Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (2/5)

Auch hier könnte doch noch was dabei sein. Diese Serien wirken doch immerhin solide.

Do No Harm

Sehr viel mehr als dieser kurze Teaser ist zu diesem Drama bei NBC erst einmal nicht zu sagen.

Der Trailer gibt nichts her, außer dass er die Furcht des erfolgreichen Neurochirurgen Jason Cole vor seinem Alter Ego, das nachts in ihn fährt, wiedergibt. Es ist der alte Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde-Hut. Im Gegensatz zu Beauty and the Beast scheint hier doch wesentlich mehr zu stecken, als einen bekannten Namen in ein neues Gewand zu hüllen, um dann mit der Bekanntheit der Marke hausieren zu gehen. Clever wird die alte Geschichte anscheinend mit einer Arztserie gekreuzt. Das könnte durchaus Spaß machen.

Elementary

Und da ist es, das unvermeidliche amerikanisierte Remake der umjubelten BBC-Serie Sherlock.

Oder etwa nicht? Arthur Conan Doyles Romane um den Meisterdetektiv sind längst gemeinfrei. Einen Schutz der Figuren gibt es also nicht mehr. Die BBC konnte aus diesem Grund, ohne jede juristische Restriktion fürchten zu müssen, Holmes in die Gegenwart versetzen. Daraus wurde eine gefeierte Serie, die aber nach Bekunden von CBS und den Produzenten von Elementary nicht kopiert wurde. Zwar war die Umsiedlung von Sherlock angedacht, wurde aber verworfen. Elementary soll ein gänzlich eigenständiger Versuch sein, die Ermittlungen Holmes‘ im Manhattan der Gegenwart anzusiedeln. Offenkundigste Änderung ist die von Lucy Liu verkörperte Joan Watson.

Jonny Lee Miller gibt dabei doch einen ansprechenden Holmes im andauernden Redeschwall des eigenen Genies, als müsse er seine Gedanken teilen, um sie nicht zu verlieren. Im Stakkato der etwas zu fein geschliffenen Dialoge, deckt Millers Holmes also mit seiner Partnerin Verbrechen auf, wobei der Trailer noch im Dunkeln lässt, ob diese erkennbar weltlicher Natur sein werden oder doch die Doyles’sche übernatürliche Verklärung haben werden, die nur von dem rationalen Geist Holmes‘ wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden kann.

Alles in allem scheint hier ein Fall der Woche abgearbeitet zu werden. Das sieht so weit erbaulich aus, nur eben nicht besonders.

Emily Owens M.D.

Arztserie Nummer Schlachmichtot. Emily Owens, junge Ärztin, schlägt sich im Krankenhaus- und Liebesalltag durch.

Wichtigster Indikator dafür, dass ich nicht geeignet bin, über diesen Trailer zu urteilen: Ich wollte doch gerade herablassend von einer Schnatterserie schreiben. Das kann ich mir aber nicht durchgehen lassen. Aus gegebenem Anlass muss ich demnach darauf verweisen, sicher nicht von der Serie angesprochen zu sein. Ein weiterer Indikator ist meine seit den ersten Staffeln von Emergency Room sträfliche Missachtung dieses Subgenres des seriellen Dramas. Gelegentliche Eindrücke von House und Greys Anatomy, ich weiß, wie kann ich die beiden nur in einem Atemzug nennen, haben die Sache nicht besser gemacht.

Nehme ich also meine Abneigung gegen das Genre allgemein und die auf die weibliche Perspektive fokussierte, fröhlich-flapsige Erzählform aus dem Off zurück, muss ich sagen, nichts an dieser Serie wirkt auf den ersten Blick abschreckend oder lächerlich. Die Heiterkeit und selbstreferenzielle Gedankenweilt von Emily Owens ist, objektiv betrachtet, mitnichten ein Reinfall. Nur nicht mein Geschmack.

Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (1/5)

Und ab zu den schon besseren Serien. Nach den ganzen halbgaren und teils sogar beleidigend wirkenden Trailern wurde es aber auch Zeit.

666 Park Avenue

Der gefühlte Trend der horrorlastigen Serien ebbt auch in der nächsten Saison nicht ab. Die blutige Seifenoper True Blood, ein surreales, bisweilen unterirdisches, aber jederzeit blendend gespieltes American Horror Story sowie die pubertierenden Vampire Diaries und Teen Wolf sind insgesamt stark genug gelaufen, um nun einen weiteren Versuch zu wagen.

Wenn es denn aber im Trailer nicht nur um gruseliges Einerlei ginge, träfe es wohl auf mehr Vorfreude. Alles sieht ein wenig nach auf Nummer sicher aus. Hier ein paar bekannte Gesichter, wenn auch Dave Annables (Brothers & Sisters) und Terry O’Quinn (Lost) Eignung als Zugpferde bezweifelt werden darf. David Wilcox schuf die Spukhaus-Variation, die nun in einem noblen Appartmentgebäude spielt. Wilcox hat einige Erfahrung als Autor, besonders seine Zeit bei Fringe lässt aufhorchen, doch von Originalität ist hier bislang wenig zu sehen. Die Spannung geht also davon aus, was aus der Serie wird. Der Sendeplatz direkt nach dem quotenstarken Revenge spricht immerhin für gute Rahmenbedingungen, was die Überlebenschancen von 666 Park Avenue betrifft.

Arrow

Schnell, schnell, Trailer geht los. Hektische Schnitte. Wo sind die Streicher, die zackig jeden Schnitt begleiten? Mehr Chorgesänge, die sinnloses Gebrabbel trällern, los. Pathos auf elf hochdrehen! Mehr, mehr von allem!

Das hier ist ganz alte Trailer-Schule. CW will damit das avisierte jugendliche Publikum mal locker für sich einnehmen. Green Arrow also, aus der zweiten Superheldengarde. CW ist das kleine Network, das sieht man hier auch deutlich. Der Trailer ist eine absolute Kompensationshandlung für eine Serie, die wohl kaum über die Produktionsmittel der Konkurrenz verfügen dürfte. Das allein macht aber noch keine schlechte Serie, weshalb ich mit deutlich herabgestufter Erwartungshaltung an diese Comicumsetzung herangehe, völlig verdorben hat der Trailer mein Interesse nun aber doch noch nicht.

Einer der Produzenten von Arrow ist Greg Berlanti, der schon einige Jahre als Autor und Produzent von Serien für ein überwiegend junges Publikum auf dem Buckel hat. Darunter ist kein einziges Highlight, aber auch kein wirklich dürftiges Stück Serienunterhaltung. Mal abwarten, was hier wird.

Ben and Kate

Trotteliger, doch liebenswerter großer Bruder zieht zu seiner alleinerziehenden Schwester und ihrer Tochter. Das klingt nun nicht nach einem großen Wurf. Ben wird von dem mir gänzlich unbekannten Nat Faxon gespielt, Kate von Dakota Johnson, von der ich ebenso noch nichts gehört habe. Faxon, der immerhin Mitglied der erfolgreichen Impro-Comedy-Gruppe The Groundlings ist, und Johnson haben aber etwas an sich.

Vielleicht falle ich auch nur auf etwas rein, denn schließlich scheint der Trailer mal gerade so die Pilotfolge in Kurzform wiederzugeben, doch finde ich an ihm etwas Harmloses, das mich abwarten lässt. Wagemutig traue ich mich damit hervor, dass in dieser Serie etwas stecken könnte, wenn FOX nicht schon die Geduld ausgeht, bis die Serie zu sich gefunden hat. Mich jedenfalls lockt die Serie, bei der im Trailer noch nicht alles sitzt, mit einem entwaffnenden Charme. Ben and Kate hat anscheinend das Potenzial zwischen der nicht auf Schenkelklopfer ausgelegten Situationskomik auch einmal ruhigere Töne anzuschlagen. Damit könnte ich mich sehr gut anfreunden. Wenn ich da hoffentlich mal nicht enttäuscht werde.

Cult

Damit nicht der Verdacht aufkäme, ich könnte mit dem Lineup von CW gar nichts anfangen, hieve ich Cult mal in den Kreis der Serien, denen ich einen gewissen Reiz aufgrund des Trailers nicht absprechen will.

Das liegt vor allem an David Knepper (Prison Break), der den Psychopathen einfach draufhat. In Cult ist Knepper der sinistre Moderator einer populären Fernsehsendung, deren Anhängerschaft anscheinend aber die in der Sendung dargestellten Verbrechen nachahmt. Gut, das geht auch weniger reißerisch, was die Prämisse angeht. Aber für eine kurzweilige Reißer könnte es eben genau deshalb reichen. Josh Schwartz, dessen Nerdfeuerwerk Chuck in guter Erinnerung ist, produziert zusammen mit Stephanie Salvage. Beide haben für CW schon ein ordentliches Teenieprogramm von Gossip Girl bis Hart of Dixie zusammengestellt. Alles leichte Kost, wenn es aber ein wenig mit Thrill aufgepeppt wird eventuell doch gut verdaulich.

Amazing Alex

Amazing Alex ist Rovios erstes Spiel abseits der Flugbahnen verärgerter Vögel, physikbasierten Spielprinzipien bleiben sie allerdings treu. Die Innovation der Angry Birds lag auch weniger in der Spielmechanik, als in der ungemein präzisen Umsetzung und der auf Sucht getrimmten Spielbarkeit. Rovio erwischte den richtigen Zeitpunkt und holte einen enormen Marktanteil vor allem auf Smartphones heraus. Geschicktes Marketing und ein solide Umsetzung eines Casualgames sorgten für den Rest, um die Finnen von Rovio an der Spitze der Entwicklung vorangehen zu lassen, als mobile Apps und Games von der Nische zum Mainstream wurden.  Amazing Alex ist ebenfalls keine Revolution, nicht einmal eine Erweiterung eines bekannten Prinzips.

In jedem Level gilt es, mit ein wenig Hirnschmalz, von dem zunehmend mehr benötigt wird, und einer guten Portion Tüftelei physikbasierte Rätsel zu lösen. Mit vorgegebenem Spielfeld und einem begrenzten Arsenal an Items, müssen beispielsweise Bowlingkugeln in Wäschekörbe bugsiert werden. Klingt einfach, ist es auch. Das war es schon vor fast zwanzig Jahren bei The Incredible Machine. Solche Puzzlespiele hatten Anfang der Neunziger noch eine Daseinsberechtigung im Spielemarkt, verkamen mit ansteigender Leistungsfähigkeit der Hardware und einhergehender spielerischen Tiefe viele Titel zu simplen Pausenfüllern, die meist vom Grabbeltisch aus verkauft wurden.

Rovio hat bislang bewiesen, ein gutes Gespür für den noch jungen Markt der Casualgames auf Smartphones zu haben. Bei Amazing Alex hat sie die sichere Spürnase aber doch verlassen. Alex ist zweifelsohne ein für die Zielgruppe geeignetes Spiel. Kurzweilig und knifflig zugleich, dennoch fehlt es am Charme der hausinternen Konkurrenz, deren selbstmörderische Rachelust im Vergleich zum blassen Bengel Alex doch eher zu animieren wusste, und besonders an der reibungslosen Bedienung. Allzu frickelig wird es schon nach dreißig oder etwas mehr Leveln. Da müssen dann auf dem kleinen Screen Steinschleudern im richtigen Winkel justiert und angespannt werden. Hinein noch einen Tennisball, der doch recht stur reagiert, wenn er mal nicht pixelgenau in der Schleuder abgesetzt wurde. Die ganze Mühe müssen wir dann noch einmal auf uns nehmen, haben wir die Flugkurve anfangs nicht korrekt berechnet.

In der Präsentation ist mir Alex also etwas zu glatt, die Mechanik zu vertraut. Die Umsetzung oftmals zu kantig. Andersherum, wie bei den Angry Birds, war es mir lieber. Dennoch ist dies beim Niedrigpreis des Spiels noch zu verschmerzen, es ist spielbar. Rovio sind auch dafür bekannt, ihre Spiele lange Zeit noch mit Updates und neuen Leveln zu versorgen. Das macht Mut, dass eventuell noch die eine oder andere Delle im Spieldesign ausgeklopft werden wird und neue Ideen auftauchen könnten. Ebenso nutzt Rovio mit einem mitgelieferten Editor die Community, um für neue Herausforderungen zu sorgen. Schließlich können spielergenerierte Level heruntergeladen werden.

Alex ist ein guter Casualpuzzler, nur hätte ich von Rovio irgendwie mehr erwartet.

Titel: Amazing Alex
Hersteller: Rovio
Jahr: 2012
Genre: Physikbasierter Puzzler
Plattform: iOS
Version: 1.01

Zenonia

Heißt eine Figur im Videospiel Regret, ihre Widersacher Vague oder Vicious, der verstorbene Vater Pardon und das personifizierte Gute Lady Charity, befinden wir uns den Gesetzmäßigkeiten der Wahrscheinlichkeit entsprechend in einem Fantasywelt. Ebenso liegt die Vermutung nahe, Regrets Geschicke in einem Rollenspiel zu leiten. Wagemutige könnten noch annehmen, auch wenn der Vorwurf, stereotype Vorstellungen von asiatischen Erzähltechniken in Videospielen zu haben, nicht weit entfernt ist, es handele sich um ein JRPG. Ob Vorurteil oder nicht, Zenonia, dessen Held Regret ist, ist der erste Teil einer mittlerweile schon vier Teile umfassenden Reihe nicht japanischer, doch südkoreanischer Action-RPGs für mobile Plattformen.

JRPGs sind tot. Einige flüstern dies vorsichtig, viele fragen es sich, andere stimmen zum Abgesang auf ein siechendes Subgenre. Dabei gerieten asiatische Spiele, die lange Zeit dem amerikanischen Ausschuss trotzten, in den letzten Jahren ins Abseits, nicht nur die JRPGs. Zogen die JRPGs die Branche in Fernost mit sich oder war es andersherum? Eine Antwort zu geben ist müßig. Fakt ist, Innovationen haben asiatische Spieleentwickler in letzter Zeit kaum hervorgebracht. Der Abstand zur westlichen Konkurrenz wurde spürbar, mittlerweile ist es beinahe erniedrigend. Aber waren JRPGs nicht einmal die Krönung des Genres? Legend of Zelda, Final Fantasy oder Chrono Trigger. Klangvolle Namen überlegener Spiele und Reihen. Doch entweder verblasst allmählich die Erinnerung an die alten Klassiker oder sie überzeugen in neuerer Form nicht mehr.

Dies schwingt mit, spiele ich auf iOS Gamevils Zenonia. Es ist ein entfernter Verwandter der großen Klassiker. Malad wie die Vorbilder des einstmals überragenden Subgenres, aber nie so erhaben wie diese. Ein gutes Beispiel dafür, dass langsam die Luft aus den alten Mechanismen raus ist.

Angefangen beim erwähntem Symbolismus überladenen Plot, ist früh klar, Zenonia wird nicht großartig sein. Zeigt sich doch, wie wenig Phantasie die Fantasy zulässt. Über platte Charaktere mit monotonen Motivationen kommt sie selten hinaus. Kulturelle Unterschiede mögen noch dazu beitragen, dass gerade asiatische RPGs noch formalistischer daherkommen. Wähle zwischen Gut und Böse, erfreue dich dieser Wahl, danach setzen wir dich auf Schienen. In Zenonia ist dies nicht anders. Moral wird binär kodiert, die simplen Konstellationen allen Figuren übergestülpt. Zudem nahm mir das Spiel gerne die Wahl auch noch ab. Kaum wollte ich mich entscheiden, da ging das Spiel schon von meinen niederen Absichten aus. Das ist allerhöchstens eine Fassade, die Spieltiefe vorgaukeln soll.

Epik, das ist auch so ein Reizwort der RPGs, entsteht eben gerade nicht durch ein paar fadenscheinige, pseudomoralische Entscheidungen und Plots, die es nicht unter Weltrettung machen. Und auch hier haben JRPGs die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Pathos über Handlung, Theatralik über Emotionen. Da sprudeln die Tränen in hohem Bogen, Unschuld wird verkauft, Verrat durch feist grinsende Böswewichte begangen. Alles, nur keine Entwicklung. Alles statisch. Da hilft auch nicht Gamevils Ansatz, in den Dialogen selbstironisch auf die Klischees anzuspielen. Und noch weniger, wenn in einer Fantasywelt Figuren auffordern, doch einmal das neue Baseballspiel von Gamevil auszuprobieren. Gamevil mag dies mit augenzwinkerndem Humor verwechselt haben, ich halte es für eine Beleidigung.

Dabei ist nicht alles schlecht an Zenonia. Es ist sogar ein ordentliches, für das iOS gar gutes Action-RPG. Die mechanistische Seite der Rollenspiele ist gut umgesetzt. Ein ordentliches Wirtschaftssystem sorgt für ausreichend Items. Für Waffen und Ausrüstung gibt es Powerups. Damit lässt sich unser Held schon ordentlich in Form bringen. Wenn dieser ökonomischen Freiheit nicht besagte szenische Monotonie im Weg stünde, die auch im Leveldesign Einzug hält. Das Spiel dreht sich stets im Kreis. Von einer Karte, in der Gegner in lästigem Tempo respawnen, obwohl sie gerade erst geschlagen wurden, ziehen wir in die nächste. Herausforderungen gibt es letztlich nicht, außer der ursprünglichen. Ein Gefühl der Eigenleistung will sich nicht einstellen, dazu wachsen die Gegner zu sehr mit dem eigenen Aufstieg.

Schlagen, looten, kaufen, tauschen, sammeln – und alles wieder von vorn. Dieser Mechanismus kann funktionieren, ist sogar reizvoll für Rollenspieler. Kommt es aber in so abgetragenen Gamaschen daher wie hier, ist nicht mehr viel zu retten. Es wirkt noch belohnend, einen Level zu erlangen oder neue Waffen zu erhalten, doch komme nicht umhin, mich darauf konditioniert zu fühlen. Es ist kein Anreiz, bloß reflexives Verhalten.

Titel: Zenonia (Lite)
Hersteller: gamevil
Jahr: 2009
Genre: Action-RPG
Plattform: iOS
Version: 1.7

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (4/4)

Noch ein Teil mit No-Go-Serien, dann sind wir durch. Hier also noch zwei der eher seltsamen Art, auf die ich nach jetzigem Stand verzichten kann.

Malibu Country

Wären offenkundige Studiobeleuchtung und Pressspankulissen die einzigen Probleme dieser Sitcom…

…wäre auch nicht viel gewonnen. Im Trailer schreckt aber mehr ab. Untote Pointen, hölzerne Schauspielkunste – nicht mit den Kulissen verwechseln – gesellen sich dazu und sorgen für eine grottenschlecht erscheinende Sitcom, die gerade noch in den 1990ern funktioniert hätte, irgendwo auf einem Sendeplatz geparkt, auf dem sie ihr altbackenes Publikum hätte finden können. Das hier ist so gruselig wie die angestrengte Off-Stimme des Trailers. Arme Lily Tomlin. Vermutlich ist diese Serie so kostengünstig, dass sie sogar überleben kann. Armes Fernsehpublikum.

Partners

An was erinnert mich das?

An Will & Grace. Das ist weniger verwunderlich, stecken hinter Partners doch David Kohan und Max Mutchnick. Die Verwunderung über die offenkundigen Ähnlichkeiten wird nun doch zur Enttäuschung. Ich befürchte ein schamloses, aus der Zeit gefallenes Selbstplagiat einer Serie, die sich schon nach einer Staffel selbst überholt hatte und dann immerhin sieben weitere durchhielt. Immerhin wäre das eine Erklärung, warum die Gags erst spät zünden wollen. Ihre Lunte reicht halt bis ins Jahr 2006 zurück, als Will & Grace ihren Abschied nahmen. Noch mehr Ärgernisse: Lachspur. Ich bin raus.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (3/4)

Der No-go-Serien dritter Teil. Das bedarf keiner weiteren Erläuterungen. Mittenrein ins Getümmel.

Chicago Fire

Muskelgestählte junge Männer drücken ihre Stimme tief bis zu ihrem Skrotum runter, pressen markige Sprüche heraus, denn sie stürzen sich als Helden des Alltags ins Feuer. Währenddessen dürfen sich die stets gut geschminkten, doch von Selbstzweifeln geplagten Notärztinnen um die aus den Flammen Geretteten kümmern. „Don’t think. Just do it.“ Die Keyboard-Streicher kleistern falsche Bedeutung über das Nichts.

In diesem Trailer zu NBCs neuem Feuerwehr-Drama quillt das Pathos zu allen Seiten aus. Selbst Harald Glööckler dürfte dies eine Spur zu pompös sein. Feuerwehr scheint nicht zu besonnen erzählter, realistischer Beschreibung einzuladen. Wann widerstehen Autoren endlich dem kläglichsten aller phallischen Symbole? Nach diesem Trailer also eine klare Null mit Feuerwehrhelm. Schade eigentlich.

The Neighbors

„Na-Nu Na-Nu.“ Dan Fogelman kommt mit dieser Serie um die Ecke. Jetzt bitte schnell noch einmal auf die Systemuhr am Rechner schauen, Uhrzeit und Datum notieren. Nun erst das Video abspielen.

Wer musste nun ungläubig auf die Notizen starren, um sich des gegenwärtigen Datums zu versichern? Fogelman schrieb schon die Drehbücher für die weniger gelungenen Cars-Filme von Pixar, dass er aber im Jahre 2012 mit solch rabiat-unkomischen Außerirdischen daherkommt, hätte ich ihm nicht zugetraut. Altbacken ist noch eine harmlose Bezeichnung. Fremdscham lässt mein schmerzverzerrtes Gesicht gewohnheitsgemäß zur Zimmerdecke wandern, diese gut abgehangenen ‚Gags‘ sind aber spätestens seit Mork & Mindy dem Tod geweiht. So hatte ich dann auch noch Tränen in den Augen. Fogelman kann gerne wieder auf seinen Heimatplaneten zurück.

Next Caller

Vorurteile sind, da stimme ich noch zu, in der Regel schädlich. Sie aber für vollends nutzlos zu halten, dem entgegne ich: Manchmal, nur manchmal, dienen sie auch zum Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder der seelischen Balance. Eines meiner derart zum Selbstschutz deklarierten Vorurteile betrifft Dane Cook. Dieser Mann ist nicht lustig – und wie Dirk nicht in Seattle ist (Egal, ob das Lied alt ist, es ist großartig!) – wird Cook wohl auch nie mit Absicht Lacher hervorrufen.

NBC gibt Cook nun also eine halbstündige Sitcom, in der er als Radio-DJ unverschämterweise in seiner Sendung nicht mehr allein moderieren soll. Dass es auch noch eine Frau ist, die ihm da vorgesetzt wird, macht es nur schlimmer. Und bei diesem Szenario in Verbindung mit Cooks zumindest körperlicher Anwesenheit im Bild ist Schlimmes zu befürchten. War dieser Aufhänger in seiner verkehrten Fassung in 30 Rock noch eine großartige Anspielung auf quotengesteuerte Besetzungsfragen, wurde da doch aus The Girlie Show schnell TGS with Tracy Jordan, ist es kaum vorstellbar, dass Next Caller diese Problematik auf hintergründige Weise reflektiert. Eher sind derbe sexistische Zoten zu erwarten. Will ich diese aber? Zumal es sie schon in nahezu perfekter Form und mit einem Augenzwinkern in Anchorman gibt? Nein.

Google Chrome (iOS)

Vor ein paar Tagen kam Googles Browser Chrome für iOS heraus. Auf dem Desktop bin ich schon kein Freund dieses Browser, nutze lediglich einige Ableger wie Chromium auf Linux oder eine portable Version von Iron für gelegentliche Probeläufe. Trotzdem ist Chrome für iOS eine Sache, die ich mir mal anschauen musste.

Um es kurz zu machen: Chrome ist auf iOS kein schlechter Browser. Er tut seine eigentliche Aufgabe ordentlich. Es hat auch eine an Google-Accounts gebundene Synchronisation von Browserdaten wie Lesezeichen integriert sowie einige rudimentäre Gesten in die Navigation eingefügt. Meine Probleme mit der derzeitigen Form sind aber noch zu groß.

Da wäre zunächst der recht überschaubare Funktionsumfang. Von anderen Browsern bin ich mehr gewöhnt. Es gibt beispielsweise keine freie Individualisierung der Suchmaschinen. Google ist selbstredend der Standard, alternativ bleiben noch Bing, Yahoo und Ask. Ich hätte mir allerdings gewünscht, ein freies Feld zu erhalten, in dem ich die Suchmaschinen meiner Wahl per URL und Platzhalter für Suchbegriffe angeben kann.

Auch einen Adblocker vermisse ich, doch hatte ich diesen in einem Google Browser nicht erwartet. Folgenreicher ist, dass die Navigation der Tabs noch ordentlich aufgeräumt werden sollte. Das hat vor allem auch damit zu tun, dass die Touchgesten lediglich zwischen den Tabs auswählen lassen. Andere Gesten sind nicht vorgesehen, lassen sich also auch nicht anpassen. Da bin ich aber von meinen anderen Browsern verwöhnt. Da kann ich per Geste Tabs löschen oder ein neues öffnen.

So kann ich die wenigen Vorzüge des Browsers nicht gebrauchen, vermisse aber liebgewonnene Funktion anderer Browser suchen. Ein Wechsel steht nicht bevor. In dieser Form ist Chrome für iOS ein passabler Browser für all diejenigen, die aus welchem Grund auch immer Safari nicht benutzen wollen, und nur die nötigsten aller Browserfunktionen voraussetzen.

Noch mehr Gamerpöbelei

Besser ich warte noch ein paar Tage damit, dachte ich mir. Es hat ja keinen Nutzen, aus dem Bauch heraus an einem doch wohlverdienten Shitstorm teilzunehmen. Dieses Blog hat sich ja vorgenommen, weniger mit den übelriechenden Fäkalien zu werfen, als damit, es einfach mal zu betrachten. Daher war  Ryan Perez ist aber immer noch damit beschäftigt, den unappetitlichen Schauer dieses Unwetters zu beseitigen, das er selbst herbeirief. Perez, bis Samstag noch ein Autor beim Videospielblog Destructoid, hatte anscheinend genug getrunken, um mal ordentlich einen rauszuhauen in Richtung der Geek-Ikone Felicia Day:

Und setzte noch einen drauf.

Der Wind nahm schnell Fahrt auf, es braute sich etwas Braunes zusammen. Perez schien merkte es, doch bevor er zwei dürftige Erklärungen auf Twitter absetzte, teilte Destructoid erst noch mit, die Zusammenarbeit mit Perez aufzugeben. Aber zurück zu dem, was Perez dazu zu sagen hat:

Eine etwas längere Unterhaltung mit Perez zu den Geschehnissen kann bei Mundane Matt angehört werden. In diesem beschreibt sich Perez selbst als nicht besonders sympathisch, er verlangt auch kein Mitleid. Ganz offensichtlich hält er sich für einen Menschen, der sich darin gefällt, ungefiltert hinauszuposaunen, was ihm durch den Kopf geht. Worüber er sich auch in diesem Interview aufregt, ist die Art der beleidigenden Kritik an ihm und den falschen misogynen Freunden, die zu seiner Rettung eilen wollten. Bei allem Chauvinismus ist Perez doch anzurechnen, dass er ohne Umschweife zu akzeptieren scheint, dass er für das Geschriebene mit Konsequenzen zu rechnen hatte. Seinen Job für Destructoid ist er los, damit scheint er leben zu können. Mit dem, was dann geschah, aber nicht. Denn Aggressionen und Beleidigungen richteten sich gegen ihn und wieder gegen Felicia Day, die seine Entschuldigung mittlerweile angenommen hat, aber immer noch aufs Übelste beleidigt wird.

Und er hat sogar in gewisser Weise Recht. Er geht davon aus, seine Tweets seien nicht sexistisch gemeint und deshalb auch nicht in diese Richtung auszulegen, sondern unabhängig vom Geschlecht gegen eine öffentliche Figur der Geekkultur gerichtet, deren Leistungen er nicht erkennen könne. Wäre diese der Fall, es wäre kein Beispiel für Sexismus in der Gamerszene. Ich teile diese Ansicht nicht völlig, da er mit dem Begriff booth babe eindeutig auf eines der offenkundigsten machistischen Rituale der Spielemessen verwies, aber gehen wir mal davon aus, es war tatsächlich nicht sexistisch motiviert. Dass es aber eben doch den Sexismus der Szene offenbarte, zeigt sich in den Wellen, die seine Kommentare schlugen. Ein wilder Mob stürzte sich auf Felicia Day, nur deshalb, weil er etwas Dummes sagte, das seinem Arbeitgeber aus nachvollziehbaren Gründen nicht gefiel, und dazu führte, dass Perez nicht mehr für Destructoid schreibt. Felicia Day hat nichts dazu beigetragen, Destructoid zu der Maßnahme zu führen. Das hat Perez mit seinem losen Mundwerk ganz allein geschafft. Er hat sie verbal angegriffen, obwohl er sie nicht kannte, und dafür die Rechnung erhalten. Doch spätestens bei den leider als typisch zu bezeichnenden Beleidigungen, die eindeutig auf Days Geschlecht zielen, steigt der brodelnde Sexismus der Szene auf.

Es bleiben zwei Sufftweets, die aggressiv und unnötig waren, eine aufgelöste Zusammenarbeit zwischen Perez und Destructoid, eine sexistische Lawine übelster Beleidigung in Richtung Days, überbordende Wut auf Perez, die in dieser Form ebenfalls nicht angemessen ist, und eine akzeptierte Entschuldigung. In dieser Auflistung ist eigentlich alles noch vergleichsweise harmlos, wenn auch nicht sehr appetitlich, in sozialen Interaktionen geschehen solche Dinge aber hin und wieder. Die besagte Lawine sexistischer Ausbrüche, die über Day preschte, die ist ein ernsthaftes Problem.

[via Skepchick, The Mary Sue]

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (2/4)

Und weiter geht’s mit den Trailern für die No-Go-Serien in diesem Herbst.

The Family Tools

Heute schon gelacht? Wie wäre es hiermit?

Nein, vielen Dank. Ich kaufe grundsätzlich beim schwedischen Einrichtungshaus, weil ich lokale Familienunternehmen verachte. Die sind mir zu humorlos. Entgegen den Geboten der Höflichkeit, wünsche ich der Serie doch einen schnellen Niedergang, damit der herausragende J.K. Simmons wieder anständige Sachen machen kann.

Guys with Kids

Schnallen wir uns die Blagen vor die Wohlstandswampe, zischen ein kühles Bierchen in der Stammkneipe und lamentieren über die soziale wie familiäre Kastration. Ginge es nach NBC, sollte es schon für genügend wohlstandsgeplagte Väter vor dem Flimmerkasten sorgen, die sich ihre auf Seelenverwandschaft glattgebügelten Pendants ansehen.

NBC reagiert auf soziale Änderungen, indem es die neuen Männerbilder in alte Sitcomschablonen presst. Das muss und sollte sich nach diesem mauen Trailer nun wirklich niemand antun. In wirklich jeder Sekunde des Trailers trällerte ein debiles Klagelied über die verlorene Männlichkeit. Mittelschicht kriegt eben nur Mittelmaß. Und manchmal kommt es noch schlimmer. So billig wie Vatertag.

Nashville

Connie Britton ist noch immer alles zuzutrauen. Welche Gründe sie auch immer hatte, diese klischeebeladen wirkende Rolle anzunehmen, wird ihr Geheimnis bleiben. Hoffentlich war es nicht Geldmangel, wie der ihrer Rolle.

Der einen Hauptdarstellerin, Britton, ist jeder Erfolg zu wünschen. Der anderen, Hayden Panettiere, grundsätzlich auch, nur liegt das weniger an ihrer schauspielerischen Klasse. Schon die wenigen Bilder des unnachgiebig plumpen Kampfes zweier Countrysängerinnen um Ruhm und Anerkennung zeigen: Panettiere wird mit Britton nicht mithalten können. Beruht eine Serie wie Nashville anscheinend allein auf dem Antagonismus der Figuren, sollten diese herausragend besetzt sein. Da kommen Zweifel auf, wenn die Fronten in Sachen Talent so klar sind.

Wenn für Britton schon keine schauspielerische Konkurrenz in Aussicht ist, bleibt es an den Drehbüchern hängen. Callie Khouri zeichnet für Nashville als kreativer Kopf verantwortlich. Sie schrieb schon das Drehbuch des zum Frauenpowervehikel hochgejazzten Thelma & Louise. Für das Mainstreamkino war er das wohl auch, weshalb Khouri den Drehbuch-Oscar erhielt. Preise sollte sie für Nashville aber nicht erwarten, sofern der Trailer nicht völlig an der Serie vorbei wirbt. Hat es alles schon gegeben, doch die Erwartungshaltung ist nicht sehr hoch. Dafür ist alles ein wenig zu simpel gestrickt. Die eine Sängerin, hat den Höhepunkt der Karriere hinter sich und muss zusehen, wie selbst ihre Kinder den poppigen Country des aufstrebenden Starlets bevorzugt. Dieser vermutliche Zickenkrieg ist von Thelma & Louise so weit entfernt, wie die 1992er Frauenpowerfassade von ordentlichen Frauenfiguren der jüngeren Filmgeschichte. Dennoch könnte das Paket eines melodramatischen Country-Musicals bei der Zielgruppe, zu der ich sicherlich nicht gehöre, punkten.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (1/4)

Im üblicherweise recht serienschwachen Sommer schwitzen die Sender in den USA üblicherweise die Trailer für die im Herbst anstehenden Serienstarts aus. So auch dieses Jahr. Grund genug, aus den um Aufmerksamkeit buhlenden Serienschnipseln diejenigen rauszupicken, die eventuell einen Blick lohnen könnten. Die Midseason-Starts habe ich mir gespart, The Following und andere Serienstarts werden hier also nicht weiter Erwähnung finden.

Und dieses Mal wird es eine überbordende Trailershow. Daher habe ich ein wenig Platz im Kalender schaffen müssen. Der Montag und Dienstag werden im Juli ganz im Zeichen der Trailer stehen. Den Anfang machen, wie schon für die Fall Season 2011, die eher uninteressanten bis gänzlich grauenhaft wirkenden Serien, wenn es nach den Trailern geht. Anschließend folgt eine lange Latte der Serien, die aus verschiedenen Gründen nicht vielversprechend, doch aber interessant genug wirken. Den Abschluss bildet eine kleine Auswahl von höchstens drei Serien, die ich unbedingt sehen will.

1600 Penn

Diese verkürzte Adresse ist hierzulande wohl nicht sehr geläufig. Es ist die Anschrift des Weißen Hauses. NBC lässt hier Bill Pullman und Jenna Elfman als US-Präsident und First Lady samt Rest der dysfunktionalen Familie einziehen. Dysfunktionale Familie im Weißen Haus, wie subversiv.

Anscheinend ist der Sicherheitsdienst aber zu wachsam, Lacher lässt er nicht durch. Immerhin dürfen wir wohl erfahren, was der US-Präsident Pullman nun macht, nachdem die Alieninvasion seine erste Familie am Independence Day ausgelöscht hat. Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Animal Practice

Nun gut, er spricht nicht mit den Tieren. Sie auch nicht mit ihm. Zumindest verkneift sich der Trailer die dümmliche Dr. Dolittle-Masche. Aber besser wird es nun wirklich nicht, sehen wir doch einen tierlieben, notgeilen Veterinärmediziner.

Das soll für eine Serie reichen? Da muss noch eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden, bis ich an Bord komme. Crystal the Monkey, dieses niedliche kleine Äffchen im Trailer wird übrigens als Teil des Casts angegeben. Das nur am Rande, finde ich ja schon fast wieder, ne, finde ich doch nicht. Mein Meerschweinchen meint, es sei keinen feuchten Köttel wert.

Beauty and the Beast

Was ist besser als eine originelle Idee? Eine alte. CW gräbt die Mär um die Schönheit und die menschelnde Bestie aus, fügt modische Düsternis und pubertäres Pathos hinzu.

Immerhin wird Kristin Kreuk den Ansprüchen der Serie an ihre Figur gerecht werden können, die Schauspielerei allein überfordert sie doch arg. Für Beauty and the Beast dürfte es aber reichen, denn es scheint von CW nur als inhaltlicher Anschluss zu den Vampire Diaries gedacht, die direkt vor diesem Aufwasch des alten fränzösischen Märchens ausgestrahlt wird. Das sieht nicht nach mehr als zielgruppengerechter Konfektionsware aus.

Kleine Randnotiz: Andere Meinungen zu den Serienstarts gibt es hier im Podcast Fortsetzung folgt.