Desmos: Grafischer Rechner im Web

Schon vor einiger Zeit darauf gestoßen, Desmos ist ein graphischer Rechner im Netz.

Ehrlich gesagt, ich bin für alles dankbar, das mathematische Vorgänge visualisiert. Ich springe auf grafische Darstellungen abstrakter Rechnungen deutlich besser an. Deswegen mag ich Desmos so, denn für eine webgestützte Anwendung ist die Oberfläche intuitiv und macht aber auch komplexere Darstellungen zugänglich.

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Und es wird sie geben, diese Esoteriker, die Artikel wie den folgenden als falschen Belastungszeugen gegen die ‚Schulmedizin‘ heranziehen. Dabei ist es gar nicht so schwer. Der Wissenschaftsbetrieb, oder besser: Wissenschaftsbetriebe, haben ihre systemischen und institutionellen Probleme. Gerade die implizite Währung der Reputation wird von einigen oligopolistischen Rufbanken verwaltet, die wissenschaftliche Kontrolle kann da sehr wohl unterminiert werden. Aber das heißt nicht, das jahrtausendealte Quacksalberei in derselben Liga spielt.

David S. Gallant hat nicht nur das tolle I Get This Call Every Day gemacht, für das er seinen Job verlor. Gallant hat auch einen beneidenswerten Idealismus, der mehr von Spielen, der Szene und der Industrie erwartet. Und auch ihm geht der Sexismus in der Indieszene gegen den Strich.

Es gibt anscheinend unzählige Wege für Politiker und Politikerinnen sich den akademischen Schritt oder die Brust auszustopfen. Wie bei allen Blendversuchen ist es meist nicht nötig. Bringt doch nichts.

Die Dokumentationen Paradise Lost sorgen bei mir immer für Gänsehaut. Sie zeigen die Niedertracht religiöser Eiferer, die in jeder sozialen Normabweichung buchstäblich den Leibhaftigen erblicken. Die West Memphis Three haben einen großen Teil ihrer Leben an die Eiferer, die Heuchler, die Blender und die inkompetenten Rechtsverdreher verloren.

Es stellt sich die Frage, warum die imposanten, gebildeten Fußballer anscheinend nicht das Zeug zum Star haben. Es gibt sie, diese Typen mit Charakter, aber eben nur mit wenigen Einsätzen.

Was von solch reißerischen Experimenten zu halten ist, kann ich als Laie kaum einschätzen. Etwas mehr Einordnung wäre mir lieb gewesen, denn dem Markt traue ich ja alles zu. Ob er aber solches Raubtier ist, dem die Moral zum Opfer fällt, klingt nach einer starken These, die starke Belege braucht. Also bleibe ich erst einmal bei: interessant.

In Hollywood dreht die Maschine noch zugunsten der Regisseure, ihre Kolleginnen haben damit zu kämpfen. Sage nicht ich, sondern die Chefin eines großen Studios.

Der neue Film hatte mir gefallen, doch hatte ich den offenkundigen Sexismus bislang nicht angesprochen. Andere haben das schon längst erledigt. Zudem gibt es auch zur Besetzung des Films etwas in Sachen Whitewashing zu sagen.

The Dillinger Escape Plan – One of Us Is the Killer

War es in Bochum, in Dortmund, ich habe keine Ahnung mehr. Fragt mich nicht, wann es war, das kann ich auch nicht sagen. Ich erinnere mich noch an Lichtblitze, fliegende Haarmähnen, seltsame Grimassen. Und vor allem an diesen ohrenbetäubenden Lärm. The Dillinger Escape Plan waren nicht der Grund, warum ich hinderte Kilometer mit meinen Kumpels in den Westen aufgebrochen waren. Wir hatten persönlichen Act des Abends schon gesehen, es dürfte Poison the Well gewesen sein. Und nun fällt mir ein, es muss 2004 gewesen sein, denn es war vor allem der dissonante Mathcore von Miss Machine, der durch den engen, verschwitzten Saal fegte. Die Akustik war miserabel, doch kam mir nur eines in den Sinn: Das soll so.

Es war der Abend, an dem ich das Konzept verstanden hatte, das The Dillinger Escape Plan mit aller musikalischen Gewalt verfolgten. Wahrlich, diese Band, hat einen Plan, irrsinnig, widerstreitend, aber bahnbrechend pervers. Alle Störgeräusche, die abgehackten, verstümmelten Konstrukte, die nur selten und anscheinend zufällig für kurze Augenblicke Formen annehmen, die wiederum entfernt an Musik erinnern lassen, die sind alle Teil dieses Plans. Seit die Stammbesetzung Calculating Infinity verbrach, hat sich die Band personell einmal völlig umgekrempelt, das widersprüchliche Wesen ist die Band geblieben. Erst live erkannte ich, wie sie minutiös jeden noch so beliebig und diffus wirkenden Moment der Alben auf der Bühne nachbildeten. Dieser Wahnsinn hat Methode.

Wie bisher jedes ihrer Alben lässt mich auch One of Us Is the Killer auf Anhieb ratlos zurück — wenn ich die Schockstarre erst einmal überwunden habe. Wie sollen Menschen diesen Wirbelsturm namens Prancer bewusst erschaffen haben. The Dillinger Escape Plan zu hören ist noch immer wie das Betrachten einer Naturkatastrophe, die alles unter sich begräbt. Wände zerbersten unter dem Druck, die Steine zerreiben einander; es ist die pure Zerstörung, ihr Weg aber ist nachvollziehbar. Wie eine Flutwelle den Gesetzen der Physik folgt, auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind, unterliegt One of Us Is the Killer dem Willen der Musiker. Nicht ist zufällig, es wirkt nur so. Das ist die Folge der nüchternen Ratio, mit der diese Band Stürme entfacht. Sei es wie bei Understanding Decay oder Paranoia Shields, wird den Songs eine Chance gegeben, wird ihre Struktur erkennbar. Aus Lärm wird Musik, das konnten The Dillinger Escape Plan schon immer. An den äußeren Rändern erlauben sie sich pointiertere Kontrastpunkte, ihrem Wesen nach sind sie aber auf dem neuen Album immer noch widernatürlich organisch. An diesem Tag, als ich sie live sah, erkannte ich, wie entspannend dieser wilde Lärm ist.

Amtsflucht

Ich lebe zwischen Regen und Traufe der asozialen Marktwirtschaft, zur einen Seite der Klotz der Agentur für Arbeit, auf der anderen eine identitätsgestörte Einrichtung. Sie wirkt immerhin etwas im Unklaren über das eigene Dasein. Selbst in der kurzen Zeit, die ich hier lebe, hat sie die großen Lettern über dem Haupteingang mehrmals gewechselt. Derzeit nennt sich das Gebäude Jobcenter, ganz unabhängig von seinem eigentlichen Zweck, der wohl schon seit jeher die Schikane ist.

Zu jeder Tageszeit strömen allerlei Menschen zu den Gebäuden. Manche von ihnen tragen seltsame Jogginganzüge, für die nicht einmal die Achtziger anrufen würden, um sie zurückzuverlangen. Andere werfen sich in Schale, anscheinend wollen sie einen möglichst guten Eindruck hinterlassen. Doch betreten sie die Gebäude durch ihre gläsernen Mäuler, werden sie zu Nummern zermahlen. Gleichwohl sie Kunden genannt werden, sollen sie nur dem gesellschaftlichen Verdauungssystem zugeführt werden.

Kein Wunder also, dass sich ein Schauspiel nun häufiger bestaunen ließ, das ich nur als Zeichen interpretieren kann, wie wenig Menschen mit diesen institutionellen Verachtungsmaschinen zu tun haben wollen. Vor dem Jobcenter ist eine Bushaltestelle, die Briefkästen des Amtes sind bloß zehn, vielleicht fünfzehn Schritte entfernt. Hält ein Bus, bricht manchmal Hektik aus. Kaum haben sich die Türen geöffnet, springt ein Mensch hinaus. In den Händen einige Umschläge, sprinten sie zu den Briefkästen. Die Luke quietscht, doch bevor sie metallisch krachend ihre Arbeit wieder einstellt, hat der Mensch schon wieder den Bus erreicht. Die Bustüren schließen sich.

Noch ein bißchen mehr Freiheit, ADN, dann passt’s

Die Loblieder auf app.net (ADN) spare ich mir an dieser Stelle mal größtenteils, es ist ein Dienst, der mehr ist als alpha, seine offenkundigste Anwendung. ADN ist nicht allein ein Twitter-Klon gegen Bezahlung. Es gibt auch erste Ansätze einer Chat-Umgebung mit Patter und auch eine rudimentäre Dateiverwaltung des Onlinespeichers, den ADN bereitstellt. ADN ist derzeit vor allem ein Experiment, eine sozialen Plattform im Web zu etablieren, die tatsächlich mal überein vergleichsweise transparentes Geschäftsmodell verfügt. Ich mag ADN, andere Menschen müssen meine Ansicht nicht teilen. Es hängt zu sehr von der eigenen Vorstellungskraft ab, was davon zu halten ist. Ich kann mir viele Dinge vorstellen, die mit ADN realisiert werden könnten.

Auch der Kritik an ADN will ich mich grundsätzlich nicht verschließen, wobei der derzeit wichtigste für mich kaum eine Rolle spielt. Es droht auch hier eine Zentralisierung meines Onlinelebens, also das Hängen am Tropf eines einzigen Anbieters. Diese Bedenken sind berechtigt, wegen der Größe von ADN noch nicht drängend. Und: Der Anbieter macht sich auch abgängig von mir, von meinem Geld, das ich nur zu zahlen bereit bin, solange ich mich nicht hintergangen fühle. Denn auch wenn es nur ein schwache Sicherheit ist, ist zahle Geld für einen Service, den mir ADN in einer bestimmten Form zusichert. Das ist allemal besser als vom guten Willen eine Facebook, Google oder Tumblr leben zu müssen.

Weit stärker stört mich allerdings, wie wenig frei ich tatsächlich mit meinen Daten umgehen kann. Denn ich habe einen reinen Premium-User-Account, aber keine Developer-Privilegien, für die ich doch noch etwas mehr zahlen müsste. Das ist für meine Begriffe eine ordentliche Delle im Konzept von ADN, denn sie bestehen darauf, dass meine Daten immer mir gehören. Derzeit bin ich aber überwiegend auf Drittanbieter angewiesen. Dev Lite könnte in meinem Fall Abhilfe schaffen, denn damit erhalte ich immerhin ein persönliches Access-Token für die API, um mir selbst aushelfen zu können, ohne grundlegende Programmierkenntnisse geht da aber auch nichts.

ADN täte gut daran, die Selbstbestimmung über die eigenen Daten zu erhöhen, gerade wenn eine weitere Öffnung des Dienstes über technikaffine Kreise hinaus erlangt werden soll. Denn genau für die Freiheit zahle ich. Es wird jetzt Zeit, dass es noch leichter wird, mir die Freiheit zu nehmen.

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Solche Projekte beschämen mich, vor lauter Scham sollte ich dann solche Projekte nicht.

Ein weiteres Update zu der zweifelhaften Professionalisierung von Crowdfunding. Erst wenn es Crowdinvestments gibt, dürfte es gerechter zugehen.

Braucht es eine Entwicklung von der klassischen Open-Source-Lizenz zur No-License-License, also endgültiger Freiheit? Gute Gründe, aber Jurist werden dies schon zu verhindern wissen.

Sollte ich das auch hier auf kultprok einführen, Filme nach der Anzahl der von mir gewünschten Wiederholungen zu bewerten? Eine kindliche Idee, und deshalb gar nicht mal so schlecht. Ist streng subjektiv, also zugänglicher.

Wochenlang lief ich auch mit Ideen dazu im Kopf rum, hatte aber noch keinen pietätvollen Zugang gefunden. Das kann ich mir jetzt sparen, denn das Outsourcing der Überwachung an Netzgemeinschaften könnte ich nicht kürzer und treffender zusammenfassen.

Als wäre es nicht schon lange klar, dass jede Erziehung die Eltern vor den Kindern glorifiziert, kommen solch krankhafte Egoisten und Egoistinnen hervor. Den Schaden, den diese elitären Despoten ihrer Familien hinterlassen, räumen die aber nicht mehr auf.

Als wäre der Serienpilot auch nur ansatzweise gut genug gewesen.

Wissenschaft ist von Menschen gemacht, sie ist damit auch nicht vor sozialer Selektion gefeit und schon gar nicht frei von ethischer oder politischer Verantwortung. Gleichwohl der Artikel etwas reißerisch aufmacht, ist im Kern Obrigkeitshörigkeit auch in der Wissenschaft und Forschung fehl am Platze.

Selbst wenn an den Vorwürfen der Unterschlagung und Täuschung etwas dran wäre. Wie selbstverliebt Spielekritiker Bullying betreiben, erzeugt einen enormen Brechreiz. Folgende Links führen zu einer selten brutalen Verunglimpfung, Verfolgung, Transphobie und Selbstherrlichkeit. Destructoid ist für mich erst einmal gestorben, wenn ihr

Ja, die Topographie des Hasses. Und eine Ergänzung.

Star Trek Into Darkness

Den ständigen Druck gigantistischer Ansprüche im Nacken, bricht Star Trek in die Dunkelheit auf. Seltsam steigt der zweite Teil ins Geschehen ein, reißt Kirk und McCoy in die Flucht vor den dem Untergang geweihten Einheimischen einer fremden Welt. Pfeile surren durch die Luft des knallbunten Planeten, der bedeutungsschwanger Nibiru getauft wurde. Das primitive Volk soll doch nur unter Einhaltung der obersten Direktive der Sternenflotte vor der Vernichtung durch einen Vulkanausbruch gerettet werden. Unter den Schreien der Ureinwohner, der Crew der Enterprise und einer auf elf hochgedrehten Krawallkulisse entscheidet sich Kirk natürlich gegen die Direktive und für das Leben seines Freundes Spock, der allerdings lieber für seine Prinzipien gestorben wäre. J. J. Abrams führt eine unübersichtliche zweite Modernisierung in die ersten Minuten, alles blitzt und blinkt in prallen Bildern, aber müder Dramaturgie.

Auch nach den Fanfaren des Titels ebbt Star Trek Into Darkness‘ satter audiovisueller Bombast nicht ab. Nahezu die komplette Entwicklung Kirks im ersten Teil wird über Bord geworfen, der frühreife Pennäler in Uniform verliert schnurstracks wieder die Kapitänswürde. So überdeutlich dreht der Film das Rad der Zeit zurück, dass der zweite Teil der Modernisierung allein schon den ersten Teil des Reboots zitiert. Der Schwerenöter Kirk, der noch jede exotisch maskierte Aliendarstellerin ins Bett gekriegt hat, die Musik der Beastie Boys, eine unvermeidliche Belehrung durch seinen Mentor in einer Bar. Warum auch immer, dieser Kirk soll aber die einzige Hoffnung der Sternenflotte sein, da sich ein mysteriöser Feind aus Schutt und Asche seiner Terroranschläge auf Sternenflotteneinrichtungen erhebt. Unter den zitternd anschwellenden Streichern, die nach Bösewicht schreien, damit auch alle im Kinosaal verstehen, dass uns da das personifizierte Böse durch die vierte Wand anstarrt, stilisiert der Film Kirk zum blindwütigen Soldaten. In nur einer halben Stunde hat Star Trek Into Darkness damit den etwas steifen Humanismus und teils naiv wirkenden Idealismus des Originals völlig entkernt. Kirk erhält sein Schiff für eine spontane Racheaktion zurück, der flüchtige Terrorist soll mit aller Gewalt umgebracht werden. Also die fragwürdige Fortsetzung der gezielten Tötung und Drohneneinsätze im Blockbusterkino, wo nun auch die Sternenflotte faschistoide Züge annimmt, was sich nicht zuletzt auch am neuen Uniformismus der Sternenflotte, aber auch an den SS- und Stormtrooper-entlehnten Uniformen erkennen lässt.

Nach einer halben Stunde war ich bereit, den teuer bezahlten Platz im Saal zu verlassen, denn Star Trek lag moralisch am Boden. Da erhob Spock die Stimme. Gegen die amoralische Mission. Gegen die außerrechtliche Tötung. Ob es ein Terrorist ist oder auch nicht. Gegen die Vereinnahmung der Enterprise durch eine klandestine Geheimabteilung der Sternenflotte, die Spock mindestens genauso suspekt ist wie die undurchschaubaren Motive des gesuchten Terroristen. Kirk nahm es zur Kenntnis. Und auch der Chefingenieur Scott weigert sich, ein Schiff, sein Schiff, mit offensiven Torpedos zu bestücken, deren Mechanismen ihm vorenthalten wurden. Aber es ist nicht nur Scotts gekränktes Ego und Sicherheitsbewusstsein als Techniker, unbekanntes Waffenmaterial in die Nähe seines Reaktors zu lassen. Auch er hält die Enterprise nicht für das Kriegsschiff, das Kirk auf Geheiß der Sternenflotte aus dem Schiff macht. Scott quittiert seinen Dienst. Das hinterlässt Spuren bei Kirk.

Der erste Anlauf Abrams‘ im Star Trek-Universum glühte nach einem furiosen Beginn allmählich aus. Im zweiten Film hat sich die Entwicklung verkehrt, das Team der üblichen Verdächtigen um Abrams bringt die Ideale Gene Roddenberrys teils aus Unvermögen, aber mehr noch aus beeindruckender Hinterhältigkeit an den Rande des Zusammenbruchs. Dem aufgeklärten Idealismus Roddenberrys scheinen sie einen bombastischen Obskurantismus entgegenzusetzen. Doch ist es eine gelungene Finte, denn mit Spocks rationalen und Scotts leidenschaftlichen Einwänden gegen die militaristische Lynchjustiz kehrt die Vernunft aus der Dunkelheit zurück.

Ich fiel zurück in meinen Sitz, nun war es Star Trek, für einen Blockbuster mit jeder Minute facettenreicher, packender, mitreißender. Into Darkness ist in jeder Hinsicht dem ersten Teil überlegen, denn nach der Auflösung dieser Finte, brachen hinter den Masken der Figuren die Persönlichkeiten der Crew auf. Es ist allemal ein Blockbuster, kein tief schürfendes Erzählkino, doch immerhin verliert Abrams zu keinem Zeitpunkt den Blick für die Crew, auch wenn es lauter und hektische zugeht, als in allen bisherigen Filmen der Reihe.

Allen wird nicht nur ein einzelner Triumph gegönnt, das Buch sieht für die gesamte Crew stimmige Momente und Entwicklungen vor. Besonders Spock rückt in den Fokus. Nicht nur wegen seines hervorragenden Vorbildcharakters als ratinalem Akteur einer säkularen Ethik, sondern wegen seiner nachvollziehbaren Wandlung zu einem liebenswürdigen Vulkanier, dessen menschliche Seite häufiger ausbricht, als die Vorlage es vorsah. Zachary Quinto ist ein perfekter alternativer Spock. Er macht die moralische Kraft der Vernunft nachvollziehbar, nimmt aber auch der vulkanischen Gefühlskälte die Kraft. Abrams hat eine alternative Formel gefunden, die ebensowenig subtil ist wie Shatners Kirk, sich vor dem Original selbstbewusst verbeugt, den Kopf dann voller neuer Ideen und Wandlungen hebt. Am Ende stand mir der Schweiß auf der Stirn, das Adrenalin pulsierte und in meinen Augen glühte die Begeisterung. Star Trek Into Darkness ist düsterer, emotionaler, packender und witziger als die meisten anderen Star Trek-Filme und mindestens ein ebenso komplexer Blockbuster wie es First Contact war. Nur nicht so hölzern inszeniert.

God of Blades: Bekiffter Muskelprotz

Die Siebziger haben musikalisch große Spuren hinterlassen. Während nackte Oberkörper und lange Haarpracht salonfähig wurden, popularisierten sie auch ein eigenwilliges Subgenre der Rockmusik. Der Progrock nahm einen tiefen Zug am herumgehenden Joint und beschrieb in ausgedehnten Stücken fantastische Abenteuerreisen. Auf die Ästhetik dieser Zeit setzt God of Blades, es wirft uns in die Rolle eines namenlosen Herrschers, der, vom Thron gefallen, mit mystischen Klingen seinen angestammten Platz erstreitet.

Die epischen Fantasielandschaften gängiger Progrock-Alben imitiert das Spiel wunderbar. Zwischen Kitsch und Tolkien-Kunst recken sich Berge in den blauen Himmel, an dem mehrere Sonnen strahlen. Und auch die Musik nimmt die Fäden auf, es wabert, summt und brummt bedeutungsschwanger. Den meditativen Rausch der vergangenen Zeiten fängt God of Blades schön ein. Auch die rudimentäre Story fügt sich stimmig ein, denn, wie der Progrock auch, lebt die Handlung mehr davon, nur ein Gerüst zu bieten, um sich den Rest selbst ausmalen zu können.

Aber God of Blades ist ja auch noch ein Spiel. Eines, dem ich an jeder Ecke anmerkte, wie sehr das Entwicklungsstudio darauf abzielt, das Spiel auch im Drogenrausch noch spielbar zu macheb. Verkauft wird es als 2.5D-seitwärtsscrollendes RPG, was mindestens drei Grade zu laut eingestellte Marktschreierei ist. God of Blades ist nur mit Mühe als RPG anzusehen, denn es gibt allenfalls mal neue Schwerter für unseren Muskelmann. Wenn das ein RPG ist, habe ich gestern doch eine Doktorarbeit in Musikgeschichte auf einem Bierdeckel verfasst. Drehen wir die Lautstärke etwas zurück, bleibt ein passables, aber ungemein simples Renn-Hack’n’Slay. Anders als in den ausufernden Texten der Progrocker steckt hier kaum Tiefgang drin. Der Schwertkämpfer rennt auf seine Gegner zu, zerschlägt sie mit seinen drei Attacken und einer Parade. Verschiedene Gegner benötigen leicht unterschiedliche Kampfstile und gutes Timing. Das war’s. Ich habe nichts übersehen.

God of Blades taugt zu einem ordentlichen Zeitvertreib, reißt mich aber sonst nicht aus dem Sitz. Die atmosphärisch gelungene Präsentation kann die einschläfernde Wirkung des Spiels auf Dauer auch nicht verhindern. Hinzu kommt die unzulängliche Genauigkeit, die auf schwächeren Geräten gerade das vorausgesetzte Timing konterkariert.

Pudding Monsters: Überzuckerte Monotonie

Von Zeptolab kamen bislang Spiele, vor denen die selbsternannten Coregamer davonliefen, trugen die Spiele aus der Reihe Cut the rope doch mit viel gutem Spieldesign zur Casualisierung bei. Vor einigen Monaten veröffentlichte Zeptolab ein Spiel, das nicht mehr mit Om Nom aufwartete.

Auch bei Pudding Monsters übertreiben die Entwickler den grafischen Zuckerguss beinahe schon, vielleicht wollten sie aber auch nur die spielerisch fade Gestaltung übermalen. Das Spiel packt einfach nicht, seine Substanz entspricht der, seiner wackeligen Protagonisten. Über den Küchentisch soll ich sie schieben, sie zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Zeptolab belebt damit das Sokoban-Prinzip der Schieberätsel zu einem wenig beeindruckenden Zeitvertreib.

Innovation ist nicht die Sache der meisten Casual Games, doch machten sie alte Konzepte, die schon in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kopiert wurden, zu massentauglichen Spielen. Pudding Monsters folgt einem einfachen Mechanismus, der von Level zu zaghaft ergänzt wird. Die Spielidee hat aber bei Pudding Monsters schon eine gewisse Eintönigkeit, der Funke springt aber besonders wegen der ungelenken Umsetzung nicht über. Es wirkt, als hätte Zeptolab die Mechanismen nicht hinlänglich ausgereizt, sodass viele Aufgaben repetitiv wirken oder schlimmstenfalls nur mühselig durch blindes Raten gelöst werden können. Pudding Monsters motiviert mich nicht.

Mehr Jolie ihr alle

Manchmal braucht es nur wenige Sätze. Ich neige zum Wortschwall, auch in geschriebener Form. So will ich an Worten sparen, dabei hätten andere Menschen, ich vermute sogar, es waren und sind überwiegend Männer, sparsamer mit ihren Affektn umgehen sollen. Denen hätte Zurückhaltung nicht schlecht zu Gesicht gestanden.

Eine Frau hat, wie wir alle ein Recht auf Körperintegrität. Darüber gibt es keine Diskurse, weil es sie nicht braucht. Wenn eine Frau ihre Körperintegrität zu schützen sucht, indem sie in diesen Körper chirurgisch eingreifen lässt, ist es es ihre legitime Entscheidung. Auch das dürfte eigentlich nicht umstritten sein. Menschen haben dieses Recht. Wenn eine Frau bei erhöhtem Risiko vorsorglich in körperliche Merkmale.eingreifen lässt, die als vermeintlich essentieller Teil ihrer Geschlechtsidentität angesehen werden, entscheidet noch immer sie selbst. Es ist ihr Körper, ihre Identität. Wie wir alle über unser Selbst bestimmen, so obliegt die Hoheit über ihre Identität nur der Frau, dem Mann, allen Lebewesen, die eine identitäre Selbstwahrnehmung entwickeln. Ändert es die Bewertung, wenn eine Frau prominent ist und öffentlich über ihre Entscheidung spricht? Die Begründung möchte ich hören.

Jetzt habe ich doch schon wieder mehr geschrieben, als ich wollte. Es waren immer noch weniger, als es wären, ließe ich meiner Wut freien Lauf. Und es wären harsche, unerbittliche Worte. Alle mir mögliche Verachtung läge ich in sie. Es bleibt ein klarer Satz: Wenn jemand Angelina Jolies Brustamputation oder ihren Umgang damit aus welchem niederträchtigen Grund auch immer nicht gutheißen will, dann behalte diese Person doch ihren Spott, ihre Inkompetenz, ihre Einfalt, ihre Gedankenlosigkeit, ihren Sexismus und völlige Unmenschlichkeit für sich.