Tage, die ich feiern würde

Das Fest. Es kommt. Auch ich kann mich dem ganzen Zauber nicht entziehen, gleichwohl ich es selten genießen kann. Für manche mag es eine besinnliche, vielleicht auch eine der Einkehr sein. Mir selbst sind diese Tage alles andere als erholsam. Mir missfallen die impliziten Normen und Erwartungen. Es ist nur meine persönliche Wahrnehmung, andere können sicherlich auf bessere Erfahrungen zurückblicken. Was mich stört – das ist wenig originell, aber deshalb nicht gleich falsch – ist der erklärte Wille zur Eintracht und Harmonie. Genau das verleidet mir jeden Anflug von Freude in diesen Tagen.

Wie kann man erwarten, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, wenn man eigentlich keine Wahl hat: Man muss sich zusammenreißen und sich dem harmonischen Zwang ergeben. Wenn schon nicht für sich selbst, dann doch für andere. Harmoniehalber. Man sollte doch so freundlich sein, den anderen nicht den Spaß zu verderben.

Wie auch immer. An der Weihnachtszeit stört mich aber eigentlich nicht nur die dekretierte Harmonie, es gibt einen weiteren, viel trivialeren Grund. Es ist für mich keine Grund zum Feiern. Für mich wohlgemerkt. Warum? Es gibt eine lange, mäandernde Antwort und eine kurze stellvertretende. Ich bleibe bei der kurzen: (1) Mir mangelt es an Religiosität allgemein und der Christlichkeit besonders, (2) mir fehlt auch jede Vorstellung einer wie auch immer gearteten Spiritualität, (3) ich habe kein Bedürfnis an Traditionalität, sofern diese Traditionen bloßes Relikt vergangener Zeiten sind, und (4) ich kann nicht vollends nachvollziehen, warum ausgerechnet die – in diesem Fall in Deutschland – herrschenden Feiertagsregelungen so sind wie sie eben sind. Klar, historisch sind sie leicht zu erklären, darauf wollte ich nicht hinaus. Mein Problem ist, warum alle hier lebenden Menschen mal mehr, mal weniger genötigt werden, sich dem Willen mancher, der Tradition einiger und dem Glauben anderer zu beugen.

Bis hierhin ist alles Geschriebene bloß destruktiv. Ich will gar nicht nur negativ von Feiertagen und ihren Anlässen schreiben. So fiel mir auf, dass ich mir doch die Fragen stellen könnte, welche Anlässe, Ereignisse, Erfindungen oder Personen ich feiern würde. Das will ich dann ab Samstag bis Neujahr machen. Jeden Tag einen Tag zu meinem persönlichen Feiertag erklären, den ich, wenn ich schon etwas feiern muss, feiern würde.

Dafür braucht es aber einige Regeln, finde ich. Deshalb hier eine vorerst lose Darstellung der Regeln und Merkmale, die ich für nötig halte, um einen Grund zum Feiern festzustellen:

1. Naturerscheinungen. Generell sollte eine Vielzahl natürlicher Erscheinungen feiernswert sein. Stellvertretend hierfür könnte auch der Tag gefeiert werden, an dem Menschen sich dieser Erscheinungen bewusst wurden.

2. Menschliche Leistungen. Würdige Feiertage sollten sich meiner Meinung nach auf besondere menschliche Leistungen beziehen. So verbreitet dieser Begriff ist, so verwaschen ist seine Bedeutung. Ich kann keine Positivliste führen, was in meinen Augen eine Leistung genau darstellt, aber einige Merkmale anreißen kann ich:

  • Universalität. Die Leistung sollte eine sein, die potenziell allen Menschen zu gleichen Teilen von Vorteil ist oder sein kann.
  • Dauerhaftigkeit. Die Leistung sollte einen dauerhaften Eindruck in der Geschichte hinterlassen haben und auch noch heute und in der absehbaren Zukunft von Bedeutung sein.
  • Freiheit. Dieses Merkmal ist mit der Universalität eng verbunden, wie ich finde aber eigenständig genug, um erwähnt zu werden. Die Leistung sollte grundsätzlich jedem Menschen zu gleichen Teilen frei zugänglich sein.
  • Säkularität. Keine religiösen, partikularen Ereignisse oder Personen sollten gefeiert werden. Zwar wird für diese manchmal eine Universalität angenommen, aber das ist mehr Behauptung als Wirklichkeit. Religiöse oder spirituelle Ereignisse und Personen sollten nur dann gefeiert werden, wenn es einen säkularen Grund gibt, der nicht die Religion oder Spiritualität in den Vordergrund rückt.

3. Nach Möglichkeit sollten keine einzelnen Personen gefeiert werden.

  • Im Ausnahmefall: Keine Geburtstage. Wenn schon eine Person und ihre Leistungen gefeiert werden, dann nicht deren Geburtstag. Mir erscheint es wichtiger, ihren Todestag zu feiern, schließlich hatten sie zu diesem Zeitpunkt alle Leistungen vollbracht, derentwegen man sie überhaupt erst in Betracht ziehen sollte. Ihre Geburt ist nicht ihre Leistung; die ihrer Mutter selbstverständlich. Zwar ist auch der Tod keine Leistung, aber doch ist für mich dieser zeitliche Bezug sinnvoller.

4. Keine Unternehmen. Ebensowenig wie Personen, sollten auch keine Unternehmen gefeiert werden. Auch nicht Produkte, sofern diese nicht extreme Vorteile hatten und haben, die unter die oben genannten Kriterien fallen.

  • Im Ausnahmefall: Keine Nennung von Namen und Marken, soweit es sich vermeiden lässt.

5.  Keine Traditionen und Rituale. Die Feiertage sollten nicht zu klassischen Symbolen und Ritualen führen, die allein eine selbständige Tradition schaffen können. Es sollte keine klare Formulierung der Art und Weise geben, ob und wie gefeiert wird.

Damit wären alle mir wichtigen Kriterien genannt. Ab Samstag werde ich dann meine Vorschläge Tag für Tag vorstellen. Sicherlich kann ich nicht einmal alle meiner Kriterien dabei beherzigen, doch sollten sie nicht krass dem zuwiderlaufen, was ich hier festgehalten habe.

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