Revolution: Der Dystopie geht der Saft aus

Im Jahre 2012 fiel in den USA der Strom aus. Nicht bloß für einen kurzen Moment, auch nicht wenige Tage, der Strom kam nicht mehr wieder. Alle elektrischen Geräte waren nutzlos geworden. Besonders hart traf es Drehbuchautoren von Revolution, die nun keinen Zugriff mehr auf ihre kostbaren Handbücher für kreatives Schreiben hatten. Sie hätten sie nicht in der Cloud sichern sollen. Also taten sie, was getan werden musste, sie griffen auf einen veralteten Teilausdruck von tvtropes zurück, den ein Praktikant mal machen musste, weil dies als lehrreiche Erfahrung verkauft wurde, die ein unbezahlter Praktikant halt machen muss. Und sie haben wirklich alles aus tvtropes herausgeholt, was die Seiten so zu Dystopien hergaben.

Die Welt, die Revolution zusammenbrechen lässt, ist ein wahrgewordener Alptraum der Tea-Party-Bewegung. Die USA rühmen sich, eine hochzivilisierte Gesellschaft zu sein. Revolution traut dieser Gesellschaft aber zu, nur einen totalen Stromausfall zu brauchen, um völlig zusammenzubrechen. Nach nur fünfzehn Jahren ohne Strom sind die Staaten gar nicht mehr so einträchtig oder geeint. Sie sind in autoritäre Systeme zerfallen, die von Rechtsauslegern wie Glenn Beck immer als sozialer Teufel an die Wand gemalt werden. Allerdings bleibt die Serie auch auf diesem Niveau. Da dient dann das in einer der Republiken durchgesetzte Waffenverbot als Kennzeichen der oppressiven Obrigkeiten, eine Angst von Rechtsaußen also.

Durch alle Facetten der Serie zieht sich eine Ideenlosigkeit, die nach einigen Folgen kaum noch zu ertragen ist. Revolution ist eindimensional. Ihre ganze Ausrichtung ist schon problematisch, denn die Protagonistin auf eine Rettungsmission zu schicken, um ihren entführten Bruder zurückzugewinnen, erweist sich als Belastung. Durch den so erzeugten Zeitdruck soll Spannung aufgebaut werden, den Figuren schnürt die Serie damit die Luft ab. Also wird bei der Charakterisierung der Figuren Scherenschnitte eingesetzt. Tatsächlich dürfen sich Rebellinnen gegenüber Kinder ironiefrei mit "I’m one of the good ones." ausweisen. An anderer Stelle zieht die Serie einen allzu verdächtigen mit den Aufständischen in Syrien. Hier die Guten, da die Bösen. Expositorische Dialoge sind ein Markenzeichen von Revolution; ebenso die völlig dramaturgische Überladung der einzelnen Episoden. Fast panisch flieht die Serie vor jeder ruhigen Minute, die inhaltliche Leere könnte auffallen. Einen Fluchtversuch des Entführten noch in einen Gewittersturm zu versetzen zieht die Spannung nur ins Lächerliche.

An Revolution ist allein die platte Erzählung ein Rückfall in archaische Zeiten. Und Elizabeth Mitchell taugt mittlerweile, so bedauerlich das ist, nur noch als Warnung vor Serien, an denen sie beteiligt ist.

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