Person of Interest: Got Carter

Vor zwei Wochen wollte ich schon über Joss Carter schreiben, weil sich da eine Entwicklung in Person of Interest abzeichnete, der ich nicht wortlos zuschauen wollte. Ich schmeiße ja gerne mit Superlativen und Hyperbeln um mich, das ist halt so meine Art. Nun rächt sich das, weil ich hinter meine Meinung zu dieser Figur rhetorisch nicht mehr genug Druck kriege, um ihr gerecht zu werden. Und jetzt wo sie ein absehbares Ende genommen hat, bleiben mir nur billige Hülsen. Carter war die beste weibliche Figur in einer Actionserie, die mir untergekommen ist. Sie war der emotionale Anker in einer Serie voller Helden, die aber wegen ihrer dysfunktionalen Verhaltensweisen wenig Empathie in mir hervorriefen. Carter war anders als diese Helden, sie war als normaler Mensch angelegt. Mittlerweile wurden viele Punkte zu Carter in diesem Nachruf festgehalten, aber ich schrecke diesmal nicht vor Redundanz zurück.

Natürlich war es auch einfach, Carter zu bewundern, sie hatte großartige Momente, in denen sie ihre Gegner ausschaltete. Wir sind konditioniert, uns von dieser physischen Leichtigkeit, mit der Actionfiguren über unterlegene Widersacher herrschen, beeindrucken zu lassen. Für sie sind es profane Vorgänge. Zwei Handgriffe, ein paar Schläge und schon stehen sie über den starren Körpern der Angreifer. Auch Carter wurde diese Ruhe angeschrieben, die in Actionheld so braucht. In diesem Sinne war sie nicht zu unterscheiden von den anderen heroischen Figuren der Serie. Auch Carter tritt Ärsche – unter anderen auch deren Hintern.

Was sie aber von allen unterschied, war ihre charakterliche Voraussetzung. Sie war besonders. Carter war nicht gebrochen oder psychisch belastet, weswegen sie lebensmüde gegen die übermachtigen Strukturen der korrupten Polizei kämpfte. Carter hatte eine Bodenhaftung, die Reese, Finch, Shaw und anderen abgeht, sie sind Soziopathen. Aber Carters Motivation war einzig und allein ihre Integrität, gerade ihre psychische Stärke. Auch wenn sie selbst in die Grauzone trat, war sie von allen diejenige, der man ansah, dass sie sich dort nicht wohl fühlte. Ihre Mitstreiterinnen und Weggefährten waren selbst schon korrumpiert oder von der eigentlichen Welt losgelöst. Als alleinerziehende Mutter und selbstbewusster Detective war Carter aber verwundbarer, trotzdem gab sie den Kampf nicht auf. Das machte sie zu einer bewundernswerten Figur. Sie hatte neben ihrem Leben auch eine soziale Existenz zu verlieren und konnte trotzdem nicht anders, als sich gegen die allmächtig erscheinende Verschwörung zu stellen. Carter war keine Heldin in glänzender Rüstung, sie war eine von ‚uns‘. Eine bessere Version von ‚uns‘, die nicht kuschte, buckelte oder sich fügte.

Umso trauriger ist, dass die Autorinnen und Autoren der Serie Carter zwar über HR triumphieren lassen, ihr dann aber auf den letzten Drücker noch beinahe alle Klischees aufdrücken, unter denen weibliche Figuren im Fernsehen so oft zu leiden haben. Da wäre eine aufgepfropfte romantische Szene kurz vor ihrem Ende, mit der sie dann doch zu einem Love Interest wurde, der sie glücklicherweise doch so lange nicht war. Das ist ein deutlicher Rückschlag, der dieser starken Frauenfigur fast völlig in den Rücken fällt. Sie hätte einen würdigeren Abschied verdient, als dann doch einfach als Motivation für ihre männlichen Hinterbliebenen zu dienen.

Carter ist aber anscheinend an sich eine so wunderbare Figur, deren Verlust ein so großes Loch ins Gefüge der Serie reißen könnte, dass man es wohl für nötig hielt, sie vor dem vielleicht unausweichlichen Tod noch ein wenig zu degradieren, um den Schaden für Person of Interest geringer erscheinen zu lassen, als er tatsächlich ist. Dabei hat Carter doch jedes Shakespeare-Zitat verdient. Wie wäre es beispielsweise mit diesem aus King John?

Death, death; oh, amiable, lovely death!
Come, grin on me, and I will think thou smilest.

Drafts-Rezepte IIII: Hashes berechnen

Dann geht es fröhlich in der Reihe kleiner Skripte für Drafts und Pythonista weiter. Da ich hin und wieder mal Hashes als Prüfsummen benötige, hatte ich immer eigene Apps dafür auf dem iPhone. Da diese allerdings für ihren eigentlichen Zweck zu groß waren – sie waren allesamt auch noch hässlich -, habe ich sie nun durch folgendes Skript ersetzt. Das läuft bei mir ganz ordentlich.

Hierzu brauche ich wieder einen Action in Drafts, die in diesem Fall auf das Skript hasher in Pythonista zugreifen soll. Das sieht so aus:

pythonista://hasher?action=run&argv=[[draft]]

Import-Link

Etwas umfangreicher, daher auch erklärungsbedürftiger ist das Skript in Python. Dieses habe ich mal im Grunde angelegt, dass es wie ein Programm für die Shell genutzt werden kann.

# -*- coding: utf-8 -*-
import argparse
import clipboard
import hashlib
from sys import argv
import webbrowser

def hash_data(hashstring, hashfunction, url):
    '''Get the hash of given string.'''
    # Determine if a method for hashfunction
    # exists in hashlib. If no attribute/method is
    # found, default to sha1.   
    if hasattr(hashlib, hashfunction):
      hash_method = getattr(hashlib, hashfunction)
    else:
    	hash_method = hashlib.sha1

    # Put hash to clipboard, if hashstring exists.
    if hashstring:
    	clipboard.set(hash_method(hashstring).hexdigest())
    else:
        raise ValueError

    # Pythonista doesn't support x-callback.
    # So this is a pragmatic approach to calling
    # another app after hashing the string.
    webbrowser.open(url)

def parse_input(data):
    '''Parse input from Drafts command-line-like.'''
    parser = argparse.ArgumentParser(description='input a string to hash.')

    # Expects strings to hash.
    parser.add_argument('inputstring',
                        metavar='STRING',
                        nargs='*',
                        help='the string to hash')

    # Set the hash function.
    parser.add_argument('-hs', '--hs', '-hash', '--hash',
                        metavar='HASH-NAME',
                        default='sha1',
                        dest='hash',
                        help='the hash function of hashlib to use. defaults to sha1')

    # Intended to set a callback-like action.
    # Use to open a specific app via url scheme, if necessary. Otherwise will open Drafts.
    parser.add_argument('-u', '--u', '-url', '--url',
                        metavar='URL',
                        default='drafts://',
                        dest='url',
                        help='url scheme to call after hashing. use to call an app.')

    args = parser.parse_args(data)
    hash_data(' '.join(args.inputstring), args.hash, args.url)

if __name__ == '__main__':
    parse_input(argv[1].split(' '))

Gist

Ich muss also etwas erklären, was das Skript macht. Es kann drei Sorten von Input verarbeiten:

-hs (–hs, -hash, –hash) HASH_BEZEICHNUNG: Dieser Befehl ist optional und gibt die zu verwendenden Hashfunktion* an. Ist die Bezeichnung unbekannt oder falsch, wird der Standardwert ’sha1′ angenommen.

-u (–u, -url, –url) URL_SCHEMA: Dieser Befehl ist optional und gibt das URL-Schema einer aufzurufenden Anwendung an. Standardmäßig ist ‚drafts://‘ vorgegeben.

inputstring *STRING: Alle übrigen Übergabewerte werden zum Inputstring hinzugefügt, der gehasht wird.

Es lässt sich doch besser mit einigen Beispielen erklären. Nehmen wir mal folgenden Eingaben in Drafts an, wobei jede Zeile einer Eingabe entspricht:

Test

Test -s md5

Test -u tweetbot://

Test und noch mehr Test -s sha512

Die erste Eingabe würde den SHA1-Hash von ‚Test‘ berechnen, die zweite würde denselben String als MD5-Hash berechnen. Beide Eingaben führen dazu, dass nach der Berechnung in Pythonista wieder Drafts aufgerufen wird. Die dritte Eingabe berechnet den Standard, also SHA1, von ‚Test, kehrt aber nicht nach Drafts zurück, sondern öffnet Tweetbot (sofern es installiert wurde). Die letzte Eingabe nimmt ‚Test und noch mehr Test‘ und berechnet den SHA512-Hashwert für die Zeichenfolge.

* Laut der Dokumentation für Python 2.7, das von Pythonista genutzt wird, werden folgende Hashfunktionen unterstützt:

This module implements a common interface to many different secure hash and message digest algorithms. Included are the FIPS secure hash algorithms SHA1, SHA224, SHA256, SHA384, and SHA512 (defined in FIPS 180-2) as well as RSA’s MD5 algorithm (defined in Internet RFC 1321).

Gangstar Rio: City of Saints

Von einem Klon der grandios überzeichneten Grand Theft Autos erwarte ich nicht viel, weshalb ich mir auch Zeit ließ, mal einen Teil anzuspielen. Doch Gameloft machte es mir nicht einmal leicht, über die ersten Missionen zu kommen. Gangstar Rio zeigt, wie simple digitale Organtransplantationen einen seelenlosen Zombie hervorbringen.

Und es ist nicht einmal etwas so harmloses wie die Sandbox in der Nussschale, die mir die Laune verdarb. Gangstar Rio ist ein so abgrundtief widerwärtiges Spiel, das alle Rassismen, Sexismen und gewaltpornographischen Exzesse unreflektiert widerkäut, die an GTA kritisiert werden. Dabei bricht GTA die Regeln der Gewaltverherrlichung als soziale Groteske. So ausgeklügelt ist Gangstar Rio nicht. Weit entfernt davon reproduziert es die Gewalt um ihrer Verherrlichung wegen.

Star Trek Into Darkness

Den ständigen Druck gigantistischer Ansprüche im Nacken, bricht Star Trek in die Dunkelheit auf. Seltsam steigt der zweite Teil ins Geschehen ein, reißt Kirk und McCoy in die Flucht vor den dem Untergang geweihten Einheimischen einer fremden Welt. Pfeile surren durch die Luft des knallbunten Planeten, der bedeutungsschwanger Nibiru getauft wurde. Das primitive Volk soll doch nur unter Einhaltung der obersten Direktive der Sternenflotte vor der Vernichtung durch einen Vulkanausbruch gerettet werden. Unter den Schreien der Ureinwohner, der Crew der Enterprise und einer auf elf hochgedrehten Krawallkulisse entscheidet sich Kirk natürlich gegen die Direktive und für das Leben seines Freundes Spock, der allerdings lieber für seine Prinzipien gestorben wäre. J. J. Abrams führt eine unübersichtliche zweite Modernisierung in die ersten Minuten, alles blitzt und blinkt in prallen Bildern, aber müder Dramaturgie.

Auch nach den Fanfaren des Titels ebbt Star Trek Into Darkness‘ satter audiovisueller Bombast nicht ab. Nahezu die komplette Entwicklung Kirks im ersten Teil wird über Bord geworfen, der frühreife Pennäler in Uniform verliert schnurstracks wieder die Kapitänswürde. So überdeutlich dreht der Film das Rad der Zeit zurück, dass der zweite Teil der Modernisierung allein schon den ersten Teil des Reboots zitiert. Der Schwerenöter Kirk, der noch jede exotisch maskierte Aliendarstellerin ins Bett gekriegt hat, die Musik der Beastie Boys, eine unvermeidliche Belehrung durch seinen Mentor in einer Bar. Warum auch immer, dieser Kirk soll aber die einzige Hoffnung der Sternenflotte sein, da sich ein mysteriöser Feind aus Schutt und Asche seiner Terroranschläge auf Sternenflotteneinrichtungen erhebt. Unter den zitternd anschwellenden Streichern, die nach Bösewicht schreien, damit auch alle im Kinosaal verstehen, dass uns da das personifizierte Böse durch die vierte Wand anstarrt, stilisiert der Film Kirk zum blindwütigen Soldaten. In nur einer halben Stunde hat Star Trek Into Darkness damit den etwas steifen Humanismus und teils naiv wirkenden Idealismus des Originals völlig entkernt. Kirk erhält sein Schiff für eine spontane Racheaktion zurück, der flüchtige Terrorist soll mit aller Gewalt umgebracht werden. Also die fragwürdige Fortsetzung der gezielten Tötung und Drohneneinsätze im Blockbusterkino, wo nun auch die Sternenflotte faschistoide Züge annimmt, was sich nicht zuletzt auch am neuen Uniformismus der Sternenflotte, aber auch an den SS- und Stormtrooper-entlehnten Uniformen erkennen lässt.

Nach einer halben Stunde war ich bereit, den teuer bezahlten Platz im Saal zu verlassen, denn Star Trek lag moralisch am Boden. Da erhob Spock die Stimme. Gegen die amoralische Mission. Gegen die außerrechtliche Tötung. Ob es ein Terrorist ist oder auch nicht. Gegen die Vereinnahmung der Enterprise durch eine klandestine Geheimabteilung der Sternenflotte, die Spock mindestens genauso suspekt ist wie die undurchschaubaren Motive des gesuchten Terroristen. Kirk nahm es zur Kenntnis. Und auch der Chefingenieur Scott weigert sich, ein Schiff, sein Schiff, mit offensiven Torpedos zu bestücken, deren Mechanismen ihm vorenthalten wurden. Aber es ist nicht nur Scotts gekränktes Ego und Sicherheitsbewusstsein als Techniker, unbekanntes Waffenmaterial in die Nähe seines Reaktors zu lassen. Auch er hält die Enterprise nicht für das Kriegsschiff, das Kirk auf Geheiß der Sternenflotte aus dem Schiff macht. Scott quittiert seinen Dienst. Das hinterlässt Spuren bei Kirk.

Der erste Anlauf Abrams‘ im Star Trek-Universum glühte nach einem furiosen Beginn allmählich aus. Im zweiten Film hat sich die Entwicklung verkehrt, das Team der üblichen Verdächtigen um Abrams bringt die Ideale Gene Roddenberrys teils aus Unvermögen, aber mehr noch aus beeindruckender Hinterhältigkeit an den Rande des Zusammenbruchs. Dem aufgeklärten Idealismus Roddenberrys scheinen sie einen bombastischen Obskurantismus entgegenzusetzen. Doch ist es eine gelungene Finte, denn mit Spocks rationalen und Scotts leidenschaftlichen Einwänden gegen die militaristische Lynchjustiz kehrt die Vernunft aus der Dunkelheit zurück.

Ich fiel zurück in meinen Sitz, nun war es Star Trek, für einen Blockbuster mit jeder Minute facettenreicher, packender, mitreißender. Into Darkness ist in jeder Hinsicht dem ersten Teil überlegen, denn nach der Auflösung dieser Finte, brachen hinter den Masken der Figuren die Persönlichkeiten der Crew auf. Es ist allemal ein Blockbuster, kein tief schürfendes Erzählkino, doch immerhin verliert Abrams zu keinem Zeitpunkt den Blick für die Crew, auch wenn es lauter und hektische zugeht, als in allen bisherigen Filmen der Reihe.

Allen wird nicht nur ein einzelner Triumph gegönnt, das Buch sieht für die gesamte Crew stimmige Momente und Entwicklungen vor. Besonders Spock rückt in den Fokus. Nicht nur wegen seines hervorragenden Vorbildcharakters als ratinalem Akteur einer säkularen Ethik, sondern wegen seiner nachvollziehbaren Wandlung zu einem liebenswürdigen Vulkanier, dessen menschliche Seite häufiger ausbricht, als die Vorlage es vorsah. Zachary Quinto ist ein perfekter alternativer Spock. Er macht die moralische Kraft der Vernunft nachvollziehbar, nimmt aber auch der vulkanischen Gefühlskälte die Kraft. Abrams hat eine alternative Formel gefunden, die ebensowenig subtil ist wie Shatners Kirk, sich vor dem Original selbstbewusst verbeugt, den Kopf dann voller neuer Ideen und Wandlungen hebt. Am Ende stand mir der Schweiß auf der Stirn, das Adrenalin pulsierte und in meinen Augen glühte die Begeisterung. Star Trek Into Darkness ist düsterer, emotionaler, packender und witziger als die meisten anderen Star Trek-Filme und mindestens ein ebenso komplexer Blockbuster wie es First Contact war. Nur nicht so hölzern inszeniert.

God of Blades: Bekiffter Muskelprotz

Die Siebziger haben musikalisch große Spuren hinterlassen. Während nackte Oberkörper und lange Haarpracht salonfähig wurden, popularisierten sie auch ein eigenwilliges Subgenre der Rockmusik. Der Progrock nahm einen tiefen Zug am herumgehenden Joint und beschrieb in ausgedehnten Stücken fantastische Abenteuerreisen. Auf die Ästhetik dieser Zeit setzt God of Blades, es wirft uns in die Rolle eines namenlosen Herrschers, der, vom Thron gefallen, mit mystischen Klingen seinen angestammten Platz erstreitet.

Die epischen Fantasielandschaften gängiger Progrock-Alben imitiert das Spiel wunderbar. Zwischen Kitsch und Tolkien-Kunst recken sich Berge in den blauen Himmel, an dem mehrere Sonnen strahlen. Und auch die Musik nimmt die Fäden auf, es wabert, summt und brummt bedeutungsschwanger. Den meditativen Rausch der vergangenen Zeiten fängt God of Blades schön ein. Auch die rudimentäre Story fügt sich stimmig ein, denn, wie der Progrock auch, lebt die Handlung mehr davon, nur ein Gerüst zu bieten, um sich den Rest selbst ausmalen zu können.

Aber God of Blades ist ja auch noch ein Spiel. Eines, dem ich an jeder Ecke anmerkte, wie sehr das Entwicklungsstudio darauf abzielt, das Spiel auch im Drogenrausch noch spielbar zu macheb. Verkauft wird es als 2.5D-seitwärtsscrollendes RPG, was mindestens drei Grade zu laut eingestellte Marktschreierei ist. God of Blades ist nur mit Mühe als RPG anzusehen, denn es gibt allenfalls mal neue Schwerter für unseren Muskelmann. Wenn das ein RPG ist, habe ich gestern doch eine Doktorarbeit in Musikgeschichte auf einem Bierdeckel verfasst. Drehen wir die Lautstärke etwas zurück, bleibt ein passables, aber ungemein simples Renn-Hack’n’Slay. Anders als in den ausufernden Texten der Progrocker steckt hier kaum Tiefgang drin. Der Schwertkämpfer rennt auf seine Gegner zu, zerschlägt sie mit seinen drei Attacken und einer Parade. Verschiedene Gegner benötigen leicht unterschiedliche Kampfstile und gutes Timing. Das war’s. Ich habe nichts übersehen.

God of Blades taugt zu einem ordentlichen Zeitvertreib, reißt mich aber sonst nicht aus dem Sitz. Die atmosphärisch gelungene Präsentation kann die einschläfernde Wirkung des Spiels auf Dauer auch nicht verhindern. Hinzu kommt die unzulängliche Genauigkeit, die auf schwächeren Geräten gerade das vorausgesetzte Timing konterkariert.

Blazing Star: Get It More!

Im Jahre 1998 machte sich ein Spiel auf dem Neo Geo daran, das Internet für immer zu verändern. Und heute ist das krude Englisch des japanischen 2D-Shooters Blazing Star legendär. Aus dem Schrei You fail it! wurde ‚fail‘, so die Legende. Und wo wären die Zyniker der Welt ohne das ‚fail‘? Eben, allein deshalb ist Blazing Star bemerkenswert. Aber eben nicht nur deswegen.

Reichlich Gelegenheiten gibt Blazing Star nicht her, um das Englische zu malträtieren. Die japanischen Entwickler haben jede genutzt. Daneben bleibt ein typischer Action-Kracher, der nach japanischer Art den Bildschirm mit Partikeln, Projektilen und Vehikeln überströmt. Ein hektisches, beinhartes Spiel.

Der iOS-Port ist dabei so liebevoll, dass es sogar die völlig überflüssigen Kontrollschema-Screens im die neue Umgebung geschafft haben. Der Rest ist ein sinnvoll um weitere Spielmodi ergänztes Spiel, das als Retrogame richtig Laune macht. Doch You fail it!, dieser beinahe hämische Schrei, wenn mein Raumgleiter in Flammen aufgeht, kommt oft. Ich wollte das Spiel schon spielen, als es veröffentlicht wurde. Mit ist heute klar, mein damaliges Ich wäre nicht frustrationsresistent genug für Blazing Star gewesen. Heute sieht das schon anders aus.

In Zeiten völlig anforderungsloser Spiele, in denen es schwerer ist zu überleben, als alles andere, ist dieser Shooter gerade deshalb ein Herausforderung. Technisch ist Blazing Star ordentlich portiert, die Steuerung wird per Touch aber nie natürlich wirken.

Alien Breed

Die iOS-Spiele stauen sich schon in der Warteschleife. In dieser Woche nehme ich mir die Zeit zum Entrümpeln.  Der alte 2D-Topdown-Shooter von Team 17 ist so ein iOS-Remake eines alten Klassikers, den ich unbedingt mal spielen wollte. 1991 kam Alien Breed für den Amiga raus, den ich damals nicht besaß. Von der zwei Jahre später folgenden PC-Version ging nicht mehr genug Glanz aus. Erst mit den ersten Retrowellen, schimmerte der Titel hin und wieder durch. Nur kam ich nicht dazu.

Der im August erschienene iOS-Port ist aber auch nicht der Rede wert und rechtfertigt sicherlich nicht die angestaute Neugier. Im Gegensatz zu manchen alten Größen, hat der Shooter ordentlich Staub angesetzt. Da Team 17 anscheinend nur mal sachte über Alien Breed pustete, kommt es auch nicht in neuer Pracht daher. Dem Spiel wurde ein Aufhübschung der Grafik spendiert, die aber allemal kaum spürbar ausfällt. Von groben Klötzen bleiben dann noch weniger grobe Klötze, die aber immer noch jedem heutigen Pixel aufgrund der entfernten Verwandschaft die Schamesröte ins Gesicht treiben. Ebenfalls erneuert wurde die Steuerung, die nun mittels simuliertem Dual-Stick-Verfahren erlaubt, im Rückwärtsgehen in die entgegengesetzte Richtung schießen zu können. Zusammen mit dem etwas aufgebohrten Sound und einigen einfallslosen zusätzlichen Leveln neben denen des Originals und der Special Edition ist die Jungkur damit auch vorüber.

Noch ärgerlicher aber ist, dass Team 17 das Spielprinzip durch einen angeschlossenen Store, in dem Munition und Heilung sowie Waffen feilgeboten werden. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist damit der ursprüngliche Reiz des Originals damit über den Jordan gegangen. Statt mit Munition und Gesundheit sparsam umgehen zu müssen, trotte ich durch triste, unübersichtliche Level. Letztlich bleibt nur eine Herausfordung: Die Feuertüren nicht endgültig zu schließen, bevor ich mich unter Zeitdruck zum Ausgang begegne, nachdem einer der seltenen Bosskämpfe erfolgreich war.

Für überzeugte Shooter-Nostalgiker ist Alien Breed vielleicht noch was. Allen anderen wäre ein anderer Blick in die Vergangenheit zu empfehlen, für den aber das Medium gewechselt werden. Aliens von James Cameron, der offenkundig thematische Blaupause für Alien Breed war, hat sich deutlich besser gehalten.

Titel: Alien Breed
Hersteller: Team 17
Jahr: 2012
Genre: Action, Shooter
Plattform: iOS
Version: 1.01

Mega Man X

Eine Stunde schreibe ich jetzt schon an einer Sache rum, bin immer noch nicht fertig. Es wird wohl auch noch bis nächste Woche dauern. Ich rege mich immer noch darüber auf. Deshalb brauche ich jetzt etwas zum Runterkommen. Da war doch was mit dem guten alten Mega Man X auf iOS. Habe ich doch auf dem SNES beim Kumpel gezockt. Her damit.

Ach, die guten Zeiten des knallbunten, unbekümmerten Zockens. Ist sofort alles wieder da. Habe nur vergessen, wie kurz das Spiel ist. Bin jetzt schon wieder duch drei Viertel durch. Immerhin kann ich mit einem nostalgischen Lächeln in den Abend gehen. Funktioniert mit Touchsteuerung erstaunlich gut. Old-school mit Controller würde mir doch besser gefallen.

Und morgen dann weiter am Aufreger schreiben.

Infinity Blade (iOS)

Holen wir doch mal einen der oftmals als Meilenstein bezeichneten Titel für iOS auf. Infinity Blade vom kleinen zum Branchentitan Epic Games gehörenden Studio Chair eilt der Ruf voraus, die Qualität der für das Smartphone und Tablet erhältlichen Spiele in neue Höhen getrieben zu haben. Zuvorderst liegt dies wohl an der Grafik, die auf der Unreal Engine basiert und damit einen technologisch fortschrittlichen Baukasten nutzt. Doch ist dies mehr Gimmick als tatsächliche Leistung. Weiterlesen

Update: Don’t Run With A Plasma Sword

Von den Spielen des Free-Running-Genres bin ich ja nicht so leicht zu überzeugen. Doch die Ausnahme bestätigt die Regel. Don’t Run With A Plasma Sword merzt genau die Fehler aus, die mich sonst so mit dem Genre hadern lassen.20120205-115328.jpgDRWAPS hat einen Story-Modus, der den Enlos-Modus hervorragend ergänzt. Dadurch ist es motivierender, da hier tatsächlich Fortschritte gemacht werden können. Sehr gut gefiel mir auf Anhieb auch das Leveling-System. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen sinnvollen Fertigkeiten, die Spielerinnen und Spieler aus ausbauen oder durch In-App-Kauf für Ungeduldige ergänzen können. Dabei werden brauchbare Fertigkeiten nicht durch utopische Forderungen in weite Ferne gerückt, um einen Kauf zu erzwingen.
Die Steuerung ist präzise, dabei habe ich nur die Knopfsteuerung gespielt, obwohl es auch eine erfahrungsgemäß unpräzisere Wischsteuerung angeboten wird. Das Spiel ist nahezu durchweg gut. Nur bei der Grafik wird mir gelegentlich speiübel. Derzeit ist es auf unbestimmte Zeit kostenlos. Zugreifen.

Edit: Der Schwierigkeitsgrad zieht übrigens knackig an. Dennoch ist meine Frustresistenz nicht gefragt.