Die Empirie der Enttäuschung

So, ich erstelle jetzt sofort einen Antrag für DFG-Forschungsmittel zu meinem neuesten Projekt. Ich meine den abolut eindeutigen Indikator gefunden zu haben, an dem man erkennt, wie schnell Freude in Enttäuschung umschlagen kann. Der Gradmesser ist dieser Artikel bei HORIZONT (via Caschy). Der Artikel besteht aus verschwipsten 222 Wörtern und es ist so einfach, festzustellen, welchen Verlauf die Gedanken dabei nehmen. Am Anfang waren fünf Wörter: „Hulu sondiert den deutschen Markt“.

Meine Reaktion: Hell yeah. Der Streaming-Dienst, der in den USA wenigstens ein halbwegs aktuelles Angebot hat? Womöglich in Deutschland. Friss das, deutsche Medienlandschaft. Das war der Affekt. Aber schon mit dem von Wort 22 eingeleiteten Satz wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

„Angesichts der schwierigen Rechtesituation soll das Angebot mit einer abgespeckten Variante starten.“ Okay, das war’s, dachte ich. Aber vielleicht bleibt trotzdem noch was dran. Kann doch sein, die eine oder andere Serie findet sich dann doch in einfacherer Form zeitnah zur US-Ausstrahlung im deutschsprachigen (Rechts-)Raum wieder.

Nach 137 Wörtern folgt dann der Absatz, der alles wieder zunichte macht. Es geht um die heikle Rechtelage und die Beteiligung der deutschen Mediengruppen. Warum traut sich denn niemand an denen vorbei? Die sind in ihrer jetzigen Form und besonders auch Geisteshaltung nicht mehr als Mittelsmänner, die künstlich einen Markt aufrechterhalten, der schon lange nicht mehr in dieser Begrenzung existieren sollte. Dass sie dies absichtsvoll und aus wirtschaftlichen Motiven machen, lässt sie sogar wie Wegelagerer erscheinen.

Und damit haben wir einen empirisch sogar deutlich zu beziffernden Wert, wie lang es dauert, bis Freude in Entttschäung umschlägt. Nach den ersten fünf Worten braucht es 16 bis zur Ernüchterung und insgesamt weitere 116 bis zur wahrhaftigen Enttäuschung.

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