Can’t Stop: Würfelglück im Fokus (Playdek-Serie Teil 1)

Zum Auftakt meiner Serie der Playdek-Spiele auf iOS ist die Umsetzung des Spiels des Jahres aus dem Jahr 1981 an der Reihe. Can’t Stop gewann den heute prestigeträchtigen Preis unter dem Namen Focus, blickt aber auf eine noch viel längere Geschichte zurück, die mit der Entwicklung durch Sid Sackson 1963 begann. Can’t Stop ist ein vergleichsweise simples Taktikspiel mit Würfeln, das also einen ordentlich Schuss Zufall enthält.

Im Grunde ist es heutiger Sicht beinahe schon trivial, wenn bis zu vier Spielerinnen und Spieler auf einer Matrix um die Wette würfeln, dabei müssen sie mit den Würfeln drei ihrer Figuren pro Runde so weit wie möglich vorwärts bringen. Dabei ruiniert ein falscher Wurf alle Fortschritte der Runde, leichtfertiges Würfeln gegen alle Wahrscheinlichkeiten kann also schnell nach hinten losgehen. Es gewinnt die Person, die zuerst in drei Reihen die Spitze erklommen hat, wobei die Spielmatrix die Normalverteilung der möglichen Augenpaare in ihrer Wahrscheinlichkeit durch unterschiedlich lange Bahnen berücksichtigt.

In Can’t Stop sind alle im Vorteil, die sich ein wenig in der grundlegenden Wahrscheinlichkeitsrechnung gür Würfelspiele auskennen und dementsprechend ihre Taktik ausrichten. Wesentlich mehr steckt nicht dahinter, denn es findet kaum spielmechanische Interaktion statt, alle Spielerinnen und Spieler würfeln und taktieren für sich. Die eigenen Handlungen haben indirekt Einfluss auf die Spielchancen anderer, am stärksten noch dann, wenn Reihen geschlossen werden und sich damit der Trichter valider Wurfergebnisse für alle schließt. Can’t Stop ist also vor allem ein kurzweiliges Spiel, mit ähnlichen Handlungsmöglichkeiten wie beispielsweise Yahtzee, wirkt aber nicht, als hätte es für Langzeitmotivation nötigen Tiefgang, auch wenn ich es nicht durchgerechnet habe.

Außerdem verfügt das Spiel nur über einen Modus für Einzelspiele gegen die künstliche Intelligenz oder Pass-and-Play, also lokalen Multiplayer, für bis zu vier Personen. Das steht deutlich hinter anderen Titeln von Playdek zurück, zumal ja die soziale Spielsituation den größten Reiz ausübt. Aber was hält Leute eigentlich davon ab, es gleich als Tabletop zu spielen? Sie bräuchten nicht einmal das Original, nur vier Sechsseitige, ein A3-Papier für das Spielfeld, Spielfiguren von *Mensch-Ärgere-Dich-Nicht* (notfalls würden Münzen es auch tun) und einen Stift.

*Can’t Stop* ist komplett und nur in Englisch erhältlich und für ein paar gelungene Partien unterhaltsamen Zeitvertreib gut, bietet aber auf lange Sicht nicht genug taktische Finesse. Qualitativ ist beinahe alles solide umgesetzt, aber kein Vergleich mit den großartigen Spielen, die Playdek noch im Programm hat. Einzig wirklicher Schwachpunkt von *Can’t Stop* ist die offenkundig niedrige Bitrate der ohnehin belanglosen Karnevalsmusik, die matschig über die Kopfhörer dröhnt. Ein angemessener Start in den Playdek-Katalog, mehr aber auch nicht.

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