Dominion: Muahahaha

Gewisse Bedenken kommen bei dem Szenario auf, denn es ist einerseits abstrahierte Menschenverachtung. Aber das ficht mich nicht an, dann strebe ich eben nach Weltherrschaft. Im Spiel, alles nur ein Spiel. Dominion ist ein Klon des Brettspiel-Klassikers Risiko, ist aber eine Spur komplexer.

Das Prinzip ist aber dasselbe. Armeen über eine Karte verschieben, fremde Länder einnehmen bis das Ziel erreicht ist. In der Basisvariante ist es die Weltherrschaft oder ein Kontinent. Dominion verfügt über eine Vielzahl an Karten, die strategisch gewisse Eigenarten haben, das Spielprinzip bleibt gleich. Anders im Modus für Fortgeschrittene, denn da gibt es zufällige Zielvorgaben. Das verlangt schon etwas mehr Planung im Wettstreit mit den sehr ordentlichen KIs oder online gegen menschliche Gegner.

Vor allem die vielen Optionen, die vor Spielbeginn gewählt werden können, machen Dominion aus. Die etwas in die Jahre gekommene Spielmechanik ist entstaubt, auftrumpfen kann sie nicht mehr. Gute Grafik oder Musik ist auch nicht zu erwarten, lediglich ein gut umgesetztes Spiel für kurze Zugfahrten oder Pausen.

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Linkgebliebenes 17

Doktortitel werden erschlichen, Zeugnisse gefälscht, alles für die Karriere übernommen. Deutschland ist ein Schein-Land, in dem Expertise auf einer Urkunde stehen muss, um zu zählen. Ein exemplarischer Fall zu den Abgründen dieser "Leistungsgesellschaft".

Was soll ich dazu schreiben? Es fallen mir Worte ein wie journalistische Eitelkeit, Armutspornographie, aber auch Leid und Tod. Das beste Wort ist aber – traurig:

Dann kann ich Mendeley jetzt ja auch zu den Akten legen. Nun, da der Leviathan der Wissenschaftsverlage sich das Startup einverleibte, ist es mit einem Schlag unglaubwürdig und unsympathisch:

Es gibt eine Grenze des Anstands, sicherlich. Dennoch ist gerade beim Tod von Politikerinnen und Politikern falsch verstandene Pietät überhaupt nicht angemessen:

So schnell ist der Weg von einem biertrunkenen Post in die Psychiatrie?

Spricht für sich selbst:

Es vergeht keine Woche ohne Berichte über Sexismus in der Games-Szene. Aber es gibt auch Gründe, dort zu arbeiten. Als Frau:

Meta, meta, meta, alles meta. Auch ich schaue ab und zu auf diese Rankings und frage mich, was die Zahlen mir sagen sollen?

Es gibt sie diese schönen Geschichten über gestohlene Laptops und die Rache der Bestohlenen. Realistischer und komplexer ist es dann aber in der Regel wohl doch:

Die brachiale Rhetorik vieler Atheisten geht mir gegen den Strich, sie ecken bewusst an. Da fangen sie sich – mal mit Recht, mal ohne – unschöne Vorwürfe ein:

Einfach eine sympathische Idee. Webseiten werden von Menschen gemacht:

Die Frage der externen Kosten des digitalen Lebens ist ohnehin spannend. Wie sieht es mit dem Goldrausch um Bitcoins aus?

Reichtumsschere der Welt mal visualisiert. Aber keine Sorge, alles bestens:

In der Piratenpartei gab es hässliche Auswüchse der Sprachpflege und auch sonst das allgemeine rüpelhafte Verhalten einiger Schreihälse und Maskulisten. Das hatte bedauerliche Folgen:

Tjaha, Excel ist halt aus verschiedenen Gründen eine Plage:

Nahe Frankfurt

Auf dem Weg nach Darmstadt musste ich in einer der miefigsten Städte des Taunus umsteigen. Während ich am Bahnsteig auf den Zug wartete, der bald kommen musste, hastete ein junger Mann die Treppen zum Bahnsteig hinauf. Sein Blick haftete schon auf den Stufen an der Anzeigetafel, doch keiner der Namen auf der Tafel schien ihm etwas zu sagen. Kopfschüttelnd ging er auf mich zu. "Fährt der Zug hier auch zum Hauptbahnhof in Frankfurt?", sagte er, die Worte getrennt von tiefen Atemzügen.

"Ja.", antwortete ich.

"Und…", er wurde vom einfahrenden Zug übertönt. Er wollte gegen den Lärm anschreien, merkte jedoch schnell, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte. Erst als der Zug nur noch im Schritttempo fuhr, setzte er wieder an: "… und wann fährt der nächste in diese Richtung?"

"Um diese Uhrzeit?", ich fuhr die Strecke schon lange nicht mehr regelmäßig, also konnte ich nur mutmaßen. "In einer Stunde. Wenn überhaupt noch einer später fährt." Ich bestieg den Zug. Erst als ich mich hingesetzt hatte, bemerkte ich, dass er mir in den Zug gefolgt war. Er nahm mir gegenüber Platz, sein Brustkorb hob sich und sank noch immer im Takt seiner schweren Atemzüge. Mir stand der Sinn nicht nach einer weiteren Unterhaltung. Nicht weil er mir seltsam vorkam, ich hatte nur einen anstrengenden Tag hinter mir. Alles, was ich wollte, war, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Ich nahm mein Telefon und spielte Super Hexagon.

Er starrte aus dem Fenster in die Nacht, er konnte also zu dieser Tageszeit nur eine schwarzes Wand und vorüberziehende Lichtstreifen sehen. Manchmal schüttelte er den Kopf, dann lachte er ungläubig. In anderen Augenblicken hörte ich ihn leise lachen, gefolgt von einem "So eine Scheiße.". Ich weiß nicht, ob er damit versuchte, meine Aufmerksamkeit zu erlangen, aber in mir entstand der Eindruck, er wolle etwas erzählen. "Wo hat die mich ausgesetzt?", zischte er. Damit hatte er mich.

"Was ist denn los?", sagte ich. Er sah mich nur an und musste lächeln. "Ich bin seit heute morgen unterwegs. Habe bei der Mitfahrzentrale eine gute Verbindung von Erfurt nach Frankfurt gefunden. War erst auch alles okay. Die ist dann aber so langsam gefahren, das hat Stunden gedauert." Er schüttelte den Kopf. "Und dann hält die eben an dem Bahnhof da und sagt mir, das ist hier Endstation. Und ich fragte, ob das Frankfurt ist. Und sie sagt, dass wäre nah genug dran. Aber sie hat ausdrücklich gesagt, sie fährt mich nach Frankfurt."

"Klingt nicht nett. Hast du irgendwas angestellt?"

"Nein. Ich war immer ruhig, ich hab nichts gemacht. Ich war auch so überrascht und bin sofort ausgestiegen aus ihrem Auto. Dann hat sie mir für meinen Zwanziger nur einen Euro rausgegeben. Wir hatten aber siebzehn ausgemacht."

"Hm, hört sich wirklich nicht nach der feinen Art an.", sagte ich.

"Egal, ich hoffe, jetzt kommt keine Kontrolle. Ich habe ja keine Scheißfahrkarte." Er lachte noch, dann fügte er hinzu: "Aber du kannst denen doch sagen, dass ich gar nicht anders konnte. Das ist ein Notfall."

"Ich glaube nicht, dass ein Kontrolleur sich davon beeinflussen lässt.", antwortete ich.

So saßen wir eine Weile im Zug, unterhielten uns. Er kam aus Erfurt, um in Wiesbaden die Familie zu besuchen. Er hatte also selbst von Frankfurt aus noch ein Stück vor sich. Allmählich konnte ich mit einem Blick aus dem Fenster schon Frankfurt am Horizont glühen sehen, da eilte eine Gestalt an uns vorüber, baute sich ganz hinten im Waggon auf. Hinter mir hörte ich vom anderen Ende des Waggons eine tiefe Stimme: "Fahrkartenkontrolle."

Das war für meine Zugbekanntschaft zu viel, seine Gesichtszüge entglitten ihm völlig, sein ganzer Körper schien urplötzlich von der Stimme in Spannung versetzt. Er sah aus, als hielte es ihn nicht mehr auf dem Sitz, doch wüsste er nicht wohin. Ich sah im Hintergrund die ersten Betonsteine eines Bahnsteiges, der Zug müsste gleich halten. Nervös sah ich ihn an. "Scheiße, ich muss hier raus.", sagte er.

"Noch nicht. Bleib sitzen.", ich wusste genau, wenn er hastig aufgestanden wäre, hätte er alle Aufmerksamkeit der Kontrolleure auf sich gezogen. So, auf dem Sitz wartend, hatte er noch eine Chance, auch wenn er die Anspannung kaum noch aushielt, wie schnell die Kontrolleure von beiden Seiten auf uns zu kamen, während der Zug langsamer wurde, doch nicht zum Stillstand kam.

"Noch nicht.", sagte ich. Er sah mich an, also könnte er sich kaum noch beherrschen. Seine Augen brüllten die Anspannung hinaus. Der Zug fuhr noch immer in gemächlicher Geschwindigkeit, es hatten sich aber noch keine anderen Fahrgäste zum Aussteigen an die Türen gestellt. Ich sah den Schwarzfahrer an, er zitterte, auch wenn er es unterdrücken wollte. Endlich schien der Zug zum Stillstand zu kommen, von den Türen war das typische tiefe Pfeifen zu hören, das die Türsperre freigab. Gerade wollte ich Jetzt! sagen, da sprang zwei Sitzbänke hinter dem Schwarzfahrer ein junger Kerl auf, rannte mit großen Schritten zur Tür. Es wurde laut, die Kontrolleure rannten dem Kerl hinterher. Die Flucht endete aber an der Tür, wo die Kontrolleure ihn einholten. Es wurde geschrien, alle Menschen wandten sich nach dem Lärm um. Nur meine Zugbekanntschaft nicht, er grinste und schlich, noch leicht zitternd, zu einer anderen Tür auf den Bahnsteig.

Ich wandte mich ab, schüttelte wohl meinen Kopf, weil ich nicht glauben konnte, was für ein Glück er gehabt hat. Vor mir ließ sich eine Person auf dem Sitz nieder, ich sah schon wieder auf mein Telefon. "Na?", hörte ich eine bekannte Stimme. Als ich aufsah, saß er vor mir und grinste breit. Meine Verwunderung musste mir im Gesicht gestanden haben, denn er erklärte sofort: "Die haben den Typen auf den Bahnsteig geführt, um seinen Perso zu prüfen. Da bin ich wieder eingestiegen."

Ich lachte, er lachte. Bis unsere Wege sich am Hauptbahnhof in Frankfurt trennten.

Daedalus Touch: Alles so schön schwarz hier

Im Gegensatz zu Nostromo hat Daedalus bessere Überlebenschancen im Revier meiner zahlreichen Apps zur Textverarbeitung. Daedalus Touch schließt eine Lücke in meiner iOS-Schreibwerkstatt, die ich bislang nicht recht unter Kontrolle halten konnte. Bei mir hat sich ein Ablauf eingestellt, bei dem ich Notizen zu Spielen und anderem in Clear aufnehme und sortiere, daraus in iA Writer Blogartikel mache, diese wiederum hieve ich via Poster ins Blog. Fertig ist die Laube. Eigentlich.

Der Haken daran ist mein zwanghafter Drang, alle Notizen archivieren zu wollen. Clear lässt mich da im Regen stehen, denn es ist wunderbar zu navigieren und es ist ein Spaß, Listenelemente hin oder her zu schieben, je nach Wichtigkeit. Exportieren der Listen erlaubt Clear allerdings nicht. Diese Schmerzen habe ich gerne in Kauf genommen, sobald aber Daedalus bei mir landete, fiel der Groschen.

Auch wenn es als die Neuerfindung des Rads angepriesen wird, halte ich die "innovative" Dokumentenverwaltung von Daedalus für einen kleinen Trick. Selbstverständlich kommt Daedalus locker ohne Ordner und Dokumente aus, wenn es die Begriffe mal ganz einfach in Stapel beziehungsweise Blätter umbenennt, wobei dies den Vorteil hat, auf eine hierarchische Ordnerstruktur verzichten zu können. Denn was habe ich, wenn ich einen Stapel auf einen anderen lege? Einen größeren Stapel. Insofern wurde hier in wilder Marketingsprache etwas zu dick aufgetragen, um einen Mangel zu kaschieren, der keiner ist. Aber darüber lässt sich leicht hinwegsehen, Daedalus ist als Textverarbeitung für Notizen nämlich gut gelungen.

Ein paar obligatorische Worte muss ich zum Antlitz sagen, das sehr düster des Weges kommt, aber dem Auge auch nicht schadet. Besser ist da schon die gestengesteuerte Oberfläche, durch die meist recht schnell geflogen wird. Ein paar Ecken und Kanten sind noch drin, grobe Schnitzer gibt es aber nicht. Besonders angetan war ich vom Sortieren der Stapel, weil Daedalus am unteren Bildrand eine optische Zwischenablage hat, wo ein paar Blätter Platz haben, um sie in anderen Stapeln abzulegen. Der Editor verfügt außerdem noch über eine Tastaturerweiterung, deren Tasten auch noch nach eigenen Bedürfnissen belegt werden dürfen. Viele kleine Ideen, die aber schnell unersetzlich werden.

Ich nutze nun die Blätter als meine Notizen, die ich nach Belieben anordnen kann. Aber erst durch Daedalus‘ Fähigkeiten beim Export meiner Stapel und Blätter wird die App zu einer großen Hilfe. Als spektakulär ist die iCloud-Synchronisation nicht anzusehen, da chronische Unzuverlässigkeit seitens Apples für mich ein Ausschlusskriterium ist. WebDAV wird unterstützt, mangels Gelegenheit habe ich darauf aber kein Auge geworfen. Die Dropbox-Integration ist dann vorbildlich. Daedalus synchronisiert je Stapel entweder manuell oder automatisch, ein Indikator auf dem Deckblatt zeigt die Synchronizität an. So möchte ich es haben. Schnell, unkompliziert und zuverlässig. Es hört da aber noch nicht auf, denn die Stapel und Blätter können als rohe Textdatei abgelegt, aber auch in PDF- und EPUB-Formate exportiert werden. Diese Export-Dateien sehen dabei gar nicht mal so schlecht aus, Daedalus unterstützt eben einfaches Markdown. Allerdings rendert Daedalus dies nirgendwo in der Anwendung selbst, eine Vorschau der Markdown-Formatierung gibt es derzeit also nicht. Ein kleiner Makel.

Daedalus ist eine gute App für grundlegende Textarbeiten. Es gibt ein schlüssiges Konzept, das viel Arbeit abnimmt. Es fehlt manchmal noch der Feinschliff, ist für mich im Moment eine gute Ergänzung. Ich glaube nicht, dass in meinen Workflow auf iOS nun aber noch eine Textverarbeitung passt.

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Nostromo: Ersatz für Schäbiges

Mit Nostromo Your Personal Notes‘ Navigator ist es so eine Sache. Es kommt stark darauf an, in welchen Umfeld die App agieren soll. Kommt Nostromo in ein vergleichbar nacktes iOS, hat es einen großen Vorteil gegenüber den nativen Apps. Der Vorteil ist, Teile der Foto- und Notiz-App zu vereinen, die dann um eine Skizzenfunktion erweitert werden. Zusammengeschnürt wird das kleine Paket mit einer einfachen Dateiverwaltung. Nostromo ist also gewissermaßen ein Symbiont einiger betriebssystemeigener Bestandteile. Auch optisch ist Nostromo den biederen Apps von iOS überlegen, was allerdings auch keine große Herausforderung war.

Aber schon bei etwas ausgefeilteren Workflows fällt es schwer, Nostromo sinnvoll zu integrieren. Die Fotoverwaltung macht eben genau das, und nur das. Fotos aufnehmen und ordentlich ablegen. Bei den Notizen sieht es ähnlich karg aus. Für eine ordentliche Verarbeitung ist zu wenig Platz und Funktionsumfang drin. Es reicht für flüchtige Notizen, alles, was darüber hinaus ginge, wird aber extrem mühselig. Obendrein ist in der Navigation oft ein Vorgang oder Arbeitsschritt zuviel dabei. Nostromo zu bedienen fühlt sich nicht intuitiv genug an.

Nostromo ist also eine aufgemotzte digitale Kladde. Die Funktionalität der Apple-eigenen Programme lässt Nostromo mit Leichtigkeit hinter sich, hat aber kaum Chance, auch nur einen Blick auf die Spitze erhaschen zu können. Weniger ist nicht immer mehr.

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Let’s Dance: Flauschtango

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht über das beliebteste Medium der Deutschen lästere. Auch ich zähle zu dem Kreis der selbsterklärten Avantgarde, die kein gutes Haar am Fernsehen lässt, also am deutschen Fernsehen. Ich habe meine Gründe, sehr viele sogar. Doch bügele ich die Fernsehlandschaft manchmal auch zu glatt. Es gibt es noch, das Fernsehen, das ist, was es zu sein verspricht.

Letzten Freitag fiel bei mir erst der Groschen, das selbst das niederträchtige RTL ein großes Feigenblatt in seinem Programm hat. Erst meine Freundin brachte mich darauf. "Wir gucken das nicht meinetwegen", sagte sie. Und sie hatte Recht. Sie sieht Let’s Dance gerne mit, doch bin ich die treibende Kraft dahinter, dass keine Sekunde der Show verpasst wird. Nicht erst seit diesem Jahr. Mir fiel auf, ich hatte bis heute keine Staffel verpasst. Warum war mir das nicht aufgefallen? Warum war mir sogar ein wenig peinlich, es einzugestehen? Dann fiel mir ein Grund ein, warum ich die Sendung so mag. Und noch einer, dann noch einer. Hier also nur einige davon.

Die meisten, wenn nicht sogar alle Casting-Shows und Promi-Reality-Shows kommen nicht ohne künstlich erhöhte Superlative aus. Unter der Suche nach einem Superstar, der besten Stimme, einer Königin oder König oder so ähnlich macht es keine Sendung. Sie kleben sich das schmierige Banner der Wichtigkeit an die Brust. Doch keine Show kann dieses Versprechen nur annähernd einhalten, sofern die Vorstellung von Superlativen nicht mit erschreckend niedriger Halbwertzeit und auch sonst reduzierten Ansprüchen umdefiniert wird. Let’s Dance legt die Messlatte deutlich realistischer an. Es ist ein Tanzwettbewerb, also suchen sie das beste Tanzpaar. Bei allem Pomp und Glitzer, der dem Tanzen anhaftet, nimmt sich die Show bescheiden in diesem Punkt aus. Ebenso befreiend ist die allgemeine Neigung aller Beteiligten, sich nicht über billige Rührgeschichten und Human-Interest-Stories abseits des Tanzens zu profilieren. Hier und da blitzt diese Fernsehkrankheit zwar auch bei Let’s Dance auf, schnell pendelt sie sich aber wieder ein.

Das liegt auch daran, dass in den Trainings und Proben genug Geschichte zu erzählen ist, selbst wenn nur die Kamera draufgehalten wird. Auf bleiern inszenierte Dramatik verzichtet die Show glücklicherweise und zeigt die schweißtreibende Arbeit hinter den Tänzen. Hier rackern sich unbekanntere und bekanntere Gesichter der Medienlandschaft unter der Anleitung ihrer professionellen Tanzpartnerinnen und Tanzpartner ab, um ihren Körpern einen halbwegs vorzeigbaren Tanz abzuringen.

Im Gegensatz zu anderen Shows erzählt Let’s Dance kleinere, aber umso menschlichere Geschichten. Viel zu oft erweist sich deutsches Unterhaltungsfernsehen als Inkubator der öffentlichen Erniedrigung. Nicht so bei Let’s Dance, das nuancierter erzählt und nebenbei spürbar immer das Beste aus seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern herausholen und zeigen will. Wo sonst gelingt etwa das Kunststück, einen zynischen Jürgen Milski in einem guten Licht darzustellen, wenn er seinen Körper anschreit, seinem Willen zu folgen? Let’s Dance macht es leicht, sich in die Haut der tänzerischen Laien zu versetzen. Kaum eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer entwickelten nicht doch von Woche zu Woche einen enormen Ehrgeiz. Es geht um kaum etwas und doch kämpfen sie mit allem, was sie haben. Da fällt es schwer, nicht mitzufühlen.

Und ja, die Show ist emotional befriedigender als nahezu alle übrigen Unterhaltungssendungen. Das ist wohl der unvermeidlichen Intimität geschuldet, die zwischen zwei Menschen entsteht, wenn sie eng aneinander tanzen, auf den Takt und die Präzision des Anderen vertrauen müssen. Es gibt für mich keine andere Sendung, in der so glaubwürdig Zuneigung ausgedrückt wird. Nach schwerem harten Kampf drücken sie sich satte, schmatzende Küsse auf Wange oder Stirn, sie herzen sich vor Freude, streicheln zart Frustration oder Schmerzen aus den Gesichtern ihrer Partnerinnen und Partner. Diese zarten Momente kann die Regie in der Live-Show nicht mit musikalischem Zuckerguss verderben oder unzählige Male wiederholen, was diese Augenblicke nur umso wertvoller macht.

Auch die Moderation ist erfrischend, weil sich Sylvie van der Vaart und Daniel Hartwich gar nicht groß um künstliche Neutralität bemühen. Sie ergreifen lieber sofort Partei für alle Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei ist besonders van der Vaart herrlich unbekümmert. Selbst wenn ihr anscheinend aus falschen Gründen untersagt wurde, das Publikum zu duzen, passt ihre kindliche Naivität wunderbar in diese kleine, süße Enklave der Wohlfühlunterhaltung im deutschen Fernsehen. Dann isst sie eben Popcorn und giggelt, wenn sie eigentlich moderieren sollte. Wollten wir Großen nicht alle mal wieder ins Bällebad im Småland hüpfen? Van der Vaart hat ihres gefunden, dort ist sie unter Freunden. Und auch Hartwich, der den Schulhofhumor noch nicht ganz abgelegt hat, keift und kalauert zwischen jede Kritik. Und er verfügt über die erstaunliche Gabe, im Zweifel sofort das Publikum einzuspannen, um eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu schützen.

Und wo ich schon bei der Kritik bin. Let’s Dance hat keine monolithische Figur im Zentrum, die unumstößlich Beleidigungen versprühen darf. In dieser Show, wird kaum eine Boshaftigkeit übersehen, es findet sich oft mindestens eine Person, die Anderen zur Seite steht. Und keine Kritik ist in Stein gemeißelt, denn es geschehen noch Zeichen und Wunder. Menschen machen schlechte Witze, merken es und entschuldigen sich sogar. Unerhört. Damit ist Let’s Dance seltenes, menschliches Fernsehen, das manchmal auch an der Aufgabe scheitert, aber immer bemüht ist, mit Herzlichkeit zu unterhalten. Vor allem auf RTL ist das ein aussterbendes Prädikat im Fernsehen.

Bumpy Road: Endlos in gut

Ein neuer Freitag heißt, eine Woche voller Bahnfahrten liegt hinter mir. Und auch: Ich hatte massig Zeit für mobile Spiele. Und wohin floh ich vor der Monotonie der Bahnstrecken? Auf eine holprige Straße. Bumpy Road ist aber auch nur dem Namen nach ein eine holprige Angelegenheit.

Spieltechnisch ist nicht viel dran, denn es ist ein Endlos-Fahr-Plattformer, wenn ich den Gegen-Die-Zeit-Modus mal ausblende. Dabei stellt Bumpy Road das Prinzip lustigerweise auf den Kopf. Nicht das Auto samt Insassen steuern, sondern die Landschaft anheben. Wird der Untergrund geschickt bewegt, sorgt die Physik-Engine für den Rest. Das Auto überwindet alle Hindernisse.

Bumpy Road hat bald schon zwei Jahre auf dem Buckel, ist aber ein zeitlos schönes Spiel. Denn gutes Design ist nicht nur technisch aufgebohrte Grafik. In Bumpy Road sind Die Gestaltung, Spielmechanik als auch die Musik eine organische Einheit.

Piraten be gone: Eine aussagekräftige Lücke

In einer weiteren Runde der Demaskierung eines großen Teils der Piratenpartei gibt sich nun Bundesschatzmeisterin Swanhild Goetze die Blöße. Dabei offenbart Goetze die tief in großen Teilen der Partei verwurzelte mechanistische Vorstellung von Gerechtigkeit und Gleichheit. Sie übertragen dabei Konzepte der Informatik blind auf eine Makroperspektive der Gesellschaft. Gesellschaften funktionieren allerdings nicht rückstandlos in klassischer Schaltlogik. Und auch Gleichheit funktioniert nicht, indem sie wegdefiniert wird. Freiheit wird nicht durch konfliktlose Namensräume ermöglicht, wenn die Existenz dieser unterschiedlichen Namensräume Teil des verhandelten Problems ist.

Das will vielen Piraten und auch mancher Piratin nicht in den Kopf, sodass sie sich auf eine Position der Neutralität zurückziehen, die alles ist, nur nicht neutral. Ein Beispiel findet sich in der Einführung eines Textfilters im Sync-Forum der Piratenpartei. Gegen dieses Tool regte sich Widerstand, denn es filtert die Texte im Forum, ob ein Binnen-I oder ähnliche Mechanismen zur Sichtbarmachung von Geschlechtern und Lebensformen zu unterdrücken. Nun lehnte die Bundesschatzmeisterin einen Antrag ab, der die Entfernung des Plugins zum Ziel hatte. Die Begründung (via) ist dabei teilweise hanebüchen, aber bezeichnend hanebüchen für eine Partei, deren intellektuelle Konturlosigkeit und naive Gesellschaftsbilder schmerzvoll offenkundig werden.

Aber was spricht gegen das Plugin? Und warum ist die Begründung von Goetze so traurig?

Mechanistische Texteingriffe

Das Plugin beruht auf einem Add-On für Mozillas Firefox und Google Chrome mit dem schönen Titel Binnen-I be gone. Es ist eine kleine Ansammlung von regulären Ausdrücken, die sich auf das Binnen-I wie bspw. in BürgerIn bezieht. Die eingeschobene Endung -In wird schlicht im Wort ausgeschnitten. Ähnlich wird mit dem gender gap umgegangen. Aber optional können zumindest in Binnen-I be gone auch Dopplungen wie beispielsweise Bürgerinnen und Bürger auf ein schlichtes Bürger eingedampft werden. Technisch ist das äußerst simpel, damit auch stupide gelöst und kann zu völlig verwirrenden Situationen führen. Beispielsweise ergibt allein dervorangehende Satz bei aktiviertem Add-On keinen Sinn mehr. Da hilft im Zweifel auch keine Whitelist. Es ist also eine plumpe sprachreinigende Maßnahme, die aber jederzeit den Sinn eines Textes unbemerkt verschieben kann. Wenn der Sinn nicht gleich völlig kollabiert. Es wird also zugunsten eines vorgeblichen ästhetischen Empfindens der völlige Verlust jeglicher kommunikativen Funktion von Texten in Kauf genommen.

Die Unsichtbarmachung der Sichtbarmachung

Die sprachlichen Konzepte hinter dem Binnen-I und anderen sprachlichen Figuren haben vor allem eine Aufgabe. Sie sollen Menschen und Menschengruppen auch sprachlich sichtbar machen, die bislang in Sammelbegriffen wie dem generischen Maskulinum vereint waren. Verkäufer_in oder Verkäufer*In sollen auf textueller Ebene schon verdeutlichen, dass hier eigentlich ein inklusives Neutrum verwendet werden soll, das es im Deutschen so aber nicht gibt. Sie sind sprachliche Eingriffe, die bewusst die sprachliche Norm brechen. Denn diese sprachliche Norm soll hinterfragt werden. Es geht gar nicht so sehr darum, ob dieses Mittel geeignet ist, eine soziale Veränderung herbeizuführen. Es geht einzig und allein darum, dass Autorinnen und Autoren diese sprachlichen Markierungen bewusst einsetzen, die Markierungen sind Teil ihrer Aussage. Selbst wenn es ihnen inhaltlich um etwas anderes geht, bleibt für sie wichtig, sprachliche Normen zu hinterfragen. Ein Add-On wie Binnen-I be gone greift dort in die Aussage, den Sinn eines Textes ein und verändert diesen im Kern. Sie beschneiden die Meinung von anderen Menschen, die ihre Worte bewusst gewählt haben.

Und die Piraten?

Ja, was ist mit denen? Ist irgendeiner Leserin oder einem Leser aufgefallen, dass ich hier immer Piraten und Piratinnen geschrieben habe? Nein, habe ich nicht? Und was, wenn doch? Meine Rede, es schafft Unsicherheit auf allen Seiten, wenn in die inhaltliche Auseinandersetzung eingegriffen wird. Wie hat Swanhild Goetze sich aus der Affäre zu ziehen versucht?

Es kann niemand vermeiden, dass sich jemand für sich das Browser-Plugins http://binnenibegone.awardspace.com/ installiert, von dem die Option im Forum entnommen wurde. Auch in diesem Fall wird der Text für den Empfänger anders dargestellt, als es der Sender beabsichtigt hatte.

Ja, klar. Genau das sollte es auch sein, eine Entscheidung der einzelnen Personen. Nur weil Menschen sich einen Baseballschläger kaufen können, um damit auf wessen Köpfe auch immer einzuschlagen und es ihre freie Entscheidung ist, dies gegebenenfalls zu unterlassen, muss ich nicht jedem Menschen, der meine Wohnung betritt, einen solchen Holzknüppel in die Hand drücken. Oder sollte ich es als freundlicher Gastgeber doch tun, nur damit meine Gäste ihre Freiheit ausleben können? Das kann nicht Goetzes Ernst sein. Was schreibt sie noch?

Es gibt Menschen, die möchten gerne nur schnell einen Text überfliegen, um zu wissen, worum es im Großen und Ganzen geht, aber sie möchten sich nicht allzusehr inhaltlich mit dem Geschriebenen befassen. Auch diesen Menschen möchte ich es ermöglichen, sich schnell einen Überblick verschaffen zu können.

Und genau dieser Leserschaft soll es leicht gemacht werden, sich selbst vorzuenthalten, dass es der Verfasserin oder dem Verfasser wichtig ist, sprachlich die Vielfältigkeit menschlicher Daseinsformen zu verdeutlichen? Das versteht Goetze unter Neutralität? Es wird aber noch besser.

Sofern wir vor jeglicher technischer Neuerung vor Programmierung immer erst diskutieren und entscheiden müssten, würden viele Dinge niemals programmiert werden.

Schon mal was von Technikfolgenabschätzung gehört? Das heißt nicht etwa, eine Technik zu entwickeln, erst einmal einzusetzen und dann die Folgen abzugrenzen. Gerade vor und während der Entwicklung einer Technik sollen die möglichen Folgen schon abgewogen werden. Und ehrlich, bei nicht einmal 125 Zeilen Regex-Code können manche Piratin und einige Piraten nicht mehr abschätzen, worauf die Textersetzungen abzielen? Sie können nicht sehen, dass sie hier eine Infrastruktur zur selektiven Beschneidung und Verfremdung von fremden Inhalten propagieren. Alles unter dem Deckmäntelchen der Freiheitlichkeit und des Austausches von Meinungen?

Da hilft aus meiner Sicht auch nicht, dass nun im Zuge des Protests gegen das Plugin und die brüchige Verklärung als Service am Kunden eine Erweiterung eingeführt wurde. Ist das Plugin aktiv, soll nun am Ende des veränderten Textes folgender Text eingeblendet werden:

In diesem Beitrag wurden Genderformen entfernt, hier klicken, um die unveränderte Originalversion zu sehen

Das macht es nicht mehr besser. Allein der Umstand, selektive Beschneidung von Meinungen zu erlauben, lässt mich an der Glaubwürdigkeit einer Partei zweifeln, die sich Freiheitsliebe, Schutz von Meinungsäußerungen und die Ausweitung bürgerlicher Rechte auf die Fahnen geschrieben hat. Herzlichen Glückwunsch, die Piratenpartei ist im Sync-Forum jetzt auch ein Unterdrücker.

Grid Diary: Tage im Raster

logo_griddiaryMir kommt Grid Diary – The simplest way to get started with keeping a diary1 gerade recht. Für ein persönliches Tagebuch fehlte mir in den letzten Jahren die Muße. Zumeist wird ja doch in ein Tagebuch Geschehenes nur aus dem Weg, also aus dem Sinn geschrieben. Aber danach fällt kein Blick mehr darauf. Die selbstreinigende Wirkung, die Erlebnisse vom Tag noch einmal Revue passieren zu lassen, hätte ich dennoch gerne erhalten. Mit Grid Diary habe ich eine Anwendung, die mit neun Fragen an den vergangenen Tag der ganzen Sache die Schwere nimmt.

griddiary_screen1Die neun Fragen sollen ein Leitfaden sein, der Inhalt ist natürlich auf frei wählbar. Meine Erlebnisse kann ich so sehr zielgerichtet in fingierter dialogischer Form aufarbeiten. Der Frage-Antwort-Stil hilft auch dann, wenn mir mal nicht nach ausführlichen Schilderungen ist. Ich kann ja auch einsilbig auf eine Frage antworten und doch erfüllt sie ihren Zweck. Beeindruckt hat mich auch das klare Design, denn selbst auf kleinem Raum finde ich mich gut zurecht. Nichts lenkt mich davon ab, mir Fragen über den Tag zu stellen. Die Antworten fallen in das gut strukturierte Raster. Im Kalender sehe ich schnell, an welchen Tagen ich etwas geschrieben habe.

Persönlich bin ich kaum auf nennenswerte Fehler oder Ungereimtheiten gestoßen. Die unzufriedenen Stimmen zu mangelhafter Stabilität habe auch ich nicht überhört, nur bestätigen kann ich sie nicht. Bei mir lief Grid Diary störungsfrei. Ein einziges Mal hängte sich die App auf. Beim Einrichten der synchronisierten Datenbank über iCloud. Nach allem, was sich über iCloud sagen lässt, muss dies nicht an Grid Diary gelegen haben. Vielmehr vertraue ich auch darauf, Backups meiner Daten manuell durchführen zu können. Ansonsten genieße ich die einfache Handhabung von Grid Diary, mit dem ich tatsächlich wieder angefangen habe, Tagebuch zu schreiben. Nur Fotos sollten noch eingefügt werden können. Diese Funktion wurde aber auch schon versprochen.

1 Der volle Titel ist wichtig, denn es gibt einige ähnliche Apps, die allerdings sehr seltsam wirken.

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Rundumschlag zu Videospielen

Auch in den letzten Wochen hat sich wieder eine Menge zu Videospielen angestaut. Der leidige Sexismus bleibt leider nicht aus. Aber die Luft für die Herren wird dünner.

Modernes Lernen – Chancen und Risiken für Lehrende

Bildung und Wissen sind freier zugänglich, auch weichen die Grenzen der universitären Ausbildung etwas auf. Ob sich das allerdings dauerhaft lohnt, wird sich erst erweisen müssen. Einige Zahlen stimmen aus der Warte der Hochschulen nicht sehr zuversichtlich.

Die Leistungsgesellschaft

Sie ist ein Traum, diese Meritokratie. Bestenfalls. Der Verdacht drängt sich aber auf, dass sie eher eine gesellschaftspolitische Nebelkerze ist. Die Mär von der Meritokratie ist, vergleichbar mit dem esoterischen The Secret, nur ein billiger Versuch, Erfolglosen den Misserfolg in die Schuhe zu schieben.

Polemik gegen GEZ-Polemik

Irgendwo in diesem Text ist ein valides, aber reichlich simples Argument gegen Anti-GEZ-Geschwurbel mit einem Strohmann der Kritik an öffentlich-rechtlichen Medien vermengt worden. Das könnte auch als Versuch gewertet, die Gegenmeinung zu diskreditieren, ist aber viel einfacher durch Unvermögen zu erklären.