Swordigo (2012, iOS)

Als Legend of Zelda II: The Adventure of Link Ende der 1980er erschien, hatte ich noch keine Konsole. Hatte ich diese dann, erschien mir das veränderte Spielprinzip abstoßend. Mein kindliches Ich wollte säuberlich getrennte Spieleikonen. Mario macht sich in Plattformern breit, Zelda in Top-Down. Zelda II wollte aber beides sein – und so bleibt es bis heute eine klaffende Lücke in meiner Sammlung. Swordigo der zwei finnischen Indie-Entwickler von Touch Foo wird oft als geistiger Nachfahre des von mir geschmähten Zelda II bezeichnet. Und wenn es danach geht, müsste ich mir doch den alten Klassiker einmal vornehmen.

Swordigo macht mehr als bloß entfernte Anleihen bei der bewährten Action-RPG-Rezeptur Zeldas, es kopiert die wesentlichen Elemente. Angefangen beim Szenario, das einen jungen Lehrling durch widrige Landschaften schickt, um seinen verschollenen Meister aufzuspüren, weht der Wind stramm aus Richtung Hyrule. Die Kopie geht so weit, dass Tracht, die der Jüngling da trägt, ebenfalls grün ist – nur wippt keine Zipfelmütze auf seinem Kopf, sondern ein blauer Zopf. Und siehe da, auch beim simplen und doch motivierenden Levelingsystem, wird jeder sich sofort in der Welt Swordigos  zurechtfinden, der schon mit Link unterwegs war. Dabei werden drei Attribute mit jedem Levelaufstieg gesteigert: Gesundheit, Kampf und Magie. Das war’s. Ebenso spartanisch ist die Zahl der Power-Ups – hat da jemand was von Bomben gesagt?* -, die wie bei der Vorlage geschickt über die Landschaft verteilt sind. Es ist eine Freude, nach ihnen zu suchen. Und wo Zelda mal nicht den Rohschnitt lieferte, da flüstert eine Stimme: Metroidvania. 

Doch Kopieren ist keine Schande. Wie kopiert wurde, das ist die entscheidende Frage. Dabei haben Touch Foo alles, aber auch alles richtig angestellt. Die Steuerung ist flüssig, sie ist niemals bei der Bewältigung der zunehmend fordernden Geschicklichkeitsparcours und Rätsel im Wege. Und wo wir schon dabei sind, die Rätsel und Prüfungen packen, sind aber nie unfair oder frustrierend. Sie steigern sich von Mal zu Mal, fügen den vorangegangenen immer noch eine Wendung oder Pointe hinzu. Das bei Genrekennern verrufene Backtracking darf auch nicht fehlen, denn wo sollte es hinführen, gäbe es keine Orte, die erst viel später im Spielverlauf erreichbar wären? Eben, es wäre kein Zelda-Klon. Ergo ist auch hier die Welt stets neu zu erkunden, um einst unzugängliche Passagen freizuspielen. Immerhin gibt es viele Teleporter, die den Frust minimieren. Der Forscherdrang wird also kaum gebremst, damit ist dann eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein anständiges Action-RPG voll erfüllt.

Als Wermutstropfen bleibt nur die doch arg klobige Grafik, die ein wenig mehr Schliff verdient hätte. Aber schmälert sie nicht die Freude am Springen, Dreschen und Rätseln à la Zelda. Dies wird auf iOS aufgrund der Nintendo-Politik wohl nie im Original zu erleben sein. Swordigo springt ein, die Nische zu füllen – und wie.

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