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Mittlerweile ist aus der Sache um Adria Richards nur noch eine Farce aus Galle und Gülle geworden. Was da mit ihr gemacht wird ist schockierend, ich hatte auch meine Bedenken bei ihrer Reaktion auf die Dongle-Scherzkekse. Das ist angesichts des Drecks, den feixende Schreibtriebtäter auf sie werfen, ist das eine vollkommene Petitesse:

http://www.forbes.com/sites/deannazandt/2013/03/22/why-asking-what-adria-richards-could-have-done-differently-is-the-wrong-question/
http://feministphilosophers.wordpress.com/2013/03/22/the-ethics-of-public-shaming/

Leider auf einer abstrakteren Ebene passend zu diesem Thema ist auch Antje Schrupps Ausführungen zu offenen und sicheren kommunikativen Orten:

http://antjeschrupp.com/2013/03/22/offene-orte-an-denen-alles-gesagt-werden-kann-gibt-es-nicht/

Zum gender gap in der amerikanischen IT-Branche kommt diese Meldung. Ich verstehe aber noch immer nicht ganz, wie sie bei der Angleichung der Zufriedenheit ausschließen, dass Frauen einfach ihre Erwartungen gedrosselt haben:

http://www.i-programmer.info/news/99-professional/5685-no-gender-gap-in-satisfaction-with-technical-salaries.html

Ich suche mir das echt nicht aus. Wie mit Katja Riemann in der Presse und Öffentlichkeit umgegangen wird, ist für mich erschreckend. Weil sie auf heuchlerische, gekünstelte oder schlicht platte Fragen entsprechend reagierte, wird sie als Zicke abgespielt. Ich empfand ihr Verhalten als ehrlich, pointiert und vor allem selbstbewusst. Gerade ihre Scham über Einspieler ist befreiend:

http://katja-riemann.de/px/sueddeutsche-artikel-20-03.pdf
http://stern.de/kultur/tv/katja-riemann-und-hinnerk-baumgarten-wenn-der-moderator-das-problem-ist-1988014.html

Einen Lachsack habe ich dann aber doch noch. Auf Verschwörungstheoretiker ist halt immer Verlass. Auch wenn ich in dieser Sache einer ganz heißen Sache auf der Spur bin. Quellen, die ich aus Gründen nicht nennen darf, berichten, die Echsenwesen sind ein Versuch der Illuminaten, von ihrem Einfluss auf die Welt abzulenken. Glaubt diesem Video also nicht, es ist die Propaganda der heimlichen Weltregierung. Die wolle. nur von sich ablenken:

http://scienceblogs.de/zoonpolitikon/2013/03/23/ausserirdischer-formwandler-im-dienst-von-prasident-obama/

Im Namen der Redefreiheit, her mit den Trollen

John F. Nebel kann sich auch noch so abmühen, der unfertige Versuch einer aufgeräumten Definition von Zensur, die auch die Informationskontrolle durch Konzerne, Verbände oder Individuen berücksichtigt, überzeugt mich überhaupt nicht. Das liegt nicht an der Annahme einer möglichst ungestörten Kommunikation zwischen Menschen, die implizit mitschwingt. Auch die Erweiterung der Zensur ist wenig problematisch, wenn zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Zensur unterschieden wird, wobei diese Differenzierung noch um eine Trennung nach Legitimität des Eingriffs unterschieden wird1. Nebel übersieht die Tragweite des Begriffs Informationsfluss. Am Anfang wirkt das wie ein hervorragender Gradmesser für Zensur, ob nun staatlich oder nicht. Auf jeden Fall sieht Nebel es so. Ein Blog sperrt Kommentare und macht dies nicht einmal sichtbar, ein Unternehmen verbietet bestimmte Inhalte in seinen Portalen, ein Staat inhaftiert Redakteure missliebiger Zeitungen. Alles Zensur, erst recht, wenn es nicht transparent gemacht wird:

Doch überall, wo intransparent Information unterdrückt wird, ist der Fluss der Information gestört und für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar. Insbesondere bei der zunehmenden Macht von Konzernen im Hinblick auf Informationskontrolle ist das ein ernstzunehmendes Problem.

Diese Form der Freiheitlichkeit beißt sich an der Information fest. Sie soll frei sein, fließen und alles durchströmen. Die Kommunikation sieht diese Vorstellung von Zensur aber nicht. Dass sie aber nicht dasselbe sind, hat eine entscheidende Bedeutung. Denn, mit Watzlawick gesprochen, es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren. Nicht zu informieren schon. Kommunikation != Information.

Erst einmal entsteht schon information overkill, aber darauf will ich nicht hinaus. Information ist ohne Kommunikation kaum möglich, zumindest fruchtlos, aber es gibt Kommunikation, die nicht-informativ im Sinne eines freien Diskurses ist. Sie ist emotional, psychisch oder auch sozial. Aus diesen nicht-informativen Kommunikationsformen entstehen Informationsstörungen. Diese Störungen sollten aber gerade die Information nicht beeinträchtigen. An dieser Stelle fällt für mich Nebels Begriff zusammen. Trolle, Stalker, Spammer, wer auch immer eine Kommunikation von und über Information mit nicht-informativer Kommunikation beeinträchtigt oder unterbindet, sollte in kommunikative Schranken verwiesen werden. Das als Zensur zu bezeichnen klingt für mich widersinnig, gerade wenn Information das ultimative Ziel ist.

Das war jetzt viel Bürokratendeutsch. Ich versuche es mal in Form einer Abwandlung eines alten Ausspruchs: Es kommt nicht allein darauf an, dass Information fließt, sondern wohin und wie schnell. Die Information muss auch manchmal vor nicht-informativer Kommunikation geschützt werden. Das wäre aber Zensur nach Nebel, womit wir paradoxerweise wieder am Anfang stehen. Die Frage bleibt, wer darf wann wie viel Einfluss auf Kommunikation nehmen, um Information für alle zu gewährleisten. Mit lockeren kommunikativen Zügeln und Transparenz ist nicht viel gewonnen. Leider.

1 Zum Legitimitätsvorbehalt eines Problemlösungsprozesses könnte ich schon einiges sagen. Nicht viel Nettes. Das liegt daran, dass unter dem Deckmantel der Legitimität viel zu oft ein Konsens vermittelt wird, der allerdings nicht halten kann. Denn das Wie, das Wer oder Womit des ursprünglichen Problems wird hübsch in eine Legitimitätsfrage ausgelagert, um eine Abstraktionsstufe erhöht und dann nur noch in kleinem Kreise weiter verhandelt.Priblem nicht gelöst, aber rhetorisch ausgehebelt. Die Juristen haben nach diesem Prinzip mit dem Rechtsstaat eine Ordnungsstruktur geschaffen, die oberflächlich gesellschaftliche Konflikte durch Gesetze zu lösen vorgibt. Wie wir aber alle wissen, ist durch Recht selten Klarheit geschaffen, dass liegt daran, dass die Juristen ihre Konflikte in die Gesetzeskommentare transferierten.

Zero Dark Thirty: Das schwere Gewissen

Als Artefakt archaischer Zivilisation wird das Recht gegeißelt, das Gleiches mit Gleichem zu vergelten sucht. Das Talionsrecht ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Entstanden in vor-christlichen Zeiten findet es eine verwandte Form im biblischen Auge um Auge. So sehr das Christentum in den meisten Industrienationen verwurzelt ist, auch ohne die Religion neigen Menschen zu einer vermeintlich ausgleichenden Gerechtigkeit. Die Religion macht es womöglich einfacher, über die Zweischneidigkeit von Vergeltung hinwegzusehen. In Zero Dark Thirty wird dieser wahnhafte Ruf nach Vergeltung durch Salven aus einem Gewehr laut. Die Projektile schlagen im Körper Osama bin Ladens ein, dessen Gesicht nie gezeigt wird, der Körper platzt an der getroffenen Stelle auf. Frauen schreien, Kinder schreien, Navy Seals schreien, unter ihnen kommentiert eine ruhige Männerstimme: "For God and Country." Es wäre zu leicht, darin einen Konflikt der Religionen zu sehen. Das God zu betonen, dabei das Country auszublenden1.

In Zero Dark Thirty gelingt, was viel zu selten in Filmen erreicht wird. Der Film ist nicht neutral oder objektiv zu sehen, er zwingt zur Stellungnahne. In Zero Dark Thirty werden Sätze gesagt und Bilder gezeigt, die keinerlei Schonung kennen. Der Film ist ein post-traumatischer Verarbeitungsversuch. Akribisch sucht er Klarheit, aus den Geschehnissen einen Sinn zu machen. Dabei will es ihm nicht gelingen, alle Fragmente in Einklang zu bringen. Zwangsläufig muss so ein Film spalten, wenn er doch selbst nur zeigt, aber nicht bewerten will. Im Gegensatz zu vielen unentschlossenen Filmen ist Zero Dark Thirty aber nicht zerfasert. Seine ethische Ambivalenz ist sein eigentlicher Zweck.

Ist denn die Suche nach Osama bin Laden all das wert gewesen? Diese Frage beantwortet der Film nicht eindeutig. Seine Figuren werden diese sie wohl beantworten, aber nicht der Film. Wenn Jessica Chastain vor Erleichterung weint, bleibt offen, was überwiegt. Die Freude über den Tod des Terrorchefs oder schlicht der Erfolg nach jahrelanger Arbeit. Gerade Chastain schafft es, eine innere Spaltung darzustellen. Ihre CIA-Agentin Maya ist wahnhaft auf ihre Hypothese zum Aufenthalt bin Ladens fokussiert, zugleich spielt sie diesen Wahn allerdings als Rationalität aus. Im Meer der erratischen Informationen, Gerüchte und Geständnisse verquirlt Maya diese zu einem wackeligen Gebilde, das nur deshalb nicht paranoid ist, weil es sich am Ende als wahr herausstellt. Die Rationalisierung des Irrationalen, Zero Dark Thirty versucht erst gar nicht, dieses Dilemma zu lösen. Es reicht schon, das Dilemma überhaupt aufzuzeigen.

Worin das Dilemma genau besteht, bleibt offen. Es muss offen für individuelle Interpretation sein, denn der Film zeigt überwiegend unübersichtliche Zeitgeschichte, aus der noch keine gültigen Schlüsse gezogen sind. Für mich ist das etwas anderes als ethische Wankelmütigkeit, es ist zum jetzigen Zeitpunkt der einzige Weg. Zero Dark Thirty ist anzumerken, wie gern er in Patriotismus verfallen würde, aber nicht kann. Zu viel ist passiert, das nicht mit dem Schwenken der Nationalflagge oder dem Singen einer Nationalhymne übertüncht werden kann. Diese Zerrissenheit ist nicht Unentschlossenheit, sie ist der kalte Schmerz des Gewissens. Der Bauch will den Tod bejubeln, der Verstand sät die Zweifel. Der Gott richtet sich nach dem Willen der Vergeltung, aber das Land hat Ideale, die der gezielten Tötung doch eigentlich widersprechen. Das Land ist eine Demokratie, eine, die tötet und ihre Ideale genau dann verdrängt, wenn sie gefordert sind? Oder gelten für das Land doch andere Maßstäbe, die Aufhebung der universellen Menschenrechte, ein nationalistischer Exzeptionalismus?

Nach The Hurt Locker perfektioniert Kathryn Bigelow ihr Konzept, so nah wie möglich an die Figuren heranzutreten, ohne sie zu bewerten. Damit schafft sie eine intime Nähe zu Menschen, die Abartiges, also hochgradig Menschliches tun, überlässt die Wertung aber uns. Bigelow geht mit atemloser Ruhe daran, Spannung aufzubauen, entmündigt Zuschauerinnen und Zuschauer jedoch nicht bei der Frage, ob die Mittel und die Methoden der Figuren es wert waren. Ob nicht Höheres verloren ging, das nicht auf der Waage der Vergeltung gemessen wird.

1 Der Trailer ist ein abschreckendes Beispiel für Marketing, das dem beworbenen Gut nicht gerecht wird. Das schwülstige Pathos des Trailers ist dem Film nahezu völlig fremd. Insofern ist der Trailer fast die schlechteste Werbung.

Little Things Forever: Kleinteiliges Suche

Seit langer Zeit im Store, nun kostenlos. Für mich ist Little Things Forever eindeutig ein Exot. Suchspiele geben mir einfach nicht wirklich was.

Da ich auch sonst eher Spiele aus diesem Suchen-und-Finden-Subgenre der Puzzles komplett auslasse, kann ich nicht einordnen, ob Little Things Forever ein richtig starker Vertreter seiner Art ist. Kurzweilig ist die Hatz in den Bildern schon, das muss ich dem Spiel lassen. Irgendetwas müssen die grellen Farben an sich haben, ich stöbere gern in den tausenden kleiner Dinge, um die gesuchten Gegenstände zu finden.

Sicher kein Spiel für das ich Geld zahlen würde, aber wenn es im Store als App der Woche gerade kostenlos ist, gibt es nichts zu meckern.

Yoku-Gami: Zen-Knobeln

Was hätte ich getan, wenn ich neben Super Monsters Ate My Condo nicht Yoku-Gami hätte? Der Reizüberflutung gebietet Yoku-Gami mit Zen-Garten-Atmosphäre Einhalt. Es gibt keinen Zeitdruck, keinen Stress, nur die beinahe meditative Ruhe eines mathematisch ausbalancierten Spiels, das auf einer Vorlage von Reiner Knizia beruht.

Das Prinzip ist denkbar einfach. In einer von Spielsteinen mit unterschiedlichen Werten gefüllten Matrix, müssen Spielsteine aneinander gereiht werden, sodass die Summe aller Steine exakt dem Wert des höchsten Spielsteines der Gruppe entspricht. Gelingt dies, werden die Steine aus der Matrix entfernt, wird dabei eine Spalte oder Zeile komplett frei, wird mit neuen Steinen aufgefüllt.

Prinzipiell ist Yoku-Gami im Standard-Modus ein Endlosspiel, das ein wenig an Tetris mit Zahlen erinnert. Ganz entfernt nur, direkter ist die Verwandschaft mit Bejeweled. Nur ist bei Yoku-Gami eine deutlich anspruchsvollere Knobelei enthalten, die durchaus Kopfzerbrechen bereitet.

Als Gegengift zum stechende Kopfschmerzen verursachenden Tempo-Zirkus von Super Monsters Ate My Condo ist es perfekt geeignet. Die Ruhe erdet richtig schön. Doch auch Yoku-Gami kann mich nicht langfristig binden. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Knizias Spielmechaniken restlis durchmathematisiert sind, neben der Logik aber nur den Zufall kennen, womit sie für mich immer ein wenig beschränkt wirken. Es fehlt ihnen ein Überraschungsmoment, das die kühle Rechnerei auflockert. Das ist aber schon das Schlechteste, das über Yoku-Gami gesagt werden kann. Wer meine Bedenken zu Knizias Methode nicht teilt, kann dann nichts falsch machen.

Super Monsters Ate My Condo: Irgendetwas haben die ins Leitungswasser gemischt

Subtil ist wirklich anders. Super Monsters Ate My Condo macht beispielsweise den Kolloquialismus It ain’t over until the fat lady sings lebendig, wenn die Walküre Game Over brüllt. Und überhaupt, Super MAMC ist so ein Spiel, das masochistischen Spielernaturen sehr gefallen wird, denn dieses Spiel schreit uns an. Mit grellen Farben, den Blitzlichteffekten und falschem Japanisch – vermute ich. Das Spiel ist laut und hektisch wie ein aufgestachelter Ameisenhaufen.

Mir bluten nach wenigen Runden schnell mal die Augen, ansonsten kann ich aber nicht viel gegen das Spiel sagen. Es ist, was es sein will. Ein hyperaktives Match-3-Jenga bei dem Apartements eines Hochhauses gepaart werden müssen, wobei die unliebsamen Wohnungen an riesige Monster verfüttert werden. Reichlich beknackt kommt Super MAMC daher, einzig erklärtes Ziel scheint zu sein, mit Dampfhammer-Humor Panik zu verbreiten. Da laufen dann gerne auch schon mal drei oder vier Countdowns gleichzeitig, wobei die Monster sich über falsche Futter beschweren, indem sie an unserem Hochhaus rütteln.

Bei all dem Stress, denn das Spiel mir bereitet hat, vergesse ich dann ab und an, warum ich es überhaupt spiele. Dann fällt irgendwann wieder auf, es macht manchmal richtig Spaß, sich diesem Wahnsinn hinzugeben.

Clutch: Earth Rocker

Wenn eine Band wie Clutch über Jahrzehnte hinweg die eigene Bekanntheit steigert, ist diese Langlebigkeit wohl einem besonderen Starrsinn geschuldet. Wo andere an der Industrie und auch sich selbst ausgebrannt sind, glühen die mittlerweile ergrauten Herren aus Germantown in Maryland immer noch vor. Seit Anfang der Neunziger pflegen sie einen speziellen retro-futuristischen Sound. Auch ihr neues Album Earth Rocker klingt nach einem Artefakt vergangener Zeiten, in denen Rock harte Arbeit an schweren Akkorden war. Wenn es denn so einfach wäre bei Clutch. Die Band ist vor allem eine Chimäre, ein grotesker Hybrid.

Wohlgemerkt ist der stumpfe Rock bei Clutch vielschichtiger als es sich zunächst anhört. Stramm stampfende Songs spulen vermeintlich überholte Klischees herunter, darüber Neil Fallons tiefer Sprechgesang. Mehr scheint nicht dahinter zu stecken. Ein trügerischer Schein, denn Clutch brechen die simplen Strukturen geschickt auf. Der maskuline Stoner Rock ist eine Fassade für eine Band, der ihre Leidenschaft für das Jammen anzuhören ist.

Blues schwingt mit, derber Metal der Siebziger auch und die Anleihen bei vielen anderen Genres sind auf Dauer nicht zu überhören. Wie auf allen ihrer Alben, bändigen Clutch ihren Spieltrieb nicht, so verleiben sie sich alles ein, was ihnen in den Sinn kommt. Da fällt erst gar nicht auf, dass der Kopf nicht in den üblichen Takten des Proll-Rocks nickt, gerade Dan Maines und Jean Paul Gaster an Bass und Schlagzeug schmuggeln reichlich Abwechslung in Songs wie Mr. Freedom und Book, Saddle, & Go.

Auch Fallons Texte lösen die Vorstellung von einer stumpfen Band auf, die thematisch so beschränkt ist wie ihre Musik. Clutch verschieben gerne Takte und drehen sich in Rhythmen hinein, Fallon nimmt dann auch noch Anlauf und taucht tief in griechische Mythologie ein, bohrt in der Menschheitsgeschichte rum und kramt religiöse Bilder und Sagen hervor. Schnell wird es vor Mythen, Fantasy und Science-Fiction unübersichtlich. Da geht es schnell so zu wie Crucial Velocity, das eine ganz typische Fallon-Mär erzählt:

Nach einigen ruhigeren Alben, binden Clutch auf Earth Rocker nun wieder Backsteine ans Gaspedal. Es fängt mit dem robusten Titelsong an, der sich unermüdlich ins Ohr beißt und endet nach wilder Fahrt in einem großartig kratzbürstigem Werwolf von einem Song. The Wolf Man Kindly Requests… zeigt deutlich, dass hier eine Band hervorragender Techniker wieder einmal mit Einfalt kokettiert, um allen, die nicht rechtzeitig aus dem Weg kamen, das Kunsthandwerk des Südstaaten-Rocks um die Ohren zu hauen. Clutch sind auf Earth Rocker nach mehr als zwanzig Jahren Bandgeschichte glücklicherweise immer noch das hochbegabte, trotzige Kind, das sie schon immer waren.

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Als empirischen Begriff halte ich rape culture für überladen und irritierend, ich sehe meine rein theoretischen Widerstände mit jedem Tag bröckeln. Der Geschlechterkrieg wird klammheimlich mit den Mitteln der Systemadministration geführt. Die Remote-Anwendungen haben ihre Daseinsberechtigung, wie sie allerdings zur heimlichen Überwachung, Nötigung und Erpressung von Frauen eingesetzt werden ist bezeichnend. Nicht Männer werden hier in ihrem Alltag überwacht, sondern Frauen. Von Spannern.

Und auf emotionaler Ebene kann ich schon lange keine Einwände mehr vorbringen. In dieser Woche hat die Verzweiflung aber einen neuen Namen erhalten. Der Abgrund heißt nun Steubenville. Eine junge Frau, die bis zur Reglosigkeit betrunken ist, wird von High-School-Footballern von Party zu Party gefahren. Aber sie wird von den Vorzeigesportlern und -schülern nicht nur vorgeführt und vergewaltigt, via Social Media prahlen sie auch noch mit ihrem Opfer. Und was befürchtet ein Teil der Presse und der Gesellschaft, der Mainstream? Dass da die vielversprechenden Karrieren der Jungen durch den Schuldspruch ruiniert werden könnten. Was das Opfer wiederum einem Strom aus Drohungen, Beleidigungen und Erniedrigungen aussetzt. Kaum. Noch. Auszuhalten.

Da verblassen alle anderen Themen doch deutlich: