Sparrow (iOS): Mails optimiert, Preis reduziert

E-Mails sind der Greis der Internet-Kommunikation. Sie waren schon da als vom WWW lange nicht gesprochen wurde, werden sich wohl noch lange halten. Schön sind sie nicht, deshalb sind Oberflächen in der Regel dem antiken Anschein der Mails angepasst. Unter iOS spendierte Apple ihnen selbstverständlich ein eigenes Interface, so richtig zufrieden ist damit aber kaum jemand. Es ist so nützlich wie die Mails selbst, mehr auch nicht. Sparrow schafft Abhilfe beim Interface und entweicht der mittlerweile nicht mehr zeitgemäßen Optik von Apples Mail-App.

Mit Sparrow lässt sich in Schönheit leben – und mit durchdachter Bedienung auf lange Sicht besser arbeiten. Grundlegend geht es nicht darum, alles auf den Kopf zu stellen. Das Problem mit der im Betriebssystem mitgeliefert App ist ihre schlechte Handhabung. Das läßt sich leicht im Selbstversuch feststellen, wenn im Verlaufe eines Tages einmal mehr Mails eintreffen, verschiedene Diskussionen geführt und das alles dann ordentlich verwaltet werden soll. Apples Mail behandelt jede Mail in der Regel als eigenständiges Objekt, das mit vielen umständlichen Aktionen bearbeitet und abgelegt werden muss. Beispielsweise bildet Apple zwar eine Kommunikation ab, bei der zusammengehörenden Mails in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet werden müssen. Die folgenden Mails müssen aber einzeln per Knopfdruck angesteuert werden. Bei Sparrow kann einfach über die eine Mail hinweg gewischt werden, um ihre Antwort zu lesen.

Mail kennt zwar auch Wischgesten, doch sind diese vergleichsweise spartanisch. So lassen sich mit einer solchen Geste zwar in allen Ordnern einzelne Mails löschen, das ist die gute alte Schule der Benutzeroberflächen unter iOS. Sparrow hat aber aus den Veränderungen der Vergangenheit gelernt, so sticht Geste die Klicks aus, wo immer es möglich ist. Navigation durch Ordnerstrukturen? Hier muss hierarchisch mit unzähligen Berührungen gesucht werden, dort ist dies zwar auch noch vorhanden, doch kann die Struktur durch simples Herbeiziehen der Panels vereinfacht werden. Und die Wischgeste, die in Mail nur löscht? In Sparrow können die Mails markiert, gelöscht, archiviert oder mit Tags versehen werden.

Sparrow schlägt Apple in so vielen Punkten damit auf dessen eigenen Feld. Es ist durchdachter und stimmiger designt. Dabei übersteigt es in vielerlei Hinsicht auch die Funktionen des Apple-eigenen Konkurrenten. Für alle angemeldeten Mailkonten gibt es eine universale Inbox, was wiederum Zeit spart. Dennoch wird es nicht unübersichtlich, denn es können mehrere Absender-Profile und Aliases angelegt werden, die auch eigene Signaturen haben können. Mit Mails lässt sich das oftmals zwar auch noch machen, doch mehr als Workaround zu bestehenden Funktionen, die dies eigentlich nicht vorsehen. Natürlich lassen sich verschiedene Signaturen seit iOS 5.0 als Textbausteine systemweit hinterlegen, bei Sparrow muss aber nicht immer an solche Kürzel gedacht werden. Und die Textbausteine lassen sich ja immer noch, aber nun für sinnvolleres verwenden.

Einen Haken hat die Sache aber noch. Sparrow unterstützt derzeit keine Push-Notifikationen. Damit wäre die App allerhöchstens eine nützliche Ergänzung, aber kein Killer der systemeigenen Mail-Anwendung. Der Entwickler begründet dies damit, sich bislang voll auf die Apps konzentrieren zu wollen und bislang nicht über die Kenntnisse zu verfügen, um den für Push notwendigen Server sicher betreiben zu können. Eine Rolle spielt wohl auch, dass es mit einigen Kosten verbunden wäre, die ein Gigant wie Apple eher im Vorbeigehen stemmt, ein kleines Startup aber doch wirtschaftlich fordern könnte. Wie auch immer, Push wird langfristig nicht ausgeschlossen – und es lässt sich nun wiederum mit einem Workaround über Boxcar herstellen. Das ist alles andere als die Bequemlichkeit, die Sparrow sonst an allen Ecken verströmt. Einen Versuch ist Sparrow dennoch wert, zumal die App noch bis einschließlich morgen zum Sparpreis erhältlich ist.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.