Rise of the Planet of the Apes

Wie die Zeit vergeht. Ich wollte den Fim eigentlich nur kurz aufschieben, habe ihn dann aus den Augen verloren und erst jetzt gemerkt, dass ich mir den ja doch mal anschauen könnte. Erstaunlicherweise tauchte der Film auf meinem Radar nur wieder auf, weil es eine nicht zu überhörende Kampagne gibt, den Film in einer bestimmten Kategorie ins Rennen um einen Oscar zu schicken.

Inhaltlich konnte man nicht von vornherein eigentlich nicht so viel von dem Film erwarten. Der Ansatz, ein gigantisches Prequel für den Klassiker aus den Siebzigern zu schaffen und hoffentlich wohl auch die Serie rebooten sollte, ist ein wenig zu sicher gewesen, um gutes Kino erwarten zu lassen. So ist die Grundidee relativ schnell zusammengefasst. Junger Wissenschaftler (erkennbar an dem weißen Laborkittel), experimentiert für einen Pharmagiganten (erkennbar daran, dass alle in Hochglanzlabors arbeiten) an Primaten (die sind noch einfacher zu erkennen), um ein Heilmittel für Demenz zu finden. James Franco spielt den jungen Forscher, dessen Motivation die Alzheimererkrankung seines Vaters ist, aber eine Rückschlag einstecken muss, als seine Forschung nicht finanziert werden soll. Er packt sich ein Affenjunges, seine Dokumente und arbeitet fortan zuhause weiter. Und Heureka, er schafft es. Sowohl das auf den Namen Cesar getaufte Äffchen als auch der Vater erlangen ungeahnte kognitive Fähigkeiten.

 Fangen wir mal bei dem an, was alles in diesem Film nicht funktioniert: Da wären vor allem beinahe alle schauspielerischen Leistungen. Das mag dem doch an allen Enden stumpfen Dialogen geschuldet sein. Franco schleppt sich durch jede Szene, alle übrigen liefern nicht mehr ab als Hausmannskost. Sie haben aber auch kaum Gelegenheit für mehr.

Ebenso ist Freida Pinto vom Drehbuch besonders ins Abseits gestellt, da man ihr nur die Rolle des Love Interests zugesteht, die aber auch nur am Rande von Bedeutung ist (Ihre Figur trägt nichts zur Handlung beim, außer das sie sich mal . Ansonsten fällt auf, gibt es keine weitere weibliche Darstellerin, die nicht als Statistin auftritt. Das ist eigentlich schon für sich traurig genug. Pinto braucht sich aber nicht grämen, denn ebenso platt wie ihre Rolle sind auch die von ihren Kollegen. Da gibt es alle Etiketten, die man Menschen aufkleben kann: David Oyelowo ist quasi zu nichts zu gebrauchen, so heillos wissenschaftsfeindlich ist sein geldgieriger Forschungsleiter angelegt. Tom Felton, dessen Draco Malfoy in den Potter-Filmen immerhin eindimensional sein sollte, ist hier als sadistischer Tierpfleger völlig lachhaft. Wo wir schon beim Personal des Tierpflegeheims sind, in dem Cesar im Verlauf des Films landet, fällt auf, dass ein so großer Schauspieler wie Brian Cox zwar ein unglaublich hässliches falsches Bärtchen zur Schau stellen, aber ansonsten nicht schauspielern darf. Reine Verschwendung. Ich könnte noch eine Ewigkeit so weitermachen, aber ich belasse es dann doch dabei, noch einmal darauf hinzuweisen, wie stümperhaft und nahezu grotesk diffamierend hier Alzheimerkranke dargestellt werden. Oder was sollte das sein, was John Lithgow da macht?

Auch die Effekte sind mal angemessen, mal seltsam unfertig. Das fällt besonders in den ersten Minuten auf. Jede Menge gerenderte Affen huschen krude animiert durchs Bild, wobei anscheinend für sie andere Lichtverhältnisse galten als für den Rest der Welt. Da muss fragte ich mich schon, was Ruper Wyatt da unter Regie versteht.

Aber, und das ist ein ganz großes Aber. Der Film ist nicht mal im Ansatz so schlecht, wie das bisher Geschriebene vermuten lässt. Es ist sogar ein ziemlich guter Film – für einen Blockbuster. Denn alle Mängel lassen sich erklären als das geschickte Jonglieren mit den Grenzen des Budgets und den Anforderungen eines Studios, wie denn ein so großer Film inhaltlich gestaltet zu sein habe, um möglichst in der Breite auf Gefallen zu stoßen.

Der Film ist vor allem in der ersten halben Stunde schwach. Danach fängt er sich zusehends und nimmt erstaunlich an Fahrt auf. Sowohl die Effekte werden besser, als auch die schauspielerischen Leistungen, was mit Andy Serkis‚ Darstellung des Cesar zusammenhängt. Serkis weiß halt, wie man als Vorlage für computeranimierte Figuren zum besten Darsteller wird (Gollum). Das ist auch hier der Fall. Sein Cesar hat Facetten, Nuancen und eine detailliert ausgearbeitete Motivation, sich zum Anführer des Aufstandes aufzuschwingen. Wann auch immer der Film die Dialoge sein lässt und zur Mimik und Gestik der Affen untereinander kommt, wird es sogar filmisch.

Es scheint fast so, als hätten sich alle Beteiligten darauf geeinigt, den Beginn des Films eher stiefmütterlich mit Ressourcen und Leistung anzugehen, um sich alle Kraft für das furiose Finale aufzusparen. Denn dieses ist mitreißend und spannend. Es ist gar kein großartiger Bombast nötig, sondern einfach nur effizient und klug gesetzte Interessenkollisionen, die sich Bahn brechen. Und das hat mich begeistert. Da ist mal ein Film, der schwach anfängt, aber mit jeder Minute an Spannung und Anspruch gewinnt. Da wundert es mich auch nicht wirklich, dass man Serkis als besten Nebendarsteller nominiert sehen will. Warum denn nicht, er ist der einzige, der in diesem Film gefordert wird und dann herausragend abliefert?

So ist in ‚Rise of the Planet of the Apes‘ nicht alles gut, aber die wichtigen Aspekte, die sitzen. Dass auch, weil hier an mancher Ecke das Budget dann doch dazu zwang, einfallsreicher zu sein, als einfach nur Setpieces aneinanderzureihen, wie es ander Blockbuster machen. Tatsächlich hat der Film lange Zeit sogar etwas von einem Kammerspiel. In der Tierstation ganz besonders. Das ist ungewöhnlich für einen Film der die Masse ansprechen soll. Fast ist es sogar mutig. Vielleicht ist das zuviel des Guten. Egal, am Ende konnte ich dem Film nicht böse sein, dass er oftmals zu platt war, denn er bot genug, um seine Schwächen auszugleichen. Gut so. Es wird nie ein Klassiker werden, doch ist er vielen anderen Sommerblockbustern der letzten Jahre um Längen voraus.

 

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