Sprache, Sexismus und Systemadministration: Global symbol „$maskulinum“ requires explicit package name

Es ist eigentlich ganz einfach, könnte immerhin so einfach sein. Dass es das nicht ist, zeigte sich offenkundig wieder daran, wie eine als totalitär – in grober Verkennung des Totalitären – empfundene Markierung diffamierender Sprache negiert, lächerlich gemacht und damit fortgesetzt wurde. Auf dem 29c3. Wo Systemkritik nur als schick zu gelten schien, wenn sie vom typischen, also männlichen Durchschnittshacker für konsensfähig erachtet und nicht durch Selbstkritik und -reflexion belastet wurde. Der Druck, der mit Privilegien verbunden ist, muss kaum zu ertragen sein für die Privilegierten selbst. Dann wird er halt weitergegeben.

Anatol Stefanowitsch hat am Rande des Geschehens allerdings einen Vortrag gehalten, der mit simplen, eindringlichen Beispielen auf den Punkt bringt, was nüchtern betrachtet Sache ist: Unsere Sprache ist kaputt.

Allerdings ist das Deutsche dann offensichtlich doch auf eine ganz seltsame Weise kaputt, wenn nicht mit diesem Defekt umgegangen wird wie mit anderen. Statt Löcher zu flicken, Schäden auszubessern oder ganz in konsumistischer Tradition das beschädigte Gut gleich wegzuwerfen, um es durch ein neues in Glitzerfolie zu ersetzen, wird dieser ganz besondere Schaden am Fundament der deutschen Sprache bewusst kleingeredet. Alles nicht so schlimm, weil immer so gewesen und bloß nicht laut werden, ja. So werden Systeme, die als sprachliche voll und ganz auch gesellschaftliche sind, administriert, nicht gehackt.

Take Us Back

Das hat man jetzt davon, wenn man die Zeit nutzt, um Spiele aufzuholen. Bei aller Gewalt, dem Blut, dem Ekel. Das ist nicht, was in dem Spiel auf den Magen geht. Mir setzt es zu, ich glaube nicht, heute wirklich gut gelaunt sein zu können.

Wie atemberaubend – im Sinne des Luftabschnürens und emotionaler Überwältigung – ein Spiel ist, das genau die Stimmung zu erzeugen weiß, die zu ihm passt. Der Song fängt die Essenz dessen ein, was The Walking Dead ausmacht:

Still Alive

Was auch immer den Leuten die letzte Woche im Dezember bedeutet, keine Ahnung. Für mich hat sie erst seit einiger Zeit eine gewisse Bedeutung, weil da gerade ein nebulöser Online-Dienst gebündelte Spiele raushaut. So kann ich dann schmerzhafte Gamer-Lücken für nur ganz wenig Schaden auf dem Konto schließen.

Alle sprachen von dem Spiel hier, ich wollte es nicht glauben. Betrachtet mich als von GlaDOS eines Besseren belehrt. Spooky.

Minecraft: The Story of Mojang

Ein vorweihnachtliches Geschenk? Eher eine realistische Einschätzung der Zielgruppe, die ohnehin den für sie gefühlt natürlichen Weg über die üblichen illegitimen Kanäle gehen würde. Und außerdem traue ich dem Braten derzeit noch nicht: Nur weil sich jemand in der Piratenbucht mit Username und in der Beschreibung als 2 Player Productions ausgibt, heißt es noch lange nicht, die Indie-Dokumentation über das herausragende Phänomen Minecraft ist sauber und kostenlos zu haben.

Indirekt wurde Kotaku vom Vertrieb des Films wohl bestätigt, dass es sich tatsächlich um eine inoffiziell-offizielle Veröffentlichung des Films handelt. Wirklich befriedigend ist diese Auskuft aus meiner Sicht noch nicht.

Ich habe den Film noch nicht gesehen, werde wegen der Unsicherheiten wohl auch auf den sicheren Weg zurückgreifen, den Film gegen kleines Geld auf dessen offizieller Webseite zu kaufen.

Middle Manager of Justice: Bürokratiesuperkräfte

Ordnung muss sein, denn sie ist das halbe Leben. Wo kämen wir denn hin, die Akten müssen geführt werden. Was meinen die Leute, wie so ein Unternehmen geführt werden soll? Also, es braucht die Helden an den Schreibtischen, diejenigen Formblattwälzer, die ein H-23A von einem F-411B zu unterscheiden wissen.

So ein Captain Premium stellt sich vor die Kameras, genießt das Blitzlichtgewitter, wenn er den Dank der Geretteten empfängt. Aber wer hat ihn überhaupt eingestellt, wer motiviert ihn zu Höchstleistung? Wer, ja, wer führt die Bücher? Glauben alle, die Welt zu retten ginge ohne Organisation und Führungsqualitäten, also nur mit Muskelkraft und Hirnschmalz? Unsinn, es braucht auch den Middle Manager of Justice, ohne den die Gerechtigkeit nur zufällig aufrechterhalten wird. Wahre Gerechtigkeit gibt es nur im Aktenordner, ordnungsgemäß geprüft, bewilligt und Stempel drauf.

Hinter Middle Manager of Justice steckt Double Fine, das von dem alten Recken der Spieleszene Tim Schafer gegründet wurde. Und der Humor entspricht genau dem, was an Absurdität und hintergründiger Albernheit von Double Fine erwartet werden kann. Was aber nicht darüber hinwegtäuscht, wie schnell das Szenario der Superhelden-Agentur tatsächlich in der Ödnis der Bürokratie untergeht. MMoJ ist nämlich am Ende genau das, eine Wirtschaftssimulation; eine, die zwar über Mitarbeiter mit übernatürlichen Kräften verfügt, doch am Ende des Tages müssen die Bücher stimmen.

Die Routine besteht daraus, unsere Zweigstelle mit den maskierten Außendienstmitarbeitern auf Trab zu halten: Wir bauen Trainingsräume, Labore und Ruheräume, in denen die Helden trainieren und sich erholen können. Mit der Verbrechensbekämpfung verdient unser Unternehmen sein Geld, je schneller wir vor Ort sind, desto besser ist die Kriminalitätsbekämpfung für die Bilanzen.

Diese Sorte Managerspiele mit ordentlichem Aufbaufaktor ist bei den mobilen Spielen nicht kleinzukriegen, was an ihnen aber stört ist die penetrante Freemium-Herangehensweise und der repetitive Charakter der Spielmechanik. Mit ihrer mindestens doppelten Währung, die eine ist im Spiel zu horten, die andere zumindest praktisch nur durch In-App-Käufe zu erhalten, schaffen sie meist keine ordentliche Balance. Zu durchschaubar ist der Versuch, mit Zeitdruck und Schnelllebigkeit die Spieler anzufixen, möglichst schnell die Währung aufzustocken. Mich ficht das schon prinzipiell nicht an, wenn ein Spiel erkennbar mit einfachsten psychologischen Erkenntnissen Kaufdruck auf- und rationale kaufhemmnisse abbaut. MMoJ ist weit weniger aggressiv als viele Konkurrenten, leidet aber für mich darunter, dass die Komplexität der Aufgaben doch zu sehr auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Spielbarkeit setzt.

Ein netter Nachmittag mit dem Spiel ist locker drin, darüber hinaus wird es mir schon zu simpel und buchhalterisch. Für Krämerseelen wäre es ja was.

Titel: Middle Manager of Justice
Von: Double Fine Productions
Jahr: [Jahr]
Genre: Wirtschaftssimulation, Managerspiel
Plattform: iOS
Version: 1.0.2

Ascension: Chronicle of the Godslayer

20121221-165821.jpgKartenspielumsetzungen eignen sich hervorragend für mobile Geräte. Die Gründe sind vielschichtig, aber einer ist ganz sicher, dass die Kartenspiele enorme Regelwerke mitbringen, die strategische und taktische Tiefe verlangen. Dabei sind die Anforderungen an Grafik und Rechenleistung nicht besonders hoch, denn im Kern muss immer nur ein Spieltisch emuliert werden.

Ascension – Chronicle of the Godslayer ist nur eine von vielen Adaptionen mehr oder weniger bekannter Kartenspiele auf iOS. Dabei handelt es sich genauer gesagt um ein Deck-Building-Spiel, will heißen, die Spielmechanik ist etwas anders als viele es von herkömmlichen Kartenspielen gewohnt sind: Es gibt zwar noch immer eine Kartenhand und auch einen Kartenstapel, aus dem die Hand befüllt wird, allerdings ist ihre Verwendung neu gewichtet. Denn der Kartenstapel eines Spielers fängt mit einer Auswahl weniger Karten an und wächst in dem Maße, mit dem die Spieler erfolgreich weitere Karten im Spielverlauf erworben haben. Dass wirft die typische Wahrscheinlichkeitsrechnung und Taktik aus dem Fenster, denn das Deck ist steten Wandel und damit die Hand, die sich aus dem Deck speist.

Der Umsetzung des Onlinespiels, das bei einem solchen Spiel das Herzstück sein sollte, weil sich eben nur gegen menschliche Gegner ausgefeilte Spiele entwickeln können, gebührt großes Lob: Ascension ist von grundauf auf gepflegte Online-Matches ausgelegt, wobei besonders die gewährten Freiheiten bei der Spiel- und Gegnerwahl vorbildlich sind. Gerade die mehrstufig wählbare Spieluhr zurrt die Spieler zurecht, damit sie sich auf das Spiel konzentrieren.

In der Präsentation und dem Spieldesign ist die Mühe erkennbar, die Spielmechanismen komfortabel umzusetzen. Übersichtlichkeit trumpft dabei grafischen Pomp aus, es ist und bleibt ein Kartenspiel. Auf lange Sicht ist es durchaus der bessere Deal, dass die Oberfläche so rund wie möglich entwickelt wurde, sodass ein durchaus komplexes, facettenreiches Spiel nicht an allen, wohl aber in weiten Teilen in simple Arbeitsschritte umgesetzt wurden. So bleibt mehr Zeit, um an der eigenen Strategie zu feilen.

Regulär ist Ascension preislich — für den mobilen Spielemarkt — im Mittelfeld angesiedelt, dazu kommen noch einige IAP-Zusatzkartensets, die fair bemessen sind. Angesichts der Spieltiefe, der gelungenen Umsetzung und der erstklassigen Online-Anbindung mit einer ausgewachsenen Spielgemeinschaft ist Ascension ein wunderbarer Zeitvertreib.

Titel: Ascension: Chronicle of the Godslayer
Von: Playdek
Jahr: 2001
Genre: Kartenspiel, Taktik, Strategie
Plattform: iOS
Version: 1.2.2

 

Newtown: Das Zeremoniell der Empathie

Diese Geschichte hat zwei Protagonisten, die sich gegenseitig verbunden haben zu einer schicksalhaften Kommunikationsgemeinschaft, in der die Rollen von Sendern und Empfängern im Fluss sind. Ich will mit dem einen Protagonisten beginnen, doch nur unter dem Vorbehalt, dass es keinen Grund jenseits der Willkür gibt, warum dieser und nicht der andere zunächst im Vordergrund steht.

Die Medien, oft auch gerade der Teil der Medienwelt, der sich den Qualitätsjournalismus hat lizenzieren lassen, sodass er fachgerecht auf einem Presseausweis Platz findet, schreibt sich die Leistung zu, Ordnung und Einordnung in die unübersichtliche Lage der Welt zu bringen. Dabei verkennen sie manchmal, vielleicht sogar in den schwierigsten Momenten des menschlichen Miteinanders, welches dann oft ein Gegeneinander ist, was auch zur Einordnung der kleinen Fragmente in das große Gefüge gehört: die Zurückhaltung, das Eingeständnis der eigenen Verunsicherung, die Unzulänglichkeit der eigenen Wahrnehmung und die Flut der Informationen.

Nicht zu wissen, was die Motive des jungen Mannes waren, der in Newtown zunächst seine Mutter und dann in einer Grundschule Kinder und Lehrer erschoss, mag unerträglich sein, ist aber kaum ein guter Grund, nun leidenschaftlich im Trüben zu fischen. Wie kommt es, dass dort, wo Menschen sterben, der Konjunktiv über die Hintergründe zum Leben erweckt wird? Wäre es zu verhindern gewesen? Der Täter habe auf allen Fotos einen kühlen, der Welt entrückten Blick gehabt. Waffen hätten nie im Umlauf sein sollen. Als ob den Toten damit geholfen wäre, wenn schnellstmöglich aus allen Teilen der Welt die reflexiven Interpretations- und Bewältigungsmechanismen des Journalismus auf den Tatort gerichtet werden.

Der Mainstream, unser zweiter Protagonist, verschlingt jedes noch so nichtige Bröckchen. Es als Sensationslüsternheit abzutun ist möglich, geht an der Sache aber doch vorbei: Es ist auch ein Bewältigungsmechanismus, die Tat, den Anschlag, das Massaker vermeintlich gänzlich in sich aufnehmen zu wollen. Schon einmal den Finger in eine klaffende Wunde gesteckt? Die Gier nach jedem morbiden Detail, ob geprüft oder nicht, schafft einen Schmerz, der auch aus der weitesten Entfernung spürbar wird. Aus den Augen verloren, wenn sie überhaupt gesehen wurde: die Ohnmacht, die ein solches Ereignis auslösen sollte.

Nicht spüren zu können, was die Opfer fühlten, die mit brutalster Gewalt niedergestreckt wurden, mag unerträglich sein, es ist aber keine gute Grundlage für Mitgefühl, dies zu simulieren. Empathie ist so eine Sache, die der Mainstream in ritualisiert hat; sie wird in wiederkehrenden Mustern zeremoniell ausgebreitet. Es ist die mechanische Empathie einer Konsumptionsgesellschaft, als ob den Toten damit geholfen wäre, die erlernten und vererbten Verdrängungs- und Sensibilisierungsmethoden an ihnen abzuarbeiten.

Was die beiden nun aber machen, das ist durch nichts mehr zu rechtfertigen: Sie stülpen eine widerwärtige narrative Schablone über alle undenkbaren Geschehnisse. Jedes Ereignis wird emotional überwältigt, gemustert und vermeintlich verständlich gemacht – nicht Verständnis der Situation, sondern emotionale Überwältigung der Ereignisse ist das Ziel. Die Wogen müssen geglättet werden, koste es, was es wolle. So werden zunächst die Täter in Grund und Boden verdammt, dann die Opfer nach heroischen Leistungen, in deren Abwesenheit tun es auch rührselige Lebensläufe, um schlussendlich möglichst schnell in einfache Lösungsvorschläge zu verfallen: Mal sollen es die Medien sein, Musik, Filme, Videospiel, was auch immer. Dann wieder der Waffenbesitz, die (sub-)kulturelle, ethnische, politische oder religiöse Zugehörigkeit. Für andere ist es die gesellschaftliche Verrohung, was genau diese aber ausmacht, ist nicht weiter wichtig.

Was auffällt, sie alle, die vielstimmig im Chor von Medien und Mainstream singen, sie haben in der Regel eine Lösung parat. Nur eine. Die eine Maßnahme, die auf Anhieb wird selig machen können. Und so gebiert der Zwang einen wahnhaften Zwang zur emotionalen Durchdringung der Schreckenstat, gleichgültig aller Oberflächlichkeit mit der über die Hintergründe spekuliert wird. Diese Oberflächlichkeit der selbst attestierten Empathischen hat weniger der beschleunigten Medienlandschaft zu tun, als mit der Aufklärung: Wesentlicher Kern der Aufklärung bleibt das Erstaunen – oder auch die negative Entsprechung: das Entsetzen. Auch dies ein emotionaler Reiz. Aber wie damit umzugehen ist, ist im Sinne der Aufklärung die eigentliche Revolution. Mit Nüchternheit.

Was spricht dagegen, ein unverständliches, dramatisches Ereignis erst einmal als solches hinzunehmen? Die Emotionalität hat und braucht ihren Raum, sie wird ihn auch verlangen. Doch im Stadium der emotionalen Aufladung schon ein Problem lösen zu wollen, ist törichter Unfug. Genau so ist es Unfug, auch nur zu verlangen, dass ein erstaunliches Ereignis binnen weniger Stunden oder Tage erklärbar sei und erklärt werden müsse. Das Erstaunen wäre sinnlos, wäre es so leicht bewältigbar. Das gilt auch für das Entsetzen. Doch gerade dann, wenn die Emotionalität verflogen ist, wäre Zeit zur Aufarbeitung. Zur intellektuellen Durchdringung der Tat, ihrer Motive und der Lösungswege.

Doch in unserer Geschichte ist noch kein gutes Ende absehbar, denn die Protagonisten haben sich mal wieder darauf geeinigt, in simplen Strickmustern zu handeln: Diese brachiale Pietät ist die heuchlerischste Pietätlosigkeit, zu der Medien und Mainstream sich regelmäßig hinreißen lassen.