Zwischen Skylla und Hybris

Es ist gar nicht so lang her, da hat Kim Schmitz aka The-Man-With-The-AKAs sich noch sicher gefühlt und zu sagenhaft aufgeblasenen Aktionen die Fanfaren erklingen lassen, sobald er nur vor die virtuelle Haustür getreten ist. Das sieht jetzt, da sein Imperium gescheitert ist, selbstverständlich etwas anders aus. Die Folgen des Takedowns von Megaupload sind noch lange nicht absehbar. Das FBI hat in einem furiosen Schlag die Masse der Filehoster-Dienste in Bewegung gebracht. Megaupload reißt eine enorme Schneise, zieht dabei andere mit ins Ungewisse.

Unweigerlich musste der Tag kommen, an dem das breite Grinsen Schmitz‘ von seinem ohnehin schon breiten Gesicht schwinden musste. Mit einiger Sicherheit war Schmitz nicht so blind, dass er dies nicht kommen sah. Dass es so schnell und mächtig kam, damit hat der gute Mann nicht gerechnet. Vor einigen Monaten erst war er noch obenauf:

Die Auswirkungen sind noch nicht gänzlich abzusehen. Derzeit befinden sich einige Konkurrenten und kleinere Anbieter nämlich nicht mehr in Schockstarre, sondern in schierer Panik. Die namhaftesten – Fileserve und Uploaded.to erproben gerade mehrere Wege, um sich schadlos zu halten. Ersterer besteht darin, jede Möglichkeit zum Austausch von Daten zu unterbinden. Fileserve hat sich damit effektiv in Richtung reiner Backup-Anbieter verschoben. Das ist allemal sicherer als das bisherige Modell. Uploaded.to versucht sich die Ermittlungsbehörden durch ein Blocken des Zugriffs von den USA aus vom Leib zu halten. Ob das so erfolgreich sein wird, die Zeit wird es zeigen. Der dritte Weg, den kleinere Anbieter mit vermutlich noch nicht ausgereiftem Geschäftsmodell und geringen Einnahmen wählten, besteht ganz einfach darin, den Dienst zu schließen.

Alle Jahre kommt so Leben in die Bude der Dienste, die von der – gelinde gesagt – Auseinandersetzung mit bestehendem Urheberrecht und den Medienproduzenten stehen. Das war schon vor bald sechs Jahren nicht als Pirate Bay das große Ding der Szene war. Nach dem sich der Staub gelichtet hatte, rückten viele wieder von rigiden Schutzmechanismen ab oder hatten sich schlicht geographisch neu ausgerichtet.

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