Den zweiten Teil des Plattformers spielte ich vor Jahren auf der Wii. Obwohl es dort nur über den Store vertrieben wurde, führte es die Fähigkeiten der Wiimote besser vor als viele Vollpreistitel. Ende letzten Jahres erschien eine Fassung für iOS, was naheliegend genug erschien, schließlich scheint es auch für Touch-Steuerung prädestiniert.
Dann verlor ich es aus den Augen, bis es nun im App-Store herabgesetzt wurde. Und es ist noch immer ein berauschendes Spiel, dessen Stärken die Gestensteuerung und die herausragende Atmosphäre sind. Die Steuerung ist anfangs zwar gewöhnungsbedürftig und, wie schon bei der Wii-Variante, lässt sie gelegentlich die hundertprozentige Präzision vermissen, bleibt aber ein origineller, souverän umgesetzter Ansatz. Toku, der kleine Held, wird dabei nicht herkömmlich auf Tastendruck bewegt. Die Horizontale wird durch Druck in die jeweils gewünschte Richtung bestimmt (alternativ kann aber auch ein D-Pad genutzt werden;, in die Luft erhebt sich Toku jedoch nur durch ein Wischen auf dem Screen. Dies simuliert einen Windhauch, der Toku an höher gelegene Orte weht.
Diese Windgesten sind nicht lieblos verbaute Gimmicks, sie tragen auch einen Teil der Story. So werden die Windgesten im Laufe des Spiels vielfältiger und stärker. Da die Gesten mehr Zeit beanspruchen, ist Lost Winds im Tempo entspannter.
Die genreuntypische, beinahe meditative Ruhe des Spiels nutzt das Entwicklerstudio Frontier* geschickt für sich aus. Lost Winds lässt sich in aller Ruhe genießen. Zwischen Gegnerkämpfen und verschiedenen Puzzle- und Geschicklichkeitselementen wird eine gelungene Balance gehalten. Hervorragende Grafik und ganz besonders die asiatisch angehauchte Musik mit ihren eleganten Flötenmelodien tragen viel zum ästhetischen Erfolg des Spiels bei. Form schlägt aber nicht Funktion, die Melodien beispielsweise, die vom sanft säuselnden Wind nicht übertönt werden, sind subtile Pfeiler der Handlung.
Allein enttäuschend ist die nur wenige Stunden umfassende Spielzeit, die auch wegen des nicht allzu hohen Schwierigkeitsgrades gefühlt noch schneller vergehen. Dennoch ziehe ich knappe, hochgradig anspruchsvolle Spielunterhaltung jedem mediokren Umfangsgiganten vor.
*Kleiner Exkurs in die Spielegeschichte: Hinter Frontier steckt David Braben. Brabens Namen ist eng mit dem Klassiker der Weltraumhandelssims, Elite, verbunden. Der Name wird jüngeren Gamern kaum in Erinnerung geblieben sein, wenn sie ihn überhaupt gehört haben. Doch ist der Mann zu den Ikonen der früheren Phase kommerzieller Spiele zu zählen. Letztens machte er als einer der Initiatoren des Miniatur-Computers Raspberry Pi auf sich aufmerksam.
Barbara
10. April 2012 at 12:09
Da stimme ich dir voll zu. Hoffentlich gibt es bald einen zweiten Teil! Übrigens hast du ein schönes mobiles Theme.
aesthetikargonaut
10. April 2012 at 22:16
Die müssten ja eigentlich den bestehenden zweiten Teil “nur” porten. Die Engine dahinter ist meines Wissens dieselbe, einige der Windgesten waren komplexer, was aber auch nicht unlösbar wäre. Ich vermute stark, der zweite Tei wird kommen – ausreichende Umsätze des ersten vorausgesetzt. Aber den zweiten Teil hast Du doch schon durch, oder?