Swordigo (2012, iOS)

Als Legend of Zelda II: The Adventure of Link Ende der 1980er erschien, hatte ich noch keine Konsole. Hatte ich diese dann, erschien mir das veränderte Spielprinzip abstoßend. Mein kindliches Ich wollte säuberlich getrennte Spieleikonen. Mario macht sich in Plattformern breit, Zelda in Top-Down. Zelda II wollte aber beides sein – und so bleibt es bis heute eine klaffende Lücke in meiner Sammlung. Swordigo der zwei finnischen Indie-Entwickler von Touch Foo wird oft als geistiger Nachfahre des von mir geschmähten Zelda II bezeichnet. Und wenn es danach geht, müsste ich mir doch den alten Klassiker einmal vornehmen. Weiterlesen

Sherlock Holmes: A Game of Shadows (2011)

Der Vorgänger war ein schnell geschnittener Blockbuster, der so wortlastig wie actionreich war. Im gingen die meisten Fehler der sonst so unterirdischen Blockbuster ab, weshalb er schon allein deshalb eine willkommene Abwechslung war. Guy Ritchie war eine überrarschend gute Wahl für die Regie, die von Robert Downey, Jr. und Jude Law entgegen allen Erwartungen großartig. Die beiden Hauptdarsteller spielten über mögliche Schwächen der Story hinweg ein glaubwürdig modernisiertes Ermittlergespann. Zwar hatte die Actionkomödie nicht mehr viel mit der literarischen Vorlage gemein, doch was störte das schon, wenn stattdessen eine Actionkomödie herauskam, in der Holmes zwar auch die Fäuste sprechen ließ, sein Verstand jedoch schneidend die weltliche Erklärung hinter der übernatürlich verklärten Verschwörung suchte. Die in diesem vergnüglichen ersten Teil schon angelegte Fortsetzung ließ nicht lange auf sich warten. Weiterlesen

Shining Force (1992, iOS 2010)

In Sachen Konsolenkrieg neigte ich immer in Richtung Nintendo, hielt mich doch meist fein raus. Der PC war die Spielstation meiner Wahl, er bot meiner Ansicht komplexere Spielmechanismen, die mit den Pads der Konsolen nicht zu bewältigen waren. Sollte mich doch einmal eine Konsole gelockt haben, waren es meist diejenigen von Shigeru Miyamoto – und damit Nintendo. Unterm Strich hatte ich nie den Eindruck, bei Sega etwas verpasst zu haben. Mit Shining Force habe ich mir nun einen Port des Klassikers für iOS zugelegt. Und was soll ich sagen, es ist ein großartiges Spiel der 16bit-Ära. Weiterlesen

Passwortsicherheit (5): Here be smaller mathematical dragons.

Wie also berechnet sich die Stärke des eigenen Passworts? Dazu bedarf es basaler Mathematikkenntnisse, denn die Frage lautet schlicht: Wie viele mögliche Kombinationen muss ein Brute-Force-Angriff auf mein Passwort maximal durchspielen, um das Passwort zu knacken? Die Formel zur Berechnung in sprachlicher Form sieht so aus:

Die Länge des Passworts ist dabei ein bekannte Zahl, die Anzahl der Zeichen prinzipiell auch. Dies aber nur, da wir das Passwort ja kennen. Angreifer wissen diese nicht, weshalb sie potenziell mehr Zeichen abfragen müssen. Die möglichen Zeichen lassen sich etwa wie hier gruppieren, sodass vier Gruppen anfallen, die einen Großteil der Passwörter ausmachen: Kleinbuchstaben (26 Zeichen), Großbuchstaben (26 Buchstaben), Zahlen (10 Zeichen) und Sonderzeichen (34 übliche Sonderzeichen*).

Wenn wir nun ein Passwort annehmen, das nur aus Kleinbuchstaben besteht und vier Zeichen lang ist, ergibt das eine Anzahl der möglichen Kombinationen von:

Das klingt doch schon nicht schlecht. Das ist doch jede Menge Holz, oder nicht? Für menschliche Maßstäbe vielleicht, aber es bringt nichts, wenn man keinen Vergleichswert hat. Also nehmen wir mal an, dass Passwort habe eine Länge von zehn Zeichen.

Wesentlich mehr, aber wir können noch immer nicht sagen, wie sicher es genau ist, denn wir haben bisher eine Variable der Attacke nicht berücksichtigt. Das wäre die Geschwindigkeit, mit der ein Angreifer diese Kombinationen durchspielen kann. Dabei sind viele Faktoren zu berücksichtigen, die hier nicht alle genannt werden können. Im oben erwähnten Wikipedia-Artikel wird von 1 Milliarde Versuchen pro Sekunde ausgegangen, wobei dieser Wert von der Rechenleistung eines Standard-PCs ausgeht. Wird beispielsweise über ein Netzwerk, also auch das Internet angegriffen, ist nicht nur die Rechenleistung relevant, auch die Verbindungsgeschwindigkeit ist von Bedeutung. Es ist also situationsabhängig, um aber die Sicherheit eines Passwortes zu illustrieren, gehen wir von 1 Milliarde Versuchen in der Sekunde aus. Wie lange würde es dauern, die beiden Passwörter zu knacken?**

Das kurze Passwort ist unter den gegebenen Voraussetzungen in dem Bruchteil einer Sekunde geknackt, es wäre für Menschen nicht einmal wirklich spürbar, einen Unterschied zwischen der Berechnung der Attacke und ihrem Ergebnis wahrzunehmen. Beim längeren Passwort braucht es schon etwas länger, doch sind 39 Stunden nicht wirklich ein Wert, ab dem man von einem sicheren Passwort sprechen kann.

Ab wann ein Passwort sicher ist, kann deshalb nicht pauschal festgelegt werden. Es hängt davon ab, wie schnell Rechnerleistungen und Verbindungsgeschwindigkeiten sind – die im Laufe der Zeit zunehmen, sodass Passwörter mit der Zeit schwächer werden – und auch die Wichtigkeit der zu schützenden Informationen ist ausschlaggebend. Für den Hausgebrauch nehme ich für meine wichtigsten Daten immer an, dass sie nur wichtig sind, solange ich lebe. Mein Richtwert ist dann eine Passwortstärke, die bei aktuellem technischen Stand etwa die durchschnittle Lebenszeit eines Menschen benötigt, um durch Brute-Force-Angriffe geknackt werden zu können. Aber das muss jeder oder jede mit sich selbst ausmachen, weitere Informationen und Tabellen zur Passwortsicherheit gibt es beispielsweise hier oder auch hier.

Ein Frage ist aber noch offen: Warum ist es wichtiger, ein langes Passwort zu haben als eines, das aus möglichst vielen Zeichen besteht? Das obige Beispiel zeigt deutlich, dass die Länge des Passworts zu exponentiell steigenden Kombinationsmöglichkeiten führt, sodass eine einfache Empfehlung zur Passwortsicherheit, wie dies auch beim hier verlinkten XKCD-Comic der Fall ist, zu langen Passwörtern raten sollte. Die Anzahl der möglichen Zeichen ist nicht irrelevant, aber im Vergleich zu der gewonnenen Sicherheit bei der Verlängerung eines Passworts ist sie schwindend gering.

* Es gibt mehr, aber die gebräuchlichsten werden hiermit abgedeckt. ** Eine Stunde hat 3600 Sekunden.

Linkgebliebenes 3

Der persönliche Rundumschlag durchs Netz hat jede Menge Staub aufgewirbelt. Als der Dunst verzogen war, blieben einige Steuerschlupflöcher für Amazon, viel Gerede um den Schutz der Kinder als Grund für Überwachungsmaßnahmen und ein anschaulicher, internationaler Ländervergleich der Metalbands pro Einwohner. Dies und noch vieles mehr ist nur einen Klick entfernt. Weiterlesen

Verzögerungen bei Galt

Da hatte ich großspurig eine Zusammenfassung des essentiellen Kapitels in Rands Atlas Shrugged angekündigt, lasse aber damit auf sich warten. Es liegt nicht an meinem Unwillen oder Widerstand Rand gegenüber, ich will es nur richtig machen. So richtig ich kann. Dies ist aber mit mehr Arbeit verbunden, wesentlich mehr Arbeit als ich anfangs annahm.

Allein die Zitate aus besagtem Kapitel sind auf eine enorme Zahl angeschwollen, doch es lassen sich keine mehr aussieben. Mir soll nicht der Fehler unterlaufen, völlig an ihren Ausführungen vorbei geschrieben zu haben. Auch wenn es heißt, ihren ausladenden, redundanten Stil erst kleinlich abzusuchen, dann zu filtern und schließlich doch noch eine Fülle an Text wiederzugeben.

Dementsprechend bedarf auch die nötigste Kritik, sofern es halbwegs ernsthaft betrieben werden soll, ihres Platzes. Das wäre also auch noch eine Baustelle, an der ich arbeite. Unglaubglich, wie so etwas ausufern kann. Als ich mit dem Atlas anfing, hätte ich nicht gedacht, wie viel Zeit er mich kosten wird. Jetzt bin ich darin gefangen und ziehe es durch.

Wenn es gut läuft, richtig gut, werde ich am Wochenende die einzelnen Teile veröffentlichen. Oder, um die angekündigte Form zu wahren, einen wahnsinnigen Batzen Text abwerfen. Und dann heißt es erst einmal: Das war’s mit Rand.

Die Einkehr, die sie meinen

Einkehr ist, was von der Kanzel gepredigt wird. Der Eindruck drängt sich zumindest ob der fadenscheinigsten aller schwachen Argumente für die Aufrechterhaltung der so genannten stillen Tage auf.

Angesichts solcher Argumentationsgerippe wie denen des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, der Tag könne doch zum Innehalten und Neujustieren des eigenen Lebens genutzt werden, ist es einfach, sich darüber lustig zu machen. Es ist erstaunlich, Menschen vorzuschreiben, wie und wann sie ihr eigenes Leben hinterfragen sollten. Auch wenn ich nur für mich sprechen kann, gehe ich dennoch davon aus, näher an der Realität der Menschen zu sein als Schneider dies wahrnimmt, wenn ich annehme: Ich stelle mein Leben ständig auf den Prüfstand, hinterfrage tagein, tagaus die Schlüsse, die ich zog. Das auch an den stillen Tagen. Nicht wegen ihrer vermeintlichen Besonderheit, sondern der Alltäglichkeit meiner Reflexion wegen. Der Gegenwind, den Schneider und viele andere spüren, ist die und im freiheitlichen Sinne berechtigte, weil im freiheitlichen Sinne erlaubte Kritik, die auch ein Würdenträger nicht schlicht negieren sollte. Diese Negation allerdings zeigt auf, wie es bei manchen Kirchenvertretern um die Akzeptanz des Pluralismus und der Meinungsfreiheit steht.

Neben diesen unüberlegten, flachen Positionen gibt es noch die offen diffamierenden und separatistischen Argumente. Ein Beispiel hierfür wäre die Rhetorik eines Ludwig Schick:

Diese schränkten zwar die Freiheit Einzelner ein, förderten aber Gemeinschaft, Gesellschaft und Gemeinwohl, erklärte Schick am Donnerstag in Bamberg. Wer dies wolle, müsse auch gemeinschaftlich verpflichtende Vereinbarungen und Festlegungen befürworten.

Der Bamberger Erzbischof ist sich der Wirkung seiner Worte nicht bewusst oder wählt, wie ich meine, diese mit Bedacht. Dabei entsteht ein geradezu paradoxer Versuch der Verweigerung des nach Prinzipien der Freiheitlichkeit wünschenswerten Pluralismus einer demokratischen Gesellschaft mittels des Verweises auf vermeintlich gemeinwohlfördernder Diskriminierung. Es ist ein starkes Stück populistischen Separatismus: Wer die stillen Tage in Frage stelle, löse die Grundpfeiler der Gesellschaft auf? Diese Form der Agitation bedarf einer entschiedenen Erwiderung.

1. Die Kirchen, die Religion und der Glaube werden durch die Forderung nach einer Aufhebung der staatlich sanktionierten, doch religiös motivierten Feiertagsgesetze nicht in Frage gestellt. Keine dieser gesellschaftlichen Institutionen wird der Rang abgesprochen, lediglich geht es darum, welchen Stellenwert sie haben dürfen.

2. Die Kritik und auch die Proteste gegen die Feiertagsregelungen mit Tanzverboten beruhren auf genau den vereinbarten, festgelegten und als vernünftig betrachteten gesellschaftlichen Mechanismen, wie Konflikte ausgetragen werden sollten. Auf rechtlichem Boden. Die Arena ist die des politischen Diskurses mit Mitteln des geltenden Rechtes.

3. Es grenzt an mutwillig beleidigende Verfremdung der Positionen gegen die stillen Tage, diese als gesellschaftszersetzend zu bezeichnen. Unabhängig von der Stichhaltigkeit dieser Positionen fußen sie auf der Annahme einer pluralistischen Gesellschaft, in der alle nach eigenem Gutdünken über Wohl und Wehe des eigenen Lebens entscheiden dürfen. Denn diese Gesellschaft, die deutsche ist in kultureller, ideologischer, intellektueller und spiritueller Hinsicht vielschichtig. Der Ruf nach einer adäquaten Repräsentation dieses Pluralismus ist nicht weniger als der nach der Harmonisierung konfligierender sozialer Tendenzen.

4. Also verlassen nicht die Gegner der stillen Tage per se die Anforderungen einer freien, pluralen Gesellschaft, sondern diejenigen, die eine von hinreichenden gesellschaftlichen Teilen als dem Pluralismus widerstebend angesehen Forderung mit plumper Diffamation begegnen. Der religiöse Separatismus wird mit der an den Haaren herbeigezogenen Warnung vor gesellschaftlichem Separatismus verteidigt.

5. In dieser vielschichtigen Gesellschaft soll es jedem Menschen selbst überlassen sein, die eigene Spiritualität auszuloten, die Mittel und Wege zur Erlösung oder welchem Ideal auch immer zu finden oder sich schlicht nicht damit zu befassen. So frei die Wahl der Mittel ist, so unparteiisch sollte der Staat sein. Was der Staat mit seinen Verordnungen und Gesetzen zu Feiertagen allerdings macht, ist die die spirituelle Subvention der Kirchen vor den Moscheen, den Synagogen, den Sportarenen, den Theatern, den Diskotheken und den eigenen Wohnungen aller.

6. Denn der Staat hält mit seiner Subvention der Liturgie einen spirituellen Atavismus aufrecht, den eine pluralistische Gesellschaft, die gerade wegen ihrer spirituellen Freiheit nur von einem weltlichen Staat gesteuert werden sollte, nicht verdient hat.

Alle diese Punkte führen zu einem Ergebnis, das nicht die Vernichtung, die Negation oder den Untergang der Spiritualität vor Augen hat. Es geht um eine Gesellschaft, in der Menschen nur selbstbestimmt die Bedingungen der Einkehr definieren können. Antiquierte, paternalistische Verordnung des Innehaltens stehen dem modernen Staat nicht gut zu Gesicht. Und was glauben jene Kirchenvertreter, was in den Kinos, den Bars, den Theatern, den Konzerthallen und den Nachtclubs geschieht? All diese Orte sind öffentliche Orte, an denen Menschen zueinander finden, gemeinsame Leidenschaften ausleben. Sie genießen die Kunst, die Kultur und das Leben an sich. Mit sich und inmitten anderer. Das ist es, was die christlichen Kirchen in Abrede stellen: Dass Einkehr nicht einsam und in Ruhe vollzogen werden muss, sie auch im Publikum beim Konzert entstehen kann. Der gemeinsame Tanz, der an stillen Tagen so verpönt ist, ist ein gesellschaftlicher Akt. Leidenschaftlich,emotional und zutiefst verbindend. Die gemeinsame Freude über Musik im Kreis der Freunde, die sich in Gemeinsamkeit und Gemeinschaft Gleichgesinnter nur steigt, ist Teil einer Einkehr, die diese Kirchenmänner und -frauen aus welchen Gründen auch immer nicht gutheißen wollen.

Es darf, so meine Annahme, mit einigem Recht gefragt werden: Warum nicht? Mit welchem Recht? Und mit welcher Begründung?

Lost Winds (iOS)

20120406-141831.jpgDen zweiten Teil des Plattformers spielte ich vor Jahren auf der Wii. Obwohl es dort nur über den Store vertrieben wurde, führte es die Fähigkeiten der Wiimote besser vor als viele Vollpreistitel. Ende letzten Jahres erschien eine Fassung für iOS, was naheliegend genug erschien, schließlich scheint es auch für Touch-Steuerung prädestiniert. Weiterlesen

Melissinos/O’Rourke: The Art of Video Games

Gesagt, getan. Die Ankündigung der Ausstellung machte mich neugierig. Der Begleitband flatterte nun ins Haus. Von Ausstellungsbänden ist ja nicht viel zu erwarten, das Buch ist aber selbst bei geringen Erwartungen eine absolute Enttäuschung. Schon das Konzept des Bildbandes, das trifft es eher, ist fragwürdig. Aber sollte es tatsächlich reichen, eine – wohl im Internet abgestimmte – Liste der wichtigsten Videospiele aus mehr als drei Dekaden Spielegeschichte zusammenzustellen? Über die Auswahl ließe sich im Detail streiten. Gamer kennen das, wenn sie unter sich sind, doch insgesamt trifft es den Höhenkamm doch recht gut. Obwohl es durchaus schon einige geben wird, die sich an der paritätischen Behandlung der Plattformen stoßen werden.

Ist es dann auch genug, diese Spiele am Fließband abzuarbeiten? Jedem davon werden im Schnitt vier querformatige Seiten gewidmet. Eigentlich genug Platz. Der Schwerpunkt liegt aber auf in der Regel wenig repräsentativen Screenshots. In Hochglanz, als ob das was ändern würde. Die vier, fünf Absätze zum Spiel sind nichtssagend. Jedes vorgestellte Spiel hat noch heute eine große, mindestens aber hartnäckige Anhängerschaft, die entweder in Wikipedia oder eigenen Wikis mehr zustandebrachte als Melissinos und O’Rourke. Lieblos fanatisch wäre meine Bezeichnung für das Buch. Die Autoren sind keine Ahnungslosen, wenn es um die Spiele geht. Diese Sachkenntnis und Leidenschaft aber in das Buch einfließen zu lassen, ist ihnen nicht gelungen.

Hier und da gibt es Interviews mit Designern, deren Namen und Spiele die Geschichte prägten. Doch auch hier hat das Buch Schlagseite, denn es konzentriert sich nahezu ausnahmslos auf englischsprachige Spieldesigner. Immerhin die Japaner hätten zu Wort kommen können, ihre Spiele sind ja umfassend vertreten. Obendrein transportieren die O-Töne Banalitäten, die man auf einem Klassentreffen zueinander sagt. Man schwelgt in Erinnerung, gibt einige Anekdoten zum Besten und verdrückt sich dann ans Buffet.

Wie soll denn die Leidenschaft für Spiele aufkommen, wenn aseptische Erfahrungsberichte neben nüchternen Textbausteinen stehen, die Kontext zum Spiel geben sollen? Und ehrlich, einigen der Klassiker aus 8-Bit-Ära oder davor steht es gar nicht gut zu Gesicht, ihre Grafiken auf Querformat aufgeblasen zu sehen. Da bleibt dann immerhin die Sache, dass man sich sagen kann, in einer Dreiviertelstunde ein zweihundertseitiges Buch gelesen zu haben. Dass müsste doch irgendwie ein Achievement geben? Oder hätte ich mich vorher irgendwo anmelden müssen?

Chris Melissinos/Patrick O’Rourke: The Art of Video Games. From Pac-Man to Mass Effect, New York 2012.

Sexaine – Eres Adicto?

Bei solch einem Cover, das alle Klischees bedient, sollten keine Zweifel mehr aufkommen, woher bei Sexaine der Wind weht. Oder die Gitarren klingen. Die Geschlechterrollen sind klar verteilt, die harten Kerle – und alle, die sich dafür – stehen auf der Bühne, machen Lärm. Die Damen gehören schmachtend davor, sie dürfen auch gerne tief blicken lassen.

Kein Zweifel, Sexaine kümmern sich nicht allzu sehr um Innovation, weder gesellschaftliche noch musikalische. Die fünf Herren aus Cádiz gehen ohne Umschweife nach vorne. Stampfende Beats treiben die Gitarren voran, sobald sie sich mal ein wenig Ruhe geben. Zwo, drei, vier – ab dafür. Die Songs müssen auch noch bei ordentlichem Promillepegel mitziehen, komplexe Strukturen bleiben außen vor. Keine Spirenzchen, außer bei den Soli. Die dürfen natürlich nicht fehlen, sind gar nicht so schlecht gemacht und doch hätte man durchaus auch einmal auf die Bremse treten können. Auf Historia de una noche nimmt es schon Überhand, dass ein Saitengenudel dem anderen folgt. Wenn das mal nicht eine Kompensationshandlung ist.

Und dennoch. Sexaine haben bei aller Infantilität und Machismo ein ordentliches Gespür für Refrains. Die Songs gehen zwar hier rein und da wieder raus. Doch nickt der Kopf noch lange im Takt, wenn der Song schon längst wieder verflogen ist. Nicht die schlechteste Eigenart für eine Band, die anscheinend nichts anderes will, als mit rohen Stampfern Bewegung in die Sache zu bringen.  Das machen sie außerordentlich gut – wenn man über den allzu plumpen Sexismus mal hinwegsehen kann. Derzeit kann ich das und gröhle bei Dinero mit und kann mich bei Oriente nicht zurückhalten. Kleines Album, großer Lärm. Bin noch nicht abhängig, spüre aber eine angenehmen Rausch.