Peter Carruthers: Kontraktualismus und Tiere – Teil 3

Nachdem er seine Auffassung zum konraktualistischen Einwand gegen Tierrechte dargestellt hat, kommt Carruthers auf einige Aspekte der angesprochenen Common-Sense-Einstellung zu Tieren, die seine Auffassung nicht abdecken kann.

Der erste ist , dass Pflichten gegenüber Tieren gleichermaßen im im privaten wie im öffentlichen Bereich entstehen können. […] Zweitens gehört es auch zur Common-Sense-Überzeugung, dass die Grausamkeit gegen ein Tier aufgrund dessen moralisch falsch ist, was dem Tier angetan wird, und nicht, wie der vorliegende Ansatz nahelegen würde, aufgrund eines Leidens, das mitfühlenden menschlichen Beobachtern entsteht. [S. 88]

Letztlich läuft die Diskrepanz zwischen Annahmen des Kontraktualismus und der Common-Sense-Einstellung zu Tieren darauf hinaus, dass eine der beiden Seiten zumindest in Teilen aufgegeben werde müssen. So scheint es zumindest. Er verweist aber auch darauf, dass er diesen Weg nicht ganz gehen kann und will. Dies, weil er doch noch eine Möglichkeit sieht, Kontraktualismus und Common-Sense-Einstellung zu harmonisieren, ohne Tieren Rechte zugestehen zu müssen.

Der erste Gedanke hierzu beruht auf der auch im kontraktualistischen Gebilde gegebenen Möglichkeit, dass rationale Akteure sich auf Tugenden einigen, die als gutes Handeln angesehen einigen können, die das Verhalten gegenüber Tieren umfasst. Zweitens können Handlungen auch als unmoralisch aufgefasst werden, sofern sie etwas über den amoralischen Charakter der handelnden Person aussagen, nicht daran gemessen, was sie einem Tier angetan haben.

 

Ganz ehrlich, ich habe arge Schwierigkeiten mit dem Konraktualismus – schon immer gehabt. Er hat einige Vorzüge, aber auch die starke Neigung sich in elfenbeinumhüllte Scheingefechte zu verfangen, die zu Auseinandersetzungen um ernsthafte Probleme umdefiniert wurden.

An Carruthers missfällt mir besonders der Einwand, der beileibe nicht sein einziger ist, dass eine Ausdehnung der Rechte drohe, die nicht wünschenswert sei. Er warnt vor einer inflationären Rechteeskalation. Das ist ein, ich sage jetzt mal, ‚moralökomomisches‘ Argument. Aber sollten moralische Aspekte in ihrer Wirkung dadurch begrenzt werden, dass es zuviele von ihnen gibt oder geben könnte. Sagt Carruthers hier, dass Moral eine Frage der Bequemlichkeit ist, wenn sie ausartet. Aber wann artet sie aus oder sollte Moral nicht doch dort gelten, wo auch immer sieauf vernünftige Weise hinführt? Außerdem geht er nicht auf die durchaus plausible Unterscheidung von Entitäten, also Lebewesen und Unbelebten, ein.

Ganz grundsätzlich habe ich aber auch noch immer ein Problem mit den Folgen aus dem Schleier des Nichtwissens, also dem Rawls’schen Gedankenkonstrukt. Konkret in diesem Fall heißt dies, das Carruthers eine Willkürlichkeit in der Annahme von Tierrechten erkennt. Ich bin aber nicht imstande, aufgrund dieses Textes, die Annahme von Tieren für willkürlicher zu halten, als es die Anmaßung ist, extrapolieren zu können, was Menschen in einem moralischen Urzustand entscheiden könnten. Und sie ist schon gar nicht willkürlicher, als diese Ergebnisse auf eine soziale Realität zu übertragen. Es ist mir noch immer *räusper* schleierhaft, wie man annehmen kann, dieses Gedankengebilde bringe auch nur einen Vorteil. Es mag sein, dass es deutliche Erkenntnisse zulässt, dann aber nur solche, die auch nur Gültigkeit innerhalb der Fiktion des Konstruktes haben. Überträgt man diesen prämoralischen Zustand auf eine historisch entstandene Realität, mit allen ihren Ungleichgewichten und Ungerechtigkeiten, erhält man nicht zwangsläufig einen gerechteren Zustand. Im schlimmsten Fall erhält man sogar eine aus der Fiktion gewonnenen, moralische Seligsprechung der sozialen Realität. Ich weiß nicht, mir kommt das noch viel gefährlicher vor.

Literatur:

  • Carruthers, Peter: Kontraktualismus und Tiere, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008, S. 78-91.

2 Gedanken zu „Peter Carruthers: Kontraktualismus und Tiere – Teil 3

  1. Da du dem Kontrktualismus ja „eher kritisch“ gegenüber stehst, wollte ich fragen, was du eigentlich von Mark Rowlands hälst, der in dem schönen Büchlein gleich danach kommt. Der versucht ja immerhin mithilfe des Kontraktualismus FÜR Tierrechte zu argumentieren und Tieren moralischen Status zuzuschreiben.

    1. Mangels Beschäftigung mit Rowlands muss meine Antwort leider lauten: Ich kann (noch) nichts von ihm halten.

      Mein Argwohn gegenüber dem Kontraktualismus wird sich wohl auch nicht mehr ändern, da der Ansatz bei mir immer noch Assoziationen auslöst, dass Kontraktualisten die Abofallensteller der politischen Philosophie sind. 😉

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