The Muppets (2011)

Als hätten sich im Jahr 2011 die Darsteller von How I Met Your Mother verschworen, die Kinoleinwände in den Wiederauferstehungen alter Franchises zu erobern. Den Anfang machte Neil Patrick Harris in Die Schlümpfe, Jason Segel folgte ihm in The Muppets, in dem Harris auch zu einem Cameo eingeladen wurde.  Während ich Die Schlümpfe ausließ, war ich auf The Muppets doch neugierig, da Segel und Nicholas Stoller – die schon für Forgetting Sarah Marshall verantwortlich zeichneten – das Drehbuch verfassten.

Segel ist auf den großen Klotz mit weichem Herzen abonniert und füllt diese Rolle stets leidenschaftlich aus. Im Disney-Film The Muppets geht die Rechnung allerdings nicht auf. Zu süß ist der Kandismantel, doch das wäre gerade noch zu ertragen, wenn das Innere nicht leer wäre.

In jedem Moment strahlt der Film eine Ungewissheit darüber aus, wohin er mit den in die Jahre gekommenen Stoffpuppen will und nimmt die einfachste Position ein. Der Glanz der alten Zeiten ist verblasst, die Muppets sind in alle Windrichtungen verstreut, nachdem ihre Show eingestellt wurde. Lediglich in einem idyllischen Städtchen namens Smalltown, das anscheinend technisch wie gesellschaftlich in einer Zeitblase ein 1960er-Idyll erhalten konnte, haben die Muppets noch treue Fans. Gary (Segel) und Walter, dessen Bruder aus Stoff. Als Gary seine Freundin (Amy Adams) zum Jahrestag nach Los Angeles einlädt, nimmt er aber auch Walter mit, um die alten Muppets-Studios zu besuchen. Dort angekommen, trifft Walters bunte Imagination auf die heruntergekommene Wirklichkeit der abgewirtschafteten Studios. Dennoch müssen sie die alte Truppe wieder zusammentrommeln, da der windige Ölbaron Tex Richman (Chris Cooper), die Studios wegen der darunter befindlichen Ölvorkommen abreißen will.

So harmlos dieser Plot, so traurig, dass es auch schon alles ist, was in diesem Film geschieht. Die Spielzeit des Films ergibt sich dann nur noch aus der langatmigen Suche nach den Muppets und der notwendigen Wiedervereinigung zu einer letzten Show, die das Geld aufbringen soll, um die Studios vor dem Verkauf an Richman zu retten. Dabei hat der Film Schwierigkeiten eine einheitliche Stimme zu finden. Lose hängen Versatzstücke im Vakuum des Plots herum. Seelenlose Musikstücke, plumpe Albernheit, all das blieb von den Muppets übrig.

Wie ratlos das Sujet angegangen wurde, zeigt die Zuschauerausrichtung. Sicherlich ist es kein Leichtes, einen Film auf Kinder und deren Erwachsene Eltern zuzuschneiden, die sich vielleicht noch nostalgisch an die Muppets erinnern können. Dass dies aber nicht fatal ausgehen muss, zeigen die Filme von Pixar. Pixar findet in anrührenden Geschichten zu zwei Ebenen. Die eine ist für Kinder unterhaltsam und spannend, die andere – für Kinder kaum wahrnehmbar – eine teils wehmütige Reflexion gesellschaftlicher Themen. Bei Die Muppets geht der Schuss nach hinten los, denn die Metaebene des Films besteht darin, diese direkt anzusprechen. Fozzie darf erstaunt sein, dass eine Explosion im Budget des Films möglich war, Chris Cooper darf laut die Worte maniacal laugh aussprechen anstatt böse zu lachen.  Man reist by map, es ist ja schneller, und ist dann irgendwann selbst die kleinteilige Familienzusammenführung satt. Folglich wird der Entschluss gefasst, die übrigen Mitglieder in einer Montage aufzulesen. Und immer weiter mit dem Vorschlaghammer durch die fourth wall.

Währenddessen vollzieht sich eine Trennung auf der Leinwand: Vorne die Muppets, dahinter die Menschen, die lediglich noch durch Grimassen das Geschehen emotiv begleiten dürfen. Das ist eine dreiste Verschwendung der Talente von Segel und besonders Adams. Auch der surreal anmutende Aufhänger in Smalltown findet sich nirgends, nachdem die Protagonisten das Städtchen verlassen haben. Eine Spiegelung mit der Wirklichkeit in Los Angeles findet nicht statt.

Es ist ein unfertiges, eindimensionales Stück Film, aus dem mehr hätte gemacht werden müssen. Die Muppets hatten in ihren besten Zeiten etwas Anarchisches, das auch heute noch von Interesse sein könnte. Nostalgische Patina reicht allein nicht aus, um diesen Film zu retten und die Muppets zu altem Glanz zu bringen. Was kommt als nächstes? Josh Radnor in Care Bears?

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