Chronik eines angekündigten Rants

Über die Feiertage muss etwas geschehen, sonst drehe ich durch. ‚Atlas Shrugged‘ liest sich wie ein Krampf; der objektivistische Wahn scheint Rand wohl auch darin zu rechtfertigen, krude und vorhersagbar zu schreiben. Selbst wenn man dazu übergeht, nur noch Absätze zu überfliegen, deckt sich die Wahrnehmung mit dem bereits dutzende Male angekündigten. Rand hat nicht nur wenig zu erzählen, sondern streckt diese kurzen Gedanken durch ausufernde Wiederholung.

Man kann eine simple Formel entwickeln, wie im ersten Teil die Dinge verlaufen: Alles, wirklich alles, was die Figuren, die das objektivistische Ideal verkörpern, wird eintreten. Nichts, aber auch gar nichts, von dem, was ihre Widersacher von sich geben, bewahrheitet sich. Darüber hinaus kann man grob überschlagen, dass ca. 35 Seiten nach einer unverhohlenen Ankündigung (Rand kann es nicht im Ernst als subtile Andeutung verstanden haben) folgt die Bewahrheitung. Und dann noch eine, und noch eine, wieder eine, es folgt eine weitere, oh, hier noch eine, dann noch eine, eine, eine, eine, eine, eine, eine, EINE. Es war schon beim ersten Mal nicht nur mit dem gesamten Vorgarten gewunken und über den Schädel gehauen.

Und wie gelingt Rand das Kunststück, die Wahrheit in diesem Buch zu schreiben? Weil sie es so will. Rand, der die Wahrheit nach eigenem Dafürhalten ja am Herzen liegt, schafft ein hermetisch geschlossenes Konstrukt, in dem sie die Deutungshoheit innehat. Sie macht von dieser Position reichlich Gebrauch. Hat sie es nicht gemerkt oder tatsächlich bewusst so angelegt? Ich wüsste nicht, was schlimmer wäre.

Ja, ja, ich weiß, ich bin noch nicht zu John Galt und seinem ach so genialen Plan vorgestoßen. Wer braucht den? Was kann da schon kommen? Noch mehr eitle Simplifizierung der Welt, bis sie sich mit dem Selbstbild der Autorin deckt, die dabei verkennt, dass es eben auch nur eine Fiktion ist, die sie geschaffen hat. Nichts wird dadurch belegt, nichts widerlegt. Dafür, dass eine Hymne auf die individuelle Leistung sein soll, ist es ein sehr mediokres Gebilde. Operettenhaft – und seifig. Auch die Genialität aller Macher bleibt wenig mehr als die Behauptung der Autorin, die nicht einmal im Ansatz zu erklären vermag, worin die Genialität bestand. Diese dürfen Leserinnen und Leser nicht erfahren. Sie müssen sich der Deskription beugen.

Nur eines kann Rand gut, sich zugleich gegen die vorausgeahnte Kritik wehren: In einer binären Welt sind eben all jene, die ihr widersprechen, auf der falschen Seite. Belegt wird dies durch Repetition, als wäre es vernünftig, nur laut und rücksichtslos auf einer Position zu beharren. Wiederholung ist kein Beleg; Beharrlichkeit nicht zwanfsläufig Wahrheit.

Wenn ich über die Feiertage nicht aus irgendeinem Grund bis zur Hälfte des Buches vorgedrungen bin, lege ich es weg. Rand hätte nicht ein so monströses Buch schreiben müssen, wenn ihre Botschaft doch auf einen Bierdeckel passt.

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