Sinnsuche: Clipboard-Manager

Es war eine so schöne Idee, mir mal anzusehen, was manche Apps aus der Zwischenablage unter iOS machen. Zwei Vertreter dieser Sorte Apps hatte ich mir eher willkürlich herausgepickt: Die erste ist Clipboard Manager and History, für diesen Namen sollte es einen Preis als App mit dem umständlichsten deskriptiven Namen geben, und an zweiter Stelle, weil’s so schön passte noch CloudClipboard.

Beide Apps agieren, sofern gestartet, im Hintergrund von iOS, fangen dabei alle Einträge in der Zwischenablage ab und archivieren sie. Die Zwischenablage, die sonst nur das hält, was ihr Name verspricht, wird um ein Langzeitgedächtnis erweitert — zumindest solange die Apps aktiv sind. Betriebssystembedingt liegt die Grenze hierfür meines Wissens bei zehn Minuten, bevor die Apps sich melden, dass sie nicht mehr Lauschen dürfen, sofern sie nicht wieder aktiviert werden.

Das Langzeitgedächtnis, das die Apps erstellen ist vergleichbar angeordnet, sie sortieren nach reinem Text, Links, Bildern und einigen Datenformaten mehr. Im Hinterkopf wuchs bei mir nun allerdings eine Frage an: Wofür das alles? Dieser Frage folgten immer mehr Anschlussfragen. Warum will ich das hier haben? Kopiere ich die Links und Videos nicht gerade ohnehin an die Stelle, an die sie sollen?

Schön und gut, ich erkenne natürlich, dass es seinen Sinn haben kann, eine Chronik der Zwischenablage zu haben. Für alle Fälle, genauso ist es sinnvoll, einen Nahrungsvorrat anzulegen für die Dürren und andere Krisen, die Apokalyptiker unablässig predigen. Für meinen Arbeitsfluss scheint der Zweck dieser Apps eigentlich überflüssig, denn ich bin von Beginn an ordentlich. Auch wenn ClouClipboard potenziell über alle iOS-Geräte synchronisiert, wieso ist es ein Klick mehr als nötig, um die ausgewählten Daten wieder in die Zwischenablage zu legen? Warum sie sieht die andere App, die mit dem grandiosen Namen potthässlich aus und hat Funktionen, die sich mir nicht erschließen wollen, bei aller Mühe.

Selten war so klar, nicht nur sind diese Apps nichts für mich, sondern die ganze Spezies der Clipboard-Manager ergibt für mich keinen Sinn. Also überlasse ich es dann wohl anderen, die sich auf Anhieb vorstellen können, was in ihrem Leben durch solche Apps erleichtert wird.

Linkgebliebenes 5

Der Wortvogel hat sich Gedanken zur Restrukturierung in der deutschen Fernsehlandschaft gemacht: Fernsehen of the Future

Es gibt auch immer wieder gern die bipolare Darstellung der Tierrechtsproblematik in der Grundlagenforschung, die zugleich mit plumper emotionaler Erpressung arbeitet, sich diese von der Gegenseite aber verbittet: Urteil zu Tierversuchen an Affen in Bremen

Was passiert eigentlich, wenn man ein Blog auf einem Raspberry Pi hostet und dann um Traffic bittet? Ein Feldversuch: PiPress

Mir gehen zwar die Haare aus, noch bevor sie Gelegenheit haben, in Würde zu ergrauen, aber natürlich trifft es auch auf mich zu, was hier geschrieben wurde – es geht nicht um Speicherstände: Games Don’t Need Saving

Wie kleine Kinder gegen Geschlechterrollen vorgehen sollten: Gender-Hausaufgabe

The Hobbit – An Unexpected Journey

In Clerks 2 gab es diese eine Szene zwischen Nerds, die sich über die reine Lehre der ewigen Nerdigkeit ereifern.

An der Frotzelei gegenüber den Filmen des Herrn der Ringe ist viel dran, so überspitzt es auch gewesen sein mag. Was Peter Jackson allerdings mit dem Auftakt zur neuen – natürlich – Trilogie, The Hobbit – An Unexpected Journey, abliefert, verdient alle Häme, die auf die Vorgänger gemünzt war. Es ist die vorerst, warten wir die weiteren Teile mal ab, höchste vorstellbare Beleidigung gegenüber der Phantastik, von der Jackson nur den Namen entlehnt, aber jegliche Kreativität aus beinahe drei Stunden Film saugt.

War es die Schwäche der Prequels in Star Wars, die Lächerlichkeit der ersten Trilogie offenbart zu haben, so muss immerhin für An Unexpected Journey sprechen, dass gegen dessen plumpe Effekthascherei die Reihe um den Herrn der Ringe wie berauschendes Erzählkino wirkt. Jackson schickt auch hier eine Reisegruppe durch prachtvolle Landschaften, doch hat die neue Reisegruppe etwas zu viel von Kaffeefahrt. Ganz im Gegensatz zu den Gefährten der ersten Trilogie besteht innerhalb der Gruppe keinerlei Spannung, alle haben letztlich das eine Ziel, nämlich den Drachen Smaug zu besiegen, der den Zwergen die Behausung im Einsamen Berg nahm. Wäre doch nur mehr daran, aber das ist es. Ein Haufen infantiler Zwerge fällt über die Wohnung des jungen Bilbo ein, weil ihnen Gandalf den Hobbit als Meisterdieb empfahl, der er nicht einmal im Ansatz ist, sie saufen und fressen die Vorräte Frodos leer, sodass dieser letztlich keine Wahl mehr hat, als mitzukommen.

Worum aber geht es hier? In Herr der Ringe ging es um alles, die Vernichtung der Welt, den Untergang der Zivilisation, so wie Mittelerde sie kannte, weil das allgegenwärtige Böse kam, um alle Völker zu knechten. Die Reise, bei allem Pomp und der fehlenden Finesse, hatte eines: Gewicht. Der größte Ballast war der kleine, unscheinbare Ring, der die Gefährten spaltete, Freundschaften gefährdete und seinen Träger Frodo seelisch beinahe ruinierte. An Unexpected Journey fehlt aber genau das, ein fesselndes Ziel. Oder eine spürbare Bedrohung.

Jackson versucht zu kompensieren und macht zu viel des Guten. Vor lauter Zauberei will keine filmische Magie aufkommen, in diesem Wust aus synthetisierten Bildern, deren Einfallslosigkeit hinter den Vorgängerfilmen und der eigentlichen Maxime des Genres zurückfällt. Die Gruppe hechtet, kämpft und ächzt sich duch allerlei Gefahren, die aber bloß episodischen Charakter haben. Ein einendes erzählerisches Band gibt es nicht, da verwundert auch nicht, dass Jackson all sein Können an einer mediokren Szene verschleißt, in der noch die geplagte Seele Gollum und Bilbo aufeinandertreffen, wobei der Ring einen neuen Eigentümer erhält. Aber die Szene bleibt so grau wie die Höhle in der sie spielt.

Der Film ist eine zusammenhanglose Nummernrevue der Wiederkehrer aus der ursprünglichen Trilogie, in einem ansonsten reichlich kindischen Wachsfigurenkabinett, das sich öfter, als es gut sein kann, im Ton vergreift. Der Rest ist gähnende Leere in überfrachteten Frames.

Writer Rumble: Feuerwerk der Einsilbigkeit

In Writer Rumble werfen Schriftstellerinnen und Schriftsteller sich Worte an den Kopf, im wahrsten Sinne geht es um Wortgefechte. Edgar, Jane oder Agatha, sie alle sind umverhohlene Anspielungen auf Menschen, die im wahren Leben dafür bekannt waren, die Federn geschwungen zu haben, aber nicht Berühmtheit erlangten, weil sie mit Worten körperliche Wunden rissen. Das Spiel stellt das ganze auf den Kopf, denn es macht die Literaten zu Kriegern in einem Echtzeit-Wortkampfspiel — allerdings nur auf Englisch.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass unter den mobilen Spielen Letterpress für mich zum Besten in diesem Jahr gehört. Writer Rumble muss sich daran in Sachen Spielspaß messen lassen, der Vergleich ist aber doch etwas unangemessen, denn beide Spiele sind zwar Wortpuzzles mit einer Matrix von 5×5 Buchstaben, ansonsten sind sie aber grundverschieden. Dem überlegten Taktieren von Letterpress steht der buchstäbliche Sturm – was soll ich denn sonst schreiben? – gegenüber.

Im Grunde sind die Spiele sogar Extrempole des Genres, der wesentliche Unterschied besteht in der Echtzeitkampfsituation von Writer Rumble. Simpel ausgedrückt, es stehen sich im Online-Modus, der Kern des Spiels ist, Konkurrenten gegenüber, die aus der Wortmatrix Wörter bilden müssen, wobei nur benachnarte Buchstaben verkettet werden dürfen. Ist ein korrektes Wort geschrieben, fliegen die Buchstaben dem Gegner-Avatar entgegen, bei dem sie je nach Schwierigkeit des Buchstabens, man denke da etwa an den Buchstabenwert beim Scrabble, kleineren bis zu enormem Schaden anrichten. Wem zuerst die Luft ausgeht, hat die Runde verloren; wer zwei Runden für sich entschieden hat, trägt den Sieg davon.

Mit seiner unbändigen Hektik ist Writer Rumble eine gänzlich andere Herausforderung, gilt es doch, nach Möglichkeit in kürzester Zeit massenweise Wörter abzufeuern, was zur Folge hat, dass meist einsilbige Wörter gebildet werden. Es fordert eine inflationäre Herangehensweise an den eigenen Wortschatz, die für den Sieg geplündert werden muss. Gewisse taktische Elemente kommen zwar hinzu, weil jeder der sechs Literaten über eigene Spezialfähigkeiten verfügt. Diese Modifikationen wirken sich entweder auf den Wortwert, also direkt auf den Schaden, oder auf die Buchstabenmatrix aus: In absoluter Hektik Buchstaben aneinanderreihen zu müssen ist die eine Sache, wird aber Spielfeld auf den Kopf gestellt, müssen die Wörter rückwärts eingegeben werden oder fehlen urplötzlich Buchstaben, wird bricht vollkommene Panik aus.

Jede Runde entsteht enormer Zeitdruck, diesem Buchstabengewitter standzuhalten ist anfangs außerordentlich schwierig, vor allem, wenn in einem schnellen Spiel ein Gegner mit unfassbarer Geschwindigkeit starke Wörter abschießt. Die Wörter mit wertvollen Buchstaben selbst haben zwar große Kraft, im Zweifel zählt dann eben doch die reine Masse. Einsilbige Wörter sind klar im Vorteil, je abstruser desto besser. Mit einiger Sicherheit werden die meisten Muttersprachler da auch nicht wissen, was die Drei-Buchstaben-Kombinationen bedeuten, die da durch die Luft schwirren.

Glücklicherweise bringt das Spiel einen Einzelspielermodus mit, wo es zu Beginn deutlich gemächlicher zugeht. Hier lassen sich einige Kombinationen ausprobieren, die im direkten Duell hilfreich sein können. Um die Duelle geht es aber eigentlich, Writer Rumble bietet verschiedene Möglichkeiten, sich mit anderen Spielerinnen und Spielern zu messen, etwa im Online-Matchmaking, gegen Freunde aus dem Game Center oder auch nur lokal per Bluetooth, sofern beide das Spiel auf ihren Geräten haben.

Ohne einige störende technische Schwierigkeiten kommt Writer Rumble derzeit leider nicht aus. Der Verbindungsaufbau über die Server ist unzuverlässiger, als es wünschenswert ist, Spielverbindungen brauchen mitunter ordentlich Zeit, manchmal länger als eine oder zwei Runden. Das allein schon im WLAN, in mobilen Netzen war kaum noch an Spielen teilzunehmen. Größter Störfaktor sind allerdings gelegentliche Rechenaussetzer während eines Kampfes, dadurch gerät man aus dem Tritt, was in den blitzartigen Runden auch schon einmal das Aus bedeutet. Das sind durchaus irritierende Mängel, die den Spielspaß erheblich beeinflussen. Jede gelungene Runde, ohne jede Störung ist aber ein Wortrausch.

Das kampforientierte Spielprinzip ist trotz der technischen Mängel überzeugend. Nicht nur in der stilsicheren Präsentation lehnt sich Writer Rumble bei Beat ‚em ups an, wenn sich die Gegner in Kampfposition nervös wippend gegenüberstehen, über ihnen die Lebensbalken und die Uhr mit der Rundenzeit. Auch spielerisch ist der Unterschied gar nicht so groß, beim Beat ‚em up werden Knöpfe in Windeseile gedrückt, in Writer Rumble über den Schirm gewischt als gäbe es kein Morgen. Nur in puncto Balance zwischen den Wort-Gladiatoren wird die Zeit hoffentlich mit Updates noch den nötigen Feinschliff bringen. Agatha ist mit ihren heftigen Eingriffen in die Spielweise des Gegners lästig, ich breche derzeit jede Partie gegen sie ab. Dem Spiel wird das nicht helfen, solange derzeit ohnehin erst wenige Spieler anzutreffen sind und die Sprachbarriere dazu führt, dass die europäischen Zeitzonen den vorhandenen Englischsprachigen kaum zuzusagen scheinen, wodurch die potenzielle Gegnerschaft zusätzlich eingeschränkt wird.

Dieser Wort-Echtzeit-Klopper ist ein lupenreines ‚Word ‚em up‘ mit hohem Unterhaltungswert, der allerdings derzeit noch unter einigen technischen Mängeln leidet und für zurückgelehntere Spielernaturen grausam frustrierend sein kann. Wenn ich aber darüber nachdenke, ist Writer Rumble wegen seiner kurzen Spieldauer ein idealer Zeitvertreib in Wartepausen bei Letterpress. Eat my words.

Titel: Writer Rumble
Von: GameFly Games
Jahr: 2012
Genre: wortpuzzle, denkspiel, echtzeitkampf
Plattform: iOS
Version: 1.0

Soundgarden – King Animal

Schon in ihrem Namen tragen Soundgarden das Geheimnis ihrer Anziehungskraft. Und was für ein Garten es ist, den die Herren, so muss man sie ihrem Alter entsprechend nennen, da pflegen. Nichts hat ihre Musik mit der spießbürgerlichen Parzelle ordentlich abgesteckten Grüns zu tun, die sorgsam gepflegt und nach Vorschrift bepflanzt wird, um nach getaner Arbeit bei einem Bier den Stolz zu haben, Herr über die paar Quadratmeter domestizierter Natur zu sein. Ebensowenig wie die Kleingärtnerei sie interessiert, halten Soundgarden auch nicht an die Vereinsstatuten des Rock: weg mit der hingerotzten Berechenbarkeit gleichgeschalteter Dreiminüter, die belanglose Rebellenattitüde proklamieren. Soundgarden ließen den Songs lieber ihren Lauf, was sollte daran sein?

Schon auf dem großartigen Badmotorfinger Anfang der Neunziger kümmerten sie sich nicht um Grenzen und Vorschriften. Dann hatten sie eben wüsten Metal neben bluesigen Nummern, da durften Bläser im Hintergrund jubilieren, während die Gitarren breite Riffs ausspuckten. Superunknown war dann der endgültige Höhepunkt der inspirierten Gleichgültigkeit gegenüber allen Statussymbolen des Rockestablishments. Es ist noch immer leidenschaftlich depressiv, wüst, weinerlich, aufbrausend und nach allen Regeln der Kunst verhaltensgestört, doch solange es große Songs waren, wurde Gefälligkeit gerne außen vor gelassen.

Been Away Too Long ist selbstverständlich ein verlockender Titel für den Opener des Reunion-Albums, da konnten sie nicht widerstehen. Er gibt das Tempo des Albums vor, ist im gehobenen Midtempo angesiedelt, das fügt sich aber ins Bild. Soundgarden haben Alben gerne mit einer eher schleppenden Nummer eröffnet, als mit einem Tosen. Darauf folgt das markante Non-State Actor, hier ist alles wieder genau da, wo es bei Soundgarden hingehört: der Takt entzieht sich schön der Tanzbarkeit, dennoch verliert er sich nicht in sinnlosen Eskapaden. Wenig später stellt sich dann die Frage, was Kim Thayil mit den Tausender-Songtexten hat. A Thousand Days Before ist unverkennbar von ihm, selbst wenn der Titel ihn nicht verraten würde, hypnotisch singende Gitarren, entrückte Rhythmik. Ganz sicher ein Höhepunkt wie das folgende Blood on the Valley Floor, das bleierne Gitarrenakkorde im Schleichgang zu Grabe trägt, es muss Erinnerungen an das hervorragende 4th of July wecken.

Nach Bones of Birds ist aber urplötzlich der Schwung raus. Cornell verfügt noch immer über die rauchige Stimme, in der die Stimmbänder zum Bersten gespannt sind, mit Leichtigkeit bringt er so Spannung in die zweite Hälfte des Albums, und kann doch nicht verhehlen, wie sehr die Hooks auf King Animal fehlen. Attrition ist der Tiefpunkt, es ist der einzige Song, der noch Tempo hat, sich aber mit plumpem Vorwärtsdrang dem gefürchteten Altherrenrock bedrohlich nähert. Glücklicherweise ist King Animal bis dahin schon ordentlich auf Touren gewesen, sodass die routinierte Band die Fliehkraft nutzt, um sich ohne weitere Aussetzer auf Albumlänge zu bringen.

Die Rückkehr mit King Animal ist gelungen, wobei sich der Sturm und Drang aus den wüsten Grunge-Zeiten gelegt hat. Das Album ist, wie die Band schon mit dem bis dahin letzten Album Down on the Upside aufzeigte, einen Schritt in ruhigere Gefilde gegangen. Soundgarden haben sich im Midtempo gefunden, aus dem sie kaum ausbrechen, weshalb die Dramaturgie des Albums im Vergleich zu ihren frühen Glanzstücken etwas verblasst. Aber noch imer wuchert die Musik wie es ihr gefällt. Ergraut ist die Band vielleicht, angestaubt ist ihr Klang noch lange nicht.

Sprechen Sie Duolingo?

Mit Duolingo hat sich ein weiteres Startup daran gemacht, über das Netz Sprachen – derzeit Deutsch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch zu vermitteln, und nun eine App für iOS veröffentlicht. Weniger aufsehenerregend ist dabei der Ansatz als das Geschäftsmodell, mit dem mehrere Sprachen von grundauf erlernt werden können, wobei der Dienst in vollem Umfang kostenlos ist und auch bleiben soll. Das Team hinter Duolingo führt eine besondere Form des Crowdsourcings ein: Es zieht die Nutzerinnen und Nutzer zu Übersetzern heran. Erster Großer Haken, bevor weitergelesen wird: Das Interface ist auf Englisch, heißt also, in Deutschland lässt sich das Konzept nur durch die Beherschung einer weiteren Fremdsprache anwenden. Wer in Englisch noch große Lücken hat, wird von Duolingo kaum profitieren können.

Das Konzept

Vor der iOS-App gab es schon längere Zeit die Webapp, der Aufbau ist bei beiden aber im Prinzip gleich: Kleinere Lerneinheiten, sie dürften nicht mehr als fünf bis zehn Minuten dauern, sind in thematischen Modulen gebündelt. Die Module wiederum sind Teil eines verzweigten Fertigkeitenbaumes. Gamification steckt damit in jedem kleinsten Teil von Duolingo, was keine schlechte Idee ist. Häppchenweise werden die Sprachen vermittelt, wobei die einzelnen Sprachpakete im Fertigkeitenbaum immer anspruchsvoller werden und aufeinander aufsetzen.

Es fängt ganz harmlos mit einigen grundlegenden Vokabeln zu Themen des alltäglichen Lebens an, steigert sich über die Grammatik von Hauptsätzen hin zu den Feinheiten der jeweiligen Sprache. Auffallend ist, dass bei Wiederholungen abgeschlossener Aufgaben auch Vokabeln und Themen aus anderen, bereits abgeschlossenen Bereichen einfließen, selbst wenn diese im Fertigkeitenbaum als schwieriger angesehen werden. Der Lernfortschritt wirkt also auf alle vorangegangenen Einheiten zurück, womit das Lernen weniger vorhersehbar und langweilig wird. Man sammelt buchstäblich Erfahrung, die von den Mechanismen hinter Duolingo flexibel angepasst werden und das Niveau kontinuierlich anheben. Die Motivation bleibt dadurch erhalten, dass für jede Lerneinheit schon Erfahrungspunkte vergeben werden, der Lernerfolg also Schritt für Schritt belohnt wird – Stufenanstiege inklusive.

Ich habe mich an Französisch versucht, das ich bei Weitem nicht so beherrsche wie das Englische, aber ich verfüge über ausreichend Kenntnisse, um für mich selbst abschätzen zu können, wie Duolingo daran geht, eine Sprache zu vermitteln. Dabei fiel mir aber vor allem auf, wie wenig in der iOS-App die Verben und auch grammatikalische Regeln systematisch vermittelt werden. Sie werden im Vorbeigehen angewendet, aber nie ins Bewusstsein gerufen. Ich musste oft auf mein Vorwissen zurückgreifen, um mir manche Zusammenhänge zu vergegenwärtigen. Für absolute Neulinge dürfte dies eine beträchtliche Hürde sein, die auch durch eine Liste der bekannten Verben, die nur in der Webapp einzusehen ist, kaum geringer wird. Gegen gefährliche Trugschlüsse bei der Grammatik ist das Konzept so im Moment noch nicht ausreichend gesichert. Die implizite Regelvermittlung trägt das Risiko, sich selbst Regeln zu erschließen, die fatal von der Grammatik abweichen können.

Die Aufgaben fragen auf verschiedenen Ebenen Wissen ab, mal müssen gesprochene Sätze wiedergegeben werden, dann geht es um das Zusammensetzen von Wendungen aus vorgegebenen Wörtern, Multiple-Choice-Aufgaben finden sich und auch viele andere Techniken. Die allgegenwärtige Sprachausgabe ist im Französischen brauchbar, wenngleich an mancher Wortendung blechern und verwaschen. Besonders eindrucksvoll ist die flexible Textanalyse, die auch auch verschiedene korrekte Eingaben erkennt, dabei sogar offenkundige Tippfehler mit Nachsicht behandelt. Texteingabe ist gerade unter iOS noch immer nicht so zuverlässig, daher war ich dankbar für jeden Hinweis auf einen Fehler, der aber noch nicht die Gesamtbewertung beeinflusste.

Nur mit der Alltagstauglichkeit der Beispiele ist es anfangs nicht so weit her. Ist der Wortschatz noch gering, versucht Duolingo zwar Abwechslung zu schaffen, doch fallen dabei manches Mal unsinnige oder schlicht unbrauchbare Sätze durchs Raster. Die unfreiwillige Komik hat aber auch was für sich und fällt langfristig nicht weiter ins Gewicht. Da vor allem die technische Umsetzung der Methode hervorragend ist, verbringe ich sehr viel Zeit mit der iOS-App. Nur wenn ich keine mobile Datenverbindung habe ist Schluss mit dem Lernen, Duolingo setzt für die Lerneinheiten und die Eingabeprüfung eine Netzverbindung voraus. Am besten funktioniert es im schnellen WLAN, in der Bahn stottert die App bei brüchiger Netzverbindung beispielsweise erheblich.

Das Geschäftsmodell

Duolingo lebt davon, dass Nutzerinnen und Nutzer während des Lernens Übersetzungen erstellen, an denen sich das Unternehmen als Eigentum einverleibt. Das ist für meine Begriffe ein faires Geschäft, gerade wenn ich bedenke, dass die hervorragende technische Umsetzung einige Pflege voraussetzt. Allerdings heißt dies auch, dass man sich bewusst machen muss, dass die in der App erstellten Übersetzungen zur Verwertung an Duolingos Betreiber fallen. In den Nutzungsbedingungen heißt es in Abschnitt 10 zum Eigentumsrechten an generierten Daten:

As between you and Duolingo, all data and information generated from your access and use of the educational activities made available on or through the Service, including translated content generated by you (collectively, the “Activity Data”), shall be exclusively owned by Duolingo, and you shall not have any right to use such Activity Data except as expressly authorized by these Terms and Conditions. By using the Service, you hereby assign to Duolingo any and all rights, title and interest, including any intellectual property rights or proprietary rights, in the Activity Data. All rights of Duolingo or its licensors that are not expressly granted in these Terms and Conditions are reserved to Duolingo and its licensors.

Immerhin muss ich mir keine Gedanken machen, was dann mit meinen Übersetzungen geschieht. Es ist klar: Es sind nicht mehr meine. Aber es heißt ja, man ist das Produkt, wenn man nicht dafür zahlt. Duolingo macht immerhin unmissverständlich klar, wie, wann und wo wir beim Lernen zum Produkt werden. Das ist eine Offenheit, mit der man umgehen kann, um selbst zu entscheiden, ob es sich lohnt oder nicht. Für mich war die Entscheidung aber klar, denn auch wenn ich meine Zweifel habe, dass sich nur mit Duolingo allein eine Sprache erlernen lässt, reicht es vollkommen, um bestehendes Wissen wieder aufzufrischen. Und Spaß habe ich auch noch.

iA Writer: Einfacher Texteditor für iOS

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die mehr Ordnung im Alltag schaffen, so die Produktivität erhöhen. Seit der letzten Woche sind im Blog wieder regelmäßiger Artikel aufgeschlagen, das ist eine klare Folge einer kleinen App, die ich mir zugelegt habe, um nicht mehr im etwas unhandlichen Editor der WordPress-App schreiben zu müssen, wenn ich unterwegs bin.

Seitdem ich mit iA Writer zwischendurch mal ein paar Zeilen festhalten kann, aber mit dessen Markdown-Unterstützung schon eine gute Form reinbringen kann, sammeln sich eindeutig mehr Texte an. Der Aufwand beim Schreiben ist gesunken, die Motivation gestiegen.

Der Editor ist auf wesentliche Funktionen heruntergebrochen, es geht um Text und alles ist diesem Ziel gewidmet: Die iOS-Tastatur erhielt eine kleine Ergänzung mit häufig genutzten Sonderzeichen und praktischem Cursor, mit dem sich leichter innerhalb einer Zeile an die gewünschte Position navigieren lässt. Obendrauf gibt es eine Dateiverwaltung, die ihren Dienst ordentlich tut, aber doch ein wenig auf ältere UI-Elemente setzt, demnach weniger effizient zu bedienen ist, als andere Apps es erlauben. Prinzipiell hätten auch Unterordner noch drin sein können, fielen aber anscheinend der Maxime der Einfachheit zum Opfer. In den Dokumentenmanager lässt sich bei Bedarf auch Dropbox integrieren, nicht als Zwei-Wege-Synchronisation, eher als manuelles Backup in der Cloud. Die Synchronisation auf iOS-Geräten ist zwar über iCloud möglich, was aber nicht die Form der Freiheit ist, die ich mir vorstelle. Die Texte können dann eben noch als reiner Text, formatierter Text oder auch HTML exportiert werden.

iA Writer ist keine hübsche App, auch nicht umfassend, das will sie nicht sein, sie erfüllt ihren Zweck zur schnellen Texterstellung aber prächtig. Für einen kleinen Preis habe ich damit wesentlich mehr Flexibilität, bequem Texte zu schreiben, wo auch immer ich bin.

Tintin au Congo

In Belgien wurde gegen den Comic Tintin au Congo, in Deutschland besser bekannt als Tim im Kongo, des Zeichners Hergé geklagt, diese Klage kürzlich aber in der ersten Instanz abgelehnt. Das Original wie auch unzählige, teils überarbeitete Neuauflagen des Hefts schildert die Reise des Journalisten Tintin nach Belgisch-Kongo, wobei die Darstellung der Einwohner und die Haltung der Europäer vom Geist der Kolinialmacht geprägt und damit rassistisch sei.

Abenteuerlust des weißen Mannes

Nun könnte man es, wie in manchen Kreisen instinktiv üblich, mit mitleidigem Lächeln als typische Reaktion einer ‚politisch korrekten Kaste des Gutmenschentums‘, damit auch als weiteres Zeichen gesellschaftlichen Verfalls auslegen, da jede Äußerung von den Mühlen der Korrektheit zur Harmlosigkeit zerstoßen wird. Doch das hilft nicht, das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Verbreitungsgeschichte dieses frühen Bandes der weltberühmten Comicreihe: In vielen Ländern ist das Heft erst viel später als 1930 erschienen, in Deutschland erschien die Farbversion etwa erst Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Meist waren diese Veröffentlichungen sogar bearbeitete Fassungen, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem beginnenden Ende des Kolonialismus autorisierte Hergé sogar selbst eine um kolonialen Paternalismus bereinigte Auflage, die seitdem auch den französischsprachigen Standard des Werks darstellt.

Der Diskurs um Tintin au Congo reicht demnach weit zurück, ist älter als die politische Korrektheit selbst, allein das sollte Hinweis genug sein, es nicht bloß mit wilden Auswüchsen des ‚Weltverbesserismus‘ zu tun zu haben. Aber auch ein direkter Blick in das Heft* ist aufschlussreich. Neben der ungelenken Handlung, die eine weitgehend fragmentarische Abenteuergeschichte erzählt, zeichnet sich schon bei oberflächlicher Betrachtung durch eine herrische Haltung gegenüber Schwarzen aus. Ihre Statur entspricht dem tradierten europäischen Klischees des tumben Wilden, des ungebildeten Dorfbewohners, der sich zu nicht weiter differenzierten Rotten zusammentut. Sie bilden nur ratlose, lebensunfähige Meuten von Humanoiden, denen die weisen, weißen Europäer mit erhobenen Zeigefinger den Weg weisen, Anweisungen entgegen bellen und auch sonst schlicht überlegen sind. Augenfällig ist, wie sehr sich die körperlichen Erscheinungen der Kongolesen und der in einer Episode auftretenden Menschenaffen ähneln: Gerade um Schwarzweiß des Originals sind sie dunkle Gestalten, beinahe konturlos in der Dunkelheit des Dschungels, sie tragen große Köpfe auf hageren Körpern, die Gesichter breit, die Münder weit ausladend. Geistesverwandtschaft scheint zwischen Kongolesen und Primaten ebenso gegeben, entlarvend ist da die Gedankenwelt eines Affen in dasselbe Stottern von immer noch krude gebildeten Hauptsätzen übersetzt, wie sie auch  bei den von der Kolonialisierung unterworfenen Menschen im Heft vorherrscht.

Im Heft gibt es unzählige dieser Beispiele für brachialen Chauvinismus – so hätte man es früher gesagt; in der heutigen Zeit wäre es verwunderlicher, wenn eine Leserin oder ein Leser die verbohrte Herablassung nicht erkennen könnte, mit der Hergé gearbeitet hat. Kurzum, mit seiner offenkundigen Schlagseite ist Tintin au Congo so antiquiert wie der von Tintin eingesetzte Kamerakasten und sein Phonograph — bitte nachschlagen, was das ist.

Belebter Rassismus

Rassismus ist ein erschlagender Begriff, im Alltag ein meist tödliches Urteil über die gesellschaftlichen Ansichten einer Person. Wird der Vorwurf gegenüber nostalgisch aufgeladenen Werken erhoben, ist die Schutzbehauptung schnell zur Stelle. Es soll hier gar nicht so sehr um das Urteil des belgischen Gerichts gehen, was es aber über die nationale Rechtsprechung hinaus zu sagen hat, ist relevant:

„Tim im Kongo“ sei ein Zeugnis der damaligen Zeit, so die Brüsseler Berufungsrichter und zeige die damalige Geschichte so, wie sie damals war. Kongo war damals belgische Kolonie und damit sei das Comic Hergés auch ein Zeitdokument. Nicht zuletzt habe Hergé 1930 noch nichts von einem Gesetz zum Kampf gegen Rassismus, das 1981 erlassen wurde, wissen können.

Die Rechtslage in Belgien ist nicht von Belang, darum geht es nicht. Aber die Begründung, warum der Rassismusvorwurf abzulehnen sei, greift ein typisches Element der Verteidigung auf: die historische Kontextualisierung von Rassismus.

Wie geschildert, es gibt viele Rassismus-Definitionen, es ist wohl einer der umstrittensten Begriffe der heutigen Zeit. Doch schon in seiner simpelsten Form, der Degradierung und Stereotypisierung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Volkszugehörigkeit, ist zu erkennen, wie weitTintin au Congo von heutigen gesellschaftlichen Normen entfernt ist. Darüber besteht unter Leserinnen und Lesern zumeist auch überhaupt kein Zweifel. Wohl nicht nach allen, aber nach einem weit überwiegenden Teil der Ansichten zu Rassismus, wird es leicht fallen, ihn im Heft als solches erkennen zu können. Warum also so viel Aufhebens darum?

Das hat vermutlich mit der Komponente zu tun, auf die das Gericht auch verweist. Rassismen in historischen Dokumenten oder tradierten Erzählungen, in der Musik, der Literatur, der Kunst allgemein, sie alle entstanden in Zeiten, die von unseren heutigen Ansichten nichts wussten haben, oder besser, gar nichts wissen wollten. So werden die Kulturgüter mit rassistischen Bezügen zu den Zeitdokumenten gezählt, denen der Vorwurf ex post nicht gemacht werden sollte. Sie wussten es ja nicht besser. Für Zeitdokumente ist das richtig, wenn aber diese Kulturgüter nur noch Zeitdokumente wären und auch bleiben würden, wir hätten die Probleme mit ihnen nicht. Als Zeitdokumente sind sie aber von Interesse für die historische Forschung, besonders für sozial- und kulturgeschichtliche Untersuchungen, wer aber Tintin au Congo heute noch liest, wird nicht immer allein nach wissenschaftlicher Erkenntnis streben.

Viele Kulturgüter vergangener Tage sind nicht allein Stimmen aus einer anderen Zeit, die historisch kontextualisiert werden können, sodass sie keinen gesellschaftlichen Schaden mehr anrichten. Sie werden auch noch kulturell und kommerziell aktualisiert. Aktualisiert in dem Sinne, dass sie aktiv in der Gegenwart als das rezipiert werden, wozu sie gemeint waren. Sie dienen der Erbauung, zerstreuen uns noch, unterhalten uns – sie leben in ihrer ursprünglichen Form fort. An genau dieser Stelle aber entwickeln sie ihre Gefährlichkeit, bei der die Kontextualisierung nicht hilft, im Gegenteil sogar kaschiert.

Es ist Hergés Leistung, vor vielen Jahrzehnten eine künstlerisch bedeutsame Comic-Reihe geschaffen zu haben, die von ungeheurer Langlebigkeit ist. Aber was lebt, verändert sich, sofern es Anpassungsdruck gibt. Und das ist der entscheidende Punkt. Es kann nur darum gehen, Tintin au Congo wie alles zu behandeln, was als Kulturgut noch quicklebendig durch die Gesellschaft wandert. Und dazu gehört auch, wenn schon nicht die Rassismen zu bereinigen, sie klar zu benennen und verurteilen. Um nichts anderes kann es gehen, damit die Gesellschaft nicht im Namen der Kunst hinterrücks die Menschenverachtung alter Zeiten fortführt. Die Rassismen sollten dorthin, wo sie am besten aufgehoben sind: die Geschichtsbücher und Archive. Tintin kann und sollte bleiben.

* Ich verfüge über eine englische Fassung, die der 1930er Fortsetzungsreihe und der 1931er Buchveröffentlichung sehr nahekommt: Offenkundigster Unterschied ist ein kurzes Vorwort, das die Themen des Hefts und Hergés eigene Unzufriedenheit mit dem Band kurz anspricht.

The Avengers

Warum habe ich eigentlich noch nicht zu The Avengers geschrieben, wenn ich ihn doch schon vor Monaten gesehen habe? Ich hatte ihn schlicht vergessen, nicht erst Tage oder Wochen später, im Grunde schon während ich ihn sah. Das liegt vermutlich an einer simplen Hypothese: Je mehr Helden oder Bösewichte im Spiel sind, desto weniger stringent die Erzählung.

Joss Whedon fährt mit den Avengers eine wenig bescheidene Ansammlung der bekanntesten Superhelden aus dem Marvel-Universum auf, ganz wie die Vorlage es will. Und so beginnt die effektgeladene, aber kaum effektvolle origin story, wie sich ein Haufen Egomanen zusammenrotten, um, welch Wunder, die Welt vor einer außerweltlichen Invasion zu retten. Whedon ist eigentlich wie geschaffen für die Aufgabe, kaum jemand versteht sich so gut darauf, Charaktere in Actionszenen zu entwerfen. Bei den Avengers hantiert er aber mit zu vielen Blaupausen herum, die in absurdesten Situationen bestehen müssen.

Es will alles nicht recht zueinander passen. Da soll zwischen den grundverschiedenen Figuren wie Hulk, Thor, Captain America oder auch Iron Man wie auch immer Chemie enstehen, während um sie herum eine halbe Stadt verpufft, deren Reste sie dann gewissenhaft selbst in infantilen Hahnenkämpfen in Schutt und Asche legen. Das ist für ein paar Lacher und Explosionen gut, mehr kommt in über zwei Stunden aber nicht rum. Wie auch? Die zwei Stunden werden von zu vielen Figuren bevölkert, die im Namen heroischer Selbstdarstellungstrips nach Zuschauergunst gieren.

Anscheinend war die Maxime bei Marvel, selbst dann noch, wenn Bruce Banner das Grün ins Gesicht steigt, müsste sein Alter Ego problemlos der Handlung folgen können. Daher könnte The Avengers, ohne den wesentlichen Kern aus den Augen zu verlieren, auch gut und gerne rein onomatopoietisch in wenigen Absätzen wiedergegeben werden. Oder nur: Uff.

Spellsword: Arena-Hüpfburg

Es ist nicht mein Fall, ich werde nicht warm damit. Spellsword ist kein schlechtes Spiel, die Idee ist sogar ziemlich gut. Hack ’n’ slay auf der Basis einiger Arenen, das heißt, es gibt bei der eigentlich niedlichen Retrografik nur selten Tapetenwechsel, dafür aber eine reichliche Sammlung an Herausforderungen. Gegen die Zeit etwa, bis eine bestimmte Anzahl gegnerischer Wellen überstanden ist, so schnell gehen die Ideen nicht aus. Dazwischen können die Fertigkeiten unseres Helden ausgebaut werden.

Alles ist recht solide umgesetzt in Spellsword, mir will beim besten Willen kein großes Manko des einfallen. Wenn denn nicht alles so vertraut wäre, dieses altbekannte Schema der iOS-Freemium-Spiele. Ein satter Brocken Spiel wird hingeworfen, um die Würze gegen Aufpreis verkaufen zu können. Stangenware eben. Ein Spiel, das vieles gut oder immerhin ordentlich macht, aber keinerlei Wagnis eingeht, den vertrauten Spielmechanismen und Vermarktungsstrategien etwas Originelles hinzuzufügen. Es kann gut sein – es würde mich sicherlich nicht überraschen -, dass dieses Spiel manche Leute packt und nicht mehr loslässt. Mir allerdings erging es nicht so.

Titel: Spellsword
Von: Everplay Interactive
Jahr: 2012
Genre: Hack ’n‘ slay, Action-RPG
Plattform: iOS
Version: 1.1