Squids & Squids Wild West: Detailverliebte Meisterstücke

Squids, das schon 2011 für iOS (aber auch andere Plattformen und Systeme) erschienen ist, hat mir eindeutig die Lust und Laune zurückgegeben, die ich seit einigen Wochen an Spielen auf mobilen Geräten verloren habe. Zu ausgelutscht waren die immer wieder nur halbgar aufgewärmten Rumpel-Plattformer, die Endlos-Renner-Fahrer-Springer und die üblen Managerspiel-Geldpressen. Dabei ist das Konzept der französischen (?) Entwickler The Game Bakers in Squids und dem 2012er Sequel Squids Wild West so neu auch nicht, dann aber doch so elegant umgesetzt, dass es die reinste Freude ist.

Beide sind rundenbasierte Physik-Strategiespiele, angesiedelt in einer von düsterem Modder befallenen Unterwasserwelt. Dieser sollen wir mit einem bunt gemischtem Trupp kampfbereiter Tintenfische wieder neues Leben einhauchen. Aber dank der hervorragenden Umsetzung ist das ein wahres Vergnügen, denn beide Spiele gehören glasklar zu den iOS-Strategiereferenztiteln.

In gewisser Weise gibt es eine Seelenverwandtschaft zwischen den Squids und den enorm innovativen Pikmin von Nintendo. Nicht im Detail, doch aber in der Herangehensweise an die Grenzen des Genres, denn hier wie da galt es, die komplexen Mechanismen der Strategiespiele an die eingeschränkten Eingabeschemata der Konsolen bzw. mobilen Geräte anzupassen. Das aber möglichst ohne den Verlust an spielerischer Tiefe, die letztlich bei Strategiespielen gleichbedeutend mit der Qualität ist. Beide Spielreihen haben dies mit ausgeklügeltem Gamedesign gemeistert; die Pikmin waren revolutionärer, die Tintenfische machen aber ebenso Spaß.

Zum grundlegenden Spielmechanismus, der in Squids reibungslos umgesetzt ist, gesellt sich eine facettenreiche Levelgestaltung. Mit reichlich Finesse haben The Game Bakers damit ein strategisch ausgefeiltes Spiel für Mobilgeräte geschaffen, das zur Abwechslung mal nicht der x-te Aufguss der Tower Defense ist, mit denen der App Store sonst so geflutet wird. Die Tintenfische werden nach einem simplen Verfahren über die Spielfläche geschoben, dies, indem eine Figur berührt wird, der Finger auf ihr belassen und dann „Schwung geholt“ wird. Losgelassen, schleudern es die Tintenfische in die gewünschte Richtung, vorausgesetzt, es wurde gut genug gezielt. Es hat etwas von Billard. Getroffene Gegner erleiden Schaden, doch noch besser ist es, sie gleich von der Spielfläche zu werfen. Aber wehe, ein Gegner wurde verfehlt, dann deoht selbst enormer Schafen. Zusätzliche Raffinesse fließt durch ein leichtes Rollenspielelement und etliche Powerups ein. Die Tintenfische haben verschiedene Klassen und Fertigkeiten, das Steigern dieser Werte hat oft gravierende Auswirkungen. Ebenso ist das Leveldesign vielschichtig, es fordert verschiedene Strategien ab, sodass für Abwechslung gesorgt ist. Strömungen, Seeigel und andere Hindernisse haben fatale Folgen.

Der Schwierigkeitsgrad fordert in Squids leider noch zu selten, im Nachfolger zeigt sich das ganz anders. Die gewöhnlichen Level sind im Storymodus der Fortsetzung schon gerne mal harte Brocken, ein zusätzlicher Pro-Modus schraubt die Herausforderung in unerwartete Höhen. Selbst geradezu schwächlich-kleine Gegner sind da imstande, einen unserer Squids mit einem Treffer aus dem Spiel zu nehmen. Dies zu überstehen ist beileibe kein Kinderspiel mehr, es geht spätestens in diesem Modus gewaltig zur Sache.

Zusammen mit einer gelungenen Präsentation, stimmungsvoller Musik und einer über die einzelnen Spiele und einige begleitende Comicstrips hinweg erzählte Geschichte, die überraschend komplex ist, baut sich eine hervorragende Serie auf. In allen Belangen wächst die Begeisterung mit jedem Level, denn sowohl Squids als auch die Wildwest-Fortsetzung sind ins Detail ausgefeilte Strategiespiele, die der Konkurrenz weit voraus sind. Jedes Pixel, das ist eine absolute Seltenheit, wirkt handverlesen. Squids ist blendend, Squids Wild West hält das höchste Niveau und fügt sinnvolle Facetten hinzu. Hier waren Meisterbäcker am Werk.

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