Skoobe

Flatrate für E-Books. Was für Hörbücher, Filme und Serien oder auch Musik geht, sollte doch auch für Geschriebenes gehen. Für iOS hat Skoobe dieses Konzept in eine App gegossen, sodass es möglich ist für knapp zehn Euro im Monat digitale Fassungen auszuleihen. Gleich vorweg, für mich gibt es bei der Sache aber von Beginn an einige satte Brocken zu schlucken, die mich davon abhalten, die App zu nutzen.

Wie tauglich auch immer die App als E-Book-Reader ist, bleibt für mich aus einigen Gründen derzeit unerheblich. Es können bis zu fünf Bücher gleichzeitig ausgeliehen und auf bis zu drei mobile Geräte synchronisiert werden. Dabei wurde auch daran gedacht, dass nicht immer und überall eine Online-Verbindung besteht. Die Bücher sollen aber dreißig Tage lang offline verfügbar sein, was in den allermeisten Fällen ausreichend Zeit gibt, sich um die Verfügbarkeit der Lektüre keine Sorge machen zu müssen.

Das Startangebot ist allerdings auf die ersten zehntausend Nutzerinnen und Nutzer beschränkt, wobei mich nachdenklich stimmt, ab 01.03.2013 lediglich zwei Bücher monatlich ausleihen zu können. Aber Schwamm drüber, das würde mich nicht davon abhalten, mir die Sache mal anzuschauen. Skoobe verspricht doch monatliche Kündbarkeit, das Risiko wäre also deutlich begrenzt.

Was hält mich dann im Moment von Skoobe ab? Die Auswahl. Es ist so einfach. Für andere mag das Urteil anders ausfallen, mir jedoch ist selbst nach etwas mehr als zwei Stunden, die ich durch die digitalen Bücherregale stöberte, noch immer nicht klar, wofür ich mich unter den tausenden von E-Books entscheiden sollte. Die Masse ist da, für meine Begriffe hinkt die Klasse allerdings deutlich hinterher.

Nahm ich es beispielsweise  mit den über 1500 Sachbüchern* auf, fiel die Ausbeute in der Kategorie Philosophie mager aus. Gerade mal vierzig Titel verzeichnet die App heute. Darunter der notorische Richard David Precht, einige Biographien und doch eher obskure Titel. Nichts gegen den guten Jürgen Domian, doch in dieser Rubrik könnte ich nur mit seinem Interview mit dem Tod leben, wenn es eines unter hunderten, gar tausenden wäre.

Da dort nichts für mich zu holen war, weiter bei Medizin, Wissenschaft & Technik. Die etwas krude Bezeichnung bringt aber immerhin 153 Bücher zusammen. Meine Nackenhaare erhielten keine Pause, denn das letzte Mal, als ich nachsah, waren Medizin und Technik ordentlicher, aber lange nicht hinreichender Bestandteil der Wissenschaft. Da bietet sich ein populärwissenschaftliches Kuriositätenkabinett.  War Hitler krank?, Zeitreisen oder das Lexikon des Unwissens sind so Titel, die das populär in populärwissenschaftlich betonen und den verbliebenen Teil nur noch flüsternd hinterherschieben.

Dann eben nicht. Etwas mulmig wurde mir, als ich unter Ratgeber meist nur auf jede Menge Krudes, Halbgares und auch einfach nur Zweifelhaftes fand. Lebenshilfe & Psychologie war da auch schon ein Sammelbecken überwiegend gutgemeinter Helferlein, deren Wahrheitsgehalt mitunter bezweifelt werden muss. Und unter Esoterik, die bedauerlicherweise als unvermeidlich angesehen werden muss, wird es für vernunftgeleitete Leseratten doch recht kühl. Auf meinem kahlen Schädel wollten sich nunmehr auch die schon längst ausgefallenen Haarwurzeln aus Protest strecken.

Nur um es an dieser Stelle nicht ausarten zu lassen, sei gesagt, auch in der Belletristik ging es vorwiegend nach Popularität und Massenappeal. Es war wie einer der bei mir nicht sehr beliebten Streifzüge durch die Kettenbuchhandlungen, in denen alles zu haben, aber kaum etwas zu finden ist. Doch, das ist alles in Ordnung, denn mit einigem Recht richten sich kommerzielle Anbieter am Massengeschmack aus. So auch Skoobe, denen kein Vorwurf gemacht werden kann, meinen Geschmack nicht getroffen zu haben. Anscheinend bin ich mit meinen Lesegewohnheiten nicht so stark im Mainstream verwurzelt, dass mich das derzeitige Angebot dort ansprechen könnte. Natürlich war auch für mich etwas dabei, allerdings nur nach anstrengender Suche und dann auch mehr nach dem Motto Könnte man mal lesen.

Alles in allem ist Skoobe ein interessantes Angebot, das sicherlich seine Abnehmer finden wird. Für diese wird Skoobe überaus attraktiv sein, denn die App sieht sehr gut aus und scheint sinnvoll strukturiert. Das Startangebot ist allemal einen Versuch wert, sofern man vorher sondiert hat, ob Skoobes Sortiment ausreichend hergibt, um sich zu rechnen. Es ist nichts Falsches dran, nur für mich dürfte es wohl noch eine Weile dauern, bis entweder Skoobe den Bestand deutlich ausgebaut hat oder ein anderer Anbieter sich auf den Markt wagt.

*Alle Angaben sind auf heutigem Stand (02.05.2012).

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