Drafts-Rezepte III: hAppy

Ein kleines Häppchen zwischendurch für den meines Erachtens grundsätzlich sympathischsten Client für ADN, den ich auf iOS finden konnte. hAppy* ist eine Grinsebacke. Es unterstützt auch einige Aktionen über das URL-Schema. Nicht alles lässt sich hier praktisch umsetzen. Sinnvoll sind aus meiner Sicht diese Actions, um sie aus Drafts zu starten.

Neuen Post erstellen

happy://create?text=[[draft]]

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Eigentlich eine schöne Sache, allerdings müssen wir für die Posts ihre numerische ID angeben.

happy://post?postId=[[draft]]

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Auch hier ist die ID ein numerischer Wert, nicht aber der öffentlich bekannte Name.

happy://profile?userId=[[draft]]

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Die folgenden Actions sind aus Drafts heraus etwas unpraktisch, weil sie eigentlich nur Ansichten in hAppy öffnen. Außerdem wird die Angelegenheit dadurch erschwert, dass Drafts keine leeren Drafts als Ausgangspunkt für Actions erlaubt. Das ist nachvollziehbar, aber führt dazu, dass mindestens ein Zeichen gegeben werden muss, damit eine der folgenden Actions zündet.

Stream öffnen

happy://stream

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Mentions öffnen

happy://mentions

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Direktnachrichten öffnen

happy://messages

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Explore öffnen

happy://explore

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Mit den nächsten kleinen Rezepten wird es noch spannender, weil ich mich daran machen werde, deutlich mehr Funktionalität einzubinden.

* Für den Theme-Editor per IAP lohnt sich hAppy schon. Das ist unter den ADN-Clients extrem innovativ.

ADN: Ich wachse mit

Hat mich gerade mal interessiert, wie viele Posts ich so auf ADN am Tag hinterlasse. Gefühlt wurde seit einiger Zeit deutlich mehr. Mal schauen, was die Daten hergeben, seitdem ich im März dort aufgeschlagen bin:

kultproks posts auf adn

Daten (Stand: Heute 13.00 Uhr)

Gut, da ist mein Bauchgefühl etwas vorgeprescht. Die Zahl steigt zwar, deutlich höher sind auf den ersten Blick aber nur die Maximalwerte. Die schlagen ein letzter Zeit höher aus. Ansonsten sieht es aber nach einer eher natürlichen Entwicklung aus, die repräsentiert, dass ich mich immer wohler dort fühle und mehr Unterhaltungen führe.

App.net und die soziale Selektion: XOR

Ich mag app.net. Wirklich, mit jedem Tag etwas mehr. Es ist voller Menschen, mit denen ich gerne kommuniziere. Ob nun in Alpha oder Patter. Es bilden sich dort Zirkel, in denen meine Interessen konzentriert sind. Allerdings erhält in manchen Fällen diese Konzentration von in weiten Teilen gleichgesinnter Menschen den bitteren Beigeschmack, den es überall gibt, wo Menschen zusammenfinden. Ihr sozialer Mechanismus der Gruppenzugehörigkeit driftet ab. Exklusionistische soziale Selektion findet statt.

Soziale Selektion: XOR

Ein gewisser Teil der Nerdkultur hat keinerlei Schwierigkeiten mit Logikgattern, tut sich aber sehr schwer damit, ähnliche Muster in sozialen Situationen zu erkennen. Um nicht völlig vom Thema abzukommen, unterscheide ich mal zwei Wege, wie sich soziale Gruppen bilden. Sehr vereinfacht finden sich Menschen über Gemeinsamkeit oder Abgrenzung. Beide überschneiden sich oft, sodass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Sie sind ihrem Wesen nach aber unterschiedlich.

Der inklusionistische Mechanismus funktioniert über gemeinsame Interessen, Ideen oder Normen. Im Kern steht dabei die Gemeinsamkeit des sozial bindenden Mechanismus. Menschen finden bei aller Individualität um ein sozial bindendes Element herum zueinander. Allein der Umstand des Teilens und der gemeinsamen Teilhabe qualifiziert innerhalb der Gruppen. Unabhängig von anderen Interessen finden sie in einer sozialen Nische zusammen und sind über Ähnlichkeit an und in ihr gebunden. Der exklusionistische Ansatz scheint ähnlich gelagert, hat aber einen feinen Unterschied: Die Gemeinsamkeit der beteiligten Personen besteht darin, explizit nicht einer anderen sozialen Gruppe zugehörig zu sein. Ein Entweder-Oder, das soziale XOR. Primäres Qualifikationsmerkmal ist die Nichtzugehörigkeit zu einer anderen Gruppe. Die Verflechtungen sind komplex, Details blende ich deshalb aus. Wesentlich ist erst einmal der Unterschied, dass Inklusion weit weniger soziale Kollision meint, während Exklusion gerade darauf basiert.

XOR bei app.net

Vorweg noch einmal, ich spreche hier nicht von einem Massenphänomen bei app.net. Aber von einem hinreichenden, das es alles andere als eine Marginalie ist. App.net ist schon jetzt vielfältiger als gemeinhin wahrnehmbar. Alleine schon, weil ich hier größtenteils über den deutschsprachigen Teil des Netzwerkes spreche, den ich überwiegend sehe. Entlang vieler Grenzen ist app.net schon oder noch immer eine selektiv begrenzt. Aber nicht im exklusionistischen Sinne.

Von Beginn an hat sich aber app.net von Twitter abgegrenzt, auch wenn die Unterschiede größer sind. Dennoch hat sich unter den Nutzerinnen und Nutzern ein gewisser Status etabliert, der mit der reinen Zugehörigkeit zum Netzwerk verknüpft ist. Auch das ist so weit noch nicht exklusionistisch, denn wer erst einmal dabei ist, ist dabei. Das XOR kommt aber vor, wenn eine gewisse Verachtung gegenüber Twitter ausgedrückt wird. Auch ich hatte meine Gründe, Twitter zwar nicht den Rücken zu kehren, doch aber eine weitere soziale Gruppe zu finden. Dementsprechend habe auch ich über Twitter geflucht, wohlgemerkt über den Dienst, nicht die Nutzerschaft. Andere aber, wenige aus meiner Wahrnehmung, scheinen ihre eigene soziale Wunschvorstellung auf app.net übertragen zu wollen, indem Nutzerinnen und Nutzer bei Twitter pauschal disqualifiziert und diskreditiert werden. Ein anschauliches Beispiel war die kürzlich aufgeflogene Aktion, gewisse Nicknames von Twitter in app.net zu besetzen. Das ist insofern ärgerlich wie es naiv ist. Als ob sich diese Personen davon abhalten ließen, sie können ja noch Varianten der Nicknames nutzen. Aber zum Beispiel diese Beschreibung aus einem in Beschlag genommenen und inzwischen gelöschten Account sagt mehr aus:

i hate [USERNAME*]  from twitter and don’t want her here. this is why this account name is taken.

Es mag nur eine Person gewesen sein, die diese Motive hatte, doch für mich ist sie ein Produkt eines gewissen Statusdenkens. Wer derzeit bei app.net ist, wird sehen, dass subtile Selektionsmechanismen auf eine Exklusion ausgerichtet sind, die langfristig nur app.net schaden können. Meist sogar nicht mit böser Absicht tritt dieser Effekt auf, aber genau das ist die fatale Wirkung dieser Form sozialer Selektion. Und genau das sollte nicht der Zweck sein.

Soziale Vielfalt

All diejenigen, die wie ich gerne app.net nutzen, haben ein Interesse an einer Verbreitung des Dienstes, wenn auch allein nur, um ihn wirtschaftlich am Leben zu halten. Damit geht aber auch eine notwendige oder immerhin nicht vermeidbare Verbreiterung der Nutzerschaft einher. Im Sinne der Filtersouveränität obliegt es uns allen, wie wir mit Störsignalen umgehen. Aber das XOR einer rein thematisch, ideologisch oder auch subkulturell gefilterten Nutzerschaft ist mir zuwider. Über die kleine Blase, die wir als Einzelne im Netzwerk darstellen, bestimmen nur wir. Richtig. Darüber hinaus finden sich diese Blasen zu größeren zusammen wie es ihnen beliebt. Inklusionistisch im besten Falle. Wer nicht übers Stricken reden will, soll es auch nicht müssen. Wer keine Gadgets hat, darf sich raushalten. Und wer jeden Abend ein Gute-Nacht in die Timeline ruft, soll dies tun. Jedes dieser Themen hat seine Berechtigung. Auch auf app.net.

* Der Username tut hier nichts zur Sache. Anm. d. Verf.

Noch ein bißchen mehr Freiheit, ADN, dann passt’s

Die Loblieder auf app.net (ADN) spare ich mir an dieser Stelle mal größtenteils, es ist ein Dienst, der mehr ist als alpha, seine offenkundigste Anwendung. ADN ist nicht allein ein Twitter-Klon gegen Bezahlung. Es gibt auch erste Ansätze einer Chat-Umgebung mit Patter und auch eine rudimentäre Dateiverwaltung des Onlinespeichers, den ADN bereitstellt. ADN ist derzeit vor allem ein Experiment, eine sozialen Plattform im Web zu etablieren, die tatsächlich mal überein vergleichsweise transparentes Geschäftsmodell verfügt. Ich mag ADN, andere Menschen müssen meine Ansicht nicht teilen. Es hängt zu sehr von der eigenen Vorstellungskraft ab, was davon zu halten ist. Ich kann mir viele Dinge vorstellen, die mit ADN realisiert werden könnten.

Auch der Kritik an ADN will ich mich grundsätzlich nicht verschließen, wobei der derzeit wichtigste für mich kaum eine Rolle spielt. Es droht auch hier eine Zentralisierung meines Onlinelebens, also das Hängen am Tropf eines einzigen Anbieters. Diese Bedenken sind berechtigt, wegen der Größe von ADN noch nicht drängend. Und: Der Anbieter macht sich auch abgängig von mir, von meinem Geld, das ich nur zu zahlen bereit bin, solange ich mich nicht hintergangen fühle. Denn auch wenn es nur ein schwache Sicherheit ist, ist zahle Geld für einen Service, den mir ADN in einer bestimmten Form zusichert. Das ist allemal besser als vom guten Willen eine Facebook, Google oder Tumblr leben zu müssen.

Weit stärker stört mich allerdings, wie wenig frei ich tatsächlich mit meinen Daten umgehen kann. Denn ich habe einen reinen Premium-User-Account, aber keine Developer-Privilegien, für die ich doch noch etwas mehr zahlen müsste. Das ist für meine Begriffe eine ordentliche Delle im Konzept von ADN, denn sie bestehen darauf, dass meine Daten immer mir gehören. Derzeit bin ich aber überwiegend auf Drittanbieter angewiesen. Dev Lite könnte in meinem Fall Abhilfe schaffen, denn damit erhalte ich immerhin ein persönliches Access-Token für die API, um mir selbst aushelfen zu können, ohne grundlegende Programmierkenntnisse geht da aber auch nichts.

ADN täte gut daran, die Selbstbestimmung über die eigenen Daten zu erhöhen, gerade wenn eine weitere Öffnung des Dienstes über technikaffine Kreise hinaus erlangt werden soll. Denn genau für die Freiheit zahle ich. Es wird jetzt Zeit, dass es noch leichter wird, mir die Freiheit zu nehmen.