Rollen spielen in Skyrim (2)

Setzen wir der Theorie ein Ende und kommen zum Kern des Rolle-spielens in Skyrim. Es wird bunter, abwechsungsreicher, lebendiger. Mit Videos und allem, was dazugehört. Ich habe von einer Welt erfahren, die sich so ganz anders darstellt als die Welt, in der ich bisher herummarschierte. Rein ins Getümmel.

Schöner leben mit eigener Identität

Es ist ja nicht so, als ob ich mir große Mühe machen muss, um mich inspirieren zu lassen. Auf youtube mal nachschauen, das wäre doch drin gewesen. Auf die Archetypen, die ich gestern erwähnt hatte, hätte ich selbst kommen können. Die verschiedenen detaillierteren Figuren und Charakteren, die ernstzunehmende Rollspielerinnen und Rollenspieler vorstellen, sind aber auch alles andere als abwegig. Ist so schwer, der eigenen Figur Grenzen zu setzen? Für mich ja, für andere nicht so sehr.

Hier haben wir schon ein ganz schönes Beispiel. Der Waffenschmied. Skyrim gibt das locker her. Das Schmieden ist eine der grundlegenden Fertigkeiten, die nicht zu unterschätzende Vorteile bietet. Ebenso lassen sich auch Schmiedeschürzen finden, die einer solchen Figur auch äußerlich Authentizität verleihen können. Auf dieser Grundlage ist es dann nicht mehr wirklich schwer, eine Rolle zu entwickeln, die sich nicht weit von der Spielwelt entfernt und doch unermesslich mehr Tiefe haben kann.

Hand auf’s Herz, Skyrim ist ein wenig Schleicher-lastig, das wurde schon von 1up kritisiert. Bogenschützen, die sich in Schatten und Dunkelheit bewegen, sind deutlich bevorteilt. Als ökonomischer Grinder hatte ich den Dreh schnell raus, die Figur in diese Richtung zu entwickeln. Schnell mal ein paar Fertigkeitspunkte ins Bogenschießen und Schleichen investiert, schon lässt sich jede Menge kritischer Schaden verdreifachen. Alle, die so spielen wie ich, kennen die Geräuschfolge: Trocken knarzend dehnt sich die Sehne des Bogens, die Figur atmet flach ein, pfeifend verabschiedet sich der Pfeil, trifft das Ziel. Das Spiel würdigt den kritischen Schleichtreffer mit einem dumpfen, extradiegetischen Glockenschlag.

Die Spielmechanik zieht einen in die Richtung. Es ist also nicht sehr einfallsreich, eine Figur zu spielen, die in den Schatten wandelt. Und doch kann man sie mit mehr Leben füllen. Das folgende Beispiel des recht unglücklich konnotierten Stalkers belegt das.

Und auch das Stereotyp des Heroen kann locker mehr Tiefe vertragen, wie im folgenden Beispiel zu sehen ist. Ich habe nicht einmal eine Geschichte für meine Figur.

Halt, doch! Mein Nord ist ein aufstrebender Übernord, der alles und jeden schlagen kann, sich keiner Gewalt unterordnet und nur nach eigener Macht strebt. Sei es durch Kampf, Magie oder Betrug. Ich spiele einen seelenlosen Tyrannen. Großartig.

Und, wie hast du’s mit der Rolle?

Kommen wir nun zu den elaborierten Rollen. Oben hatten wir nur Rollen, die in dieser Spielwelt noch funktionieren können. Sie haben Kontur, die Logik der imaginierten Welt und der Funktionsweise von Skyrim haben große Schnittmengen. Jede dieser Rollen ist im eigentlichen Sinne fordernd, doch spielbar. Es bedarf einiger Phantasie, sie lebendig zu gestalten. Sie messen sich aber nicht auf elementarer Ebene an den Grenzen Skyrims.

Dieses Rolle-spielen kann aber auch auf die Spitze getrieben werden. Solche Rolle beruhen auf hypothetischen Annahmen und Voraussetzungen, die gerade die spielmechanischen Grenzen ausloten wollen. Wie sieht das aus? Beispielsweise so:

Es hört sich wie ein Witz an, wird im Video auch durchaus augenzwinkernd gespielt. Aber es ist ein Herausforderung, auf die Verwendung von tierischen Utensilien zu verzichten. Dann spielt doch einfach als Magier!, könnte eingeworfen werden. Doch es ist, das Video zeigt das, nicht so einfach. Rüstungen fallen weg, denn alle Rüstungen benötigen Leder. Doch die Alchemie als Alternative wird auch erheblich eingeschränkt. Gefühlt fällt auch die Hälfte aller Ingredenzien für das alchemistische Brauen von Tränken weg – Tigerauge, Falterflügel und Bärenklaue sind alle nicht vegan. Damit wird Skyrim zu einer gewaltigeren Aufgabe, als es durch das Ändern des Schwierigkeitsgrades wäre. Die selbstauferlegten Grenzen der eigenen Rolle im Spiel verlaufen oft quer, aber mindestens parallel zum Schwierigkeitsregler. Spielt doch einfach mal vegan auf höchster Schwierigkeit.

Bei aller Skurrilität, die obige Rolle hat noch einen Makel. Das Spiel – zumindest der Hauptstrang – ist mit großer Mühe doch noch zu bewältigen. Die vorgefertigte Dramaturgie kann als nachgespielt werden. Was aber, wenn eine Rolle die definierten Pfade unbegehbar macht?

Es ist anscheinend nicht einmal eine grundlegend neue Übung, ein solches Spiel mit konsequenter Friedfertigkeit anzugehen. Doch führt es die Prämisse Skyrims ad absurdum. Was auch immer die individuelle Erwartung der Spielerinnen und Spieler ist, der implizite Imperativ des Spiels lautet: Kämpfe, töte.

Der Pazifismus macht eine große Zahl der Quests hinfällig, denn alle Quest-Stränge werden irgendwann auf das obligatorische Töten zurückkommen. Unser friedfertiger Magier aus dem Video kann also die eigentlich vorgesehenen Aufgaben nicht bewältigen – nicht ohne mit der eigenen Rolle zu brechen.

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