Tiger Woods PGA Tour 12

Golf ist so ungefähr die seltsamste Sportart, die ich vorstellen kann. Nichts, aber auch gar nichts fällt mir dazu ein. Das letzte simulierte Golfsspiel, das ich gespielt habe, fällt in die Zeit, in der ich alles gespielt habe, was mir zwischen die Finger kam. Das müsste Links und damit Anfang der 1990er gewesen sein. Mehr als zwanzig Jahre später hat sich dann wieder mal ein Ableger des mittlerweile größten Golf-Franchises, das dem alten Recken den Rang abgelaufen hat, bei mir eingefunden.

Viel hat sich in der Zwischenzeit an den Voraussetzungen der Umsetzung des Sports nicht getan. Es muss noch immer ein Schläger geschwungen werden, wobei Faktoren wie Untergrund und Windbedingungen berücksichtigt werden. Über die Jahre haben sich aber deutlich die Mechanismen der Umsetzung verfeinert. Da mir der Vergleich über die Jahre fehlt, kann ich nicht sagen, wie viel Innovation in diesem speziellen Titel liegt. Für sich genommen funktioniert besonders das Schlagen in PGA Tour 12 geschmeidig. Über ein simples Interface wird auf Touchdisplays gestrichen, die Stärke richtet sich nach der Weite des Streichens, wobei auch überzogen werden kann. Dem Ball kann dabei auch schon eine Drehung mitgegeben werden, was noch verfeinert wird, indem nach dem Schlag der Realismus ein wenig verlassen wird. Ist der Ball in der Luft, geht es darum, den Drall zu bestimmen, mit dem er nach dem Aufprallen noch Wendungen macht oder weiter ausrollt. Es entsteht das Gefühl umfassender Kontrolle über den Schlag, die dennoch immer geschickt dosiert werden muss.

Tiger Woods PGA Tour 12 bringt eine ordentliche Auswahl verschiedener Kurse mit, bei denen einige hanebüchene Schwierigkeiten darstellen. Alles wird noch abgerundete von einem fair tarierten Skillsystem und zusätzlichen Herausforderungen. Insgesamt hat dieses Spiel mir als Golfsimulation als erstes Golfspiel genau die richtige Mischung zwischen Spielhalle und Simulation geboten, die mich auch langfristig motivieren kann. Nie hätte ich erwartet, Golf könnte genug Spannung und Herausforderung bieten, um daraus ein Spiel zu machen, das mir kurzweilige Unterhaltung bietet.

Nebenbei, Links ist in seinen verschiedenen Formen eine ganz schön langlebige Serie gewesen, die anscheinend zumindest über Jahre ordentlich eine Nische fernab des Gamer-Mainstreams füllte. Und sie hat schon 1990 die Plage eingeführt, die erst später für die breite Masse erst zur Plage und dann als unvermeidliche Last akzeptiert wurde: Zusätzlicher Inhalt. Ich war überrascht, wie früh die Entwickler von Links schon das Geschäftsmodell erkannten, den vermutlich deutlich besser situierten Golfern mit neuen Kursen Geld aus der Tasche zu ziehen. An einen Aufschrei kann ich mich nicht erinnern, dafür bediente Links schon einen andern Markt. Es wurde ja auch von Microsoft übernommen, die ohnehin mit ihrem Spielesortiment in einem anderen Teich fischten. Kinderkram war da ja nicht.

Titel: Tiger Woods PGA Tour 12
Hersteller: EA Swiss Sarl
Jahr: 2011
Genre: Sport
Plattform: iOS
Version: 1.17.87

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