Da meine Unbedarftheit mich dazu führte, möglicherweise einigen wenig vorbildlichen Straßenzeitungen aufgesessen zu sein, ist mir wichtig, mal die Spreu vom Weizen zu trennen. Schon nach kurzer Zeit, zu meiner großen Überraschung, stieß ich auf eine große Hilfe. Der Street News Service erscheint mir eine zuverlässige Quelle für anspruchsvolle journalistische Artikel der Mitgliedszeitungen aus aller Welt zu sein. Für Deutschland kommt dabei schon eine übersichtliche Liste zusammen, denen ich in Zukunft mehr Vertrauen schenken werde. Die mir bekannten strassen|feger und BISS sind dabei, was mich nicht überrascht. Aber was ist der Street News Service und warum ist es eine sinnvolle Einrichtung?
SNS ist, ganz einfach ausgedrückt, die Nachrichtenagentur für Straßenzeitungen. Initiiert wurde SNS vom International Network of Street Papers (INSP). Im INSP sind über hundert Straßenzeitungen vereint, die aus allen Ecken der Welt kommen. Der Grundgedanke hinter SNS ist dabei einfach und nutzt das, was das Internet am besten kann. Seriöse Straßenzeitungen haben einen hohen Anspruch an ihre Inhalte, jedoch mit knappen Mitteln zu kämpfen. Warum also aus der Not nicht eine Tugend machen? Es wäre sicherlich Verschwendung, gut recherchierte Artikel von allgemeinem Interesse nur auf regionaler oder nationaler Ebene zu verbreiten. An dieser Stelle setzt SNS an, denn es ermöglicht allen Mitgliedszeitungen, auf Artikel anderer Straßenzeitungen, die von diesen zur Verfügung gestellt wurden, zuzugreifen. Damit können qualitativ hochwertige Texte und Reportagen bei geringen Kosten und Aufwänden übernommen werden. Mir fällt beim besten Willen nicht ein, welche Nachteile SNS haben sollte.
Ein weiterer Effekt ist der durch SNS ermöglichte Blick über den eigenen Tellerrand. Mit den dort archivierten Artikeln steht ein enormer Fundus an guten Storys und Artikeln zur Verfügung. Allein ein kurzer Rundgang durch das Archiv offenbart die Bandbreite der Artikel. Die Sprachbarriere wird durch Übersetzungsarbeiten überwunden, sodass tatsächlich ein reger Austausch erfolgen sollte.
Nun aber zum zweiten Teil der Frage, der mit dem ersten eng verbunden ist. Mein Vertrauen beruht darauf, dass die Qualität der Artikel bei SNS für sich spricht. Es sind schlicht gut geschriebene Texte. Das ist der inhaltliche Grund für mein Vertrauen, da ich davon ausgehe, dass sich die Verantwortlichen bei SNS bewusst sind, dass ein Funktionieren des Dienstes von der Zuverlässigkeit ihrer Mitglieder abhängt.
Außerdem ist auch die Finanzierung des Projekts plausibel, was bei mir zu einem ergänzenden Vertrauensgrund führt. Die EU-Förderung und auch eigene Verwertungsinitiativen, die Kosten decken sollen, erscheinen mir dazu beizutragen, die Qualität der verbreiteten Texte zu gewährleisten. Die Partnerschaft mit Reuters und Inter Press Service trägt auch ihren Teil zur Professionalisierung im SNS bei.
Freiwilligkeit oder ehrenamtliche Arbeit werden zwar stets eine wichtige Voraussetzung sein, um solche Projekte überhaupt finanziell stemmen zu können. Ich sehe das aber nicht als Nachteil des SNS, da dort ein herausragend professionelles Projekt etabliert wurde. Also werde ich mich bei meiner weiteren Suche nach guten Straßenzeitungen zunächst auf die beim SNS oder INSP vertretenen konzentrieren.