Peter Carruthers: Kontraktualismus und Tiere – Teil 2

Es musste ja mal geschehen, dass ich das kleine Büchlein vergesse. Deshalb sitze ich auf dem Trockenen und muss von dem Leben, was ich schon exzerpiert habe. Carruthers kommt dann in den Genuss einer dreiteiligen Zusammenfassung. Im ersten Teil hatte ich ja an der Stelle aufgehört, an der Carruthers Kritik an Regan übt und sich dann mit möglichen Formen kontraktualistischer Erfassung von Pflichten gegenüber Tieren befassen will.

Die erste Variante sei die, Tiere im Rahmen des vom Kontraktualismus durchaus vorgesehenen Eigentumsschutzes zu schützen; die zweite Variante erfasse die Tiere unter Interessen der allgemeinen Öffentlichkeit. Dabei habe die erste Variante erhebliche Nachteile: nur Tiere, die Eigentum sind, werden geschützt; Eigentümer dürfen wiederum mit ihrem Eigentum nach Belieben verfahren.

Vielversprechender wäre seiner Ansicht nach, die Common-Sense*-Einstellung zu Tieren und die emotionale Verbindung vieler Menschen mit Tieren allgemein als Grundlage eines öffentlichen Interesses zu betrachten (verwandt mit dem Denkmalschutz). Damit dürften Tiere nur in besonders triftigen Fällen Leid ausgesetzt werden und stehen ansonsten unter dem Schutz nach dem öffentlichen Interesse. Es entstünden dabei dann also indirekt Pflichten gegenüber Tieren, allerdings nur so, indem eine Verletzung von Pflichten gegenüber Tieren die Gefühle von anderen Menschen, die an Tieren hängen, verletzen. Ein erhebliches Problem dieses Ansatzes sieht Carruthers dann aber selbst (S. 87):

Aber noch wichtiger ist, dass die Einschränkungen nur für solches Leiden gelten würden, das unvermeidlich in der Öffentlichkeit stattfindet. Daher wären insbesondere qualvolle Methoden der Massentierhaltung und das Testen von Waschmitteln an Tieren nicht ausgeschlossen, selbst wenn man einräumen würde, dass die mit solchen Aktivitäten beförderten Zwecke […] trivial sind. Denn wie es scheint, kann man Leuten, die sich über solche Aktivitäten beschweren, mit Fug und Recht auf genau dieselbe Weise antworten, wie man denen antworten würde, die sich beispielsweise durch ungewöhnliche Sexualpraktiken belästigt fühlen.

Das war’s schon für heute, der Abschluss samt meinem Kommentar dann am Dienstag. Lässt sich halt nicht vermeiden.

*Vielleicht sollte ich hier noch erwähnen, dass Carruthers Text eine Suche darstellt, den Kontraktualismus nach Möglichkeiten abzusuchen, diese Common-Sense-Einstellung, also das ‚Bauchgefühl‘ einer breiten Masse der Menschheit bezüglich Tieren, im kontraktualistischen Gebilde möglichst umfassend abbilden zu können. Sein Ergebnis ist allerdings, dass dies kaum möglich ist.

 

Literatur:

  • Carruthers, Peter: Kontraktualismus und Tiere, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008, S. 78-91.

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