Zombieland: Hilfe, meine Zombies spinnen

In den USA fordern neue Medienunternehmen die eingesessenen Produktionsfirmen und Fernsehsender mit eigenproduzierten Inhalten heraus. Netflix hat seinen Beitrag zum Niedergang des Videoverleihs über Ladengeschäfte geleistet, zunächst wurde auf Videoverleih im Versand, nun aber vermehrt im Streaming gesetzt. Allein, es reicht wohl nicht, vom Content anderer Unternehmen und deren Lizenzierungsdschungel abhängigzu sein. In der letzten Zeit schob der Dienst einige beachtliche Serien an. Kein Wunder, dass die Netzbestie Amazon ebenfalls versucht, Serien selbst zu schaffen. Über hauseigene Portale lanciert der nicht gerade sympathische Gigant einige Piloten. Das Publikum soll entscheiden, welche in Serie gehen sollen. Zombieland ist unter den Testballons derjenige mit eingebauter Aufmerksamkeit wegen der recht gelungenen Filmvorlage. Und Zombies gehen ja immer.

Der amüsante Film lebte von der hervorragenden Besetzung, sie hoben selbst platte Kalauer noch über die Schmerzgrenze. Zwar sind die USA voller talentierter, namenloser Schauspielerinnen und Schauspieler, aber die fade halbstündige Horror-Komödie kann auch von der passablen Zweitbesetzung nicht mehr erträglich gespielt werden. Diesem Zombieland steht die Leichenblässe mieser Produktionsbedingungen im Gesicht.

Zombies sind Zugpferde mit günstigen Haltungskosten, denn es braucht ja kaum mehr als leer gefegte Straßen, etwas Gekröse und Kunstblut, schon können unbeleckte Darstellerriegen durch die Zombiekalypse gescheucht werden, sofern sie glaubwürdig eine Waffe halten und Dialoge auswendig können. Für Amazon mag die Rechnung sogar aufgehen, erzählerisch ist Zombieland ein mauer Abklatsch seines filmischen Vorfahren. Es ist kein wandelnder Toter im Sinne etwa der Frühneunziger, als RTL, den unsäglichen Anlauf unternahm, die Drehbücher von Married with Children einzudeutschen und mit Ruhrpottbarock zu verramschen. Zombieland riecht nicht ganz so streng, RTL hat den kreativen Tod schon seit Jahrzehnten hinter sich, doch erinnert mich Zombieland in grottenschlechten Momenten an den Dilettantismus eines europäischen Medienunternehmens.

Linkgebliebenes 11

Der goldene Preis für allgemeine Großartigkeit geht an: Connie Britton.

Ein Pokal für die abstruseste Fleißarbeit an: Pornographiestudien.

Die andere Seite der Ausbeutungsgedenkmedaille gibt es in Sachen Amazon, die Dokumentation und die ganze Wahrheit.

Die Auszeichnung mit der bleiernen Budgetschere geht an die Sendungen mit originellsten Produktionsbedingungen für Kandidatinnen und Kandidaten.

Die goldenen Pferdehufe für das reinste Gewissen gehen an alle fleischverzehrenden Menschen der Republik.

Für die traurigste Nachricht geht die gläserne Träne an 1UP, die nicht immer die beste Gamingseite waren, aber zu den ambitioniertesten gehörten, und nun nach zähem Ringen nicht mehr sind.

Daher und weil es allmählich wirklich überfällig war, wird Deutschland endgültig zur Expertokratie, wenn wir uns alle selbst unseren Doktorgrad verleihen.

Linkgebliebenes 3

Der persönliche Rundumschlag durchs Netz hat jede Menge Staub aufgewirbelt. Als der Dunst verzogen war, blieben einige Steuerschlupflöcher für Amazon, viel Gerede um den Schutz der Kinder als Grund für Überwachungsmaßnahmen und ein anschaulicher, internationaler Ländervergleich der Metalbands pro Einwohner. Dies und noch vieles mehr ist nur einen Klick entfernt. Weiterlesen

2012 – keine Panik

Eigentlich ist es ja nicht weiter der Rede wert, in diesem Jahr auf den Schwung an Nonsens einzugehen, der sich mit dem vermeintlichen Ende des Maya-Kalender und der parasitär an ihm hängenden apokalyptischen Prophezeiungen. Zwei Gründe fielen mir doch ein, warum ich mir 2012 – keine Panik von Florian Freistetter zulegen sollte. Der erste Grund ist ganz einfach. Ich lese Florians Blog schon seit Jahren, da verdient er mal, dass am Ende ein wenig mehr als warme Worte bei ihm ankommen. Zweitens wird es im Kindle-Store angeboten, den ich nun länger in Verbindung mit der App auf dem Smartphone testen wollte. Bei dem Preis von 2,99 € musste ich zuschlagen. Weiterlesen