Gaslight Anthem – Handwritten

Mehrere Wochen habe ich Handwritten gegeben. Ich kann nicht sagen, mich gezwungen zu haben, dem Album noch eine weitere Chance zu geben, wenn es nach einem weiteren Durchhören nicht haften blieb. Gerne schmiss ich es wieder an. Wippte mit den Fingern, nickte mit dem Kopf, glücklich wurde ich damit nicht. So begehe ich jetzt die Todsünde.

Die Todsünde ist, einen nicht-offiziellen Song von der Deluxe-Ausgabe herauszupicken, an dem ich mein Problem mit dem Album festmache. Auch noch ein Cover. Sliver ist ein stupides, hingerotztes Brett aus der Frühphase Nirvanas. Bei Gaslight Anthem wird daraus ein domestiziertes Liedchen, das beiläufig konsumiert werden kann. Bei Cobain lag immerhin noch dessen Verzweiflung in der Stimme, Fallon ebnet es im Cover ein.

Für mich ist das repräsentativ für das gesamte Album, das sich nach lustlos heruntergespulter Nostalgie anhört. Dann wollen Gaslight Anthem eben Heartland Rock, kein Problem damit. Aber warum schimmert in den besten Momenten dann der ebenfalls gecoverte Tom Petty durch, warum grüßt Springsteen aus der Ferne? Und warum sollte ich nicht deren beste Alben einfach wieder auflegen, stattdessen Handwritten hören? Das Album gibt darauf keine Antworten. Womöglich soll es auch nur ein Echo des guten alten, handgemachten Rocks sein, der die amerikanische Seele atmet. Immerhin ist es nicht schlechter als die Vorbilder, nur auch nicht besser.

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