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Serielles Lesen: torrent

12 Mrz

Nischen mögen als halbdunkle, abseitige Flecken verrufen sein, doch wer sich in sie traut, macht einige Entdeckungen. Das Format der anspruchsvollen Fernsehserie ist eine solche Nische. Sicherlich fanden einige von ihnen in Deutschland Erwähnung und Beachtung, aber nicht alle und schon gar nicht systematisch. Mit torrent wagt nun ein Magazin für serielles Erzählen einige Schritte in die Gassen, die von der massenmedialen Hauptstraße abzweigen.

Soweit ich es anhand der Erstausgabe überschauen kann, wächst da ein Magazin heran, das thematisch genau auf meiner Wellenlänge liegt. Von der nostalgischen Besprechung älterer Serien (Homicide, Space 2063), die in Deutschland kaum wahrgenommen wurden, bis hin zu gegenwärtigen, in Deutschland noch nicht laufenden Projekten (Homeland) liest das erste Heft auf seinem Weg einige Perlen auf. Prinzipiell bietet sich mit der Schwerpunktsetzung auf anspruchsvolle, narrativ ausgefeilte Serien mehr Raum für Hintergründe zur Produktion dieser Serien. Andernorts ist wenig Platz für Porträts wie das von Aaron Sorkin oder Interviews mit Paul Abbott oder Todd Haynes. Endlich findet sich mit torrent ein Magazin, das den Autoren und Machern – es sind nahezu ausschließlich Männer, die solche Formate vorantreiben; das ist indes ein anderes, aber wichtiges Thema – Platz zum Atmen lässt.

Die Zukunft wird zeigen, in welche Richtung sich torrent  entwickeln wird. Gerade für meinen Geschmack istebendieser fast etwas zu gut getroffen: Im Rampenlicht stehen vorwiegend englischsprachige Serien, was angesichts der Dominanz und Qualität dieser Produktionsländer verständlich ist. Damit es mir aber nicht zu sehr der anglophile Sud bleibt, in dem die besprochenen Serien schmoren, wäre ein Blick in andere Länder einen Versuch wert.

Damit hängt auch eine weitere Hoffnung von mir zusammen: Die Artikel könnten sowohl in die Materie als auch in die einzelnen Serien noch tiefer eintauchen. Mir ist es hier und da doch noch zu sehr darauf ausgerichtet, die Leserschaft abzuholen, wo sie vermeintlich ist. Da torrent wohl eine begrenzte Zielgruppe hat, der aufgrund des Interesses für das Sujet allein schon ein Vorwissen unterstellt werden kann, muss aus meiner Sicht nicht so viel Exposition sein. Ein kleiner Kasten zu Produzenten, Autoren und Darstellern reicht. Das nimmt mir noch zu viel Raum in den Artikeln ein, der mit Analysen und Interpretationen besser genutzt wäre.

Einziger Schwachpunkt ist der eingebaute zeitliche Verzug. Dafür kann torrent selbst recht wenig, schließlich ernährt sich die deutsche Fernsehlandschaft, an der sich das Magazin orientieren muss, bei Serien von Format und Niveau parasitär von ausländischen Produktionen, die erst mit Verzögerung hier an den Start gehen. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Serien mitunter schon fast wieder verbraucht.

Das sind aber nur einige Details, an denen ich mich stoße. Für ein endgültiges Urteil ist es nach der Pionierausgabe viel zu früh. Was aber bleibt ist ein guter Eindruck. Ich kann es mir nicht verkneifen, torrent auf meiner internen Skala, die von Hannah Montana bis The Wire reicht, vorerst bei einem ordentlichen Boston Legal einzuordnen.

 
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von aesthetikargonaut in TV-Serien

 

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