Wilfred: Sittenstrolch

Wer in der Reihe der fantastisch erfolgreichen Verfilmungen von Tolkiens Herr der Ringe Hauptdarsteller war, sollte keine weltlichen Sorgen kennen. Ein gutes Management vorausgesetzt, sollten die Verträge einer effektiven Frührente für Bestbetuchte gleichkommen. Über all diese Voraussetzungen dürfte Elijah Wood verfügen, so schließt sich die eine Frage an: Was nun?

Wood wirkt nicht wie der Typ Schauspieler, der sich der Dekadenz hingibt. Über einen halben Planeten zwischen uns und die absolute persönliche Unbekanntheit setze ich mich hinweg, indem ich von Wood annehme, dass er sich nur den Luxus gönnt, eben noch die Projekte anzunehmen, die ihm den größten Nutzen versprechen. Da müsste er doch eigentlich in Erklärungsnot geraten, was ihn geritten hat, in einer Serie mitzuspielen, in der nur der von ihm gespielte Ryan nach einem erfolglosen Selbstmordversuch durch Medikamentenüberdosis den Hund seiner Nachbarin als Mittdreißiger im flauschigen Hundekostüm sieht?

Worum es in Wilfred geht, ist schwer in Worte zu fassen. Es ist, wie es oben beschrieben wurde. Ein depressiver Mann hat einen imaginären Freund in dem Hund seiner Nachbarin gefunden, für die er auch noch, fast selbstverständlich, Gefühle hegt. Ryan und Wilfred stolpern von einer abstrusen Schweiner in die nächste. Wilfred ist dabei nichts peinlich. Wieso auch, er ist ein Hund. Ryan und auch sein Gewissen aber müssen desöfteren beruhigt werden. Da trifft sich hervorragend, dass beide leidenschaftlich gern kiffen. Das soll ja ausgleichend wirken.

Die Serie ist eines nicht, auch wenn es sich so anhört: albern. Sie zu beschreiben läuft, wie gesagt, Gefahr, sie ins Lächerliche zu ziehen. Im besten Falle ist sie ein rigoroser Verstoß gegen den guten Geschmack. Meist jedoch entpuppen sich die Handlungsstränge als subversive Dramedy. Unter dem Kostüm des Hundes steckt ein Es; eine ungebremste, triebhafte Erscheinung, die Ryans Leben zu gleichen Teilen zu heilen wie zu ruinieren in der Lage ist. Der imaginierte Hund ist eine entgrenzte, hemmungslose Instanz irgendwo zwischen Ryans Fremd- und Selbstwahrnehmung.

In Wilfred bricht eine besondere Form anarchischen Humors hervor. Die Perspektive des Hundes erlaubt es, die menschlichen Normen zu brechen, ohne dabei plump in Gossenhumor auszupacken. Nicht dass die Gosse nicht Thema wäre, aber erfreulicherweise entsteht der Humor daraus, dass Ekel, Abscheu und Grenzverstöße mit der manischen Freude eine Hundes daherkommt, der sich an unsere Regeln nicht halten muss. Meist entsteht der Humor auch nur verbal, ist damit eleganter als mit dem Holzhammer vorgetragener Klamauk. Ein widerwärtiger Spaß.

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