Yahoo Pipes: Informationsautonomie

Es ist unfassbar, aber RSS scheint nicht mehr richtig abheben zu können. Warum, dafür habe ich eigentlich keine geeignete Erklärung. Der Nutzen ist doch eigentlich viel zu groß, wenn man nur bedenkt, wie einfach es ist, die Nachrichten unzähliger Seiten mittels eines Aggregators übersichtlich darstellen zu können. Da RSS schon wenig bekannt und durchgesetzt ist es auch kaum verwunderlich, dass eines der nützlichsten Tools zur weiteren Bearbeitung und Manipulation von RSS-Feeds in Deutschland anscheinend kaum bis gar nicht bekannt ist. Als Beweis für die Anklage bitte ich das hohe Gericht Beweisstück A zur Kenntnis zu nehmen. Das hohe Gericht versuche fürderhin bitte, einen deutschsprachigen Artikel zu finden. Die Anklage schließt ihre Beweisführung ab. RSS gibt es praktisch seit 1999, Yahoo Pipes immerhin schon seit 2007. Da sollte doch immerhin mehr Bekanntheit für RSS und Yahoo Pipes hervorgebracht haben1. Finde ich. Also hier mein Beitrag dazu.

Auf den ersten Blick erscheint Yahoo Pipes sicherlich etwas verwirrend für alle, die noch nie hinter die Kulissen der Netztechniken geblickt haben. Aber so schlimm ist es gar nicht, wenn man ein wenig Zeit zu opfern bereit ist. Es ist keine Hilfe, dass Yahoo Pipes mit dem Slogan für sich wirbt: „Like Unix pipes, simple commands can be combined together to create output that meets your needs.“ Damit macht man es den Einsteigern nicht leicht. Unix? Pipes? Lassen wir das mal beiseite, es ist zutreffend, sehr zutreffend. Aber nicht sehr einladend.

Ich versuche es mal anders. Schon immer mal eine Seite gehabt, auf der regelmäßig interessante Nachrichten waren? Doch waren dort nicht nur interessante, sondern auch uninteressante. Mit Yahoo Pipes ist es beispielsweise vergleichsweise einfach, diese Seite maschinell auszulesen. Selbst wenn sie nicht einmal einen RSS-Feed anbietet. Danach kann man dann diesen Feed nach einem Suchbegriff filtern und nur die Treffer ausgeben lassen. Natürlich in einen weiteren Feed. Und nur diesen liest man. Kein Schrott, kein Ballast, kein Stress. Also: Yahoo Pipes ist ein großer Filter für Informationen.

Ich kann in Zukunft vielleicht mal einige Tutorials machen, wie man das konkret machen kann. Heute will ich nur auf den allgemeinen Nutzen kommen. Yahoo Pipes ist, wenn man ein wenig Phantasie hat, einer der einfachsten Wege, zu programmieren. Ohne programmieren können zu müssen. Das Großartige daran ist, dass viele der gedanklichen Hürden, die man beim Coden nehmen muss, hier visualisiert wurden. Man muss sich hier nicht groß um Syntax kümmern, nicht wirklich auf Datentypen achten und nicht umständlich auf Fehlersuche gehen. Alle diese Probleme werden dadurch gelöst, dass man lediglich nach dem Baukasten-Prinzip verschiedene Module zusammenfügt. Jedes Modul hat eigene Fähigkeiten, wie sie Informationen verarbeiten können. Will man aus einer Seite also ein Datum auslesen und in einem bestimmten Format wiedergeben, wählt man beispielsweise das Modul DateBuilder wählt aus. Fertig. Das ist aber noch nicht alles, dieses Ergebnis des Moduls kann dann einfach mit einem anderen Modul verbunden werden. Die Ausgabe des ersten Moduls wird zum Input des zweiten. Und so weiter. Man kann frei wählen, wie viel Manipulation und Veränderung man vornehmen will. Deshalb Pipes, jedes Modul kann mit einer einfachen Röhre auf ein anderes gezogen werden, womit zwischen beiden ein Informationsfluss besteht. Am Ende kommen hochgradig individuell angepasste Informationen heraus. Das spart Zeit – wenn man den Dreh erst raushat.

Für mich ist Yahoo Pipes eine erstklassige Sandbox für alle, die ein wenig mehr Produzent als Rezipient werden wollen. Okay, Yahoo Pipes macht noch keinen Produzenten aus einem, aber einen wesentlich selbstständigeren Rezipienten. Es ist im Grunde eine grafische Entwicklungsumgebung für Internetnutzer. Die Möglichkeiten sind zwar im Vergleich zu Skript- und Programmiersprachen etwas begrenzt, aber das macht es einsteigerfreundlicher. Und man lernt Grundlagen des Informationszeitalters. Man ist auch nicht alleine dabei, sich an Yahoo Pipes zu probieren: Im Forum kann man sich mit Kennern austauschen, die Dokumentation ist gut und übersichtlich und man kann notfalls den einfachsten Einstieg wählen. Schaut euch mal einfach die Vielzahl der Pipes an, die andere schon entworfen haben. Diese können in der Regel schon genutzt werden. Und wenn mal eine bisherige Pipe nicht das macht, was ihr braucht, vielleicht fällt euch auf, dass man nur zwei, drei Handgriffe anwenden muss, schon passt es genau auf euer Bedürfnis. Und damit ist der nächste Schritt – die Fanfaren bitte – in die Informationsautonomie geschafft.

1Ich will es nicht unnötig kompliziert machen, deshalb beschränke ich mich darauf, nur von RSS zu sprechen. Yahoo Pipes kann wesentlich mehr Datenformate verarbeiten. Aber das wäre den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht.

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