Gewissenswende

Vor zehn Jahren hätte es meine Unterschrift unter der Vereinbarung nicht gegeben, die ich heute unterschrieb. Ich weiß auch, warum ich nicht unterschrieben hätte. Dafür hätte damals ein Adjektiv zuviel Aversion bei mir ausgelöst. Der entscheidende Satz lautet:

Der christliche Glaube und die Menschenwürde sind Orientierungsgrundlage für ein freiwilliges Engagement im […]

Nun sitze ich hier und versuche mich in mein früheres Ich einzudenken. Mir fällt auf, es fällt mir zunehmend schwer. Ich habe mich in gefühlt kurzer Zeit stark verändert. In Bezug auf dieses Adjektiv war ich, milde ausgedrückt, intolerant.

Was hat sich im Laufe der Zeit getan, was sich im Kleinen gar nicht bemerkbar gemacht hat, aber nun wie ein deutlicher Bruch mit früheren Überzeugungen wirkt? In diesem Fall ahne ich, was den Ausschlag gab: Es geht um ein Ehrenamt, es geht um direkte Hilfe für Menschen, um wichtige Hilfe. So stehe ich vor der Wahl zwischen konkreter Hilfe und der Integrität einiger meiner Überzeugungen. Für mich fühlt sich das nicht nach einer Wahl an, Menschen zu helfen, ihnen Unterstützung zu geben, das ist wichtiger. Immer.

Und am Ende sind die Schnittmengen zwischen meiner Überzeugung und den vorausgesetzten Werten enorm, in diesem Projekt sogar nahezu deckungsgleich. Die Engstirnigkeit lasse ich also hinter mir. Veränderung fühlt sich gut an, da ist es fast schade, dass in diesem zitierten Satz ein Begriff nicht steht, den ich gerne auch noch unterschrieben hätte: Nächstenliebe.

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