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They Live (1988)

02 Apr

Die Top 5 der letzten Woche bei Filmspotting zu Film-Dystopien weckte die verschüttete Erinnerung an John Carpenters They Live. Vor Jahrzehnten dürfte ich mal eine Nachtausstrahlung auf irgendeinem der Privaten gesehen haben, da in mir noch eine Begeisterung für diese Brillen, die eine Scheinwelt aufheben, steckte. Mehr war nicht mehr da, dem musste Abhilfe geschaffen werden.

They Live spielt in einer, das ist der besondere Dreh, nicht sonderlich von unserer unterscheidbaren Welt – lebten wir noch in den 1980ern soll das heißen. In ihr zieht der Tagelöhner Nada umher, auf der Suche nach ehrlicher, harter Arbeit. Statt mit dem Schicksal zu hadern lässt Nada keine Gelegenheit aus, sich durch ehrliche Leistung selbst aus dem Loch zu ziehen. So spielt er nach den Regeln einer meritokratisch geordneten Gesellschaft, die dem amerikanischen Traum folgt, bis er eines Tages lernt, dass die Karten gezinkt sind. Es brauchte nur eine Sonnenbrille, schon sieht er die hässliche Fratze des Konsumismus.

Die Bildersprache ist also nicht sonderlich subtil, weder das Genre des Horrors noch das der Science Fiction verlangen eine wohl dosierte Differenzierung. So erfüllt Carpenter hier alle notwendigen Voraussetzungen der Genres, dass er in strahlendem Weiß die pauperisierten Heroen strahlen und die Aliens beziehungsweise die ihnen verfallenen menschlichen Snobs in tiefstes Schwarz tüncht. Für das, was Carpenter vorhat, reicht das simplifizierte Schema zwischen in Armut gefallener Masse und mittels unterschwelliger Botschaften herrschender Upperclass. Denn entgegen der anfänglich sozialkritischen Note verflacht der Fim rapide.

Anstelle einer Darstellung der Zusammenhänge oder eines ordentlich geschriebenen zweiten Aktes wird allerlei Gewalt geboten. Einfältig schließt Nada nach der Enttarnung der Aliens darauf, blindlings alles niedermähen zu können, was ihm vor den Gewehrlauf kommt. Der bis dahin so repressive, technisch überlegene Überwachungsstaat der außerirdischen Oligarchen kennt kein adäquates Mittel gegen den Blei spuckenden Streuner. Und ist es nicht so ärgerlich, ist der Film auf naive Weise unfreiwillig komisch. Beispielsweise werden fünf Minuten mit einem der seltsamsten Ringkämpfe der Filmgeschichte verschwendet. Geschlagene, getretene, geboxte, gesuplexte Minuten, in denen nichts weiter geschieht als die Lächerlichkeit vorzuführen, die sich Wrestling nennt. Schließlich wird Nada von Roddy Piper verkörpert, dessen Klientel für ihr Geld auch etwas geboten werden sollte. Irgendwie muss die Zeit ja verstreichen, bis die 80 Minuten rum sind und das groteske Finale samt einfältiger Twists einsetzen darf.

Im Grunde hätte They Live mehr Zeug zum Klassiker gehabt, wenn nach dem anständig aufgemachten ersten Akt eine konkludente Geschichte erzählt worden wäre. Denn bei allem Spott über den Verlauf, den der Film nimmt, ist die Prämisse überzeugend und spannend aufgezogen. Mit simplen Mitteln suggeriert Carpenter den Eindruck einer Gesellschaft, die nichts mehr fürchtet als Armut, denn in ihr liegt ein anarchisches Potenzial zur Freiheit: Wer so arm ist, nicht von einer Gesellschaft profitieren zu können, kann nur mit Hilfe brachialer Gewalt in Schach gehalten werden. Diesen Aspekt lässt Carpenter allerdings schnell in der Gosse liegen, was den Film eher fadenscheinig als subversiv macht.

 
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von aesthetikargonaut in Film

 

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