröhnte noch, wir waren in meiner WG. Bier, Musik und gemütliches Miteinander. Zu laut war die Musik wohl, zu früh der Morgen. Einige Nachbarn mussten sich, ich sehe ein, an die Polizei gewandt haben.

Ich ging in den Flur, da stand mein Mitbewohner an der Tür. Durch den Spalt war eine Uniform zu sehen. Ich war doch schon auf dem Weg zu meiner Freundin, dachte ich mir. Nicht das jetzt. Da wankte mein Mitbewohner – er hatte schon einiges intus – von der Tür in sein Zimmer, ich wusste noch nicht, warum er die Beamten vor der angelehnten Tür stehen ließ.

Kaum war er mit seinem Personalausweis zurück, blieb er verdutzt stehen. Einer der Polizisten war ihm in den Flur gefolgt und stand dort mit breiter Brust vor der versammelten Menge. Er türmte sich auf.

„Wieso stehen Sie hier?“, sagte der Mitbewohner. „Bitte gehen Sie wieder vor die Tür. Wir können das alles vor der Tür erledigen.“ Trotz der Trunkenheit meines Mitbewohners war es deutlich zu verstehen.

Die Uniform spannte sich, die Brust des Polizisten blähte sich auf. Er rührte sich kein Stück in Richtung Haustür, stattdessen stemmte er die Arme in die Hüften. Er füllte nun die Breite des Flures aus. Der fragende Blick meines Mitbewohners ließ ihn kalt. Da nahm der uniformierte Pfeiler mit seiner Rechten den Personalausweis. Er notierte Namen, Anschrift und ließ die erneute Aufforderung, dies alles vor der Haustüre zu erledigen, da er nicht zum Betreten der Wohnung aufgefordert wurde, im Zigarettendunst des Flures verhallen.

Deutlich nach Worten ringend, stellte sich der Mitbewohner dem Mann in den Weg. Es war ein symbolischer Akt, der Polizist rührte sich ja nicht. Doch sollte er noch nicht weiter in die Wohnung vordringen. „Ich will“, er hatte die Worte noch nicht gefunden, „sagen Sie mir mal bitte…“.

„Namen und Dienstnummer?“, ergänzte ich ihn. „Ja.“, sagte mein Mitbewohner, sein Blick blieb dabei auf den Polizisten gerichtet. „Name und Dienstnummer. Sie dürfen nicht einfach die Wohnung betreten.“ Der Polizist schrieb gelassen weiter die Daten auf einen Pappkarton. Mich wunderte der Karton, denn darunter hielt er auch einen Notizblock in der Hand. Doch das kümmerte mich weniger, denn nun sprach der Uniformierte: „Das darf ich natürlich.“ Ich war belustigt, denn so sicher war ich mir da auch nicht. Und schließlich hätte er wegen einer Ruhestörung, die von keinem bestritten wurde und die ihm wohl auch schon aus der Ferne offenkundig gewesen war, die Wohnung nicht betreten müssen.

„Nein, das dürfen Sie nicht.“ Der Mitbewohner wollte zumindest in diesem Punkt nicht nachgeben. Und auch ich sah nicht ein, warum die Personalien unbedingt im Flur und nicht vor der Tür geklärt werden mussten. Recht hin oder her – und auch bin mir sicher, ein Polizist kann nicht mit aller Selbstverständlichkeit Wohnungen betreten. Doch selbst wenn, dem Uniformierten wäre kein Zacken aus der Krone gebrochen, hätte er sich wieder vor die Haustür gestellt.

Ich war erstaunt über die kühle, aggressive Haltung des Polizisten. „Wir können das Gespräch vor der Haustür führen“, ich wies den Weg zurück zur Tür. Kein Wort, kein Blick vom Polizisten. Da fragte auch ich nach dem Namen und der Dienstnummer. Um der Hilflosigkeit Herr zu werden, der ich mich ausgesetzt fühlte. Nachdem jede Reaktion ausblieb, fragte ich erneut. Kurz darauf wiederholte mein Mitbewohner die Frage ein weiteres Mal.

Dem Polizisten entfuhr dann ein lautes „Pffft!“. Das laute Zischen sollte wohl gebieterisch die Fronten klären; er war der Kuchen, wir die Krümel. Diese Wirkung allerdings erzielte sie nicht, so musste er doch zu Worten greifen. „Ich muss Ihnen meinen Namen nicht sagen. Und Dienstnummern haben wir nicht.“, bellte der Polizist meinen Mitbewohner an. Allerdings fügte er einen Augenblick danach herablassend hinzu: „Außerdem steht mein Name die ganze Zeit schon hier, können Sie nicht lesen?“

Es war eine berechtigte Frage, es hätte zumindest eine sein können. In der Brusttasche, ich denke, es war die Brusttasche, doch könnte es auch ein Umschnallgurt gewesen sein, war das klobige Funkgerät des Polizisten festgezurrt. Er musste es entschlossen zur Seite ziehen, um das dahinter liegende Namensschild freizulegen. Sein Name erinnerte mich sofort an den eines bekannten Fußballgottes, doch war mein leicht alkoholisierter Verstand* nicht nur mit dem Namen beschäftigt.

Ich wusste schon, als ich es mich sagen hörte, dass nun auch meine Personalien auf dem Karton landen würden. In dem Moment der schroffen Herabwürdigung durch den Kraftprotz ordnungsrechtlicher Muskeln, der ungebeten in unserem Flur stand, kam ein Satz über meine Lippen, den ich bereute. „Sie sind ja ein <;PLATZHALTER>;**.“ Zum ersten Mal hatte ich die volle Aufmerksamkeit des Mannes. Nur war es nicht die, die ich mir gewünscht hätte. Der mangelnde Respekt vor unseren Aufforderungen und Fragen schlug um in vorbildliches Pflichtbewusstsein. Das konnte er sich nicht bieten lassen.

„Nennen Sie mich noch einmal einen <;PLATZHALTER>;, dann setzt es eine Anzeige.“ Ich entschuldigte mich, ich sah meinen Fehler. Ich hatte etwas gesagt, was ein Mann wie dieser, mit diesem Fetzen Stoff auf der Haut nicht dulden konnte. Es war eine offenkundige, tiefe Beleidigung seines Amtes, seines Wesens, der Person und ihres Charakters, so viel war klar. Diesen Boden hatte ich ihm bereitetet, er betrat ihn gerne. Es konnte schließlich keine flapsige Bemerkung sein, die durch seine Frage, ob mein Mitbewohner ein verdecktes Namensschild nicht lesen könne, fast schon reflexartig ausgelöst wurde. Da sah ich nun also meinen Namen in krakeliger Handschrift unter seinem Stift entstehen. Ich schüttelte den Kopf, vielleicht auch nur in Gedanken.

Der Spuk war dann vorbei, er hatte die Party für beendet erklärt und ging endlich über die Schwelle, hinter der wir ihn nur wünschten, um ein ordentliches Gespräch führen zu können. Eine Schwelle, das gibt mir zu denken, die sein Kollege, der stumm im Hintergrund blieb, niemals übertrat.

Warum nur, frage ich mich, habe ich ein mulmiges Gefühl. Freunde sind sie nicht, das ist klar. Helfer, so befürchte ich, nur nach Belieben und Laune. Ruhestörung? Bitte, nicht im Ansatz ist es Grund genug für ein solches Gebaren. Und im Zweifel steht ihr Wort gegen das eines Bürgers, Uniform gegen Pullover, Jacke, Rock, Kleid, Hemd und Hose, wenn sie vor die Roben träten.

*Zwei Bier, ein Radler – das Radler als letztes von allem eine Stunde zuvor getrunken.

**<;PLATZHALTER>;: Es gibt wohl Urteile zu diesem Wort als Beamtenbeleidigung, wobei dieses Wort meist in Verbindung mit häufigen Wiederholungen und weiteren Äußerungen und Handlungen auftrat. Ich kann also nicht sagen, wie schwer es im Detail wog. Allerdings geht es mir darum, dass sich meine Äußerung auf die Situation bezog, dass er die Sicht auf das Namensschild erst schaffen musste, doch fragte, ob mein Mitbewohner es nicht lesen könne. Zudem ist nach meinen Wörterbüchern das verwendete Wort nicht eindeutig und in allen Fällen abwertend konnotiert, da es schlicht auch eine Person bezeichnet, die einen Scherz macht. In dieser Form war es mir geläufig, so hatte ich es verwendet.

SATA wird alles besser

Alles fing mit der eindeutig zu alten Festplatte in meinem Rechner an. Viele Neuerungen hat das treue Gehäuse schon gesehen, die Platte blieb doch in ihm verwachsen. Acht Jahre alt ist die Platte, IDE und 80 GB groß, beherbergte sie zwei Betriebssysteme – der Rest lief nur unter reichlicher Zuhilfenahme externer Platten. Im Nachhinein war es ein lächerliches Jonglieren von Daten, das ich etabliert hatte. An was man sich alles gewöhnt, wenn man unmerklich hineinwächst.

Mit dem Tag, an dem die Flut kam und nach ihr die steigenden Preise, machte sich der Lesekopf bemerkbar. Er surrte sanft, stotterte trotzig, quietschte laut, ganz so wie im danach war. Anfangs hatte es noch einen gewissen Reiz, die LED für die Rechnerlast war ausgefallen, da kam es gerade recht, wenn immerhin die Platte einen deutlichen Indikator der Belastung darstellte. Vielleicht redete ich es mir auch nur schön, in der Hoffnung, die Platte würde noch tun, bis die Preise wieder auf bezahlbares Niveau gesunken waren.

So ging es noch einige Monate gut. Am Montag war Schluss, es musste was Neues her. Mittlerweile auch halbwegs erschwinglich, ein Blick auf das Preisniveau im Sommer des letzten Jahres wage ich trotz allem nicht. Wenn ich geahnt hätte, was ich mir mit dem Plattentausch eingehandelt hatte, wäre die altgediente Platte wohl heute noch die primäre im Gehäuse. Ich veranschlagte etwa eine Stunde, um alles abzuschließen. Einbau, Platte klonen und fertig.

Nichts da, das Klonen lief prächtig, Clonezilla sei Dank. Doch der Klon zickte unter GParted und anderen Programmen mächtig herum, da ich mir bei dem ganzen Dual-Boot-Getue auf verschiedenen Partitionen derselben Platte ein stattlich verzweigtes Gehege zusammenpartitioniert hatte. Hier eine primäre Partition, mehrere logische, noch ein primäre und so weiter. Schlussendlich war es ein Akt, alles zurechtzubiegen, dass es in der Theorie ordentlich aussah. Es war nicht einfach, den neuen Platz des nun verfügbaren Terabytes zu verteilen, zumal besonders die Win-7-Partition mit 4 GB aus dem letzten Loch pfiff. Und wenn es dann aber doch mal gut aussah, fand entweder GRUB oder der Windows-Bootloader sich doch nicht zurecht.

Da war dann schon der Montag flöten. Die Lösung war doch radikaler, notwendig, aber hart. Viel zu spät entdeckte ich, dass ich nur die 32-bit-Windows-Variante installiert hatte. Dreck, also alles neu. Hilft ja nichts. Daten sichern, Einstellungen kopieren und dann war da ja noch Ubuntu drauf. Egal, das wurde abgeschossen. Erst heute Nachmittag war alles wieder so, wie ich es haben will. Obwohl, die Updates sind noch nicht fertig.

Am Montag dann vielleicht wieder ein Linux. Aber auf die alte Platte. Die tut noch. Mal sehen, wie lange noch. Für die Zukunft merke ich mir: Mehr Ordnung auf den Platten. Spart Zeit.

Bild: Smial unter CC-BY-SA-Lizenz

This is Ayn Rand preaching (2/2)

Just wenn Rand sich auf dem philosophischen Gipfel angekommen wähnt, der Objektivismus ein für alle Mal in seine wesentlichen Argumenten nachvollziehbar begründet sei, bricht sich großes Pathos im finalen Satz des Kapitels (siehe Anmerkungen unter Zitate) Bahn:

[59] I swear – by my life and my love for it – that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine.

In den Ohren ihrer Verfechter klingt dieser Satz noch nach, wie auch in denen ihrer Widersacher und Kritiker. Der Satz ist die einfachste Formel der Rand’schen Ontologie, im selben Atemzug ihr epistemologisches Vermächtnis und obendrein von ihrer Schöpferin als ultimative und einzige moralische Formel angesehen, die Gerechtigkeit unter den Menschen zu schaffen vermag. Ein Schwur mit eingewobener apodiktischer Wirkung. Ihm zu widersprechen, führe zum Niedergang der menschlichen Zivilisation wie des Selbst. Doch schon die Unterlassung des Schwures führe letztlich zum selben Ergebnis.

Verlockend wie es ist, dieser Satz allein kann nicht hinreichend angegriffen werden, um Rands Hypothesen zu entkräften, er ist Stellvertreter eines theoretischen Modells, nicht dessen vollumfassender Schluss. Aber wie genau kommt Rand dazu?

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