Nimble Quest: Exit Through The In-App-Store

Nimblebit verstehen sich gut auf kleine Suchter, ihre Spiele wie Tiny Tower sind wohl kalkulierte, ökonomische Maschinen. Diese Maschinen sind gestaltet, um nach ihnen zu schmachten. Bei Entwicklern wie Nimblebit muss ein Wort wie ‚Impulskontrolle‘ schlechte Träume auslösen. Nein, Menschen, die ihren inneren Kauftrieben widerstehen, also nicht jedem Reiz erliegen, sind der natürliche Feind. Nimblebit macht in Freemium, das auch richtig gut. Unfassbar gut. Je nach persönlicher Einstellung zu Freemium ist das ein großes Lob oder eben eine Vernichtung. Denn Nimblebits neuestes Spiel ist ein Glanzstück der Freemiumspiele.

Nimble Quest ist eine bahnbrechend simple Mixtur vom bekannten Casual-Klassiker Snake und einem ordentlich abgespeckten Rogue-like. Eine wachsende Party von Heldinnen und Helden geht im Gänsemarsch übers Spielfeld und verdrischt Monster. Der Kampf ist automatisiert, die Aufgabe besteht nur darin, den Schaden für die Gruppe so klein wie möglich zu halten und auf Teufel komm raus eine Kollision zu verhindern. Kollision womit? Mit allem. Steht eine Wand im Weg oder ein Gegner, die Gruppe löst sich sofort in Luft auf.

Nun, das stimmt nicht ganz. Für eine Goldmünze, der offiziellen In-App-Währung, kann auf dem eben verlorenen Level erneut begonnen werden. Oder wie wäre es, zwischen den Leveln für die nächste Runde Upgrades zu kaufen. Gegen Goldmünzen versteht sich. Im Multiplayer können Gilden sich miteinander messen, wer die höchste Punktzahl erspielt. Jeder Kampf in der Arena kostet aber. Ab und zu fällt bei einem Kampf oder einer guten Platzierung im Multiplayer auch mal ein Säckel ab. Für ein flüssiges Spiel ist das aber kaum genug.

In jedem Pixel steckt die Erfahrung Nimblebits, ein gutes Freemium-Spiel zu schaffen. Nimble Quest ist einfach zu erlernen, nahezu intuitiv ist verstanden, worauf es ankommt. Die Rollenspielelemente sind dabei ein kluges Mittel, mit dem Micromanagement der Charaktere Geld umsetzen zu können. Jedes Freemium-Spiel muss Spiel genug sein, um eine breite Masse an Spielerinnen und Spielern anzufixen. Nimblebit hält die Balance zwischen Spielbarkeit und Kaufdruck recht gut.

Aber ein gutes Spiel ist es nur bedingt. Ein Spielautomat kann auch packend inszeniert sein, in wohldosierten Dosen Hormonausschüttungen auslösen. Ich weigere mich aber, das als ‚Spiel‘ im eigentlichen Sinne zu begreifen. Ein finanzielles Interesse zu haben ist sicherlich nicht verwerflich, dieses aber nur in ein Pixelkostüm zu werfen, ist nicht sehr lobenswert. Da kann Nimble Quest noch so gut gemacht sein, es bleibt ein fader Beigeschmack. Es ist so wie jeder Museumsbesuch heute enden muss: Am Ende eines erschöpfenden Fußmarsches, auf dem Menschenmassen durch Ausstellungen des kleinsten gemeinsamen Nenners von Kunst und Kultur geschleust werden, folgt der Souvenirladen. Die implantierte Massenkultur gibt es auf Tassen, als Schneekugel, Postkarte, auf Hemden, Taschen oder auch Röcken.

An dieser Kommerzialisierung nahezu jeden Spielelements krankt Nimble Quest, denn der Spielfluss will sich nicht einstellen. Nach jedem Tod werde ich mit bunten Bildern auf den In-App-Store hingewiesen, in dem ich alles kaufen könne, was das Spiel besser machen soll. Dieses mangelhafte Sozialverhalten der Freemiumspiele nervt, sie sind in der Regel ganz ansprechend, im Kern aber passiv-aggressive Arschlöcher.

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