Mass Effect 2

Für’s Paragaming ist Mass Effect 2 eigentlich auch noch zu jung. Kümmert mich aber nicht, denn ich hatte es vor einer Weile mal gespielt. Und ich muss sagen, ich bin enttäuscht. Der Vorgänger hatte mir weitaus besser gefallen, obwohl auch dieses Spiel schon einige Macken hatte, die eigentlich nur schwer zu tolerieren waren. Mass Effect 2 sollte und wollte das besser machen. Mission gescheitert.

Gut, es gibt noch immer einen ordentlichen Teil an positiven und sogar herausragenden Aspekten an Mass Effect 2. Doch die Schwächen kann das Spiel nur noch selten ausgleichen. Ich will gar nicht so sehr auf die Macken des ersten Teils eingehen, da ich das ja in einem eigenen Artikel verbraten kann. Doch hatte Bioware auf die Spieler hören wollen, indem sie etwa die langwierigen, monotonen Planetenerkundungen mit dem M35 Ma[n]ko aus dem zweiten Teil verbannt haben. Bioware hat, und damit bin ich schon beim größten Fehler von Mass Effect 2: Die Schwächen des ersten Teils wurden behoben. Yeah. Und durch noch schwächere Spielelemente ersetzt. Doh.

Angefangen beim angesprochen M35 Mako, der jetzt raus ist. Als Ersatz zur Spielzeitstreckung führte Bioware lächerlich stupide Planetenscans nach Rohstoffen ein. Noch ein Beispiel? Das Kampfsystem des ersten Teils war schludrig, das des zweiten Teils grundüberholt und dennoch in den Sand gesetzt. Die Möglichkeit, den Kampf zu pausieren, um einige taktische Eingriffe vornehmen zu können, ließ man nicht fallen, machte es aber unnütz. Auch nach mehr als 15 Stunden mit dem Spiel erschließt sich mir nicht, was dieses einstmals so großartige Markenzeichen Biowares nun noch sollte.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, die Taktikeinlagen stören mich nur in dieser Form, nicht aber vom Prinzip her. Eigentlich hätte ich eine ähnlich gelungene Umsetzung wie bei Baldur’s Gate in zeitgemäßem Gewand für gut gehalten. Doch der Bioware-Effekt greift mehr als der Mass Effect: Alles, was Bioware groß gemacht hat, ist in meinen Augen über die Jahre verwässert und ausgehöhlt worden. Das kann man schön am Charaktersystem erkennen: Die Facetten und Unterschiede in der Spielweise der Figuren sind marginal und für den Spielverflauf nahezu unbedeutend.

Ebenso ergeht es dem Wirtschaftssystem. Es war schon im ersten Teil unausgegoren und wenig balanciert. Hier ist es anders, aber gleichsam nutzlos. Meist hat man so viel Geld, dass man keinerlei Leistung erbracht hat, um sich Waffen kaufen zu können. Im ersten Teil gab es zuviele Waffen, in diesem weniger, aber es ist noch immer keine ordentliche UI zur Verwaltung von Utensilien oder auch Charakteren vorhanden. Es wirkt als könne Bioware nicht lassen, zumindest die Fassade eines Rollenspiels vorgaukeln zu wollen. Aber wozu? Diese miserable Benutzerführung ist unfassbar.

Ich bin kein Experte für großartiges UI-Design, aber dennoch weiß ich, dass diese Menügestaltung und die Ergonomie der Benutzerführung unterirdisch ist. Man bricht mit lange gehegten Tastenkürzeln und anderen Konventionen, die es Spielern seit Jahren erleichtern, sich in Spielen schnell zurechtzufinden. Was soll es beispielsweise Menü ineinander zu verschachteln, ohne erkennen zu lassen, was dahinter steckt? Warum kann man diese Menüs teils nur mit einem Mausklick auswählen? Warum hat man nicht eine schöne, glatte Oberfläche mit Tabs gemacht.

Bioware sollte sich ein Beispiel nehmen an der UI-Qualität, die Blizzard an den Tag legt. Bei Blizzard ist alles auf schnellste Übersicht und die geringsten Klicks für eine doch sehr komplexe Informationsfülle ausgelegt. Bioware hat es früher auch schon viel besser gemacht. Doch mit dem Aushöhlen der Rollenspielelemente sank auch die Qualität der UI.

Doch womit kann Bioware punkten? Mit der Grafik? Nein, die war schon im ersten Teil das, was für mich eigentlich reicht: angemessen. Im zweiten Teil ist diese aufgebohrt, aber lange nicht ansehnlich genug. Es gibt nur zwei Gründe, Mass Effect 2 zu spielen. Der erste ist, dass man den ersten Teil gespielt hat und sich an die Welt und die sie bewohnenden Wesen gewöhnt. Der zweite ist die noch immer hervorragende narrative Ausrichtung. Es ist ein cineastisches Spiel. Die Dialogführung ist zwar noch nicht blenden, aber sie ist einfallsreich und intuitiv. Die Umsetzung der Dialoge in lebendige Unterhaltungen, die von dramaturgisch geschickt gesetzten Kameraschnitten betont werden, ist noch immer das Herzstück der Serie.

Hätte Bioware doch nur die Hälfte der Kreativität in die UI, das Kampf- oder das Wirtschaftssystem gesteckt, wie sie sie in der Inszenierung an den Tag gelegt haben. Es hätte ein begeisterndes Spiel werden können. So ist es nur eines mit vielen Schwächen und enormem Potenzial. Doch die Einsicht wächst, dass dieses Potenzial nie erfüllt werden wird. Ich werde es wohl nicht bis zum Ende spielen, die Ausdauer und Leidensfähigkeit habe ich derzeit nicht.

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