Pearl Jam Twenty

Vor einigen Jahren wäre es mir nicht entgangen, dass es ein neues Album von Pearl Jam gibt. Nie im Traum hätte ich mir vorstellen können, dass eine Band, die einen solch enormen Einfluss auf mein Leben hatte, schlicht und einfach in den Hintergrund meiner Wahrnehmung tritt. Der jüngere aesthetikargonaut hätte den gegenwärtigen mit Unverständnis und dann Verachtung angesehen. Der ältere aesthetikargonaut ist Pearl Jam aber noch weit genug verbunden, um milde anzustimmen: „Hearts and thoughts they fade|fade away“. Hoffentlich versteht der jüngere, wie sehr die Erinnerung auch noch nachhallt, selbst wenn sie allmählich ausklingt. Immerhin trauere ich, was Pearl Jam angeht, nicht den verpassten Gelegenheiten hinterher.

Doch eines steht fest, Pearl Jam haben nicht mehr einen so exponierten Platz in meiner Wahrnehmung, es gibt sicherlich auch Bands, die ihnen mittlerweile den Rang abgelaufen haben, obwohl die mittlerweile auch gealterten Herren aus Seattle so uneinholbar weit vorne lagen. Die Deftones gehören dazu, auch Tool mit einiger Sicherheit. Man merkt, es haben sich Geschmäcker verändert und ausgeweitet. Klar, Pearl Jam sind oft nur noch eine Erinnerung – eine sehr gute, die jederzeit wieder reaktiviert werden kann. Scheint zumindest so. Es ist nicht pure Nostalgie (eine solch verklärende Herabwürdigung haben sie nicht verdient), Pearl Jam haben meinen Blick auf die Welt ebenso verdunkelt wie sie ihn erhellt haben. Sicherlich wäre mir einiges erspart geblieben, wäre ich nicht in der Depression versunken, die diese Band hervorrufen konnte; mir wäre aber auch entgangen, daraus zu lernen, diese Schwere zu überstehen. Ich kann in Erinnerungen schwelgen, sogar in denen, an die ich mir keine Erinnerung wünsche. Pearl Jam repräsentieren dies aber noch immer hervorragend.

Also alle eventuell nachvollziehbare Abkehr von ihnen, dass Pearl Jam aber nun ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern, das hätte mir nicht so leicht entgehen sollen. Ebenso schäme ich mich fast, überhaupt nicht realisiert zu haben, dass Cameron Crowe einen Dokumentarfilm über die Band gedreht hat, die ihn ebenso wie mich nicht locker gelassen hat. Obwohl Crowes Begeisterung anscheinend noch heute ungetrübt scheint.

Sobald das Paket da ist, werde ich mich darauf stürzen. Und wie habe ich es geschafft, diese Band niemals live zu sehen?

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