Wozu überhaupt Feiertage?

Es stellen sich nun, wo es mir schwer fällt, aus meiner Sicht gute Gründe für Feiertage zu finden, doch einige Fragen, die ich zuvor nicht wirklich in dem Maße gestellt hatte, die aber in meine Regeln für Feiertage einflossen oder deren Notwendigkeit überhaupt begründen können.

Wer feiert hier was?

Nur mal am Rande: Wer diese Frage schon für völligen Unsinn hält, sollte mal lieber gleich die folgendende Absätze überspringen. Das führt zu nichts. Es wird jetzt kleinteilig. Letztendlich geht es darum, was überhaupt ein Feiertag ist und wer solche Feiertage begeht.

Grundsätzlich gilt es meinens Erachtens drei Kategorien zu unterscheiden, in die man Feiertage unterteilen kann. Da wären erstens die individuellen Feiertage, dann zweitens die die Gruppen- und Gemeinschaftsfeiertage und drittens die universalen, allgemeinen Feiertage. Für mich ist erst einmal wichtig, dass ich mich auf die letzte Kategorie beziehe, wenn ich hier über Feiertage schreibe. Die individuellen Feiertage sind rein persönlicher Natur und dem Belieben der Menschen unterstellt. Einfach ausgedrückt heißt das, jeder und jede kann feiern, was auch immer sie will. Zwar gibt es eine soziale Norm – zumindest in westlich geprägten Ländern und Kulturen -, den eigenen Geburtstag zu feiern, doch heißt dies nicht, dass Menschen dazu gezwungen sind. Für mich sind in diesem Zusammenhang individuelle Feiertage deshalb bedeutungslos. Ebenso ist die zweite Kategorie für mich prinzipiell bedeutungslos, da auch sie partikulare Interessen und Motive für Feiertage spiegelt. Doch wird es hier schon komplexer, denn diese zweite Kategorie führt in der Regel schnell dazu, dass solche Partikularinteressen doch Teil der staatlichen, gesetzlichen Feiertagsregelungen sind. Damit wären wir beim dritten Punkt. Meine Regeln für Feiertage können nur aus dieser Kategorie stammen, was bedeutet, dass ich mich nur mit Feiertagen beschäftigen will, die mehr als nur eine partikulare Bedeutung haben. Hierfür habe ich meine Kriterien festgehalten, um abzugrenzen, welche Gründe und Motive dazu geeignet sind, um solche Feiertage festzuhalten. Das heißt nicht, dass ich nur allgemeine und universale Feiertage will, sondern lediglich, dass aus meiner Sicht nur solche Feiertage staatlich sanktioniert sein sollten, die einen bestimmten Kriterienkatalog erfüllen, um auch tatsächlich allgemein von Bedeutung zu sein.

Welche Gründe sprechen für allgemeine Feiertage?

Ich will gar nicht vorgeben, groß recherchiert zu haben – habe ich nicht. Doch während meiner Recherche sind mir keine guten Gründe unter die Augen gekommen. Man sollte meinen, es gäbe wissenschaftliche Literatur dazu. Aber anscheinend habe ich nicht die korrekten Suchbegriffe gebildet (sehr gut möglich) oder aber es gibt kaum Literatur dazu. Ich habe weder psychologische, medizinische, soziologische, politische oder sonstwie einschlägige Texte zur Begründung oder zum Nutzen von Feiertagen finden können.

Was ich natürlich gefunden habe, sind jede Menge nationale Gesetze zu Regelungen von Feiertagen. Ich beschränke mich auf Deutschland, wo Feiertage durch Übernahme von Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung in Art. 140 GG angesprochen werden:

Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

Das gibt nicht viel her, außerdem habe ich auch kein kommentiertes Grundgesetz zur Hand, also bleibt es vage bei einer „seelischen Erhebung“ als grundgesetzlich verankertem Grund für Feiertage. Gibt es sonst noch weitere Gesetzestexte, die weiterhelfen könnten? Prinzipiell ist da noch das Arbeitszeitgesetz. Aber dort wird in § 1 nur wiederholt, was das Grundgesetz schon von der Weimarer Republik übernommen hat. Die §§ 9 – 13 klären dann bloß Detailfragen zu Arbeitszeiten, nennen aber auch keine weiteren Gründe für die Sonderstellung von Sonn- und Feiertagen. Mir erscheint es, als würden Feiertage und ihr Nutzen in diesem Zusammenhang schlicht als gegeben angenommen zu werden.

Das heißt dann erst einmal, dass Feiertage nicht gerade gesichert sind, was ihre Begründung angeht. Aber rechtspositivistisch betrachtet bestehen sie halt.

Was hat es dann mit meinen Regeln auf sich?

Meine Regeln gehen auch nicht von der Annahme aus, dass Feiertage prinzipiell nützlich sind. Ich umgehe diesen Punkt durch den Rettungsanker der konjunktivistischen Formulierung: Wenn schon Feiertage, welche dann und mit welchen Gründen. Viele meiner Regeln sind negativ formuliert, um erstens einmal den Geltungsbereich auf universale Gründe und Anlässe einzuschränken. Partikulare Gründe bleiben bestehen, sollten aber meiner Meinung nach nicht staatlich berücksichtigt werden.

Schlicht und einfach sollten die Feiertage noch nicht einmal vor nationalen Grenzen Halt machen. Deshalb habe ich für mich die Bedingung der Universalität angenommen und auch die Sälularität, um partikulare Interessen aus dem Bereich der staatlich und gesetzlich festgeschriebenen Feiertage zu halten.

Bleiben noch Feiertage in Deutschland, die ich feiern würde?

Eigentlich nicht. Sieht man sich die Liste der gesetzlichen Feiertage in Deutschland an, dann wird es eng. Der große Teil ist religiös, also christlich begründet. Nach meiner Einschätzung sind solche Feiertage, wie gesagt, nicht erheblich, um als allgemeine Feiertage zu dienen. Damit fiele der große Haufen schnell weg. Mir leuchtet nicht ein, warum eine bedeutende religiöse Ansicht anderen nicht weniger bedeutenden vorgezogen werden sollte, wenn es um die Berücksichtigung ihres Zeremoniells und Brauchtums als Feiertag geht. Selbstverständlich sollten sie jeden religiösen Grund auch für Feiertage heranziehen dürfen. Jedoch sollten sie nicht erwarten können, dass der Staat ihnen hierfür Sonderrechte zugesteht, die anderen Gruppen nicht in gleichem Maße zustehen. Besonders heikel wird es dann, wenn man an Regelungen wie Stille Tage denkt, die nichts anderes sind, als illegitime Verallgemeinerungen (berechtigter oder zumindest zweifellos zulässiger) Partikularinteressen.

Es bleiben dann nur noch wenige nichtchristliche Feiertage. Da wäre zunächst der Neujahrstag, der sicherlich säkular, doch aus anderem Grund schlichtweg überflüssig ist. Mir will nicht gelingen, den Sinn darin zu erkennen, einen kalendarischen Wechsel zu feiern. Es gibt sicherlich viele Argumente dagegen, das einfachste kann in einer Frage ausgedrückt werden: Warum sollte ich etwas so arbiträres wie den kalendarischen Jahreswechsel feiern? Man kann es feiern, ganz klar. Aber sollte es auch gesetzlich verankert sein? Ich finde nicht.

Was ist mit dem Tag der Deutschen Einheit? Dies ist aus nationaler Sicht ein nachvollziehbarer Grund. Für mich zählt aber in diesem Kontext der Anlass des Nationalfeiertages im Bereich des Partikularen. Es sollte bessere Gründe geben, als solche, die nur innerhalb nationaler Grenzen gelten.

Bliebe der Tag der Arbeit. Eigentlich nicht schlecht. Grund und Anlass sind mit absoluter Sicherheit die internationalsten aller in Deutschland bestehenden gesetzlichen Feiertage. Aber Hand aufs Herz, das ist in seiner Entstehungsgeschichte und auch weiteren Entwicklung ein Feiertag, der Ausdruck eines partikularen (legitim oder illegitim sie dahingestellt) Interesses ist. Insofern ist es ein Wackelkandidat mit Tendenz zum Scheitern.

Und jetzt?

Zumindest nach meinem Kriterienkatalog ist und bleibt es eng, was alles als einem Feiertag würdig betrachtet werden könnte. Morgen werde ich dann wieder einige Alternativen vorstellen, die sich vor allem auf säkulare Traditionen berufen. Vielleicht bleiben da ja noch einige hängen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.