Straßenzeitungen: BISS

Das Entsetzen über den esoterischen und weltverschwörerischen Wahn in der Straßenzeitung, die ich mir letzte Woche kaufte, ist abgeebbt. Nun wollte ich nicht wahrhaben, dass alle Magazine und Straßenzeitungen derart wüsten Inhalt verbreiten. Glücklicherweise gibt es große Beispiele, wie man dies inhaltlich (erst einmal nur auf den Magazininhalt, nicht auf das soziale Engagement als Inhalt) anders gestalten kann. Das Münchner Straßenmagazin BISS ist ein ganz anderes Kaliber.

Das BISS Magazin wurde mehrfach ausgezeichnet. In Händen hielt ich noch kein Exemplar des BISS, doch ist aus den Artikeln und Informationen schon zu schließen, dass der Inhalt hier deutlich journalistischer aufbereitet wird. Der überwiegende Teil wird demnach von journalistischen Redakteuren bestritten. Dabei widmet sich das monatlich erscheinende Magazin unterschiedlichen Schwerpunkten. Von einer umfassenden inhaltlichen Beteiligung kann man hier nicht sprechen. Aber ganz auf die Positionen und Perspektiven der Obdachlosen will man nicht verzichten. Die eigens zu diesem Zweck eingerichtete Schreibwerkstatt des Magazins bietet Bedürftigen und Obdachlosen die Möglichkeit, eigene Gedanken zu Papier zu bringen. Immerhin werden so bis zu vier Seiten pro Monaten durch die Verkäufer geprägt. Aus Lesersicht scheint dies ein fruchtbares Konzept zu sein. Schließlich geht die Stimme von der Straße nicht komplett unter, wird anscheinend allerdings redaktionell betreut und lektoriert.

Aber das Projekt BISS ist mehr als die Zeitschrift. Wie bei jeder Straßenzeitschrift geht es eigentlich darum, den bedürftigen Verkäufern ein regelmäßiges Einkommen zu verschaffen. Dieser Zweck steht im Vordergrund und ist letztlich auch die Legitimation der Straßenzeitungen. Mir ist wichtig, dass ich hier festhalte, dass meine Kritik am StreetWorker nicht an dieser Aufgabe besteht, sondern sich nur auf den Zeitschrifteninhalt bezieht. Unterm Strich gefällt mir der Rahmen bei BISS aber deutlich besser, da auch das Produkt, das verkauft wird, mehr bietet. Mal sehen, ob ich an ein paar Ausgaben komme.

2 Gedanken zu „Straßenzeitungen: BISS

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