Inhärenter Unwert

Wenn ich viele der Kommentare höre zu dem tödlichen Burggraben Europas, dann wünsche ich mir selektive Gehörlosigkeit. Bis zur Fassungslosigkeit braucht es bei mir einiges: Es fängt mit Unverständnis an, geht über Entrüstung, Abscheu, Wut, Trauer, brutale Wut, Verzweiflung, Galgenhumor, Guillotinenhumor bis Waterboardinghumor hin zur Fassungslosigkeit. Wer diese erreicht, muss also einige Stationen nehmen. Und doch schaffen es viele der Zeitgenossen mit anscheinend spielender Leichtigkeit, alle Hürden zu überwinden, um mich mental mit ihrer gutbürgerlichen Menschenverachtung zu verletzen.

Mir hilft nur eines, um wieder Fassung zu erlangen, um mir vor Augen zu führen, woher diese Menschenverachtung kommt. Aus der Angst. Es ist die Angst der Besitzstandswahrer, die alles erreichte selbst erlangt, aber sämtliche Fehler nicht zu verantworten haben. Diejenigen, die Angst um ihr Hab und Gut haben, zu dem auch ihre Kinder gehören. Es sind die Lebensoptimierer, die das Leben aus Angst vor dem eigenen Untergang nicht leben, sondern verwalten wollen. Diese karrierebetrunkenen Ich-Kommunitaristen mit ihren hübschen Sparkonten, Aktienpaketen und Lebensversicherungen.

Woher kommt dieser Angstaffekt, der gleichgültig macht vor den Toten, den der Wohlstand produziert? Aus der inneren Furcht, dass Armut, Leid und Hunger ansteckend sein könnten. Sie beängstigt die Vorstellung, fremde Menschen könnten die Wertlosigkeit, die sie offenkundig haben, auf sie übertragen. Und so irrational viele dieser Ängste sein mögen, in dem Punkt haben sie recht: Mein, dein, unser, euer aller Leben ist genauso wenig wert, wie die der Menschen, die durch aktive oder passive Gleichgültigkeit sterben. Wenn die Besitzstandswahrer dann doch nur begreifen würden, dass ihr Wert nur steigt, wenn wir den der anderen Menschen anerkennen und steigern. Es ist unmöglich, Menschen abzuwerten, ohne sich dasselbe anzutun.

Ich das Individuum, ihr die Herde

Die Kassiererin würdigte die Frau vor ihr keines Blickes, sie murmelte bloß: "Guten Tag." Die Frau starrte noch auf ihr Smartphone, schüttelte ihren Kopf, dann fiel ihr die Begrüßung der Kassiererin ein. "Ja, guten Tag.", sagte sie, ging einen Schritt vorwärts, um ihre Einkäufe besser zu erreichen. Einen Gegenstand nach dem anderen schleuderte sie in ihre Tasche, die Kassiererin reichte ihr im Akkord neue Artikel zu. Das elektronische Fiepen des Scanners kommentierte ihren Takt. Nach dem letzten Gegenstand rückte die Kassiererin beiläufig ihren weißen Arbeitsumhang gerade: "Wir haben noch Shampoo im Angebot, zwei für eins.", sie klang fragend. Die Frau bemerkte dies nicht, sie griff routinemäßig in ihre Tasche, zog ihr Portemonnaie heraus. Die Kassiererin sah sie weiter an, erst in diesem Augenblick sahen sich beide Frauen zum ersten Mal in die Augen. Die Kassiererin griff an ihr Namensschild, das locker an ihrem Umhang hing. Frau Wedelin stand darauf. Erst die unruhigen Blicke aus der Schlange vor der Kasse vermittelten den beiden das Gefühl, die Stille zwischeneinander zu durchbrechen.

"Hm?", machte die Frau.

"Shampoo, im Angebot, zwei für eins."

"Ah so, nee, danke."

"Dann vierunddreißig fuffzehn."

Die Frau sammelte fünfzehn Cent zusammen, kramte dann nach Scheinen. Ungläubig sah sie intensiver in das Geldfach ihres Portemonnaies. "What the?", flüsterte sie zu sich selbst. Die Kassiererin hatte bereits die fünfzehn Cent entgegengenommen und die Kasse geöffnet, da sagte die Frau: "Wissen Sie was, wir machen das anders." Ohne auf eine Antwort zu warten, nahm Sie eine der Kreditkarten und hielt sie der Kassiererin hin. Auf der Karte stand in Maschinenschrift ihr voller Name.

"Sorry, nehmen wir nicht.", sagte die Kassiererin gelassen.

"Was, wieso?"

"Weil wir die nicht annehmen."

Die Frau rollte mit ihren Augen und sah verlegen in die Schlange der Wartenden. Ich registrierte zum ersten Mal die ganze Situation, bisher hatte ich alles als weißes Rauschen im Hintergrund aufgenommen, aber nichts davon rückte direkt in mein Bewusstsein vor. Doch ab diesem Moment war es anders, ab diesem Augenblick spielten beide Frauen mit meiner Zeit. Und die war knapp. Die Mittagspause hatte ich schon überzogen und in zehn Minuten musste ich ein wichtiges Gespräch führen. Es war nicht wichtiger als jedes andere Gespräch, es hätte auch nichts ausgemacht, wenn ich mich fünf Minuten später gemeldet hätte. Dennoch erschien es mir lästig, meine exakt geplanten Termine gestört zu sehen, nur weil zwei dahergelaufene Frauen es nicht schafften, eine solche Alltäglichkeit wie einen Bezahlvorgang zügig abzuwickeln. Hinter mir sahen das viele wohl genauso und die Frauen schienen das zu spüren.

"Geht wenigstens die hier?", fragte die Frau. Es klang aber weniger nach einer Frage, als nach einer Herablassung. Die Kassiererin schien das verstanden zu haben, statt auf die Frau einzugehen, nahm sie die Karte und steckte sie mit einer groben Handbewegung in den Kartenleser. Sie deutete mit der ganzen Handfläche auf das Gerät. Die Frau blickte zur Seite. Die weiteren Menschen in der Warteschlange waren dicht aufgerückt, also schob sie ihren Körper zwischen das Gerät und die Wartenden, obendrein deckte sie das Eingabefeld mit ihrer Hand ab. Die vier Ziffern hatte sie schnell eingetippt, doch das Gerät brauchte eine für alle gefühlte Ewigkeit, bis es ratternd Erfolg meldete. Die Frau atmete tief durch. Wortlos nahm sie Karte und Beleg entgegen.

Ich war erleichtert, denn endlich konnte es weitergehen. Lange genug musste ich schon warten. Ich hatte auch Besseres zu tun, als mich hier noch länger aufhalten zu lassen.

"Guten Tag.", hörte ich die Kassiererin.

"Ja, Tag.", antwortete ich, ich war nun endgültig genervt. Ich hatte nur zwei Dinge und musste nun schon viel länger hier in der Schlange stehen, mir gezwungenermaßen den Austausch der beiden Frauen anhören und meine Lebenszeit verglühen sehen. Das reichte mir. Automaten wären mir lieber gewesen, nicht dieser verantwortungslose Umgang mit meiner Zeit.

"Dreisechsundreißich."

Ich griff in meine Tasche nach dem Geld. Nur war es nicht da. Ich erschrak. Wo habe ich mein Geld gelassen?, dachte ich mir. Hinter mir hörte ich einen Seufzer. Hey, ich kann hier auch nicht nach Plan arbeiten, also halt mal die Füße still, sagte ich in Gedanken zu der Person, die hinter mir seufzte. Die Ungeduld wurde nicht kleiner, zumindest hörte ich deutlich das Tippeln mit den Füßen, während andere ebenfalls seufzten. Ich spürte die Blicke in meinem Rücken als ich meine Taschen durchsuchte. Mich kribbelte es nun im Nacken, wo ich mir die gebündelten Blicke der Wartenden ausmalte.

Und was guckt diese Kassiererin hier so genervt, die kann jetzt auch mal warten, ist ja nicht so, dass sie hier bisher mit Fleiß und Einsatzbereitschaft geglänzt hat. Als ich dann endlich mein Geld fand, fiel der Druck von mir ab, doch war ich mittlerweile auch wütend. Gibt echt keinen Grund, mir hier Stress zu machen., dachte ich mir, sagte aber nur: "Tschuldigung."

Ich nahm mein Wechselgeld und stopfte den Einkauf eilig in meine Taschen. Im Umdrehen sah ich einen jungen Mann kurz von seinem Smartphone aufschauen. "Wurde auch Zeit.", murmelte er und rückte dann an den Platz auf, den ich gerade noch belegt hatte.

Was soll’n das jetzt? Was will denn der Spinner von mir, hab das nicht mit Absicht gemacht. Oder was denkt der, das mir das Spaß macht?, in dem Moment war ich mir der Doppelmoral nicht mal bewusst, nicht mal im geringsten.

Der verfickte weiße Ritter

Vor dem Ausgang der Ringbahnhaltestelle stand ein stämmiger Kerl am Rande des Weges. Schon aus etwas Entfernung irritierten mich seine unvorhersehbaren Ausfallschritte, mal nach rechts, dann wieder nach links. Ich wollte meine Kopfhörer gerade aufsetzen, da hörte ich eine tiefe Männerstimme aus derselben Richtung: „Sie kommen nicht vorbei, ich rufe die Polizei! Was fällt Ihnen ein?“

Als ich ungefähr auf seiner Höhe war, konnte ich an seinen breiten Schultern und dem noch breiteren Bauch, der seine offene Jacke und das modische Hemd darunter spannte, vorbei sehen. Ich erschrak sofort. Hinter dem Mann, der im Vergleich wie ein Koloss wirkte, stand eine junge Frau. Sie war höchstens halb so alt wie der kräftige Mann im mittleren Alter. Er sprach auf sie herab, immer wieder von der Polizei. Sie sah verzweifelt aus, als ob sie schon minutenlang versuchte, dem Mann und seinen Drohungen auszuweichen. Nur ließ er sie nicht, er spiegelte jeden ihrer Ausfallschritte und verstellte ihr jeden Fluchtweg mit seinem ganzen Körper.

Sie suchte meinen Blick, ich sah ihre Angst. Instinktiv wollte ich mich raushalten, der Mann war zwei Köpfe größer als sie, immer noch einen größer als ich. Bevor ich einen Schritt an den beiden vorbei machen konnte, hörte ich mich fragen: „Was ist hier los?“

„Das geht Sie gar nichts an.“, grölte er zurück und beäugte sie dabei aufmerksam, um sie nicht entwischen zu lassen.

„Was hat sie Ihnen denn getan?“

„Da!“, seine Finger zeigten auf ein Papiertaschentuch auf dem Boden. „Das hebt sie gefälligst auf! Oder ich rufe die Polizei!“

Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet, seine Erklärung war so banal, ich musste lachen. „Das ist der Grund, warum Sie die Frau nicht gehen lassen?“

Die junge Frau bemerkte meine Fassungslosigkeit sofort. „Das ist alles.“, sagte sie. „Aber ich verpasse meinen Zug.“

„Dann heben Sie das auf. Sofort! Oder ich rufe die Polizei.“

Es reichte mir: „Lassen Sie es sein oder rufen Sie die Polizei. Das ist kein Grund, die Frau hier so anzugehen.“

„Finden Sie das auch noch richtig?“, er hatte alle Selbstgerechtigkeit in den Satz gepackt, so als könne er wirklich nicht fassen, dass ich nicht auf seiner Seite stand. Ich fasste ihn leicht am Arm, um ihn sanft davon abzuhalten, weiter im Weg zu stehen. Er parierte das mit noch lauterer Stimme: „Fassen Sie mich nicht an, ich rufe die Polizei.“

Allmählich schossen alle Botenstoffe über das Rückenmark, ein kalter Schauer durchfuhr mich. Ich ging jetzt ernsthaft von von einem handgreiflichen Ende der ganzen Auseinandersetzung aus. Wenn es denn so kommen würde, musste ich keine Rücksicht mehr kennen: „Rufen Sie die Polizei, die kommt allerhöchstens wegen Nötigung, Freiheitsberaubung oder ähnlichem. Durch Sie.“

Er lachte nur. Der Frau stieg die Verzweiflung nun auch in einem verzweifelten Lachen auf. Ich lachte auch, ungläubig. Die Frau und ich tauschten eilig Blicke aus, dann stellte ich mich mit meinem Rücken vor den Mann. Mit meiner Hand deutete ich ihr an, wo sie vorbei konnte. Dann stellte ich mich ihm in den Weg.

Ich spürte seinen runden Bauch auf meinem Rücken. In Gedanken stellte ich mich auf den hellen Blitz vor meinen Augen ein, wenn sein Schlag mich am Hinterkopf träfe. Fast konnte ich den imaginierten Griff seiner massiven Hände spüren, als ich mir seinen Griff nach meinen Nacken ausmalte. Überraschenderweise spürte ich schnell nur, dass er aufgab. Die junge Frau rief mir ein erleichtertes „Danke“ entgegen und huschte an uns vorbei in Richtung der Gleise.

Der Mann deckte mich mit lauten Sätzen ein, was ich mir denn einbildete, wie ich das nur unterstützen könnte, was für eine Schande das doch sei. Mir war es egal, denn er folgte mir, nicht aber ihr. Ich ging in die entgegengesetzte Richtung und hörte mir das alles an, bis es aus mir platzte: „Nehmen Sie doch einfach Ihre Selbstgerechtigkeit und heben sie sich für Leute auf, die das interessiert. Im Zweifel niemanden.“

Dann trennten sich unsere Wege, auch wenn ich ihn noch länger schimpfen hörte. Und jetzt sitze ich hier und bin wütend. Wütend, dass der selbsternannte weiße Ritter der Spießbürgerlichkeit natürlich nur den Mut hatte, eine viel jüngere, kleinere Frau aufzuhalten. Sobald aber auch nur ein Mann auf den Plan trat, kuschte er. Und ich ärgere mich, dass er und ich es wohl in ein paar Tagen vergessen haben, die junge Frau aber nicht. Sie wird es womöglich nie vergessen. Nur weil sie ein Taschentuch an den Wegrand warf. Nicht schön, aber kein Grund für diese Belästigung und Einschüchterung. Wahrscheinlich wird sie ihn nie vergessen. Ihn und all die anderen weißen Ritter in Rüstungen aus Selbstgerechtigkeit. Dieser eingebildete Edelmann auf dem hohen Ross der Heuchelei. Bei ihr traut er sich, bei mir nicht. Es wird nichts damit zu tun gehabt haben, dass sie kleiner war als er, schwächer und ihre Haut dunkler als meine oder seine. Dieser verfickte weiße Ritter.

Kleine Medienkritik zum Germanwings-Absturz: Fünf Ärzte sind nicht erstaunlich viel

Irritiert bin ich. Am liebsten hätte ich nichts zu dem verheerenden Absturz der Germanwings-Maschine geschrieben. Und wenn schon, dann etwas sehr langes. Aber eigentlich teile ich die Haltung, die Robert M. Sapolsky in der Los Angeles Times dazu eingenommen hat. Was mich jetzt nun doch einige kurze Sätze zu schreiben zwingt, ist ein weiteres kleines Detail in der Schnappatmung der Medienberichterstattung zu diesem Ereignis.

Aufmerksam wurde ich durch einige Absätze zu der vermeintlichen Schar an Ärzten, die der Kopilot besucht haben soll, bevor er nach jetzigem Stand der Ermittlungen die Maschine bewusst zum Absturz brachte. Letztlich ist der kleine Artikel im Independent erstaunt, von fünf Ärzten zu hören, die der Kopilot zuvor konsultiert haben soll. Der Independent beruft sich auf eine kurze Notiz auf SPON vom vergangenen Freitag. Im Zentrum bei SPON steht folgende Aussage:

"Für einen jungen Mann hat er eine erstaunliche Anzahl von Ärzten konsultiert", heißt es aus Kreisen der Ermittler.

Ich nehme an, dass die zitierten Ermittler genauso wie ich keine Expertise im Umgang mit der Behandlung von gravierenden psychischen Erkrankungen haben. Der SPON-Artikel hat das Erstaunen über die Zahl schön in einem Zitat begraben, dennoch wundere ich mich, wie die letztlich mit fünf bezifferte Zahl an Ärzten, unabhängig vom Alter der Betroffenen, als herausragend hoch angesehen werden sollte. Fünf Ärzte, darunter welche aus den Gebieten der Neurologie und Psychiatrie. Ich bin beileibe nicht vom Fach, aber übermäßig, erstaunlich oder furchteinflößend hoch kommt mir das nicht vor.

Nehmen wir eine hausärztliche Behandlung mit rein, dann eine psychiatrische Untersuchung und noch die Neurologie. Das sind schon drei. Fünf ist gar nicht mehr weit weg, aber spielen wir mal weiter. Es geht, alle sind sich einig, um eine äußerst schwere Erkrankung. Da verschiedene Ärzte aufzusuchen ist wohl nicht abwegig. Zumal selbst Laien wie mir klar ist, eine psychische Erkrankung ist weniger einfach zu diagnostizieren, geschweige denn zu behandeln als Magenschmerzen. Aber selbst für Magenschmerzen ist man von der Allgemeinmedizin schnell an die Gastroenterologie und Internisten verwiesen. Am Ende wissen wir nicht, wie es genau zu fünfen kam, aber abwegig erscheint es nicht, dass ein Mensch eventuell auch noch eine zweite neurologische Meinung wollte, eventuell die psychiatrische Behandlung wechselte, weil der Patient kein Vertrauen hatte oder auch weil der Kopilot gerade nicht in der räumlichen Nähe zu den üblichen Ansprechpartnern war.

Das ist mir eigentlich schon zu viel Spekulation um ein Ereignis, um das herum viel zu sehr spekuliert wird. Auffällig finde ich aber, wie nationale und internationale Medien mit teils ungebremster Vorstellungskraft zu den Vorgängen spekulieren. In der Berichterstattung aber womöglich banalster Ereignisse fehlt dann wiederum gerade diese Vorstellungskraft, um eine Information etwas nüchterner einzuordnen. Die fünf verschiedenen medizinischen Stellen wären nicht dramatisch, auch sieben nicht. Noch mehr tatsächlich wären auch keine beängstigende Zahl. Es geht um eine schwere Erkrankung. Die journalistische wie auch die menschliche Pflicht gebieten, mit Sorgfalt und Gelassenheit die verschiedenen Informationen zu sortieren. Dann sollten sie geklärt und erklärt werden. Aus der Zahl der Ärzte, die teils sensationalistisch beschrieben wird, ergibt sich nichts außer einem weiteren Beleg, dass der Kopilot anscheinend unter einer sehr schweren Krankheit litt. Einer Krankheit, die nach derzeitigem Stand hundertfünfzig Menschenleben kostete. Das ist eine Zahl, die tatsächlich bedauerlich ist. Sie sollte auch nüchtern machen.

Wiederauferstehung

Ich habe keinen Plan. Nicht im geringsten. Es war hier eingeschlafen, was eine beschönigende Umschreibung ist. Denn eigentlich wurde alles hier verschüttet. Aus einer Laune heraus habe ich erst das Geröll beseitigt, darunter lagen einige Trümmer. Ich wollte aufgeben, das hier noch zu retten, dann fiel es aber leichter als gedacht, die Trümmer zu beseitigen. Und darunter sah es besser aus als erwartet. Eigentlich war nicht wirklich viel zu Bruch gegangen. Hier und da ein paar Schrammen, ein bisschen Schwund ist halt immer.

Aber alles wieder aufbauen, das kam mir so schwer vor. Aber wieder einmal wurde ich überrascht. Schnell war das kackbraune Kleid entfernt und ein leichterer, zeitloserer Fummel übergeworfen. Der Spam vergeht nie, Werbung denkt immer an dich, doch wurde es etwas viel. Nachdem die Fassade wieder frisch war, flog der Spam gleich mit raus. Auf einmal roch es wieder frisch, alles sah eigentlich ziemlich gut erhalten aus, es fühlte sich auch noch richtig gut an.

Aber einen Plan habe ich nicht. Ich will auch keinen haben. Ganz ehrlich, brauche ich auch nicht. Fühlt sich gut an, richtig gut. Warum also nicht? Mal sehen, wohin das alles hier führt. Kein Zwang, nur Spaß. Ich bin nicht sehr firm in diesen Dingen, kommt die Wiederauferstehung nicht ein paar Tage zu früh? Egal, erst mal tanzen.