Food Fight: Cheesus (Playdek-Serie Teil 5)

Ohne Übertreibung kann ich sagen, Food Fight ist optisch wie atmosphärisch mit großem Abstand Playdeks gelungenste Kartenspiel-Adaption. Im Gegensatz zu seinen anderen Spielen, die alle wunderbare Spiele sind, hat Playdeks Team hier auch optisch eine völlig runde Sache geschaffen. Beispielsweise ist die Grafik mehr als bloß effizient, sie beeindruckt mich mit bunter Comicüberzeichnung und erzeugt so eine fröhliche Stommung. Ein heiterer Big-Band-Score gesellt sich noch hinzu. Nahtlos greifen diese oberflächlichen Merkmale ineinander, doch auch der Spielmechanismus überzeugt, auch wenn anfänglich bei mir Zweifel aufkamen, ob das Spiel langfristig motivieren könnte. Denn das Regelwerk wirkt zunächst reichlich, nun ja, unterkomplex:

Das nenne ich mal ein irrwitziges Szenario: Fast-Food-Gerichte ziehen in die Schlacht um die Vorspeise, den Hauptgang und die Nachspeise. Eigentlich habe ich es nicht so mit Militanz, in Food Fight sind die Karten jedoch so knallbunt und grotesk überzeichnet, ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen. Das obige Video sollte einen guten Eindruck vom Gameplay vermittelt haben, wobei klar ist, dass Food Fights Regeln auf schnelles Spielen ausgelegt sind, der Spielablauf ist also im Vergleich zügig, hat dafür etwas weniger Tiefgang. Genug Fleisch an den Knochen hat Food Fight dennoch — unter der Voraussetzung, dass im Draft-Modus gespielt wird.

Das Spiel kennt zwei Mechanismen der Deckbildung: Im Boot-Camp-Modus wird die Hand rein zufällig mit Karten gespickt; im Draft-Modus ist ein wenig Geschick gefragt, denn reihum müssen die Spielerinnen und Spieler die Karten aus einem gemeinsamen Pool picken, sodass mehr Einfluss auf die Zusammenstellung des Decks besteht. Im Boot-Camp-Modus ist das Spiel zwar zugänglicher, doch macht die Abhängigkeit allein von zufällig in die Hand gespülten Karten Food Fight zu einer erratischen Angelegenheit. Erst im Draft-Modus zeigt Food Fight sein wahres Gesicht, der Zufall ist noch immer im Spiel, doch können erfahrene Spielerinnen und Spieler durch das Kartenziehen Decks zusammenstellen, die wirksame Kartencombos enthalten. Erst dann werden Food Fights durchaus vorhandene Qualitäten spürbar.

Mich hat Food Fight richtig gepackt, weil es spannend und abwechslungsreich genug, besonders aber schnell zu spielen ist. Playdek hat Food Fight auch die Besonderheit einer Offline-Kampagne gegen die KI spendiert, die allein gut und gerne mehrere Stunden unterhält. Da das Spiel aber eindeutig Geschmackssache ist, weshalb es in einer kleinen Nische des Marktes lebt, ist Online vergleichsweise wenig los.

Food Fight wäre für mich ein noch geeigneterer Kandidat für den Thron unter den Playdek-Spielen gewesen, wenn ein Bug in der Kampagne nicht hin und wieder den einzig verfügbaren Speicherstand korrumpiert hätte. Es spricht für Food Fights Langzeitmotivation, dass ich mich nicht ärgerte, sondern mit viel Freude wieder von vorne anfing, Aber ein Spiel mit solch einem Makel kann leider nicht die Spitze erklimmen. Trotz dieses Bugs ist Food Fight ein überwiegend vergnügliches Spiel, dem es an nichts fehlt, außer vielleicht hundertprozentiger technischer Zuverlässigkeit. Das ist schade, denn das Spiel wäre ein Highlight auf iOS, nun ist es bloß ein verhinderter Spitzenreiter mit einem erheblichen Fehler.

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