Da war ich anfangs doch irritiert. Erstens wegen des 10-jährigen Jubiläums von Grand Theft Auto III im Oktober 2011, der zweite Grund war, dass anlässlich dieses Jubiläums eine Version von für das iOS erschien.
Der zweite Grund war bei näherem Hinsehen doch nicht so erstaunlich. Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Die Systemvoraussetzungen des ursprünglichen Spiels sind nicht sonderlich hoch, sodass ein heutiges Smartphone wie das iPhone (ab iPhone 4 wird das Spiel unterstützt) nicht vor große Herausforderungen gestellt wird.
GTA III hatte ich, das war die Ursache der ersten Verwunderung, erst weit nach Veröffentlichung gespielt. Wenn ich mich recht entsinne, war Vice City sogar mein Einstieg in die dreidimensionalen Ableger der Reihe. Erst im Anschluss machte ich mich an den Urvater der neueren GTA-Reihe.
Nun ist Claude also auch auf dem Smartphone wieder auf den Straßen Liberty Citys unterwegs. Für mich waren dabei zwei Fragen von Bedeutung. Ist die Umsetzung des Ports gelungen? Hat das Spiel über die Jahre an Charme eingebüßt?
GTA III war zu seiner Zeit ein hochtrabendes Vorhaben. Es gehörte schon einiges an Chuzpe dazu, die wahnwitzige Action des kleinen Top-Down-Actionrennspiels, das die ersten beiden Teile waren, sofern man den umfangreichen Exkurs nach London als Add-on des zweiten Teils wertet, auf neue Beine zu stellen. Der Dimensionsprung brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich, die den comichaft-überzeichneten Renner durch dreidimensionale Realitätsnähe hätten aus der Spur werfen können. Rockstar waren damals noch nicht der Titan unter den Spieleherstellern, der sie heute sind. Doch entschieden sie sich weise für die konsequente Fortführung einer durch und durch grotesk verdrehten Welt, in der es ausschließlich Verbrecher gibt. Nur in allen denkbaren Schattierungen. Es war ein bahnbrechend zynisches Spiel. GTA wurde ein Open-World-Spiel, verlor aber die Identität der ersten beiden Auflagen nicht.
Technisch war es schon damals nicht das beste Spiel. Besonders die Grafik hatte enorm matschige Texturen, wo man von anderen Zeitgenossen schon ganz anderes gesehen hatte. Doch boten diese wiederum nicht die grundsätzlich frei begehbare Welt, Abstriche bei der Darstellung waren also womöglich unumgänglich. Und auch heute ist das bei der iOS-Version das eigentliche Manko. Die Grafik ist nicht sonderlich ansehnlich. Das folgende Bild zeigt eindeutig, was von dem Spiel optisch zu erwarten ist.
Diese Schwäche kann aber auch als Zeichen der Stärke des iOS-Ports gesehen werden, denn – soweit ich es überblicken konnte – es ist weitestgehend ein 1:1-Port des Originals. Alle Schwäche, aber besonders die Stärken sind umgesetzt. Es ist alles dabei, was das Original ausmachte. Die Radiosender sind alle da, die Automodelle, Kameraperspektiven inklusive der Top-Down-Ansicht, anscheinend auch alle Missionen – und überhaupt die Stadt an sich. Lediglich bei der Steuerung mussten notwendigerweise Änderungen und Anpassungen an die Touch-Umgebung vorgenommen werden.
An dieser Steuerung, die bislang überaus gut reagierte, selbst liegt es nicht, dass es manches Mal frustrierend wird, Claude oder eines der Fahrzeuge durch die Welt zu steuern. Die Fahrphysik war schon im Original, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig, einige Aufgaben konnten zur Plage werden, wenn der Wagen mal wieder ohne ersichtlichen Grund einen 360 machte oder in einem Gefecht die Kamera entschloss, einen eigenwilligen Winkel einzunehmen.
Aber all die Schwächen sind nicht eigentliche Probleme des Ports für das Smartphone, sie sind Folge der Maxime der Umsetzung. Das Original sollte möglichst ohne Veränderungen übernommen werden*. Für Nostalgiker wie mich ist das eindeutig die beste Entscheidung gewesen, denn ich kann mich an alles erinnern. Ich lernte dieses Spiel trotz seiner Schwächen zu lieben, so dass ich diese Schönheitsfehler vermisst hätte, wenn für das iOS ein Remake mit neuen Texturen, Kürzungen und Ergänzungen erschienen wäre.
Daher halte ich die Umsetzung für gelungen, auch wenn technisch doch noch einige Abstürze auftreten, die durchaus ärgerlich sein können. Und da es eine nahezu deckungsgleiche Kopie des ruppigen Originals war, kann ich vor allem die zweite Frage bejahen. Schon vor zehn Jahren war es wichtiger, dass diese Stadt und ihre (kriminellen) Bewohner ein eigenes Leben hatten, zwar eines aus allen erdenklichen Gangsterfilmen, aber überhaupt eines. Rockstar hatte liebevoll ein atmosphärisch dichtes Gangster-Epos geschaffen. Auf dem kleinen Display bleibt diese Atmosphäre noch immer spürbar und erhält die Spannung und den Spaß.
*Update: Die Licht- und Wettereffekte sind stark reduziert, waren aber auch eher vernachlässigbar.
